AGRAVIS Technik Service GmbH

Chromstraße 19, 30916 Isernhagen, DEU

Stammdaten

Register
Amtsgericht Hannover HRB 218985
Vorher
Saltenbrock Agrar-Traktoren-Vertrieb Melle GmbH
Eingetragen
19.7.1993
Branche
Tätigkeiten der Großhandelsvermittlung von landwirtschaftlichen Maschinen und GerätenGroßhandel mit landwirtschaftlichen Maschinen und GerätenGroßhandel mit Werkzeugmaschinen
Gegenstand
Der Handel mit Landmaschinen, landwirtschaftlichen Geräten und deren Ersatzteilen sowie der Betrieb von Werkstätten zur Reparatur- und Servicezwecken.

Finanzübersicht

Historie

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Management

NameRolle
Christoph Serini
seit 1.11.2019
Geschäftsführer

Wirtschaftlich Berechtigte
Beta

0.00% identifiziert100.00% ungelöst

Ungelöste Beteiligungen (1)

NameAnteil
AGRAVIS Raiffeisen AG
100.00%

Gesellschafter
Beta

1 Gesellschafter

GmbH-Struktur

Name
Ort
Betrag
Anteil
AGRAVIS Technik Holding GmbH
Germany
25.600 €
100.00%

Bilanzkonten

Gewinn- und Verlustrechnung

Posten

Konzern- und Jahresabschlüsse

AGRAVIS RAIFFEISEN AG

Münster

Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2022 bis zum 31.12.2022

Bericht des Aufsichtsrates

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

• nachdem wir uns drei Jahre pandemiebedingt nicht persönlich zur AGRAVIS-Hauptversammlung treffen konnten, freue ich mich gemeinsam mit dem Vorstand und dem gesamten AGRAVIS-Aufsichtsrat darauf, dass wir diese Beschränkungen hinter uns lassen können. Am 9. Mai sehen wir uns zur Hauptversammlung 2023 in Osnabrück. Vorstand und Aufsichtsrat werden Ihnen dann in Präsenz Bericht erstatten über das zurückliegende Geschäftsjahr 2022. Ein Jahr, das in vielerlei Hinsicht historisch genannt werden kann. Der furchtbare Krieg in der Ukraine hat mitten in Europa massenhaft Tod, Vertreibung und Zerstörung verursacht. Es war absehbar, dass dieser Krieg und seine Folgen zu erheblichen Einschnitten und Verwerfungen auf den Agrar- und Energiemärkten führen und damit auch das AGRAVIS-Geschäft erheblich beeinflussen würden. Genauso ist es gekommen. Aber es gilt uneingeschränkt die Aussage, die ich auch schon im Geschäftsbericht 2021 getätigt habe: Wir sind bereit, diesen Preis zu zahlen, um Frieden und Freiheit in Europa schnellstmöglich wieder herzustellen.

Die historische Dimension des Jahres 2022 spiegelt sich auch in einer einzigen Zahl wider: Im November wuchs die Weltbevölkerung erstmalig auf über 8 Mrd. Menschen an. Beide Ereignisse in Verbindung mit den fortschreitenden Klimaveränderungen richten den Scheinwerfer noch mehr auf die Erfordernisse einer nachhaltigen, innovativen Landwirtschaft, die die gesunde Ernährung für die Menschen sichert - regional, national und global. Hierzu leistet auch die deutsche Landwirtschaft ihren Beitrag. Und so ergeben sich daraus für ein leistungsstarkes, modernes Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen wie unsere AGRAVIS neue Chancen. Der Aufsichtsrat ist sich mit dem Vorstand darin einig, dass wir die Chancen ergreifen wollen. Mit unserem 360-Grad-Portfolio, dem Know-how und der Innovationsfreude der AGRAVIS-Beschäftigten sowie den Möglichkeiten der Digitalisierung haben wir als AGRAVIS dafür die besten Voraussetzungen. Das hat sich auch schon im vergangenen Geschäftsjahr gezeigt. Mit praxistauglichen Lösungen, die den Kunden echte Mehrwerte bringen, hat unsere AGRAVIS trotz aller Herausforderungen im Markt überzeugt.

Angesichts der hohen Unsicherheiten und extremen Preisvolatilitäten aufgrund des Ukraine-Krieges war der Vorstand gut beraten, das Unternehmen mit größtmöglicher Vorsicht und einem konsequenten Risikomanagement durch das Jahr zu führen. Das Risikofrüherkennungssystem von AG und Konzern geht schon seit einiger Zeit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Im Jahr 2022 war es mehr denn je erforderlich.

