Stammdaten

Register
Amtsgericht Wiesbaden HRB 23373
Eingetragen
1.2.2008
Branche
Fernsehveranstalter und Verbreitung von VideoinhaltenErbringung von sonstigen InformationsdienstleistungenErbringung von Beratungsleistungen auf dem Gebiet der Informationstechnologie
Gegenstand
IPTV Services, die Verwaltung eines fremden IPTV-Netzwerks sowie Werbeund Beratungsdienstleistungen hinsichtlich eines IPTV-Netzwerks

Finanzübersicht

Historie

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Management

NameRolle
Andreas Reich
seit 1.2.2008
Geschäftsführer

Wirtschaftlich Berechtigte

Identifizierte Personen (3)

NameAnteil
40.00%
Daria Jecova
30.00%

Gesellschafter

3 Gesellschafter

GmbH-Struktur

2 von 3 angezeigt

Andreas Reich
Wiesbaden
20.000 €
40.00%
Daria Jecova
Wiesbaden
15.000 €
30.00%

Bilanzkonten

Gewinn- und Verlustrechnung

Posten

Konzern- und Jahresabschlüsse

Kartina Digital GmbH

Wiesbaden

Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2023 bis zum 31.12.2023

LAGEBERICHT 2023

Kartina Digital GmbH, Rheingaustr. 53, 65201 Wiesbaden

Deutschland

Inhaltsverzeichnis

A. Grundlagen

A.1 Gegenstand des Unternehmens

B. Wirtschaftsbericht

B.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen in der IPTV-Branche 2023

B.2 Geschäftsverlauf der Kartina Digital GmbH 2023

B.3 Lage

B.3.1 Ertragslage

B.3.2 Finanzlage

B.3.3 Vermögenslage

C. Prognose- Chancen- und Risikobericht

C.1 Prognosebericht

C.2 Risikobericht

C.2.1 Risikoberichterstattung in Bezug auf die Verwendung von Finanzinstrumenten

C.2.2 Risiken

C.3 Chancen

A. Grundlagen

A.1. Gegenstand des Unternehmens

Die Kartina Digital GmbH, mit Hauptsitz in Wiesbaden, Deutschland, bietet unter dem Markennamen „Kartina TV“ IPTV (Internet Protocol Television) -Services und Video-on-Demand (VoD)-Inhalte für Endkunden an. Über elektronische Zugänge (monatliche oder jährliche Abonnements) erhalten Nutzer Zugang zu TV-Sendern und Filmbibliotheken in verschiedenen Sprachen (Russisch, Ukrainisch, Kasachisch, Georgisch, Armenisch, Israelisch und Deutsch). Neben linearem Fernsehen umfasst das Angebot eine 14-tägige Aufzeichnungsfunktion, die es Nutzern ermöglicht, Sendungen nachträglich abzurufen. Das Unternehmen vertreibt Set-Top-Boxen, die auch internetunfähige Geräte mit dem IPTV-Dienst verbinden.

Die Kartina Digital GmbH fungiert ausschließlich als Dienstleister, produziert selbst keine Inhalte und unterhält keine eigene Hardwareproduktion. Set-Top-Boxen werden bei Drittanbietern gekauft und an die Kunden verkauft. Der Content des Streaming- und VOD-Angebots wird durch den Erwerb von Lizenzen rechtmäßig zur Verfügung gestellt. Der Vertrieb erfolgt über die Website (www.kartina.tv) und ein Netzwerk von Distributoren.

B. Wirtschaftsbericht

B.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen in der IPTV-Branche 2023

Im Jahr 2023 setzte der IPTV-Sektor (Internet Protocol Television) seinen dynamischen Wachstumskurs fort und wurde weiterhin stark durch technologische Innovationen, veränderte Konsumgewohnheiten sowie regionale Marktverschiebungen geprägt. Laut aktuellen Berichten erreichte der globale IPTV-Markt ein Volumen von rund 75 Milliarden USD (Statista, 2024), was auf die zunehmende Verbreitung von Hochgeschwindigkeitsinternet, den weiteren Ausbau von 5G-Netzen sowie eine steigende Nachfrage nach flexiblen TV-Lösungen zurückzuführen ist (Grand View Research, 2023).

Prognosen zufolge könnte der Markt bis 2032 ein Volumen von über 400 Milliarden USD erreichen, bei einer geschätzten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 17,5 % (Market Research Future, 2023). Diese Entwicklung wird insbesondere durch Innovationen in den Bereichen Cloud-Technologie, künstliche Intelligenz und personalisierte Streaming-Dienste unterstützt (Fortune Business Insights, 2023).

Absatz- und Umsatzzahlen

2023 generierte der globale IPTV-Markt Umsätze von über 75 Milliarden USD. Führende Regionen bleiben Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik, wobei Nordamerika weiterhin den größten Marktanteil hält, gefolgt von einem zunehmend dynamischen europäischen Markt (Statista, 2024). Besonders in Europa sorgten regulatorische Erleichterungen und technologische Partnerschaften für ein beschleunigtes Wachstum (Digital TV Europe, 2023).

Zudem trugen neue IPTV-Angebote in Schwellenmärkten, insbesondere in Indien und Südostasien, erheblich zur globalen Expansion bei (Research and Markets, 2023). Die fortschreitende Digitalisierung sowie Initiativen wie nationale Breitbandstrategien stärkten die Voraussetzungen für IPTV-Dienste auch in bisher unterversorgten Regionen.

Insgesamt war der IPTV-Markt 2023 geprägt von technologischen Innovationen, einer steigenden Nachfrage nach flexiblen, hochwertigen Inhalten und einer zunehmenden Fragmentierung, die neue Nischenangebote und spezialisierte Anbieter hervorbrachte.

Marktbedingungen und Haupttrends

Die Gesellschaft beobachtet laufend den Markt und seine Veränderungen. In Bezug auf das Geschäftsmodell von Kartina sieht die Gesellschaft folgende Marktbedingungen und -trends:

1. Digitale Transformation und Benutzererlebnis:

IPTV-Angebote passten sich 2023 noch stärker an individuelle Nutzerpräferenzen an, mit Schwerpunkten auf On-Demand-Streaming, Ultra-HD/4K-Inhalten und interaktiven Features wie personalisierten Empfehlungen (PwC Media Outlook, 2023). Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen halfen IPTV-Plattformen, Content-Personalisierung auf ein neues Niveau zu heben und gezielte Werbung effizienter zu gestalten.

2. Bundling und Produktvielfalt:

Der Trend zu Bündelverträgen verstärkte sich. IPTV-Dienste wurden häufig zusammen mit Internetzugang, Mobilfunk und Smart-Home-Angeboten gebündelt angeboten (Telecoms.com, 2023). Gleichzeitig stieg auch die Popularität von flexiblen Standalone-IPTV-Services, da Konsumenten zunehmend nach maßgeschneiderten Angeboten ohne unnötige Zusatzdienste verlangten.

3. Marktanpassungen und regionale Entwicklungen:

In Nordamerika profitierten IPTV-Dienste von der hohen Verfügbarkeit leistungsfähiger Breitbandnetze und innovativer Geschäftsmodelle (z.B. werbefinanzierte Streaming-Modelle, sogenannte AVODs) (Parks Associates, 2023).

In Europa setzte sich der Konsolidierungstrend fort, mit Fusionen und Kooperationen, etwa zwischen Telekommunikationsunternehmen und Content-Anbietern, um attraktive, regionalisierte IPTV-Lösungen zu entwickeln.

Der asiatisch-pazifische Raum, angeführt von Ländern wie Südkorea, Japan und Indien, verzeichnete ein starkes Wachstum, getrieben durch technologische Vorreiterrolle und eine junge, digital affine Bevölkerung (Asia Pacific IPTV Council, 2023).

4. Technologische Entwicklung und Übertragungsmethoden:

Kabelgebundene Übertragungstechnologien wie FTTH (Fiber-to-the-Home) blieben führend, insbesondere für hochauflösende und latenzarme IPTV-Übertragungen.

Parallel dazu gewann die drahtlose Übertragung über 5G-Netze weiter an Bedeutung, besonders in ländlichen Gebieten und Emerging Markets, wo der Ausbau kabelgebundener Infrastruktur kostenintensiver ist (Ericsson Mobility Report, 2023).

B.2 Geschäftsverlauf der Kartina Digital GmbH im Jahr 2023

Die geopolitischen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und die Sanktionen gegen Russland beeinflussten die Kartina Digital GmbH in einigen Geschäftsfeldern negativ. Durch die sanktionsbedingte Entfernung einiger russischer TV-Sender kam es zu einem Rückgang der russischsprachigen Kundenbasis um etwa 15 %. Als Reaktion darauf bot das Unternehmen kostenlose Abonnements für ukrainische Flüchtlinge an und erhöhte den Fokus auf VoD-Angebote. Zusätzlich wurden Markterschließungsmaßnahmen außerhalb der Hauptmärkte Europa, USA und Israel intensiviert.

Grundsätzlich hat sich die Wettbewerbssituation für die Kartina Digital GmbH durch die geopolitischen Entwicklungen kompliziert. Resultierend aus der sanktionsbedingten Entfernung einiger der wichtigsten russischen Fernsehkanäle aus dem Paket ‚Kartina TV‘ sah sich die Kartina Digital GmbH vermehrt aggressiver Kundenakquise ihres eigenen Kundenstamms durch illegale Streaminganbieter ausgesetzt. Diese illegalen Streaming-Anbieter bieten trotz Sanktionen die russischen Top-Kanäle und Propaganda-Sender an und ziehen dadurch verstärkt konservatives, russisches Publikum an. Die Kartina Digital GmbH hat bereits rechtliche Schritte gegen diese illegalen Anbieter eingeleitet, teilweise auch in Kooperation mit international agierenden Partnern wie Discovery und der ProSieben Entertainment Group.

Strategisch nutzte die Kartina Digital GmbH den grundsätzlichen negativen Faktor des Kundenrückgangs als Grundlage, um bestehende Lizenzverträge neu auszuhandeln oder aber die Kosten laufender Verträge zu reduzieren oder gar auszusetzen. Durch diese umgesetzten Maßnahmen konnte in den Jahren 2023 und 2024 auf der Ausgabenseite gravierende Einsparungen erzielt werden.

Als Unternehmen ist die Kartina Digital GmbH bei Ihrer Geschäftstätigkeit stark von den Neuerungen im IT-Sektor abhängig und verfolgte auch im Jahr 2024 die Innovationen in diesem Geschäftsfeld intensiv. Gerade die Entwicklung künstlicher Intelligenzen schreitet rasant voran und wird in naher Zukunft die Wirtschaftswelt komplett verändern. Hinsichtlich des Reportings von Zuschauerzahlen an einzelne TV-Sender sowie einer KI-gesteuerte Zielgruppensystematik und Analyse investierte die Kartina Digital GmbH in die Entwicklung eines Blockchain-gestützten KI-Algorithmus zur Integration in das unternehmenseigene Streaming-Paket. Die Umsetzung wird unter Einsatz neuester Technologie innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre durchgeführt.

Gewöhnliche Geschäftstätigkeit:

Auch wenn sich im Jahr 2023 die gemeinwirtschaftlichen, globalen Rahmenbedingungen im IPTV-Sektor weiterhin positiv entwickelt haben, wurde die Kartina Digital GmbH als ethnischer IPTV-Anbieter für primär russischsprachige und ukrainisch sprachige Kundschaft durch den Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen geopolitischen Auswirkungen verstärkt mit negativen, äußerlichen Schwierigkeiten konfrontiert. Externe, negative Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit konnten auch durch zeitnahe und zielgerichtete Maßnahmen des Unternehmens nicht gänzlich abgefedert werden. Einsparungen auf der Kostenseite konnten das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit durch den rückläufigen Umsatz nicht gänzlich kompensieren, es wird ein Rückgang um 63,97% verzeichnet.

Gewöhnliche Geschäftstätigkeit 2022
in TEUR
2023
in TEUR
10.706 3.857

B.3 Lage

B.3.1 Ertragslage

Umsatz 2022
in TEUR
2023
in TEUR
Abonnements 43.523 37.150
Set-Top-Boxen 1.884 1.404
Werbeeinnahmen 761 733
Erlößschmälerungen -1.437 -1.664
Gesamt 44.731 37.622

Die Umsatzerlöse setzten sich wie folgt zusammen:

Umsätze aus dem Verkauf von Abonnements:

Die durch veräußerte Abonnements verzeichneten Umsatzzahlen in Höhe von 37.150 TEUR im Jahre 2023 sind im Vergleich zum Vorjahr (43.523 TEUR) merklich rückläufig. Die Umsatzerlöse sind insgesamt um 15,89% gefallen.

Während die Absatzzahlen insgesamt rückläufig sind, konnte die Kartina Digital GmbH auf den globalen Absatzmärkten im Jahre 2023 gegen den Geschäftstrend zusätzliche Potentiale erschließen und den Umsatz von 11.587 TEUR im Jahre 2022 auf 12.092 TEUR im Jahre 2023 steigern. Dies entspricht einem Wachstum von 4,36% in diesem Marktsegment.

Umsatz Abonnements 2022
in TEUR
2023
in TEUR
Deutschland 28.299 22.427
Europa 3.637 2.631
Rest der Welt 11.587 12.092
Gesamt 43.523 74355063637.150743550636MLMohr, LeonhardSumme erneut ANPASSEN!

Umsätze aus dem Verkauf von Set-Top-Boxen

Die Weiterentwicklung einer modernen Set-Top-Box für den Empfang von ‚Kartina TV‘ konnte den generellen Trend weg von zu viel unterschiedlichen Hardware-Geräten hin zu IPTV-Empfang über Smart-TVs, Apps oder Geräte von Drittanbietern nicht aufhalten, jedoch im Vergleich zur globalen Entwicklung zumindest abfedern. Im Sektor Hardware verglichen mit dem Vorjahr ist in sämtlichen Märkten ein Rückgang der Absatzzahlen mit einem Volumen von -25,53% zu verzeichnen. Dies entspricht einem Umsatzrückgang von 2022 auf 2023 von 481 TEUR im Bereich Hardware.