Dass es gelang, ohne nennenswerte Schrammen durch das Jahr zu kommen, belegen ein Konzernumsatz von 9,4 Mrd. Euro, der zum ganz überwiegenden Teil preisbedingt war, und ein zukunftssicherndes Ergebnis vor Steuern von 61,5 Mio. Euro. Eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr - und das trotz erheblich gestiegener Energie- und Betriebskosten.

Erst Corona, dann die hohe Inflation - es spricht für die Unternehmenskultur des "Gemeinsam stark" in der AGRAVIS, dass die Belastungen für die Mitarbeitenden zumindest in Teilen abgefedert wurden. Die Zahlung einer Coronapauschale und eines Inflationsausgleichs im Dezember 2022 fand die ausdrückliche Zustimmung des Aufsichtsrates. Beides wurde aus dem Ergebnis heraus erwirtschaftet. Ebenfalls positiv entwickelten sich die Zahlen in der Konzernmuttergesellschaft, der AGRAVIS Raiffeisen AG, sodass Sie, verehrte Aktionärinnen und Aktionäre, wiederum verlässlich am Gewinn beteiligt werden können.

Durch seine Beschlussfassungen im Geschäftsjahr 2022 hat der Aufsichtsrat den strategischen Kurs des AGRAVIS-Konzerns weiter gezielt unterstützt. Herausheben möchte ich an dieser Stelle die Neuauflage der Schuldscheindarlehen über 94,5 Mio. Euro. Es stieß bei den Investoren in einem schwierigen Marktumfeld auf stabiles Interesse und unterstreicht das starke Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Solidität des AGRAVIS-Konzerns. Unsere Finanzierungsstruktur behält mit diesem Schritt eine sehr breite, sichere Basis. Zugleich wird im Verbund mit den anderen Finanzquellen die Liquidität des Unternehmens gestärkt.

Das über Jahre laufende größte Investitionsvorhaben ist das "Dock"-Projekt, mit dem konzernweit eine einheitliche ERP-Landschaft auf SAP-Basis eingeführt wird. Hier wurden im zurückliegenden Geschäftsjahr weitere wichtige Schritte erfolgreich gemeistert, um schlanke, standardisierte Prozesse zu erreichen. Von weitreichender Bedeutung für effiziente Strukturen im genossenschaftlichen Verbund ist die Entscheidung, in Nottuln (Kreis Coesfeld) einen Standort für ein gemeinsames Stückgut-Distributionszentrum zu entwickeln und in der Gesellschaft RaiLog zu betreiben. Damit werden Logistikprozesse im Sinne der Kunden digital und zukunftssicher organisiert, an einer Stelle gebündelt, sodass Lkw-Kilometer eingespart werden und damit auch CO 2 reduziert wird. Bei der Errichtung des Gebäudes werden hohe Energieeffizienzstandards erfüllt. Der beim Bau anfallende CO 2 -Ausstoß wird im laufenden Betrieb des Distributionszentrums schon nach wenigen Jahren vollständig kompensiert sein.

Damit ist dieses Projekt langfristig ein Gewinn für den Klimaschutz und unterstreicht sehr deutlich, dass der AGRAVIS-Konzern Nachhaltigkeit konsequent umsetzt.

Auf die Stärkung des genossenschaftlichen Verbundes zahlt ebenso die zum 1. Januar 2023 wirksam gewordene Finanzbeteiligung der Raiffeisen Landbund eG, der RWG Niedersachsen Mitte eG, der VR Bank in Südniedersachsen sowie der RWG Osthannover eG an der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH (ANS) ein. Zuvor war schon die Raiffeisen Warenhandel GmbH in Rosdorf Mitgesellschafter an diesem regionalen Agrarzentrum. Das ist ein starkes Statement für den Zusammenhalt des Raiffeisen-Verbundes und ein klares Signal an die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region. Sie können darauf vertrauen, dass die AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH und ihre genossenschaftlichen Gesellschafter die leistungsstarken Partner für ihre Endkunden bleiben und sie mit überzeugenden Produkten und bedarfsgerechten Dienstleistungen versorgen werden.