Verkauf Set-Top-Boxen 2022
in TEUR
2023
in TEUR
Deutschland / Europa 1.244 981
Rest der Welt 640 422
Gesamt 1.884 1.403

Umsätze aus Werbung:

Durch die Professionalisierung der Marketingabteilung und einer Intensivierung der Werbeangebote konnten im Jahr 2023 trotz Kundenrückgangs und der sanktionsbedingten Reduzierung von Inhalten im Portfolio von ‚Kartina.TV‘ die Werbeeinnahmen auf gleichbleibendem Level gehalten werden.

Der leichte Rückgang von 3,68% von 761 TEUR auf 733 TEUR bei den werbeeinahmen im Jahr 2023 unter Berücksichtigung externer negativer Einflüsse mit unmittelbaren Auswirkungen auf das Geschäftsmodell des Unternehmens als Erfolg zu werten.

Werbeeinnahmen 2022
in TEUR
2023
in TEUR
761 733

Lizenzaufwendungen:

Unter Verweis auf die geopolitische Lage konnte die Kartina Digital GmbH in Lizenzverhandlungen mit russischen Sendeanstalten die Lizenzkosten im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 51% reduzieren. Diese ursprünglich kurzfristige Maßnahme zur Kostenreduzierung konnte jedoch auch im Jahr 2023 größtenteils beibehalten werden. Auf der Ausgabenseite wurden Lizenzgebühren von 10.000 TEUR im Jahre 2022 auf 9.996 TEUR im Jahre 2023 vermindert. Dieser Anstieg von 13.13% bei den Lizenzaufwendungen ist der Hinzunahme neuer Kanäle ins Portfolio des Unternehmens geschuldet.

Lizenzaufwendungen 2022
in TEUR
2023
in TEUR
10.000 9.996

Personal:

Die Personalkosten von 3.846 TEUR im Jahre 2022 blieben im Jahre 2023 mit 3.860 TEUR auf gleichbleibendem Niveau, weil im laufenden Geschäftsjahr keinerlei Änderungen an der Personalstruktur vorgenommen wurden.

Personalkosten 2022
in TEUR
2023
in TEUR
3.846 3.860

Sonstige betriebliche Aufwendungen:

Im Vergleich zum Vorjahr sind die sonstigen betrieblichen Aufwendungen von 16.480 TEUR auf 16.691 TEUR angestiegen, was einem Anstieg von 1,28% entspricht. Im Vorjahr wurden in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen die Abschreibungen auf Forderungen ausgewiesen, der Ausweis erfolgt im Geschäftsjahr 2023 in den Abschreibungen auf Vermögensgegenständen des Umlaufvermögens. Die Vorjahreszahlen wurden entsprechend angepasst.

Sonstige betriebliche Aufwendungen 2022
in TEUR
2023
in TEUR
16.480 16.691

Zinsaufwand:

Der Zinsaufwand reduzierte sich im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr in einem starken Ausmaß, da keine erneute Einstellung der im Jahr 2022 eingeplanten Nachzahlungszinsen wegen potenzieller Auswirkungen der Betriebsprüfung durch das Finanzamt durchgeführt wurde (siehe auch nachfolgende Ausführungen unter ‚Betriebsprüfung der Jahre 2010 bis 2019‘ sowie ‚C.2.2.4 des Risikoberichts: Betriebsprüfung der Jahre 2010 bis 2019).

Lag der Zinsaufwand 2022 durch das angenommene Worst-Case-Szenario noch bei 1.661 TEUR, liegt der Zinsaufwand 2023 bei 0,29 TEUR, was einer Reduzierung von 82,48% entspricht.

Zinsaufwand 2022
in TEUR
2023
in TEUR
1.661 0,29

Steuern vom Einkommen und Ertrag:

Standen die Steuern vom Einkommen und Ertrag 2022 primär unter dem Einfluss der potenziellen Auswirkungen der Betriebsprüfung des Unternehmens (siehe auch nachfolgende Ausführungen unter ‚Betriebsprüfung der Jahre 2010 bis 2019‘ sowie ‚C. Prognosebericht Punkt C.2 Betriebsprüfung der Jahre 2010bis 2019), wurde für das Jahr 2023 keine erneute Einstellung der im Jahr 2022 eingeplanten Steuerrückstellungen vorgenommen.

Steuern vom Einkommen und Ertrag 2022
in TEUR
2023
in TEUR
20.096 844

Betriebsprüfung der Jahre 2010 bis 2019:

In 2020 hat eine Betriebsprüfung für die Geschäftsjahre 2010 bis 2019 begonnen. Eine Schlussbesprechung hat noch nicht stattgefunden. Dementsprechend sind noch keine geänderten Steuerbescheide ergangen. Das Finanzamt hat im Rahmen der Betriebsprüfung der Gesellschaft mitgeteilt, dass es von einer potenziellen Steuernachzahlung in Höhe von ca. 39.000 TEUR inklusiv Zinsen ausgeht.

Die Kartina Digital GmbH sammelt aktuell Argumente und Nachweise, um die Auffassung des Finanzamts unter Zuhilfenahme eines externen Steuerexperten zu widerlegen. Im Rahmen der Aufstellung des Jahresabschlusses ist die Gesellschaft zusammen mit dem spezialisierten Steuerberater zu der gegensätzlichen Auffassung gekommen, dass das Risiko einer Steuernachzahlung maximal bis zu 16.000 TEUR betragen könnte. Dieser Betrag wurde im Vorjahr als Steueraufwand erfasst.

Sofern das Finanzamt Steuerbescheide in Höhe von insgesamt 33.000 TEUR erlassen - aktuell sind noch keine Steuerbescheide ergangen und fällig - und keine Aussetzung der Vollziehung gewährt werden würde, besteht eine wesentliche Unsicherheit in Bezug auf die Fortführung der Geschäftstätigkeit. Der laufende Geschäftsbetrieb der Gesellschaft erwirtschaftet allerdings ausreichend Gewinne bzw. EBITDA sowie Cash-Flow, um eine potenzielle Steuerlast in Raten bedienen zu können. Aus diesem Grund sieht die Gesellschaft keine Anzeichen, die gegen Going Concern sprechen.

Dabei geht die Gesellschaft von folgenden Plan-Zahlen aus

Plan 2025
in TEUR
Plan 2026
in TEUR
Plan 2027
in TEUR
Plan 2028
in TEUR
Plan 2029
in TEUR
Plan 2030
in TEUR
EBITDA - Min 4.865 5.142 6.654 7.257 9.962 10.124
EBITDA - Max 5.268 5.898 7.837 8.769 12.015 14.563

B.3.2. Finanzlage

Kapitalstruktur:

Die Kapitalstruktur der Gesellschaft ist solide und zeichnet sich durch eine konservative Finanzierungsstrategie aus. Zum Bilanzstichtag bestanden keine Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten. Die Gesellschaft hat ausschließlich kurzfristige Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, die im Rahmen des normalen Geschäftsbetriebs entstanden sind. Es bestehen somit keine zinstragenden Verbindlichkeiten.

Investitionen:

Investitionen wurden im Berichtsjahr in keinem nennenswerten Umfang getätigt.

Durch die solide Finanzierungsstruktur bleibt die Gesellschaft unabhängig von externen Kapitalgebern und finanziell flexibel, um künftige Investitionen und Wachstumsvorhaben eigenständig zu realisieren.

Liquidität:

Die Kartina Digital GmbH verzeichnet im Geschäftsjahr 2023 einen positiven Cashflow mit Finanzmittel von 3.944 TEUR am Ende der Periode Januar -Dezember 2023.

Das Geschäftsmodell, Abonnements nur nach erfolgter Vorauszahlung zu aktivieren, wirkt sich positiv auf die Liquidität des Unternehmens aus. Erzielte Einnahmen aus dem Verkauf sind mehrheitlich umgehend als liquide Mittel auf dem Konto des Unternehmens verfügbar. Lediglich die zeitlich versetzte, partielle Auszahlung der Payment Service Provider bilden hier eine Ausnahme. Die Kartina Digital GmbH war jederzeit in der Lage gewesen, die fälligen Verbindlichkeiten zu bezahlen.

Die Gesellschaft erwirtschaftet aus ihrem Geschäftsbetrieb einen positiven operativen Cash-Flow.

B.3.3 Vermögenslage

Struktur und Veränderung der Aktiva

Die Struktur der Aktiva des Unternehmens entspricht der eines Dienstleisters, die sich aus der Geschäftsmodell- und Prozessgestaltung ergibt. Die aufgezeigte Struktur der Aktiva verdeutlicht die Fokussierung auf ein leicht skalierbares Geschäftsmodell mit minimalem Kapitaleinsatz in Sachanlagen und einem vorteilhaften Zahlungsmodell.

Anlagevermögen

Das Anlagevermögen ist für den Geschäftsbetrieb von untergeordneter Bedeutung, da die für den Betrieb notwendige Hardware durch Dritte bereitgestellt wird. Diese Vereinbarungen ermöglichen es dem Unternehmen, auf eigene Investitionen in Betriebsmittel zu verzichten.

Im immateriellen Anlagevermögen sind 5.959 TEUR geleistete Anzahlung für eine Software enthalten, die ein Dienstleister entwickelt mit der Zielsetzung, über KI-basierte Blockchain-Technologie ein fälschungssicheres Tracking-System für die zeitliche Nutzung einzelner Kanäle jedes Endkunden aufzuzeichnen und ein auf diesen Daten basierendes Werkzeug für Lizenzverhandlungen und Marketingpotentiale zu etablieren.

Vorräte:

Die im operativen Geschäft genutzten Waren werden von einem Dritthändler eingekauft. Bei den Vorräten handelt es sich hauptsächlich um Set-Top-Boxen sowie entsprechendes Zubehör.

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen:

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind von untergeordneter Bedeutung, da das Geschäftsmodell vorsieht, dass Kunden mit Abschluss eines Abonnements im Voraus zahlen. Unter den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind die Sicherheitsbeträge aufgeführt, die von Payment-Service-Providern einbehalten werden.

Ausleihungen bzw. Forderungen gegen Gesellschafter

Es bestehen aktuell Ausleihungen gegenüber den Gesellschaftern des Unternehmens in einer Gesamthöhe von 12.563 TEUR. Bei den Forderungen handelt es sich um Forderungen aus der Gewährung von Darlehen und Rückforderungen von Ausschüttungen.

Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag

Zum Bilanzstichtag besteht ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag in Höhe von 7.486 TEUR und resultiert insbesondere aus der bilanziellen Abbildung der potenziellen Risiken aus der Betriebsprüfung.

Eigenkapital

Im Geschäftsjahr wurde ein Jahresüberschuss in Höhe von TEUR 2.796 erzielt. Im Vorjahr war das Eigenkapital infolge von Gesellschafterausschüttungen sowie eines Jahresfehlbetrags in Höhe von TEUR 12.182, der im Wesentlichen auf ein potenzielles Steuerrisiko aus einer laufenden Betriebsprüfung zurückzuführen war, deutlich gemindert worden. Die hierfür gebildete Rückstellung besteht weiterhin. Trotz dieser bilanziellen Belastung konnte im laufenden Geschäftsjahr ein positives Ergebnis erzielt werden, was sich stabilisierend auf die Eigenkapitalsituation der Gesellschaft ausgewirkt hat. Es ist realistisch, dass die im Vorjahr gebildeten Steuerrückstellungen - abhängig vom Ausgang der Betriebsprüfung - vollständig aufgelöst werden können. In diesem Fall würde sich der bislang bestehende Fehlbetrag verringern bzw. vollständig entfallen, sodass auch ein positiver Eigenkapitalbestand möglich erscheint.

Rückstellungen

Die Steuer-Rückstellungen belaufen sich auf zwei wesentliche Posten:

• 6.831 TEUR für das Geschäftsjahr 2023

• 17.589 TEUR im Zusammenhang mit der Betriebsprüfung

Die hohen Rückstellungen im Rahmen der Betriebsprüfung spiegeln die Unsicherheiten hinsichtlich potenzieller Steuerforderungen wider.

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen haben sich signifikant reduziert. Während sie im Geschäftsjahr 2022 noch 1.843 TEUR betrugen, sanken sie im Jahr 2023 auf 1.334 TEUR. Diese Entwicklung ist maßgeblich auf einen Rückgang der Verbindlichkeiten gegenüber der Tirastel GmbH zurückzuführen.

Die Verringerung der Verbindlichkeiten zeigt eine deutliche Verbesserung des Zahlungsverhaltens des Unternehmens gegenüber seinen Lieferanten und eine aktive Reduktion kurzfristiger finanzieller Verpflichtungen.

Zusammenfassend spiegelt die Struktur der Passiva die aktuellen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die steuerlichen Risiken, wider. Die positive Perspektive hinsichtlich der möglichen Auflösung von Rückstellungen sowie die Reduktion von Verbindlichkeiten deuten jedoch auf eine Verbesserung der finanziellen Stabilität hin.

C. Prognose-, Chancen- und Risikobericht

C.1. Prognosebericht

C.1.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen und Branchenaussichten 2024

Im Jahr 2024/2025 wird das Wachstum in den Bereichen IPTV (Internet Protocol Television), Video-on-Demand (VoD) und Streaming voraussichtlich weiterhin stark zunehmen. Die steigende Nachfrage nach digitalem Content bleibt ein zentraler Trend, getrieben durch schnellere Internetverbindungen, technologische Innovationen und veränderte Konsumgewohnheiten. Hier die wichtigsten Entwicklungen und Erwartungen für diese Branchen:

IPTV-Sektor

Für das Jahr 2024/2025 wird erwartet, dass der weltweite IPTV-Markt ein Volumen von rund 91,2 Milliarden USD erreicht und bis 2032 auf 270,1 Milliarden USD anwächst, mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von etwa 13,5 % (Market Research Future, 2024). Wesentliche Treiber bleiben der Ausbau von Glasfaser- und 5G-Netzen sowie die zunehmende Integration von Live-TV und On-Demand-Angeboten auf einer Plattform. Nordamerika behauptet seine Führungsposition, während der asiatisch-pazifische Raum besonders durch die steigende Nachfrage nach individuell anpassbaren Content-Lösungen auffällt.

Zudem setzen IPTV-Anbieter zunehmend auf KI-gestützte Personalisierung, um die Nutzererfahrung weiter zu verbessern.

VoD-Sektor

Im VoD-Bereich überschreitet der globale Umsatz der Medien- und Unterhaltungsbranche voraussichtlich 480 Milliarden USD im Jahr 2025 (Statista, 2025). Plattformen wie Netflix, Disney+, Amazon Prime Video und Apple TV+ investieren massiv in exklusive Inhalte und immersive Formate. Besonders interaktive Serien und VR/AR-basierte Erlebnisse rücken immer mehr in den Fokus der Anbieter.

Zusätzlich kooperieren VoD-Anbieter zunehmend mit Mobilfunkunternehmen, um gebündelte Angebote bereitzustellen, die speziell auf mobile Nutzer zugeschnitten sind.

Ein weiterer Trend ist der verstärkte Einsatz von Werbefinanzierten VoD-Diensten (AVoD), die den Nutzern kostenlose Inhalte gegen das Ansehen von Werbung bieten.

Streaming-Sektor

Die durchschnittliche tägliche Streaming-Zeit wird 2025 weltweit um etwa 11 % steigen. Smart-TVs bleiben das führende Gerät für das Heimstreaming, während Smartphones und Tablets besonders im asiatisch-pazifischen Raum weiterhin die mobile Nutzung dominieren.

Technische Optimierungen tragen erheblich zur Nutzerzufriedenheit bei: Die durchschnittliche Buffer-Rate wird weltweit um 35 % sinken, und die durchschnittliche Bitrate wird insbesondere in Schwellenländern deutlich steigen.

Streaming-Anbieter setzen verstärkt auf Cloud-native Technologien und Edge-Computing, um niedrige Latenzzeiten und eine verbesserte Bildqualität sicherzustellen (AWS Media Blog, 2025).

Fazit und Ausblick

Zusammengefasst bleiben IPTV-, VoD- und Streaming-Dienste auf Wachstumskurs, getrieben durch technologische Fortschritte, bessere Netzabdeckung und sich wandelnde Nutzererwartungen. Investitionen in exklusive Inhalte, immersive Technologien und optimierte Nutzererfahrungen sorgen für neue Marktimpulse. Besonders die Verbreitung von Smart-TVs, die Expansion schneller Mobilfunknetze und der technologische Fortschritt im Bereich Cloud-Streaming bieten enorme Wachstumschancen.

Die Aussichten für 2025 und darüber hinaus sind durchweg positiv: Die Branche profitiert nicht nur von technischer Innovation, sondern auch von der stetigen Bereitschaft der Nutzer, neue, flexiblere Medienangebote zu adaptieren.

C.1.2 Aussichten für die Kartina Digital GmbH 2024

Die Kartina Digital GmbH steht in den kommenden Jahren vor großen strategischen Herausforderungen und sieht sich primär durch die geopolitischen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine auf das vom Unternehmen besetzte ethnische IPTV-Nischen-Geschäftsmodell einigen Unwägbarkeiten ausgesetzt.

Im Vergleich zur anzunehmenden positiven Entwicklung im IPTV-Segment wird der Geschäftsverlauf der Kartina Digital GmbH zukünftig in starkem Zusammenhang mit möglichen Sanktionen gegen einzelne TV-Sender, Unternehmen oder aber Personen mit Anteilen an Geschäftspartner-Unternehmen stehen.

Das Produkt ‚Kartina TV‘ lebt neben der technischen Nutzerfreundlichkeit und weltweiten, einfachen Verfügbarkeit zuvorderst auch von den zur Verfügung gestellten Inhalten Dritter. Sollten sanktionsbedingt weitere russischsprachige Top-Inhalte aus dem Paket ‚Kartina TV‘ entfernt werden müssen, verliert das Produkt bei der russischsprachigen Klientel an Attraktivität. Dies würde sicherlich mit einem Rückgang des Kundenstamms einhergehen.

Abonnements:

Für die Jahre 2024 und 2025 zielt die Kartina Digital GmbH auf eine Stabilisierung und Sicherung der aktuellen Kundenzahlen und verkauften Abonnements ab.

Während in den Hauptabsatzmärkten wie Deutschland und Europa für die kommenden Jahre ein Rückgang der verkauften Abonnements mit einkalkuliert werden muss, gilt es gleichzeitig weitere Marktanteile auf dem globalen IPTV-Markt zu sichern.

In Europa wird sich die Kartina Digital GmbH mit kostenlosen ‚Kartina-TV‘-Paketen für Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine auf einen potentiellen neuen Kundenstamm konzentrieren, welcher langfristig zu einer Stabilisierung und anzunehmend sogar Steigerung der Kundenzahl führen wird.

Es ist anzunehmen, dass selbst nach Ende des Krieges in der Ukraine eine große Zahl an Ukrainischen Familien weiterhin in Westeuropa heimisch bleiben wird. Dieses neue Kundenpotential spricht die Kartina Digital GmbH bereits jetzt an und legt mit den kostenlos zur Verfügung gestellten Abonnements den Grundstein zur mittelfristigen Erschließung dieser potentialstarken Zielgruppe.

Umsatz Abonnements 2023
in TEUR
Plan 2024
in TEUR
Plan 2025
in TEUR
Deutschland 22.427 24.000 22.000
Europa 2.631 2.700 2.900
Rest der Welt 12.092 13.000 14.000
Gesamt 37.150 39.700 38.900

Lizenzaufwendungen:

Die im Jahre 2022 erzielten Einsparungen im Bereich der Lizenzaufwendungen waren der Key-Factor bei der Kostenreduzierung des Unternehmens und sind noch immer ausschlaggebend für den Abschluss 2023. Dieses Einsparungspotential soll auch mittelfristig beibehalten werden.

Durch mögliche sanktionsbedingte Reduzierungen des Inhalts des Pakets ‚Kartina TV‘ würden auch entsprechende Lizenzaufwendungen auf der Kostenseite entfallen.

Allerdings plant die Kartina Digital GmbH die Ausweitung des bilingualen Angebots innerhalb der EU und wird sich dementsprechend mit neuen Inhalten und dementsprechend zusätzlichen Lizenzaufwendungen beschäftigen müssen.

Weitere Einsparungen bei bestehenden Inhalten und zusätzliche Kosten für neue Inhalte werden sich mittelfristig die Waage halten. Dies führt zu der Prognose, dass sich im Bereich der Lizenzaufwendungen keine nennenswerten Änderungen ergeben werden und der Kostenfaktor auf gelichbleibendem Niveau attestiert wird.

Lizenzaufwendungen 2023
in TEUR
Plan 2024
in TEUR
Plan 2025
in TEUR
9.996 10.500 11.000

Set-Top-Boxen:

Die Erschließung neuer globaler Märkte, gerade auch in Drittländern ohne digitale Infrastruktur auf neuestem Stand, wird der Kartina Digital mittelfristig nur gelingen, wenn man potenziellen Kunden einen einfachen und sicheren Zugang zum Service ‚Kartina TV‘ anbieten kann.

Bedingt durch Limitierungen in Bereich der Netzverfügbarkeit und der aktuell noch geringen Quote an Smart-TVs in diesen Regionen kann diese Strategie kurzfristig nur mit der Bereitstellung von Set-Top-Boxen erreicht werden. Diese Maßnahmen stehen grundsätzlich im Gegensatz zur Geschäftsphilosophie der Reduzierung von Hardwareangeboten, sind jedoch essenzieller Bestandteil einer langfristigen Positionierung auf diesen neuen Märkten.

Das Unternehmen wird hinsichtlich der neuen Märkte noch einmal kurzfristig in neue Hardware (STBs) investieren und gelichzeitig den Absatz von Hardware in den bereits etablierten Märkten reduzieren und das Angebot vermehrt ausschließlich digital über Internetfähige Endgeräte zur Verfügung stellen.

STB-Einkauf 2023
in TEUR
Plan 2024
in TEUR
Plan 2025
in TEUR
1.756 1800 1.600
Verkauf von STBs 2023
in TEUR
Plan 2024
in TEUR
Plan 2025
in TEUR
Deutschland / EU 981 950 900
Rest der Welt 422 500 600
Gesamt 1.403 1.450 1.500

Gewöhnliche Geschäftstätigkeit:

Gleichbleibende Ausgaben im Allgemeinen in Zusammensetzung mit kurzfristigen erhöhten Investitionen in Hardware sowie eines einzukalkulierenden Rückgangs des Umsatzes durch niedrigere Abonnementerlöse werden die Kartina Digital GmbH in Zukunft Ergebnisse wie in den Vorjahren nicht erreichen lassen.

Dennoch werden die Ergebnisse der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit im Vergleich zum Jahr 2021, also vor Kriegsbeginn in der Ukraine, zukünftig verbessert werden können. Dies ist unter den gegebenen Umständen als unternehmerischer Erfolg zu bewerten.

Es ist bei allen Eventualitäten primär der Fortgang und die Entwicklung des Kriegs in der Ukraine, welcher planbare Schritte für eine wirtschaftliche positive Zukunft erschwert. Je nach Indirekter oder direkter Auswirkung auf die Kartina Digital GmbH können kurzfristig zusätzliche strategische Reaktionen und Maßnahmen von Unternehmensseite notwendig sein.

Die Kartina Digital GmbH hat mit den aufgeführten unternehmerischen Maßnahmen bereits ein Fundament gelegt, um auch in mittelfristiger Zukunft erfolgreich wirtschaften zu können und nach einer Phase der Stabilisierung nachhaltiges Wachstum ermöglichen zu können.

Dabei geht die Gesellschaft von folgenden Plan-Zahlen für das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) aus:

Plan 2025
in TEUR
Plan 2026
in TEUR
Plan 2027
in TEUR
Plan 2028
in TEUR
Plan 2029
in TEUR
EGT - Min 4.950 5.232 6.783 7.336 10.117
EGT - Max 5.358 5.994 7.955 8.833 12.104

C.2 Risikobericht

C.2.1 Risikoberichterstattung in Bezug auf die Verwendung von Finanzinstrumenten

Ausfallrisiken von Forderungen

Die Kartina Digital GmbH wickelt sämtliche Kundenzahlungen über Payment-Service Provider (Stripe, Novalnet, AMEX) ab. Zwar entstehen durch diese Kooperationen zusätzliche Service-Gebühren für das Unternehmen, aber die Abwicklung und auch ein großer Teil des Risikos liegen somit bei den entsprechenden Payment Service Providern.

Die Steuerung des Ausfallrisikos obliegt nur in Teilen der Kartina Digital GmbH, zahlreiche Elemente der Ausfallrisikosteuerung wird von den Payment Service Providern umgesetzt. Nachfolgend werden trotzdem sämtliche Aspekte der Steuerung des Ausfallrisikos aufgeführt.

Dabei hat die Gesellschaft folgende Risiken identifiziert

1. Kreditrisiko der Kunden: Kunden, die ein Abonnement abschließen, könnten ihre Zahlungspflichten nicht erfüllen (z. B. Rücklastschriften bei SEPA-Zahlungen oder Zahlungsausfälle bei Kreditkartenbelastungen).

2. Betrugsrisiko: Kunden könnten Abonnements mit gefälschten oder nicht gedeckten Zahlungsmethoden bestellen.

3. Technische Störungen: Fehler in Zahlungssystemen könnten dazu führen, dass Vorauszahlungen nicht ordnungsgemäß abgewickelt werden.

4. Kundenfluktuation: Unzufriedene Kunden oder solche, die das Angebot nicht mehr nutzen wollen, könnten sich der Zahlungspflicht entziehen (insbesondere bei Monatsabonnements).

Um das Risiko von Forderungsausfällen zu minimieren, hat die Gesellschaft folgende präventive Maßnahmen implementiert:

1. Einsatz sicherer Zahlungsmethoden: Kreditkartenzahlungen mit 3D-Secure, SEPA-Lastschriften (mit ausreichender Vorprüfung des Kontos), Sofortüberweisungen oder Zahlung über etablierte Dienstleister wie PayPal, Google Pay, Apple Pay. Einschränkung von Zahlungsmethoden, die mit höheren Ausfallrisiken verbunden sind (z. B. Zahlung auf Rechnung).

2. Vorauszahlung als Bedingung: Der aktuelle Ansatz, Abonnements nur nach erfolgter Vorauszahlung zu aktivieren, reduziert das Risiko erheblich. Insbesondere bei Jahresabonnements können Rabatte oder Boni als Anreiz genutzt werden, um Kunden zu motivieren, langfristige Zahlungen zu leisten.

3. Vertragsgestaltung: Die Kartina Digital GmbH verfügt über klare vertragliche Regelungen, die festlegen, dass der Zugang zu den Inhalten bei Zahlungsausfällen sofort gesperrt wird. Es wurde eine Vereinfachung bei den Kündigungsregelungen umgesetzt, um Konflikte zu vermeiden, die zu Forderungsausfällen führen könnten.

4. Technische Schutzmaßnahmen: Einsatz von Technologien zur Betrugsprävention, z. B. IP-Adressverifizierung, um sicherzustellen, dass die Abonnements von legitimen Kunden erworben werden. Nutzung eines professionellen Zahlungsdienstleisters, der Betrugsversuche erkennt.

Sofern es zu Zahlungsstockungen kommt, hat die Gesellschaft folgende Instrumente implementiert:

1. Automatisierte Zahlungserinnerungen: Die Kartina Digital GmbH hat über interne und externe IT ein System entwickelt und eingerichtet, das Kunden frühzeitig an ausstehende Zahlungen erinnert (z.B. Monatsabonnements für Verlängerungen). Die entsprechende Kommunikation mit dem Kunden erfolgt durch die Nutzung mehrerer Kanäle (E-Mail, SMS, App-Benachrichtigungen).

2. Mahnwesen: Die Kartina Digital GmbH hat ein dreistufiges und auf einen Zeitraum von 5 Wochen ausgelegtes Mahnsystem implementiert.

3. Inkasso-Management: Nach der letzten Mahnung übertragt die Kartina Digital GmbH sämtliche Inkasso-Ansprüche an das Unternehmen Atriga GmbH.

Durch die Kombination von Vorauszahlung, sicherer Zahlungsmethoden, gezielter Zusammenarbeit mit Payment-Service-Providern und einem effektiven Mahnwesen kann die Kartina Digital GmbH das Forderungsausfallrisiko reduzieren.