Zum positiven Geschäftsjahr 2022 trugen auch die gezielten internationalen Aktivitäten des AGRAVIS-Konzerns bei. Zu nennen sind hier die erfolgreichen Joint Ventures mit unserem dänischen Partner Danish Agro a.m.b.a. - auch die Ceravis AG hat inzwischen den Turnaround geschafft - und der Wachstumskurs der AGRAVIS Technik Polska.

Als Vorsitzender des Aufsichtsrates habe ich mich mit allen Vorstandsmitgliedern, insbesondere mit dem Vorstandsvorsitzenden, eng ausgetauscht - auch außerhalb der Sitzungen. Ich bin außerordentlich froh darüber, dass der AGRAVIS-Vorstand seit dem 1. April 2022 wieder komplett ist. Schon in den ersten Monaten hat sich gezeigt, dass Jan Heinecke die richtige Wahl des Aufsichtsrates war. Mit seiner hohen Expertise im Agrarhandel und seiner Führungserfahrung in der Branche hat er sich sehr schnell in die ihm zugeordneten Ressorts eingearbeitet und für einen nahtlosen Übergang gesorgt. Der AGRAVIS-Vorstand ist nun für die nächsten Jahre solide aufgestellt, damit die AGRAVIS und der genossenschaftliche Verbund der starke Partner für eine nachhaltige, innovative Landwirtschaft bleiben kann. Der AGRAVIS-Aufsichtsrat begleitet diesen Kurs weiterhin konstruktiv.

Zwei Gremienmitglieder, die die enge genossenschaftliche Zusammenarbeit im AGRAVIS-Aufsichtsrat über viele Jahre mit Leben gefüllt haben, schieden mit der Hauptversammlung 2022 aus Altersgründen aus dem Gremium aus: Friedrich Steinmann und Martin Duesmann-Artmann. Als neue Kapitalvertreter erhielten Günter Hessing, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der RWG Haltern eG, und Philipp Schulze Esking, Landwirt aus Billerbeck, das Mandat der Hauptversammlung. Bereits zum 1. Januar 2022 hatte Patrick Niehus, Mitarbeiter der AGRAVIS Technik Raiffeisen GmbH, als Arbeitnehmervertreter die Nachfolge von Annette Wolters angetreten. Er war über die DHV - die Berufsgewerkschaft e. V. als Ersatzmitglied gewählt worden. Auch die enge Zusammenarbeit des Aufsichtsrates mit dem Beirat der AGRAVIS wurde im Geschäftsjahr 2022 weiter gepflegt.

Sitzungen des Aufsichtsrates

Im zurückliegenden Geschäftsjahr fanden sechs ordentliche Sitzungen des Aufsichtsrates statt. Bis auf eine konnten alle übrigen nach Auslaufen der meisten Coronabeschränkungen wieder in Präsenz durchgeführt werden. In den regulären Sitzungen hat der Aufsichtsrat sämtliche zustimmungsbedürftigen Maßnahmen beraten und die erforderlichen Beschlüsse gefasst. Eine weitere Beschlussfassung erfolgte zudem im schriftlichen Verfahren.

In einer Klausurtagung befasste sich der Aufsichtsrat am 30. März 2022 mit der eigenen strategischen Ausrichtung im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres. Aufgrund der Unsicherheiten durch den Ukraine-Krieg richtete sich der Fokus unter anderem auf die Analyse des Liquiditäts- und Finanzierungsmanagements. Darüber hinaus hat sich der Aufsichtsrat in einer ganztägigen Schulungsveranstaltung mit dem Risikomanagement der AGRAVIS beschäftigt.

In seiner Sitzung am 29. März 2022 hat der Aufsichtsrat den Jahresabschluss 2021 auf Empfehlung des Prüfungsausschusses wie auch nach eigener Prüfung festgestellt sowie die Tagesordnung und die Beschlussvorschläge für die Hauptversammlung 2022 verabschiedet. Diese enthielt die jährlichen Regularien wie die Verwendung des Bilanzgewinns 2021 sowie Wahlen zum Aufsichtsrat und Beirat.