Liquiditätsrisiken

Die Kartina Digital GmbH weist in ihrer Geschäftstätigkeit und Struktur mehrere Merkmale auf, die das Liquiditätsrisiko vergleichsweise geringhalten. Die Haupteinnahmen durch Vorauszahlungen (Monats- und Jahresabonnements) sowie die überschaubaren und vorab bekannten Ausgaben (Lizenzen und Netzwerk-Traffic) tragen zu einer stabilen Liquiditätssituation bei. Dennoch gibt es potenzielle Risiken, die beachtet und aktiv gesteuert werden sollten.

Insofern hat die Gesellschaft folgende Liquiditätsrisiken identifiziert:

1. Langfristige Verträge: Fixierte langfristige Verpflichtungen bieten Planungssicherheit, können jedoch die Flexibilität einschränken.

2. Unvorhergesehene Kosten: Auch wenn diese selten auftreten, könnten unvorhersehbare Kosten, z. B. durch regulatorische Änderungen oder technische Probleme, auftreten.

Um das Liquiditätstrisiko steuerbar zu machen, hat die Gesellschaft folgende Instrumente implementiert

1. Detaillierte Liquiditätsplanung: Ein kontinuierlicher Abgleich von geplanten und tatsächlichen Ein- und Auszahlungen ermöglicht der Kartina Digital GmbH eine detaillierte Planung der Liquidität. Diese Planung enthält stets einen Puffer für unvorhergesehene Ereignisse.

2. Cashflow-Prognosen: Monatliche Prognosen, basierend auf den erwarteten Verlängerungsraten und neuen Abonnements, werden von Unternehmensseite regelmäßig überprüft und angepasst.

3. Stress-Tests und Szenarioanalysen: Regelmäßige Simulation von Worst-Case-Szenarien (z. B. plötzlicher Rückgang der Abonnementverlängerungen um 20 %) zur Beurteilung der finanziellen Widerstandsfähigkeit.

4. Vertragsmanagement: Die Kartina Digital GmbH führt eine aktive Überwachung der Lizenz- und Netzwerkkostenverträge durch, um sicherzustellen, dass diese den aktuellen Marktbedingungen und den Geschäftsanforderungen entsprechen. In Verhandlungen zielt die Kartina Digital GmbH auf flexible Zahlungsmodalitäten oder Staffelungen ab, um den Cashflow zu optimieren.

Die Kartina Digital GmbH hat durch ihre Einnahmestruktur und die planbaren Ausgaben ein vergleichsweise geringes Liquiditätsrisiko. Die Steuerung sollte sich auf eine detaillierte und regelmäßige Liquiditätsplanung, das Management von Rücklagen sowie die Nutzung von Überschussliquidität konzentrieren. Durch zusätzliche Maßnahmen wie Diversifikation der Einnahmequellen und Szenarioanalysen kann das Unternehmen die Resilienz gegenüber unvorhersehbaren Ereignissen weiter stärken.

C.2.2 Risiken

C.2.2.1 Marktpreisrisiken

Die Kartina Digital GmbH sieht sich als IPTV-Anbieter mit ethnischen Inhalten auf der Einnahmen- und auch Ausgabenseite mit spezifischen Marktpreisrisiken konfrontiert. Diese Risiken können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden: Verkaufspreise der Abonnements und Kosten für die Lizenz-Inhalte.

Wettbewerbsrisiken bei Verkaufspreisen der Abonnements

In Bezug auf die Verkaufspreise und die Nachfrage nach Abonnements, hat die Gesellschaft die folgenden Risiken identifiziert:

1. Wettbewerbsdruck: Die IPTV-Branche ist stark umkämpft, insbesondere im Nischenmarkt für ethnische Inhalte. Neue Anbieter oder etablierte Plattformen könnten aggressive Preisstrategien verfolgen, was den Wettbewerb verschärfen und Preissenkungen erzwingen könnte.

2. Preiselastizität der Nachfrage: Ethnische Inhalte sprechen eine spezifische Zielgruppe an, deren Zahlungsbereitschaft möglicherweise begrenzt ist. Zu hohe Preise könnten Kunden abschrecken, während eine zu niedrige Preisstruktur die eigene Marge und somit die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gefährden.

3. Abhängigkeit von Wechselkursen: Da ein internationaler Markt bedient wird, könnten Wechselkursschwankungen die effektive Preisgestaltung und Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen.

Um die Risiken zu steuern, hat die Gesellschaft folgende Instrumente implementiert

1. Marktforschung und Wettbewerbsanalyse: Die Kartina Digital GmbH beobachtet und analysiert regelmäßig die Preisstrategien der legalen und illegalen Konkurrenz, um die eigenen Preise wettbewerbsfähig zu halten. Zusätzlich nutzt die Kartina Digital GmbH Benchmarking, um die Preis-Leistungs-Verhältnisse bei Bedarf flexibel anpassen zu können.

2. Segmentierung der Preismodelle: Neben den bereits angebotenen Monats- und Jahresabonnements arbeitet die Kartina Digital GmbH an der Einführung flexibler Preismodelle (z. B. Wochen-, Quartals-, oder Familienabonnements) zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit.

Auch spezielle Angebote von Rabatten für Abonnements werden turnusmäßig geprüft und eingesetzt, um neuen Kunden einen günstigen Einstieg in den Service ‚KartinaTV‘ zu ermöglichen und diese anschließend langfristig zu binden.

3. Zusätzliche Wertangebote: Das Unternehmen arbeitet kontinuierlich an der Erhöhung des wahrgenommenen Werts durch die Bereitstellung exklusiver Inhalte. Auch die Intensivierung lokaler Partnerschaften auf dem IPTV-Markt, die Kooperation und Integration von Premium-Diensten, ein erweitertes Angebot an Offline-Nutzung und Implementierung von zusätzlichen Spartenkanälen werden hinsichtlich eines erhöhten Benutzererlebnisses zielführend sein und können mögliche Preiserhöhungen rechtfertigen.

4. Dynamische Preisgestaltung: Wie in Abschnitt 3. Geschäftsverlauf der Gesellschaft im Jahr 2023 bereits dargestellt, richtet die Kartina Digital GmbH ihren Fokus auf die Entwicklung einer Blockchain-basierten, KI-gestützten Analyse und Reporting-Software. Dieses Analyse-Tool soll die Kundendaten erfassen und auswerten, um Preise dynamisch auf Basis von Nachfrage, Wettbewerb und Marktsegment anzupassen.

Wettbewerbsrisiken bei Kosten für Lizenzen und Content

Die Bereitstellung von Content ist für die Gesellschaft elementar. Aus diesem Grund spielen die Kosten für die dafür notwendigen Lizenzen eine erhebliche Rolle. Hieraus können sich folgende Risiken ergeben:

1. Vertragsverhandlungen: Lizenzen von TV-Sendern oder Ausstrahlungsrechte für VoD-Inhalte sind oft Gegenstand langfristiger Verträge. Eine Abhängigkeit von einzelnen Lizenzgebern kann aufgrund von Monopolstellungen einiger Lizenzrechteinhaber zu schwierigeren Verhandlungen und nicht marktüblichen Preiserhöhungen führen.

2. Wechselkursrisiken: Ein Großteil der Aufwendungen für Lizenzrechte wird in Fremdwährungen bezahlt. Wechselkursschwankungen können hier negative Auswirkungen auf die Kostenseite der Kartina Digital GmbH haben und die Aufwendungen in diesem Geschäftsfeld erhöhen.

3. Konzentration auf spezifische Inhalte: Ethnische Inhalte haben eine begrenzte Anbieterbasis und unterliegen nicht dem üblichen Marktdruck durch Angebotsvielfalt und Kundennachfrage. Dieser Faktor schwächt die Verhandlungsposition der Kartina Digital GmbH gerade im ‚Live-TV-Sektor‘.

4. Anpassung der Lizenzkosten an die Nutzerbasis: Einige Lizenzgeber verlangen nutzungsabhängige Gebühren, also eine fixe Lizenzgebühr pro Kunde. Dies kann bei wachsender Kundenbasis die Kosten des Unternehmens steigern.

Um die Risiken zu steuern, hat die Gesellschaft folgende Instrumente implementiert

1. Diversifikation der Lizenzgeber: Bereits seit Jahren baut die Kartina Digital GmbH einen direkten Kontakt zu einzelnen Content-Inhabern und TV-Sendern auf. Dieser Aufbau eines breiteren Netzwerks von direkten Lizenzgebern reduziert die Anhängigkeit von großen Lizenzvermittlern. Zusätzliche können durch die Vermeidung von Lizenzvermittlern Kostensenkungen bei einer direkten Zusammenarbeit mit dem eigentlichen Content-Provider erzielt werden.

Als unterstützende Maßnahme stößt die Kartina Digital GmbH kontinuierlich Verhandlungen über Exklusivitätsrechte mit kleineren, kostengünstigeren Sendern an. Zielsetzung ist die Steigerung der Exklusivität am Markt durch ein breit gefächertes Angebot an Spartenkanälen.

2. Langfristige und kurzfristige Lizenzverträge: Je nach Vertragspartner richtet die Kartina Digital GmbH ihre Strategie und Zielsetzung in Verhandlungen mit Vertragspartnern aus.

Bei aus Unternehmenssicht günstigen Lizenzgebühren arbeitet die Kartina Digital GmbH mit langfristigen Lizenzverträgen und Preisdeckelungen, um vor plötzlichen Kostensteigerungen geschützt zu sein. Bei wirtschaftlich ungünstigen Konditionen strebt die Kartina Digital GmbH kurzfristige Verträge an, um jeweils zeitnah in neue Verhandlungen mit möglichen Kostenreduktionen treten zu können.

Zusätzlich denkt die Kartina Digital GmbH über die Nutzung von Abnahmegarantien oder Umsatzbeteiligungsmodellen nach, um die Kosten flexibler zu gestalten.

3. Technologiegestützte Lizenznutzung: Wie in Abschnitt 3. Geschäftsverlauf der Gesellschaft im Jahr 2023 bereits dargestellt, richtet die Kartina Digital GmbH ihren Fokus auf die Entwicklung einer Blockchain-basierten, KI-gestützten Analyse und Reporting-Software.

Diese Analyse von Zuschauerzahlen und Auswertung deren Nutzungsmuster soll das Unternehmen unterstützen, um Lizenzgebern datengestützte Preisverhandlungen anzubieten.

Die Kartina Digital GmbH verfolgt einen balancierten Ansatz, der sowohl die Einnahmenseite in Form von Abonnements als auch die Ausgabenseite in Form der Lizenzkosten optimiert. Die Kombination aus einer wettbewerbsorientierten Preisstrategie, einer breiteren Diversifikation der Lizenzquellen und technologischen Optimierungen soll helfen, Marktpreisrisiken zu mindern. Darüber hinaus könnten langfristige Partnerschaften und ein datengesteuerter Ansatz in der Verhandlungsführung nachhaltige Vorteile schaffen. Letztlich ist die enge Überwachung von Markt- und Kostenentwicklungen für die Kartina Digital GmbH essenziell, um agil auf Veränderungen zu reagieren.

C.2.2.2 Geopolitische und regulatorische Unsicherheiten

Aus geopolitischen und regulatorischen Unsicherheiten ergeben sich potenzielle Risiken für ein IPTV-Unternehmen mit einer russisch- und ukrainischsprachigen Zielgruppe. Der Schwerpunkt liegt auf den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen internationalen Sanktionen auf die Geschäftsgrundlage.

Geopolitische Unsicherheiten

Folgende geopolitischen Unsicherheiten wurden von der Gesellschaft identifiziert:

1. Entwicklungen des Ukraine-Kriegs: Die anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine bergen erhebliche Unsicherheiten.

2. Kundenbasis: Die Infrastruktur für Internetdienste in der Ukraine könnte durch Kriegsschäden beeinträchtigt werden. Eine zur Verfügungstellung von gestreamten Inhalten könnte durch Infrastrukturelle Schäden stark beeinflusst werden.

3. Migration und Bevölkerungsverschiebungen: Die Fluchtbewegungen sowohl innerhalb der Ukraine als auch in Nachbarländer könnten zu einem Rückgang oder einer Verschiebung der Zielgruppe führen. Gleichzeitig könnte die Nachfrage in Ländern, die ukrainische Flüchtlinge aufgenommen haben, steigen.

4. Marktwahrnehmung: Unternehmen mit einem russischen Bezug könnten unter Imageproblemen leiden, insbesondere in Märkten, die Russland kritisch gegenüberstehen. Dies könnte sich negativ auf das Kundenvertrauen, das Vertrauen internationaler Geschäftspartner und die Markenwahrnehmung auswirken.

5. Sanktionen gegen Russland: Internationale Sanktionen gegen Russland könnten gravierende Auswirkungen haben.

6. Content-Verfügbarkeit: Die Rechte an bestimmten Inhalten, insbesondere an Filmen, Serien oder Sportübertragungen, könnten aufgrund von Sanktionen eingeschränkt oder entzogen werden.

7. Zahlungssysteme: Finanzielle Sanktionen könnten die Abwicklung von Transaktionen mit internationalen Partnern erschweren. Dies könnte insbesondere den Zugang zu Lizenzzahlungen und Zahlungsdiensten betreffen.

8. Lieferkettenprobleme: Die Beschaffung von Hardware (z. B. Set-Top-Boxen) und Software-Updates könnte durch Handelsbeschränkungen eingeschränkt werden.

Regulatorische Unsicherheiten

Als Folge der geopolitischen Unsicherheiten hat die Gesellschaft folgende regulatorischen Unsicherheiten identifiziert

1. Ukraine: Die Regierung der Ukraine könnte regulatorische Maßnahmen gegen russische IPTV-Unternehmen oder Content-Anbieter ergreifen, um russischen Einfluss auf die lokale Medienlandschaft zu minimieren.

2. Russland: In Russland könnten strengere Vorschriften für IPTV-Dienste eingeführt werden, die internationale Inhalte beschränken oder lokale Inhalte priorisieren.