In Ausübung seiner Kontrollfunktion hat der Aufsichtsrat regelmäßig über die Geschäftspolitik, den Geschäftsverlauf, die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Personalentwicklung, die Unternehmens- und Finanzplanung, das Chancen- und Risikomanagement sowie über die Investitionen und Akquisitionen der AGRAVIS beraten. Der Aufsichtsrat nahm alle Aufgaben, für die er nach Gesetz, Satzung und Geschäftsordnung zuständig ist, sorgfältig wahr. Er hat den Vorstand bei der Führung und Steuerung des Unternehmens kontinuierlich beraten, dessen Vorgehen in Einzelfällen hinterfragt und die Geschäftsführung überwacht. Frühzeitig war der Aufsichtsrat in alle wesentlichen Entscheidungen eingebunden, die für die AGRAVIS von grundlegender Bedeutung sind.

Ausschüsse des Aufsichtsrates

Um seine umfangreichen Aufgaben strukturiert und effizient zu erledigen, hat der Aufsichtsrat vier Ausschüsse gebildet: den Personalausschuss, den Bilanz- und Prüfungsausschuss, den Investitionsausschuss und den Vermittlungsausschuss. Letzterer musste im abgelaufenen Geschäftsjahr abermals nicht einberufen werden. Alle Ausschüsse werden laut Geschäftsordnung vom Aufsichtsratsvorsitzenden geleitet.

Der Personalausschuss hat im Berichtsjahr zweimal getagt. Der Bilanz- und Prüfungsausschuss hat im März 2022 den Jahres- und Konzernabschluss 2021 der AGRAVIS Raiffeisen AG, die jeweiligen Lageberichte sowie den Ergebnisverwendungsvorschlag des Vorstandes geprüft und festgestellt. In einer weiteren Sitzung des Ausschusses bildeten das Forderungsmanagement, die Analyse der Leistungskennzahlen Finanzierung und die Prüfungsvorbereitung die Schwerpunktthemen.

Der Investitionsausschuss hat den Investitionsplan für 2023 beraten und dem Aufsichtsrat in einer Höhe von 55,6 Mio. Euro zur Beschlussfassung empfohlen. Der Aufsichtsrat hat dem Investitionsplan in seiner Sitzung am 19. Oktober 2022 zugestimmt. In einer weiteren Sitzung hat sich der Investitionsausschuss über den Stand der Investitionsprojekte im Geschäftsjahr 2022 sowie über Nachkalkulationen zu Investitionen aus Vorjahren unterrichten lassen.

Die Bewertungskommission hat im vergangenen Jahr einmal getagt und über den Aktienwert beraten, der unverändert 61,50 Euro beträgt. Über die Arbeit der Ausschüsse sowie der Bewertungskommission, die laut Geschäftsordnung vom Aufsichtsratsvorsitzenden geleitet werden, wird regelmäßig im Aufsichtsrat berichtet.

Jahres- und Konzernabschluss 2022

Die Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat die vom Vorstand aufgestellten Jahresabschlüsse der AG und des Konzerns für das Geschäftsjahr 2022 sowie die Lageberichte der AG und des Konzerns unter Einbeziehung der Buchführung und der Geschäftsführung (entsprechend § 53 GenG) geprüft. Die mit dem Aufsichtsrat vereinbarten Prüfungsschwerpunkte - Cyber-Security, Finanzierungsstruktur, Analyse von Einzelgesellschaften mit auffälliger Performanceabweichung zum Plan - wurden berücksichtigt. Die Abschlüsse haben jeweils uneingeschränkte Bestätigungsvermerke erhalten.

Die Abschlussprüfer haben im Bilanz- und Prüfungsausschuss am 28. März 2023 ausführlich über die Prüfung berichtet. Der Ausschuss empfahl dem gesamten Aufsichtsrat daraufhin, die Abschlüsse zu genehmigen.

Die Jahresabschlussunterlagen, die Lageberichte der AG und des Konzerns, die Prüfungsberichte von Deloitte sowie der Vorschlag für die Verwendung des Bilanzgewinns lagen dem Aufsichtsrat rechtzeitig vor und wurden in einer Sitzung am 29. März 2023 mit dem Abschlussprüfer besprochen. Sämtliche Rückfragen hierzu wurden umfassend beantwortet. Der Aufsichtsrat hat die Unterlagen eigenständig geprüft und keine Einwände erhoben. Er hat die Jahresabschlüsse der AGRAVIS Raiffeisen AG und des AGRAVIS-Konzerns genehmigt. Sie sind damit festgestellt.