3. Internationale Märkte: Länder mit Sanktionen gegen Russland könnten rechtliche Hürden für IPTV-Anbieter aus der Region aufstellen, wie etwa Einschränkungen für den Vertrieb von russischsprachigen Inhalten.

4. Urheberrecht und Content-Lizenzen: Die Verfügbarkeit von Content könnte durch Lizenzstreitigkeiten gefährdet sein, insbesondere wenn westliche Medienkonzerne ihre Zusammenarbeit mit russischen Anbietern beenden. Zusätzliche rechtliche Risiken bestehen durch mögliche Verstöße gegen Urheberrechte, wenn lizenzierter Content aufgrund von Sanktionen nicht mehr rechtmäßig genutzt werden kann.

Um die regulatorischen Unsicherheiten zu steuern, hat sich die Gesellschaft entschieden, folgende Strategien anzuwenden

1. Diversifikation der Kundenbasis:

Ausbau des Angebots für russisch- und ukrainischsprachige Bevölkerungsgruppen außerhalb der Konfliktregionen, insbesondere in Europa und Nordamerika.

2. Content-Strategie anpassen:

Fokus auf lokal produzierte Inhalte, die weniger von internationalen Lizenzrechten oder Sanktionen betroffen sind. Kooperationen mit unabhängigen Content-Produzenten fördern.

3. Compliance und rechtliche Beratung:

Stetige Überwachung der Sanktionen und Anpassung der Geschäftsprozesse, um rechtliche Risiken zu minimieren. Investition in spezialisiertes Rechtspersonal für internationales und Sanktionenrecht.

4. Reputation managen:

Transparente Kommunikation gegenüber Kunden und Geschäftspartnern, um das Vertrauen in die Marke zu stärken und Vorurteile abzubauen.

Das Geschäftsumfeld für ein russisch- und ukrainischsprachiges IPTV-Unternehmen ist stark von geopolitischen und regulatorischen Unsicherheiten geprägt. Proaktive Maßnahmen zur Diversifikation, Anpassung der Content-Strategie und rechtliche Absicherung können dazu beitragen, die Risiken zu minimieren und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

C.2.2.3 Kundenrückgang

Das Geschäftsmodell der Kartina Digital GmbH richtet sich an russische und ukrainische Expats und bietet eine Vielzahl von TV-Inhalten für diese Zielgruppen an. Seit Beginn des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine hat das Unternehmen erhebliche Herausforderungen erfahren, die sich negativ auf die Kundenzahlen und die langfristige Geschäftsstabilität auswirken könnten.

1. Kundenrückgang: Seit Beginn des Krieges verzeichnete das Unternehmen einen Rückgang von 14 % seines Kundenstamms. Dieser Verlust ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen.

a. Die reduzierte Verfügbarkeit von TV-Inhalten aufgrund internationaler Sanktionen gegen Russland.

b. Die zunehmende Polarisierung der russischen und ukrainischen Zielgruppen, die unterschiedliche und oft widersprüchliche Anforderungen an den Content stellen.

2. Unzufriedenheit mit dem Content-Angebot aufgrund von politischen und gesellschaftlichen Spannungen:

Durch den Ukrainekrieg ist es schwieriger geworden ein einheitliches Content-Angebot bereitzustellen

a. Ukrainische Kunden lehnen russische Inhalte ab, da diese häufig als ideologisch belastet wahrgenommen werden.

b. Russische Kunden lehnen hingegen ukrainische Inhalte ab, da sie als unvereinbar mit ihrer politischen Haltung empfunden werden könnten.

3. Wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten: Sanktionen gegen russische Unternehmen und die Medienbranche haben die Verfügbarkeit und Qualität russischer Inhalte stark eingeschränkt, was die Attraktivität des Angebots für russische Kunden verringert.

4. Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit: Die Kaufkraft von Expats, insbesondere aus der Ukraine, ist aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten eingeschränkt, was sich negativ auf das Abonnementwachstum auswirkt.

Um den Risiken aus dem Kundenrückgang aufgrund von wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten entgegenzusteuern, hat die Gesellschaft folgende Strategien ergriffen.

1. Diversifikation: Ausbau des Angebots in anderen Sprachen und für andere Expat-Communities, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

2. Regionale Anpassung: Entwicklung von regionalisierten Angeboten, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Werte der jeweiligen Zielgruppe eingehen.

3. Innovation: Investition in eigene, unabhängige Inhalte, um Sanktionen und Abhängigkeiten von Drittanbietern zu umgehen.

C.2.2.4 Steuerrechtliche Risiken

Wie in Abschnitt B.3.1 Ertragslage dargestellt, hat für die Geschäftsjahre 2010 bis 2019 eine Betriebsprüfung stattgefunden, aus der nach Auffassung des Finanzamtes eine Nachzahlung von 33.000 TEUR resultieren soll. Entsprechende Steuerbescheide sind noch nicht erlassen worden. Nach Auffassung der Gesellschaft und den von ihr eingesetzten steuerlichen Spezialisten besteht das Risiko nur in einer Höhe von bis zu 16.000 TEUR.

In welcher Höhe die Gesellschaft tatsächlich Steuern im Rahmen der Betriebsprüfung nachzahlen muss, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht final abgestimmt werden. Zum einen geht die Gesellschaft davon aus, dass die Auffassung des Finanzamts durch das Finanzgericht bzw. den Bundesfinanzhof überprüft werden wird. Zum anderen geht die Gesellschaft davon aus, dass ausreichende finanzielle Mittel vorhanden sind, um ggf. Sicherheiten zu leisten und/oder Ratenzahlungen leisten zu können. Sollten diese Annahmen nicht eintreten, so ist der Fortbestand der Gesellschaft gefährdet. Die Geschäftsführung geht nach der aktuellen Einschätzung jedoch nicht davon aus, dass dieser Fall eintreten wird.

Das Unternehmen ergreift umfangreiche Maßnahmen, um die Vorwürfe der Betriebsprüfung zu widerlegen.

1. Beweisführung durch Dokumentationen: Anforderung von Lizenzverträgen und Kontoauszügen von Drittunternehmen, die seitens der Betriebsprüfung als "Briefkastenfirmen" bezeichnet wurden. Dies soll belegen, dass die Zahlungen tatsächlich erfolgt und lizenziert waren. Bereitstellung der Abschlussakten einer staatsanwaltlichen Ermittlung aus dem Jahr 2015, welche die Legalität der Lizenzzahlungen für das Paket „Kartina TV“ nachweisen.

2. Externe Expertise: Ein unabhängiger Steuerexperte wurde beauftragt, eine realistische Einschätzung der Steuerschuld zu erarbeiten.

3. Fremdvergleich: Mit marktüblichen Provisionssätzen (ca. 10 %) für Drittanbieter wird ein Fremdvergleich angestellt. Ziel ist es, die Zahlungsstruktur des Unternehmens als marktgerecht zu dokumentieren, um die potenzielle Steuerlast weiter zu reduzieren.

Das Unternehmen sieht sich aktuell einer erheblichen steuerlichen Belastung gegenüber, ist jedoch zuversichtlich, die potenzielle Forderung durch umfassende Gegenmaßnahmen und Beweisführungen signifikant zu reduzieren. Die Bildung von Rückstellungen und der Einsatz externer Expertise unterstreichen den professionellen Umgang mit der Situation.

C.2.2.5 Rechtsrisiken

Die Kartina Digital GmbH ist in eine Vielzahl rechtlicher Auseinandersetzungen involviert, sowohl in der Rolle der Klägerin als auch der Beklagten. Der überwiegende Teil der laufenden Verfahren stammt aus den Jahren 2018 und 2019 und ist durch eine hohe Komplexität gekennzeichnet. Diese resultiert sowohl aus der Vielfalt der rechtlichen und sachlichen Streitfragen als auch aus der Vielzahl der beteiligten Parteien. Die Hauptgegner in diesen Verfahren sind konkurrierende Unternehmen aus dem IPTV-Sektor sowie Fernsehanstalten oder von diesen vorgeschalteten Gesellschaften, die häufig einzig mit dem Ziel gegründet wurden, Klagen zu führen.

Eine sorgfältige Risikoeinschätzung ist erforderlich, um die potenziellen Auswirkungen dieser Verfahren auf die finanzielle Lage, den Geschäftsbetrieb und die Reputation der Kartina Digital GmbH zu bewerten.

USA

Kartina Digital GmbH ist seit dem 23. Juli 2018 in den Vereinigten Staaten von Amerika in einem Rechtsstreit mit ‚Actava TV‘ und zugehörigen Parteien involviert. Die Actava-Parteien fordern 25 Millionen US-Dollar Schadensersatz zuzüglich Anwaltsgebühren und Zinsen, während Kartina Digital GmbH und die Mitangeklagten Gegenklagen wegen unerlaubter Eingriffe in den Vertrag, Vertragsverletzung und konstruktiven Betrugs erhoben haben. Beide Seiten haben komplexe rechtliche Ansprüche, die sowohl finanzielle als auch operative Risiken mit sich bringen.

Bewertung der Risiken

1. Finanzielle Risiken:

Primärforderung der Actava-Parteien: Sollte ein Gericht den Actava-Parteien in voller Höhe Recht geben, könnten erhebliche finanzielle Verpflichtungen (25 Millionen USD plus Anwaltsgebühren und Zinsen) für Kartina Digital GmbH entstehen. Dies könnte die finanzielle Stabilität von Kartina Digital GmbH erheblich belasten.

Kosten der Rechtsverteidigung: Selbst bei einem positiven Ausgang des Verfahrens entstehen durch den fortlaufenden Prozess erhebliche Anwalts- und Gerichtskosten.

Gegenklagen: Der mögliche Erfolg der Gegenklagen könnte Schadensersatzansprüche zugunsten von Kartina Digital GmbH und den Mitangeklagten nach sich ziehen. Die Höhe dieser Ansprüche ist jedoch derzeit unbestimmt.

2. Reputationsrisiken:

Anhaltende Rechtsstreitigkeiten könnten negative Auswirkungen auf das öffentliche Image von Kartina Digital GmbH haben, insbesondere in Bezug auf ethische Geschäftsführung und Compliance.

Der mediale Fokus auf die Klage könnte die Geschäftsentwicklung und Beziehungen zu Geschäftspartnern negativ beeinflussen.

3. Rechtsunsicherheiten:

Die langwierige Verfahrensdauer und die Vielzahl der involvierten Parteien erhöhen die Komplexität und Unvorhersehbarkeit des Ergebnisses.

Abweichende gerichtliche Entscheidungen oder unvorhergesehene rechtliche Entwicklungen könnten das Risiko erhöhen.

4. Operative Risiken:

Ablenkungen des Managements und des Rechtsteams von anderen wichtigen Geschäftsangelegenheiten.

Eventuelle interne Änderungen zur Einhaltung von Compliance-Anforderungen könnten zusätzliche Kosten verursachen.

Bewertung der Chancen

1. Vergleichslösung:

Die Einschätzung, dass ein Vergleich ohne monetäre Zahlung erzielt wird, könnte die Kosten begrenzen und zukünftige Unsicherheiten eliminieren.

Ein solcher Ausgang würde sicherstellen, dass Kartina Digital GmbH keine unmittelbaren finanziellen Verpflichtungen übernimmt und die eigene Position vor Gericht gestärkt wird.

2. Erfolg der Gegenklagen:

Sollte Kartina Digital GmbH mit seinen Gegenklagen erfolgreich sein, könnte dies nicht nur potenzielle Entschädigungszahlungen zur Folge haben, sondern auch ein abschreckendes Signal an künftige Kläger senden.

3. Reputation und Vertrauen:

Ein positives oder neutrales Ergebnis des Verfahrens könnte das Vertrauen von Investoren und Partnern stärken.

Abschließende Einschätzung

Basierend auf den vorliegenden Informationen wird das Risiko eines erheblichen finanziellen Verlusts als sehr niedrig eingestuft. Dies liegt an der hohen wahrscheinlichen Vergleichslösung aufgrund des bisherigen Verlaufs und der gegenseitigen Komplexität des Falls, bei der keine monetären Zahlungen geleistet werden und jede Partei ihre eigenen Anwaltskosten trägt. Der mögliche Schaden beschränkt sich daher auf bereits angefallene und noch anfallende Prozesskosten, die im Rahmen des Budgets von Kartina Digital GmbH beherrschbar erscheinen.

Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Vergleichs deutet auf eine begrenzte Belastung der finanziellen Lage und der operativen Stabilität hin. Trotzdem sollten potenzielle Reputations- und Prozessrisiken weiterhin genau beobachtet und in regelmäßigen Abständen neu bewertet werden.

Deutschland und Europa

Die Kartina Digital GmbH ist europaweit in eine Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten involviert, sowohl in der Rolle der Beklagten als auch als Klägerin. Diese Verfahren umfassen verschiedene Stadien, darunter laufende, ruhende, abgeschlossene sowie potenziell zu erwartende Streitigkeiten. Ein erheblicher Teil dieser Rechtsstreitigkeiten bezieht sich auf Schadenersatzansprüche, die auf angebliche Verletzungen von Lizenzen zurückzuführen sind.

Rechtsstreitigkeiten als Beklagte

1. VDM Vela Digital Media Ltd. vs. Kartina Digital GmbH

o Gegenstand: Schadensersatzansprüche im Zusammenhang mit der Nutzung von Fernsehsendern.

o Anspruchshöhe: Geschätzt 2,5 Mio. €.

o Risiko: Kostenrisiko von ca. 15.000 € bei Teilerfolg der Gegenseite. Risiko vollständiger Verurteilung bei ungünstiger Schadenskalkulation bis zu 2,5 Mio. €. Das Prozessrisiko bleibt schwer prognostizierbar, ein (erhebliches Teil-)Obsiegen erscheint jedoch überwiegend wahrscheinlich.

2. Kartina Digital GmbH vs. Pervyj TVCH ZAO

o Gegenstand: Schadensersatzforderungen wegen Nutzung mehrerer Sender.

o Anspruchshöhe: Gegnerischer Anspruch bei ca. 873.524 €, jedoch realistisch auf 100.000 € geschätzt.

o Risiko: Gering, da Verfahren seit 2018 ruht. Wahrscheinlichkeit der Anspruchsdurchsetzung auf maximal 20 % geschätzt, mit voraussichtlich geringer Höhe (50.000 €).