Der Vorschlag zur Ergebnisverwendung wurde ebenfalls überprüft und für ausgewogen befunden. Der Vorstand schlägt der Hauptversammlung vor, den Bilanzgewinn der AGRAVIS Raiffeisen AG in Höhe von 12.067.352,99 Euro wie folgt zu verwenden: Zahlung einer Dividende in Höhe von 1,28 Euro pro Aktie. Das führt zu einer Gesamtausschüttung von 10.276.828,16 Euro. Der Vorstand schlägt vor, 1.000.000,00 Euro in die anderen Gewinnrücklagen einzustellen und den verbleibenden Betrag in Höhe von 790.524,83 Euro auf neue Rechnung vorzutragen. Der Aufsichtsrat hat diesem Vorschlag zugestimmt.

Der Aufsichtsrat dankt dem Vorstand, Management-Team und Führungskreis sowie allen Mitarbeitenden der AGRAVIS Raiffeisen AG und des Konzerns für die im abgelaufenen Geschäftsjahr geleistete erfolgreiche Arbeit, die aufgrund der historischen Rahmenbedingungen besonders herausfordernd war.

 

Münster, den 29. März 2023

Franz-Josef Holzenkamp, Vorsitzender

Konzernlagebericht

6.1 Grundlagen des Konzerns

Geschäftstätigkeit

Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist die Muttergesellschaft des AGRAVIS-Konzerns und mehrheitlich im Eigentum von rund 100 regionalen Primärgenossenschaften. Sie entstand im Jahr 2004 aus der Fusion der Raiffeisen Hauptgenossenschaft Nord AG in Hannover und der Raiffeisen Central-Genossenschaft in Münster. Der AGRAVIS-Konzern versteht sich als nationales Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen und ist daher vorrangig in Deutschland tätig - in einem Gebiet zwischen den Niederlanden im Westen und Polen im Osten. Unternehmenssitz ist Münster.

Die unternehmerische Tätigkeit richtet sich mit einem 360-Grad-Angebot konsequent am Kundenbedarf aus. Engagierte, qualifizierte Mitarbeitende, zukunfts- und bedarfsorientierte Produkte und Dienstleistungen sowie effiziente Prozesse sind das Fundament für ein erfolgreiches Agieren im Markt. Ziel ist es, der innovative Dienstleister für eine nachhaltige Landwirtschaft und die Menschen im ländlichen Raum zu sein. Der Konzern treibt die Digitalisierung voran und beabsichtigt so, erfolgreiche Vertriebswege und neue, profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln. Er sieht sich als kundenzentrierter Brückenbauer zwischen allen Akteur:innen im gesamten Agribusiness. Das partnerschaftliche Geschäft mit den Genossenschaften wird kontinuierlich ausgebaut. Durch sein werteorientiertes, verantwortungsvolles Handeln sieht sich der AGRAVIS-Konzern als eine tragende Säule für die Entwicklung der Gesellschaft im ländlichen Raum seines Arbeitsgebietes. Mit nachhaltiger Versorgung - insbesondere auch in Zeiten globaler Krisen - will er dazu beitragen, die Existenz künftiger Generationen langfristig zu sichern.

Durch schlanke Strukturen und operative Exzellenz strebt der AGRAVIS-Konzern eine Absicherung seiner Position als marktrelevantes Unternehmen an. Durch profitables Wachstum innerhalb des genossenschaftlichen Verbundes wird die Basis für eine dauerhafte Dividende geschaffen. AGRAVIS versteht sich als genossenschaftlicher Dienstleister, fest verankert in der heimischen Landwirtschaft.

Nachhaltigkeit

Als nationaler Agrarhandels- und Dienstleistungskonzern unterstützt AGRAVIS die Entwicklung zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft. - Nachhaltigkeit ist deshalb längst ein fester Bestandteil der Konzernstrategie geworden. Es gilt hierbei, eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Wertschätzung und Ressourcenschonung zu erzielen. AGRAVIS leistet somit einen Beitrag zum Generationenvertrag in der Landwirtschaft.

Ein Fokus der Nachhaltigkeitsaktivitäten liegt auf umsetzbaren und markttauglichen, ganzheitlichen Konzepten, zum Beispiel für die Nutztierfütterung oder zur Stärkung des Ressourcenschutzes in der Flächennutzung. Den hohen Stellenwert für das Themenfeld Nachhaltigkeit dokumentiert der AGRAVIS-Konzern auch durch die Bildung eines eigenen Bereichs Dienstleistung & Nachhaltigkeit zu Beginn des Geschäftsjahres 2022. Der Bereich treibt die nachhaltige Ausrichtung der Prozesse im Konzern voran, zum Beispiel im Hinblick auf Energieeffizienz und Klimaneutralität. Gerade mit Blick auf die hohen Energiepreise und die Gasknappheit, bedingt durch die Folgen des Ukraine-Krieges, waren hier im Geschäftsjahr 2022 besondere Herausforderungen zu meistern.