3. Potenzielles Verfahren: Channel One Russia Worldwide JSC vs. Kartina Digital GmbH

o Gegenstand: Forderungen wegen Nutzung der Sender (Dezember 2018 - März 2019).

o Anspruchshöhe: Geschätzt 3,5 Mio. €.

o Risiko: Gering (ca. 10 %), da keine aktiven Maßnahmen zur Anspruchsdurchsetzung seitens des Klägers erkennbar sind.

4. Potenzielles Verfahren: VDM Vela Digital Media Ltd. vs. Kartina Digital GmbH

o Gegenstand: Schadensersatzforderungen wegen Nutzung von Channel-One-Sendern (April 2019 - Juli 2019).

o Anspruchshöhe: Geschätzt 3,5 Mio. €.

o Risiko: Gering (ca. 10 %), aufgrund eines erkennbaren Rückgangs der Anspruchsdurchsetzung seitens des Klägers.

5. Potenzielles Verfahren: Nutzung mehrerer Sender (2013 - 2015)

o Gegenstand: Schadensersatzansprüche für diverse Sender, geschätzte Ansprüche von 25 Mio. €.

o Risiko: Gering (maximal 10 %), da seit 2018 keine aktiven Maßnahmen zur Anspruchsdurchsetzung unternommen wurden.

Rechtsstreitigkeiten als Klägerin

1. Kartina Digital GmbH vs. Channel One Russia Worldwide JSC

o Gegenstand: Kartellrechtliche Ansprüche auf Lizenzvergabe.

o Risiko: Kostenrisiko von ca. 95.000 €. Verfahren ruht; Ausgang bleibt ungewiss.

Gesamtrisikobewertung

Auf Basis der bisher erzielten Ergebnisse aus vergleichbaren Verfahren, die entweder vollständig gewonnen oder mit einem überwiegenden Erfolg abgeschlossen wurden, ergibt sich für das Unternehmen eine solide Grundlage zur Risikoeinschätzung. Unter Berücksichtigung dieser Erfolgsbilanz ist das Risiko, in den laufenden Rechtsstreitigkeiten eine gerichtliche Niederlage zu erleiden, aus heutiger Sicht als gering einzustufen. Diese Einschätzung stützt sich auf die bisherigen Erfahrungen und die rechtliche Position des Unternehmens in ähnlichen Fällen.

Die wirtschaftliche Gesamtsituation der Kartina Digital GmbH wird durch die bestehenden und potenziellen Rechtsstreitigkeiten zwar belastet, jedoch ist das Gesamtrisiko bei realistischer Einschätzung als gering einzustufen.

C.3 Chancenbericht

C.3.1 Erweiterung in neue Märkte und Erhöhung des Marktanteils in bestehenden Märkten:

Die Erschließung neuer Märkte, insbesondere die Türkei und China, bietet Zugang zu weiteren Kundengruppen und erhöht die geografische Reichweite. Bedingt durch die Migration im Rahmen des Kriegs in der Ukraine erhöht sich das Kundenpotential in den bereits stark besetzten Märkten wie Europa, Israel und den USA.

C.3.1.1 Neue Märkte

Anzahl russischer und ukrainischer Expats in China

Die russische Diaspora in China wird auf etwa 300.000 Personen geschätzt, während die Zahl ukrainischer Expats kleiner ist, jedoch keine spezifischen aktuellen Zahlen verfügbar sind. Diese Gruppen konzentrieren sich hauptsächlich in größeren Städten wie Peking, Shanghai und Guangzhou, die gut vernetzte digitale Umgebungen bieten und oft multikulturelle Gemeinschaften beherbergen. Ein Anstieg russischer Migration nach China aufgrund geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten im Jahr 2024/25 kann den potenziellen Zielmarkt erweitern.

Russisches und ukrainisches IPTV/VoD können mit Programmen in der Muttersprache, kulturell relevanten Inhalten und Nachrichtenangeboten eine starke Bindung schaffen. Dies spricht eine Gruppe an, die nach Inhalten sucht, die weder im chinesischen Mainstream-Markt noch in globalen Plattformen wie Netflix leicht verfügbar sind.

China bietet exzellente Breitband- und Mobilnetzabdeckung, wodurch hochwertige IPTV- und VoD-Dienste für eine reibungslose Bereitstellung optimiert werden können. Partnerschaften mit chinesischen Technologieunternehmen und Plattformen können helfen, regulatorische Hürden zu überwinden und Inhalte gezielt für den chinesischen Markt zu adaptieren.

Die Konzentration russischer und ukrainischer Gemeinschaften in urbanen Zentren bietet Chancen für lokale Werbung und gezielte Monetarisierungsmodelle wie Abonnements oder Pay-per-View.

Russisches und ukrainisches IPTV/VoD hat Potenzial, eine wachsende Zielgruppe in China zu bedienen, insbesondere durch maßgeschneiderte Inhalte und strategische Partnerschaften. Die Erfolgsaussichten hängen von einer effektiven Navigation durch regulatorische Landschaften und der zielgenauen Ansprache der Expat-Gemeinschaft ab.

Russische und ukrainische Communities in der Türkei:

Aktuell leben etwa 153.000 Russen mit Aufenthaltserlaubnis in der Türkei, darunter viele mit längerfristigen Plänen wie Immobilienbesitz.1

Durch den Krieg sind viele Ukrainer in die Türkei geflüchtet. Schätzungen gehen von über 100.000 Ukrainer*innen aus, die in verschiedenen türkischen Städten leben.

Die Türkei ist ein beliebtes Reiseziel für Russen, obwohl die Besucherzahlen nach dem Krieg und westlichen Sanktionen rückläufig sind. Für 2024/2025 werden etwa 4 bis 5 Millionen russische Touristen erwartet2.

Ukrainische Tourist*innen machen aufgrund des Krieges einen viel kleineren Anteil aus, jedoch ist das Interesse an digitalen Diensten, speziell VoD-Inhalten in der Muttersprache, bei beiden Zielgruppen hoch.

Viele russische und ukrainische Tourist*innen übernachten in Resorts, die gezielt auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. IPTV-Anbieter könnten ihre Dienste direkt an Hotels lizensieren und so den Gästen Zugang zu Inhalten in ihrer Muttersprache bieten.

Russische Zahlungsplattformen wie „Mir“, die von Hotels akzeptiert werden, könnten als Brücke für Abonnementdienste genutzt werden.

Zusammenarbeit mit türkischen Internet- und Kabelanbietern könnte helfen, russische und ukrainische IPTV-Dienste in größeren Städten wie Antalya, Istanbul und Ankara zugänglicher zu machen. Diese Städte haben eine hohe Konzentration russisch-ukrainischer Communities

Die starke Nachfrage nach russischsprachigen Medieninhalten, da viele Expats und Tourist*innen weiterhin mit Heimatinhalten in Verbindung bleiben möchten.

Die Diversifizierung der Einnahmen türkischer Resorts und die Attraktivitätssteigerung durch personalisierte IPTV-Dienste könnten ein starker Anreiz sein.

Der türkische Markt bietet großes Potenzial für russische und ukrainische IPTV- und VoD-Dienste. Die Kombination aus einer stabilen Expats-Gemeinschaft, Millionen von Touristen und Kooperationsmöglichkeiten mit der Hotelbranche könnte die Verbreitung solcher Dienste erheblich fördern. Strategische Allianzen mit lokalen Anbietern und ein gezieltes Marketing sind der Schlüssel, um die Bedürfnisse dieser Zielgruppen optimal zu bedienen.

C.3.1.1 Bestehende Märkte

Europa: Die EU beherbergt eine große russisch- und ukrainischsprachige Diaspora. Besonders in Deutschland (über 3 Millionen Menschen russischer und ukrainischer Abstammung) sowie Polen und anderen osteuropäischen Ländern besteht ein signifikanter Markt. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs stieg die Zahl ukrainischer Flüchtlinge stark an, mit etwa 1,1 Millionen in Deutschland und weiteren Hunderttausenden in Polen, Tschechien und anderen europäischen Ländern.3

Israel: Rund 1,3 Millionen Israelis haben russischsprachige Wurzeln, oft bedingt durch Migration aus der ehemaligen Sowjetunion. Seit dem Ukraine-Krieg sind neue Migrationsbewegungen aus Russland und der Ukraine nach Israel beobachtet worden, darunter auch viele Fachkräfte und wohlhabendere Zielgruppen.

USA: In den USA leben etwa 2 Millionen russischsprachige Menschen, darunter viele aus der Ukraine. Die ukrainische Migration hat durch den Krieg zugenommen, wobei die Community vor allem in Großstädten wie New York und Chicago stark vertreten ist. Der US-Markt bietet Potenzial für qualitativ hochwertige VoD-Dienste für diese Zielgruppe.4

Sprachpräferenz und kulturelle Bindung

Russisch und zunehmend auch Ukrainisch sind wichtige Zielsprachen. Viele der Diaspora-Mitglieder suchen nach Inhalten, die kulturell relevant und sprachlich zugänglich sind, da sie klassische westliche Medien oft als weniger repräsentativ empfinden.

IPTV und VoD können nicht nur Unterhaltungsbedürfnisse, sondern auch den Bedarf an Nachrichten, Heimatfilmen und kulturellen Inhalten decken. Besonders in Kriegszeiten suchen Menschen Zugang zu unabhängigen und lokalisierten Informationen.

Technologische Trends

IPTV-Plattformen: Der einfache Zugang über Apps und Streaming-Geräte wie Roku oder Fire TV macht IPTV besonders attraktiv. Hier könnten Anbieter mit maßgeschneiderten Paketen, die sowohl russische als auch ukrainische Kanäle enthalten, punkten.

VoD: Ein Abonnement-Modell, das sowohl aktuelle Serien als auch klassische Inhalte bietet, könnte für die Diaspora sehr attraktiv sein. Die Integration von Werbefreiheit und Offline-Optionen bietet zusätzliche Vorteile.

Das Potenzial für russisches und ukrainisches IPTV und VoD in den genannten Regionen ist signifikant, besonders in Europa und Israel. Ein differenzierter Ansatz, der sich an lokalen Bedürfnissen orientiert, kombiniert mit technologischen Innovationen, kann den Erfolg sichern. Die wachsende Nachfrage durch Migration bietet langfristige Wachstumschancen.

C.3.2 Anpassung des Geschäftsmodells

Das Unternehmen plant, sich von der Entwicklung und dem Vertrieb eigener Set-Top-Boxen zurückzuziehen, um künftig den Fokus auf die Bereitstellung seines IPTV-Services über Smart-TVs, Apps und bestehende Drittanbieter-Hardware zu legen. Dieses Modell soll einerseits die internen Hardwarekosten senken und andererseits die Verfügbarkeit des Services für Kunden vereinfachen. Die Fokussierung auf Smart-TVs und App-Entwicklung statt auf Set-Top-Boxen bietet Potenzial zur Reduktion der Hardwarekosten und zur effizienteren Skalierung.

Kosteneinsparungen und Fokussierung

1. Reduzierte Produktions- und Logistikkosten: Durch den Verzicht auf eigene Set-Top-Boxen entfallen erhebliche Investitionen in die Hardwareproduktion, Lagerhaltung und Lieferung.

2. Weniger After-Sales-Aufwand: Support- und Wartungsaufwände für Hardware (z. B. Reparaturen oder Austauschprogramme) werden stark reduziert.

3. Ressourcenumschichtung: Die freigewordenen Ressourcen können in die Verbesserung der Servicequalität, Content-Bibliothek oder Nutzererfahrung (UI/UX) investiert werden.

4. Schnellere Markteinführung: Ohne Hardwareentwicklung und -distribution ist es möglich, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren und den Service zeitnah auf neuen Plattformen bereitzustellen. Die App-basierten Lösungen ermöglichen eine flexiblere Skalierung in verschiedene geografische Märkte.

Steigende Verbreitung von Smart-TVs

Der weltweite Smart-TV-Markt wächst stetig. Laut Prognosen sind die meisten neuen Haushalte mit internetfähigen Fernsehern ausgestattet.

Die direkte Integration des IPTV-Services über Smart-TV-Apps macht die Nutzung für Kunden einfacher und eliminiert die Notwendigkeit zusätzlicher Geräte.

Drittanbieter-Hardware als bestehendes Ökosystem nutzen

Plattformen wie Apple TV, Amazon Fire TV, Google Chromecast und Roku bieten große Verbreitungsmöglichkeiten für IPTV-Dienste.

Partnerschaften mit führenden Herstellern wie Samsung, LG oder Sony können den Service prominent in Smart-TV-Ökosystemen platzieren.

Erweiterte Kundenzugänglichkeit

Kunden bevorzugen einfache, plug-and-play-fähige Lösungen. Durch die Verfügbarkeit des Services auf vorhandenen Geräten sinken Eintrittsbarrieren wie Hardwarekosten oder Komplexität.

Interoperabilität und Cross-Plattform-Potenzial

Apps können sowohl auf Fernsehern als auch auf mobilen Geräten und PCs genutzt werden, wodurch der IPTV-Service einen omnipräsenten Zugang erhält.

Multi-Screen-Funktionalitäten erhöhen die Attraktivität für Nutzer.

Wettbewerbsvorteile und Differenzierung

1. Kundenzufriedenheit durch Flexibilität: Kunden haben die Freiheit, die bereits vorhandene Hardware zu nutzen, was die Einstiegskosten deutlich reduziert und die Kundenzufriedenheit steigert. Die Einfachheit der Einrichtung über bekannte Plattformen wie Smart-TVs oder Streaming-Sticks erhöht die Akzeptanz.

2. Bessere Skalierbarkeit und Marktdurchdringung: Die Verfügbarkeit auf verschiedenen Plattformen ermöglicht es, neue Zielgruppen zu erreichen, insbesondere in preissensiblen Märkten oder Regionen mit hoher Smart-TV-Durchdringung. Die Einführung auf mehreren Plattformen diversifiziert die Einnahmequellen und mindert Abhängigkeiten von Hardwareverkäufen.

3. Innovationsvorsprung durch Softwarefokus: Durch die Konzentration auf Software kann das Unternehmen flexibler Innovationen wie personalisierte Inhalte, KI-gestützte Empfehlungen oder verbesserte Benutzeroberflächen einführen. Regelmäßige Updates und Features stärken die Kundenbindung langfristig.