Konzernstruktur

Zum Stichtag 31. Dezember 2022 gehörten 86 Tochterunternehmen (Vorjahr: 85) sowie 95 assoziierte und Beteiligungsunternehmen gemäß Anteilsbesitzliste (Vorjahr: 96) zum AGRAVIS- Konzern. Dessen Geschäftstätigkeit erfolgt schwerpunktmäßig im Agribusiness mit den Sparten Agrar Großhandel und Agrar Landwirtschaft sowie Technik. Auch die Sparten Märkte und Energie gehören zum Kerngeschäft. Die Einteilung der Geschäftstätigkeit in Sparten entspricht der Führungs- und Holdingstruktur des Konzerns und leitet sich aus dem internen Berichtswesen ab. Ausgewiesen werden jeweils die extern erzielten Umsätze. Die Sparten des AGRAVIS-Konzerns:

Agrar Großhandel

Die Sparte - Agrar Großhandel umfasst die Bereiche Pflanzenbau, Agrarerzeugnisse sowie Tiere. Der Bereich Pflanzenbau betreibt den Großhandel mit Betriebsmitteln in den Produktbereichen Pflanzenschutz (einschließlich Folien, Netze und Garne), Düngemittel und Saatgut, außerdem eine umfassende produktionstechnische Beratung der Handelspartner und der landwirtschaftlichen Betriebe. Der Konzern unterhält hierfür in der Pflanzenbau-Vertriebsberatung ein eigenes Versuchswesen mit mehr als 20 Standorten. Auch die Tochtergesellschaft - Terravis GmbH mit ihrem Produktportfolio und dem Dienstleistungsgeschäft für Biogasanlagen ist im Bereich Pflanzenbau angesiedelt.

Im Bereich Agrarerzeugnisse erfolgt der Handel mit Getreide, Ölsaaten und Futterrohstoffen. Der Schwerpunkt liegt auf der Versorgung der AGRAVIS-eigenen sowie der genossenschaftlichen Futtermittelwerke sowie von Mühlen und Industrie mit Rohware.

Im Bereich Tier produziert und vertreibt der AGRAVIS-Konzern Erzeugnisse in den Produktbereichen Mischfutter, Spezialfutter (einschließlich Tier- und Stallhygiene), Futter mittel-Spezialprodukte sowie Tiergesundheit.

Bei der Futtermittelproduktion werden alle Nutztierarten sowie das Segment "Horse & Hobby" bedient. Die hohen Anforderungen der wichtigsten Qualitätsmanagementsysteme (DIN EN ISO 9001, GMP+, QS und VLOG) werden erfüllt. Die AGRAVIS-Konzerngesellschaft → Livisto Group GmbH stellt mit ihren Tochtergesellschaften an sechs Standorten weltweit Produkte der Tiergesundheit her und vertreibt sie in mehr als 100 Ländern.

Agrar Landwirtschaft

Die → Sparte Agrar Landwirtschaft umfasst die Geschäftstätigkeit der AGRAVIS Ost GmbH & Co. KG und deren Tochtergesellschaften sowie der regionalen Agrarzentren im Konzern, die in der AGRAVIS Agrarholding GmbH zusammengefasst sind. Diese Gesellschaften betreiben in Teilregionen des AGRAVIS-Arbeitsgebietes das Direktgeschäft mit der Landwirtschaft. In dieser Sparte werden alljährlich mehrere Mio. Tonnen Getreide und Ölsaaten erfasst und aufbereitet. Außerdem versorgen die Konzerngesellschaften die landwirtschaftlichen Kunden mit den erforderlichen Betriebsmitteln einschließlich Energie. Rund 730 Beschäftigte stellen an den 52 leistungsstarken Betriebsstellen der → AGRAVIS Ost GmbH & Co. KG ein auf die Kundenbedarfe zugeschnittenes Dienstleistungspaket sicher. Die → vier regionalen Agrarzentren der AGRAVIS Agrarholding GmbH mit rund 580 Mitarbeitenden sowie weitere Beteiligungsgesellschaften decken im Wesentlichen das mittlere und westliche Arbeitsgebiet des Konzerns ab und betreiben in Teilen auch Einzelhandel über ihre Raiffeisen-Märkte sowie Tankstellen und das Energiegeschäft.