Zusätzliche Geschäftspotenziale

1. Monetarisierung durch Partnerschaften: Werbe- und Datenpartnerschaften mit Plattformbetreibern und Geräteherstellern können zusätzliche Einnahmequellen generieren. Kooperationen mit Internetanbietern für Bundle-Angebote (z. B. IPTV + Internetpakete) schaffen Synergien.

2. Markenstärkung durch Content-Fokus: Ein stärkerer Fokus auf den Content (Exklusivtitel, Live-Angebote, Sportrechte) positioniert das Unternehmen als führenden Anbieter im IPTV-Bereich. Die Diversifikation des Content-Angebots kann Abonnenten in neue Zielgruppen bringen.

C.3 Optimierung der Lizenzkosten

Die Verhandlungen über Lizenzkostenreduktionen haben bereits erste Erfolge erzielt, die langfristig zur Stabilität der Gewinnmargen beitragen können.

Der russisch-ukrainische IPTV-Markt steht aufgrund des Krieges in der Ukraine vor erheblichen Herausforderungen. Die Bereitstellung von Inhalten ist kompliziert, da viele Lizenzgeber aufgrund geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten ihre Geschäftsbedingungen verschärfen oder den Zugang zu Inhalten einschränken oder diese eingeschränkt werden müssen.

Um die Lizenzkosten zu optimieren, könnten folgende Maßnahmen zielführend sein:

1. Verhandlungsspielraum durch sinkende Nachfrage: Die kriegsbedingte Reduzierung der Zuschauerzahlen und die unsichere Situation in der Region könnten den Druck auf Lizenzgeber erhöhen, ihre Preise anzupassen, um langfristige Verträge zu sichern.

2. Automatisierung des Zuschauerzahlen-Reportings: Durch Implementierung eines automatisierten Systems zur Echtzeit-Berichterstattung der Zuschauerzahlen bietet einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Lizenzpartner und TV-Sender erhalten dadurch präzise und fälschungssichere Daten zu Zugriffszahlen und Sehdauer, was die Attraktivität von Partnerschaften erhöht. Durch ein datengetriebenes Modell können Lizenzvereinbarungen auf Basis realer Nutzungszahlen optimiert werden, was langfristig Lizenzkosten senkt.

Die Reduzierung von Lizenzkosten durch datenbasierte Ansätze und gezielte Anpassung des Content-Portfolios bietet erhebliche Chancen für das Unternehmen. Mit einem klaren Fokus auf Effizienz, Automatisierung und den Ausbau regional relevanter Inhalte kann das Unternehmen nicht nur seine Rentabilität sichern, sondern auch in einem schwierigen Marktumfeld wachsen.

 

Wiesbaden, den 4. Juli 2025

Andreas Reich, Geschäftsführer

1 ZoiS Spotlight 5/2024 ‚Türkei - Neuer Knotenpunkt für Migration aus Russland’, Zentrum für Osteuropa und International Studien, 2024

2 Journalistischer Bericht ‚Wo Russen jetzt Urlaub machen‘, Die Welt, 2024

3 Journalistischer Bericht ‚Wieviel Russischsprachige leben in Deutschland‘, Mediendienst Integration, 2020

4 Artikel ‚Russian Diaspora, ‘Wikipedia‘, 2024

Bilanz

Aktiva

31.12.2023
EUR
31.12.2022
EUR
A. Anlagevermögen 7.381.193,13 6.077.964,00
I. Immaterielle Vermögensgegenstände 5.958.501,00 5.970.501,00
II. Sachanlagen 96.246,00 107.463,00
1. andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 96.246,00 107.463,00
III. Finanzanlagen 1.326.446,13
B. Umlaufvermögen 21.514.904,93 15.219.037,56
I. Vorräte 1.868.560,00 746.188,00
II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände 15.702.666,21 13.236.907,77
1. Forderungen gegen Gesellschafter 12.562.812,90 8.053.943,49
2. sonstige Vermögensgegenstände 3.139.853,31 5.182.964,28
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 236.993,24 294.262,76
III. Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks 3.943.678,72 1.235.941,79
C. Rechnungsabgrenzungsposten 9.069,00 3.289,00
D. Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag 7.486.143,86 10.282.503,39
Summe Aktiva 36.391.310,92 31.582.793,95

Passiva

31.12.2023
EUR
31.12.2022
EUR
A. Eigenkapital 0,00 0,00
I. Gezeichnetes Kapital 50.000,00 50.000,00
II. Verlustvortrag 10.332.503,39 -1.849.302,19
III. Jahresüberschuss 2.796.359,53 -12.181.805,58
IV. nicht gedeckter Fehlbetrag 7.486.143,86 10.282.503,39
B. Rückstellungen 24.726.299,73 23.727.873,53
C. Verbindlichkeiten 5.888.801,01 6.354.920,42
davon mit Restlaufzeit bis zu einem Jahr 4.696.801,01 5.162.920,42
davon mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr 1.192.000,00 1.192.000,00
D. Rechnungsabgrenzungsposten 5.776.210,18 1.500.000,00
Summe Passiva 36.391.310,92 31.582.793,95

Gewinn- und Verlustrechnung

1.1.2023 - 31.12.2023
EUR
1.1.2022 - 31.12.2022
EUR
1. Rohergebnis 26.013.397,59 34.117.458,40
2. Personalaufwand 3.860.724,74 3.846.081,50
a) Löhne und Gehälter 3.276.877,92 3.286.881,54
b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung 583.846,82 559.199,96
davon für Altersversorgung 2.410,79 200,91
3. Abschreibungen 2.105.362,77 85.110,16
a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen 55.367,67 77.898,42
b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten 2.049.995,10 7.211,74
4. sonstige betriebliche Aufwendungen 16.690.583,38 19.480.252,29
davon Aufwendungen aus der Währungsumrechnung 236.350,10 163.093,06
5. sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 328.744,40 55.999,67
davon aus verbundenen Unternehmen 23.357,75
6. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 291,96 1.660.761,89
7. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 843.977,04 20.095.967,37
davon Erträge aus der Zuführung und Auflösung von latenten Steuern 302.094,00
8. Ergebnis nach Steuern 2.841.202,10 -10.994.715,14
9. sonstige Steuern 44.842,57 1.187.090,44
10. Jahresüberschuss 2.796.359,53 -12.181.805,58

Anhang für das Geschäftsjahr 2023

I. Allgemeine Angaben zum Jahresabschluss

Die Kartina Digital GmbH (Kartina oder Gesellschaft) ist eine mittelgroße Kapitalgesellschaft gemäß § 267 Abs. 2 HGB.

Sie hat ihren Sitz in Wiesbaden, und ist eingetragen in das Handelsregister beim Amtsgericht Wiesbaden unter der Nummer HRB 23373.

Die Gesellschaft hat den Jahresabschluss nach den für mittelgroße Kapitalgesellschaften geltenden Vorschriften des HGB und den Rechnungslegungsvorschriften für Gesellschaften mit beschränkter Haftung aufgestellt.

Die Bilanz wurde gemäß § 266 Abs. 1 HGB in den bezeichneten Posten gesondert ausgewiesen.

Bilanzvermerke zur Laufzeit von Forderungen und Verbindlichkeiten gemäß § 268 Abs. 4 und 5 HGB wurden in den Anhang aufgenommen.

Die Gewinn- und Verlustrechnung wurde gemäß § 275 Abs. 2 HGB nach dem Gesamtkostenverfahren aufgestellt.

Die größenabhängien Erleichterungen des § 288 Abs. 2 HGB werden in Anspruch genommen.

Der Jahresabschluss wurde unter der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufgestellt, auch wenn aus der laufenden Betriebsprüfung eine latente Steuerbelastung - nach Auffassung des Finanzamtes - von bis zu Mio. 33 EUR resultieren und dies zu einer potenziell bestandsgefährdenden Situation führen kann. Die Geschäftsführung sieht Going Concern als erfüllt an, weil sie zum einen von einem deutlich geringeren Risiko ausgeht und der operative Geschäftsbetrieb genügend finanzielle Mittel erwirtschaftet, um die potenzielle Schuld gegenüber dem Finanzamt zumindest in Raten tilgen zu können. Wir verweisen auf unsere Ausführungen im Lagebericht unter dem Abschnitt C.2.2.4. Steuerliche Risiken.

Abweichend zum Vorjahr wurden die Wertberichtigungen der Forderungen nicht mehr im sonstigen betrieblichen Aufwand, sondern in den Abschreibungen auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten, ausgewiesen. Die Vorjahreszahlen in Höhe von TEUR 3.007 wurden entsprechend angepasst.

II. Angaben zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Im Einzelnen wurden folgende Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angewendet:

Die immateriellen Vermögensgegenstände werden zu Anschaffungskosten, vermindert um lineare Abschreibungen (bei einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von bis zu fünf Jahren), bewertet. Soweit erforderlich, werden außerplanmäßige Abschreibungen vorgenommen.

Das Sachanlagevermögen wird zu Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten, vermindert um planmäßige lineare Abschreibungen (Nutzungsdauer zwischen 2 und 10 Jahren), angesetzt.

Soweit erforderlich, werden außerplanmäßige Abschreibungen vorgenommen. Die geringwertigen Wirtschaftsgüter mit Einzelanschaffungskosten von bis zu TEUR 0,8 werden im Anschaffungsjahr voll abgeschrieben.

Die Anteile an verbundenen Unternehmen werden mit den Anschaffungskosten angesetzt und sofern erforderlich außerplanmäßig abgeschrieben.

Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände werden mit Nennwerten angesetzt. Erkennbare Einzelrisiken und das allgemeine Kreditrisiko werden durch angemessene Wertberichtigungen berücksichtigt.

Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten sind zum Nennwert bzw. Nominalbetrag angesetzt.

Die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten beinhalten bereits getätigte Zahlungen für Aufwendungen der kommenden Jahre.

Die Steuerrückstellungen und die sonstigen Rückstellungen werden in der Höhe des Erfüllungsbetrags gebildet, der nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendig ist. Sie berücksichtigen alle erkennbaren Risiken und ungewissen Verpflichtungen. Die Rückstellungen, deren Inanspruchnahme mehr als ein Jahr nach dem Bilanzstichtag erwartet wird, werden abgezinst und zukünftige Preissteigerungen berücksichtigt.

Die Verbindlichkeiten werden mit dem Erfüllungsbetrag angesetzt.

Auf fremde Währung laufende Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten sind zum Devisenkassamittelkurs am Abschlussstichtag umgerechnet. Die aus der Währungsumrechnung resultierenden Differenzen werden erfolgswirksam erfasst.

Die Gesellschaft ist ein Streaming-Anbieter und verkauft Monats- und Jahresabonnements. Aus operativen Gründen wird der Umsatz zu dem Zeitpunkt erfasst, in dem das Abonnement abgeschlossen wurde (Vereinnahmung). Entsprechend dem Realisationsprinzip sind Umsätze jedoch dann zu erfassen, wenn die zugrunde liegende Leistung erbracht worden ist. Deswegen sind die abgegrenzten Umsätze des Vorjahres im lfd. Geschäftsjahr als Umsatz zu erfassen, weil sie in dem Jahr geleistet worden sind.

Gleichfalls ist zum Bilanzstichtag stets ein neuer passiver Rechnungsabgrenzungsposten für die Zahlungen zu bilden, für die noch nicht geleistet wurde.

Zum 31. Dezember 2022 wurde ein passiver Abgrenzungsposten in Höhe des Ergebniseffekts von TEUR 1.500 gebildet. Zum 31. Dezember 2023 wurde ein passiver Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von TEUR 5.776 für Zahlungen gebildet, für die noch keine Leistung erbracht worden ist.

III. Angaben zur Bilanz

Die Zusammensetzung und Entwicklung des Anlagevermögens nach einzelnen Bilanzposten gehen aus dem Anlagespiegel (Anlage A zum Anhang) hervor.

In den geleisteten Anzahlungen sind Anzahlung auf immaterielle Vermögensgegenstände zur Entwicklung von Software in Höhe von TEUR 5.958 (Vj: TEUR 5.970).

Die Forderungen gegen Gesellschafter betreffen in Höhe von TEUR 12.563 (Vj: TEUR 8.054) ein Darlehen inkl. Zinsen.

In den sonstigen Vermögensgegenständen sind Forderungen aus Kautionen in Höhe von TEUR 2 (Vj.: TEUR 38) enthalten, deren Laufzeit größer als ein Jahr bzw. größer als 5 Jahre sind. Die sonstigen Vermögensgegenstände enthalten im Wesentlichen Erstattungsansprüche aus Umsatzsteuer sowie Forderungen aus Darlehen gegenüber nahestehenden Unternehmen.

Die Steuerrückstellungen betreffen Ertragsteuern für das Jahresergebnis in Höhe von TEUR 6.831 (Vj. TEUR 6.002) sowie aus der Betriebsprüfung resultierende Ertragssteuern aus Vorjahren in Höhe von TEUR 17.589 (Vj. 17.589).

Die sonstigen Rückstellungen setzen sich wie folgt zusammen:

2023
TEUR
2022
TEUR
Abschluss und Prüfung 259 122
Aufbewahrungspflicht 13 13
Rückstellung Steuer nach §50a EStG 34 0
Summe sonstige Rückstellungen 306 135

Die Verbindlichkeiten weisen folgende Fälligkeitsstruktur auf:

Art der Verbindlichkeit Gesamt
TEUR
Bis zu 1 Jahr
TEUR
Mehr als 1 Jahr
TEUR
Davon mehr als 5 Jahre
TEUR
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.334 1.334 - -
(1.843) (1.843) - -
Sonstige Verbindlichkeiten 4.122 4.122 - -
(4.278) (4.278) - -
Gesamt 5.456 5.456 - -
(6.121) (6.121) - -

Bei den Zahlen in den Klammern handelt es sich um die jeweiligen Vorjahreszahlen.

Die passiven Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von TEUR 5.776 (Vj.: TEUR 1.500) resultieren aus den vorausgezahlten Jahresabonnements der Kunden.

IV. Angaben zur Gewinn- und Verlustrechnung

In den sonstigen betrieblichen Erträgen TEUR 143 (Vj.: TEUR 98) sind vor allem Erträge aus Schadenersatz TEUR 5 (Vj.: TEUR 27), Erträge aus Währungsumrechnung TEUR 88 (Vj.: TEUR 45), Sachbezüge für KFZ Nutzung TEUR 40 (Vj.: TEUR 31) und periodenfremde Erträge TEUR 7 (Vj.: TEUR 0) enthalten. Die periodenfremden Erträge resultieren im Wesentlichen aus einer Erstattung zu einem abgeschlossenen Gerichtsverfahren.

In den sonstigen betrieblichen Aufwendungen TEUR 16.691 (Vj.: TEUR 16.480) sind vor allem Aufwendungen für Netzwerk und Traffic TEUR 7.594 (Vj.: TEUR 7.381), Aufwendungen für Zahlungsdienstleister TEUR 1.291 (Vj.: TEUR 1.341) sowie Aufwendungen für Fremdarbeiten TEUR 4.948 (Vj.: TEUR 5.225) enthalten.

Die Steuern vom Einkommen und vom Ertrag enthalten TEUR -311 (Vj.: TEUR 15.628) periodenfremde Steuern.

IV. Sonstige Angaben

Haftungsverhältnisse bestehen nicht.

Die Kartina Digital GmbH beschäftigte im Jahresdurchschnitt folgende Mitarbeiter:

2023 2022
Angestellte 44 48
Gesamt 44 48

Die Geschäftsführung besteht aus:

• Herrn Andreas Reich, Betriebswirt, Wiesbaden

Gemäß § 286 Abs. 4 HGB wird auf die Angaben gemäß § 285 Nr. 9 HGB verzichtet.

 

Wiesbaden, den 4. Juli 2025

Geschäftsführer

Herrn Andreas Reich

Bericht des Aufsichtsrats

Es gibt keine Aufsichtsrat.

sonstige Berichtsbestandteile

 

Wiesbaden, den 4. Juli 2025

Geschäftsführer

gez. Herrn Andreas Reich

Angaben zur Feststellung:

Der Jahresabschluss wurde am 04.07.2025 festgestellt.

BESTÄTIGUNGSVERMERK DES UNABHÄNGIGEN ABSCHLUSSPRÜFERS

An die Kartina Digital GmbH, Wiesbaden:

Eingeschränkte Prüfungsurteile

Wir haben den Jahresabschluss der Kartina Digital GmbH, Wiesbaden, - bestehend aus der Bilanz zum 31. Dezember 2023 und der Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2023 bis zum 31. Dezember 2023 sowie dem Anhang, einschließlich der Darstellung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden - geprüft. Darüber hinaus haben wir den Lagebericht der Kartina Digital GmbH, Wiesbaden, für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2023 bis zum 31. Dezember 2023 geprüft.

Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse

• entspricht der beigefügte Jahresabschluss mit Ausnahme der möglichen Auswirkungen des im Abschnitt „Grundlage für die eingeschränkten Prüfungsurteile“ beschriebenen Sachverhalts in allen wesentlichen Belangen den deutschen, für Kapitalgesellschaften geltenden handelsrechtlichen Vorschriften und vermittelt mit Ausnahme dieser möglichen Auswirkungen unter Beachtung der deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens- und Finanzlage der Gesellschaft zum 31. Dezember 2023 sowie ihrer Ertragslage für das Geschäftsjahr vom 1. Januar 2023 bis zum 31. Dezember 2023 und

• vermittelt der beigefügte Lagebericht mit Ausnahme der Auswirkungen des im Abschnitt „Grundlage für die eingeschränkten Prüfungsurteile“ beschriebenen Sachverhalts insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage der Gesellschaft. In allen wesentlichen Belangen, mit Ausnahme dieses Sachverhalts, steht dieser Lagebericht in Einklang mit einem den deutschen gesetzlichen Vorschriften entsprechenden Jahresabschluss, entspricht den deutschen gesetzlichen Vorschriften und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.

Gemäß § 322 Abs. 3 Satz 1 HGB erklären wir, dass unsere Prüfung mit Ausnahme der genannten Einschränkung der Prüfungsurteile zum Jahresabschluss und zum Lagebericht zu keinen Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses und des Lageberichts geführt hat.

Grundlage für die eingeschränkten Prüfungsurteile zum Jahresabschluss und zum Lagebericht

In der Bilanz des Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2023 der Gesellschaft werden Vorräte in Höhe von TEUR 1.868 ausgewiesen. Da wir erst in der Gesellschafterversammlung vom 20. November 2024 zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2023 gewählt worden sind, konnten wir an der Inventuraufnahme nicht beobachtend teilnehmen. Aufgrund der Zeitspanne zwischen dem Beginn unserer Prüfung im Januar 2025 und dem Bilanzstichtag zum 31. Dezember 2023, war auch eine Prüfung der Vorräte durch alternative Prüfungshandlung nicht mehr möglich. Insoweit liegt ein Prüfungshemmnis vor. Wir können daher nicht ausschließen, dass der in Bilanz ausgewiesene Buchwert der Vorräte zu hoch oder zu niedrig ist.

In der Bilanz der Gesellschaft werden Darlehen gegen Gesellschafter in Höhe von TEUR 12.563 ausgewiesen. Mangels Besicherung dieser Darlehen und fehlender weiterer geeigneter Prüfungsnachweise zur Einschätzung ihrer Werthaltigkeit liegt in diesem Zusammenhang ein Prüfungshemmnis vor.

Diese Sachverhalte können eventuell auch die im Lagebericht erfolgte Darstellung des Geschäftsverlaufs einschließlich des Geschäftsergebnisses und der Lage der Gesellschaft sowie die Darstellung der Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung beeinträchtigen.

Wir haben unsere Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts in Übereinstimmung mit § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführt. Unsere Verantwortung nach diesen Vorschriften und Grundsätzen ist im Abschnitt „Verantwortung des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts“ unseres Bestätigungsvermerks weitergehend beschrieben. Wir sind von dem Unternehmen unabhängig in Übereinstimmung mit den deutschen handelsrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften und haben unsere sonstigen deutschen Berufspflichten in Übereinstimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die von uns erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unsere eingeschränkten Prüfungsurteile zum Jahresabschluss und zum Lagebericht zu dienen.

Wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit

Wir verweisen auf die Angabe im Abschnitt I. im Anhang sowie die Angaben in Abschnitt B.3.1 und C.2.2.4 des Lageberichts, in denen der gesetzliche Vertreter beschreibt, dass für die Geschäftsjahre 2010 bis 2019 eine Betriebsprüfung stattgefunden hat und es nach Auffassung des Finanzamts zu Nachzahlungen in Höhe von bis zu EUR 15,6 Mio. zzgl. Zinsen in Höhe von bis zu EUR 1,6 Mio. kommen kann. Des Weiteren beschreibt der gesetzliche Vertreter dort, dass er das Risiko geringer einschätzt. Unabhängig davon kann eine solche Steuernachzahlung die Gesellschaft in erhebliche Liquiditäts- und Finanzierungsschwierigkeiten bringen. Wie in der Angabe in Abschnitt I des Anhangs und in Abschnitt B.3.1 bzw. C.2.2.4 des Lageberichts dargelegt, deuten diese Ereignisse und Gegebenheiten auf das Bestehen einer wesentlichen Unsicherheit hin, die bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen kann und die ein bestandsgefährdendes Risiko im Sinne des § 322 Abs. 2 Satz 3 HGB darstellt. Unsere Prüfungsurteile sind bezüglich dieses Sachverhalts nicht modifiziert.

Verantwortung des gesetzlichen Vertreters für den Jahresabschluss und den Lagebericht

Der gesetzliche Vertreter ist verantwortlich für die Aufstellung des Jahresabschlusses, der den deutschen, für Kapitalgesellschaften geltenden handelsrechtlichen Vorschriften in allen wesentlichen Belangen entspricht, und dafür, dass der Jahresabschluss unter Beachtung der deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft vermittelt.

Ferner ist der gesetzliche Vertreter verantwortlich für die internen Kontrollen, die er in Übereinstimmung mit den deutschen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung als notwendig bestimmt hat, um die Aufstellung eines Jahresabschlusses zu ermöglichen, der frei von wesentlichen falschen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen (d.h. Manipulationen der Rechnungslegung und Vermögensschädigungen) oder Irrtümern ist.

Bei der Aufstellung des Jahresabschlusses ist der gesetzliche Vertreter dafür verantwortlich, die Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen. Des Weiteren hat er die Verantwortung, Sachverhalte in Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit, sofern einschlägig, anzugeben. Darüber hinaus ist er dafür verantwortlich, auf der Grundlage des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu bilanzieren, sofern dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen.

Außerdem ist der gesetzliche Vertreter verantwortlich für die Aufstellung des Lageberichts, der insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage der Gesellschaft vermittelt sowie in allen wesentlichen Belangen mit dem Jahresabschluss in Einklang steht, den deutschen gesetzlichen Vorschriften entspricht und die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend darstellt.

Ferner ist der gesetzliche Vertreter verantwortlich für die Vorkehrungen und Maßnahmen (Systeme), die er als notwendig erachtet hat, um die Aufstellung eines Lageberichts in Übereinstimmung mit den anzuwendenden deutschen gesetzlichen Vorschriften zu ermöglichen, und um ausreichende geeignete Nachweise für die Aussagen im Lagebericht erbringen zu können.

Verantwortung des Abschlussprüfers für die Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts

Unsere Zielsetzung ist, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Jahresabschluss als Ganzes frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist, und ob der Lagebericht insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage der Gesellschaft vermittelt sowie in allen wesentlichen Belangen mit dem Jahresabschluss sowie mit den bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnissen in Einklang steht, den deutschen gesetzlichen Vorschriften entspricht und die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend darstellt, sowie einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der unsere Prüfungsurteile zum Jahresabschluss und zum Lagebericht beinhaltet.

Hinreichende Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführte Prüfung eine wesentliche falsche Darstellung stets aufdeckt. Falsche Darstellungen können aus Verstößen oder Unrichtigkeiten resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie einzeln oder insgesamt die auf der Grundlage dieses Jahresabschlusses und Lageberichts getroffenen wirtschaftlichen Entscheidungen von Adressaten beeinflussen.

Während der Prüfung üben wir pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische Grundhaltung. Darüber hinaus

• identifizieren und beurteilen wir die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen im Jahresabschluss und im Lagebericht aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern, planen und führen Prüfungshandlungen als Reaktion auf diese Risiken durch sowie erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unsere Prüfungsurteile zu dienen. Das Risiko, dass aus dolosen Handlungen resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, ist höher als das Risiko, dass aus Irrtümern resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen, beabsichtigte Unvollständigkeiten, irreführende Darstellungen bzw. das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten können.

• gewinnen wir ein Verständnis von dem für die Prüfung des Jahresabschlusses relevanten internen Kontrollsystem und den für die Prüfung des Lageberichts relevanten Vorkehrungen und Maßnahmen, um Prüfungshandlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prüfungsurteil zur Wirksamkeit dieser Systeme der Gesellschaft abzugeben.

• beurteilen wir die Angemessenheit der von dem gesetzlichen Vertreter angewandten Rechnungslegungsmethoden sowie die Vertretbarkeit der von dem gesetzlichen Vertreter dargestellten geschätzten Werte und damit zusammenhängenden Angaben.

• ziehen wir Schlussfolgerungen über die Angemessenheit des von dem gesetzlichen Vertreter angewandten Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungsnachweise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit der Gesellschaft zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls wir zu dem Schluss kommen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, im Bestätigungsvermerk auf die dazugehörigen Angaben im Jahresabschluss und im Lagebericht aufmerksam zu machen oder, falls diese Angaben unangemessen sind, unser jeweiliges Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage der bis zum Datum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegebenheiten können jedoch dazu führen, dass die Gesellschaft ihre Unternehmenstätigkeit nicht mehr fortführen kann.

• beurteilen wir Darstellung, Aufbau und Inhalt des Jahresabschlusses insgesamt einschließlich der Angaben sowie ob der Jahresabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und Ereignisse so darstellt, dass der Jahresabschluss unter Beachtung der deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft vermittelt.

• beurteilen wir den Einklang des Lageberichts mit dem Jahresabschluss, seine Gesetzesentsprechung und das von ihm vermittelte Bild von der Lage der Gesellschaft.

• führen wir Prüfungshandlungen zu den von dem gesetzlichen Vertreter dargestellten zukunftsorientierten Angaben im Lagebericht durch. Auf Basis ausreichender geeigneter Prüfungsnachweise vollziehen wir dabei insbesondere die den zukunftsorientierten Angaben von dem gesetzlichen Vertreter zugrunde gelegten bedeutsamen Annahmen nach und beurteilen die sachgerechte Ableitung der zukunftsorientierten Angaben aus diesen Annahmen.

Ein eigenständiges Prüfungsurteil zu den zukunftsorientierten Angaben sowie zu den zugrunde liegenden Annahmen geben wir nicht ab. Es besteht ein erhebliches unvermeidbares Risiko, dass künftige Ereignisse wesentlich von den zukunftsorientierten Angaben abweichen.

Wir erörtern mit den für die Überwachung Verantwortlichen unter anderem den geplanten Umfang und die Zeitplanung der Prüfung sowie bedeutsame Prüfungsfeststellungen, einschließlich etwaiger Mängel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Prüfung feststellen.

 

Hamburg, den 4. Juli 2025

MÖHRLE HAPP LUTHER GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Wiegand, Wirtschaftsprüfer

Wiehe, Wirtschaftsprüfer

Prüfung des Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2023 und des Lageberichtes der Kartina Digital GmbH, Wiesbaden.

Bei Veröffentlichungen oder Weitergabe des Jahresabschlusses und/oder des Lageberichtes in einer von der bestätigten Fassung abweichenden Form (einschließlich der Übersetzung in andere Sprachen) bedarf es zuvor unserer erneuten Stellungnahme, sofern hierbei unser Bestätigungsvermerk zitiert oder auf unsere Prüfung hingewiesen wird; wir weisen insbesondere auf § 328 HGB hin.

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