Technik

In der - Sparte Technik vertreibt der Konzern neue und gebrauchte landwirtschaftliche Maschinen - stationär und online. - 22 regionale Gesellschaften (inklusive Beteiligungen) sind an 116 Standorten unter dem Dach der AGRAVIS Technik Holding GmbH operativ tätig. Rund 2.500 Mitarbeitende bedienen die Kundschaft mit einem umfassenden Produkt- und Dienstleistungsportfolio rund um die Landtechnik, vor allem mit einem leistungsstarken Ersatzteil- und Werkstattservice.

Märkte

Die →Sparte Märkte bildet das Raiffeisen-Markt-Geschäft im Groß- und Einzelhandel ab. In dieser Sparte sind 30 eigene Märkte direkt allokiert, weitere 42 sind der Sparte Agrar Landwirtschaft zugeordnet. Das Warensortiment für Garten, Haus und Hof, Heimtier, Reitsport sowie Textil und Schuhe vertreibt der AGRAVIS-Konzern zudem über ein Franchisesystem mit circa 480 Kooperationsmärkten im ländlichen Raum. Insgesamt versorgt der Konzern im Großhandel rund 1.000 Raiffeisen-Märkte in verschiedenen Regionen mit einem umfangreichen Angebot an Dienstleistungen und einem breiten Sortiment an Produkten einschließlich gut positionierter Eigenmarken. Der Onlineshop - "raiffeisenmarkt.de" ergänzt das stationäre Vertriebsgeschäft und wird gemeinsam mit 40 regionalen Raiffeisen-Genossenschaften wirtschaftlich erfolgreich betrieben. Auch Aktivitäten im Baustoffhandel, hier vor allem die Einkaufsgemeinschaft Regio Baustoffe GmbH, gehören zur Sparte Märkte.

Energie

In der → Sparte Energie wird das umfangreiche Energiegeschäft der Konzernmutter AGRAVIS Raiffeisen AG und der AGRAVIS Energie Holding GmbH zusammengefasst. Als unabhängiger Energiehändler versorgt der AGRAVIS-Konzern die Kundschaft mit Brenn- und Kraftstoffen sowie Schmierstoffen. Der Konzern agiert als Großhändler und ist über Tochter- und Beteiligungsunternehmen auch für private und gewerbliche Endverbraucher:nnen aktiv, etwa bei leitungsgebundenen Energien oder im Geschäft mit → Holzpellets. Stark ausgeprägt ist zudem das Tankstellensegment: AGRAVIS betreibt in der Konzerngesellschaft AGRAVIS Raiffeisen Tankstellen GmbH eigene Stationen und koordiniert einen flächendeckenden → Tankverbund. Ferner werden Tankstellenpartnern umfassende Serviceleistungen angeboten - bis hin zur Modernisierung und dem Neubau von Stationen. Die Beteiligungsgesellschaft → Terrasol Wirtschaftsdünger GmbH betreibt in Dorsten eine Biogasanlage, in der größtenteils regionale Wirtschaftsdünger verwertet werden.

6.2. Wirtschaftsbericht

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die gesamte Wirtschaft im Jahr 2022 durcheinandergewirbelt. Energie-, Rohstoff- sowie Futter- und Nahrungsmittelpreise erreichten zeitweise Rekordwerte und stellten viele Unternehmen, private Haushalte und die gesamte Volkswirtschaft in Deutschland bei Inflationsraten bis in den zweistelligen Bereich vor große Herausforderungen. Hinzu kamen gestörte Lieferketten aufgrund von Corona, Logistikengpässen und Niedrigwasser. Die Grundwasserstände in Deutschland sanken auf das niedrigste Niveau seit 1990. Gleichzeitig lag die durch den Klimawandel bedingte Erwärmung in Deutschland deutlich über dem globalen Durchschnitt.

Trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen hat sich die Wirtschaft insgesamt jedoch als robust erwiesen - nicht zuletzt dank staatlicher Stützungsprogramme wie dem "Tankrabatt", dem "9-Euro-Ticket" sowie der Deckelung der Strom- und Gaspreise.

So konnte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2022 um 1,9 Prozent leicht ansteigen, allerdings wurden die Wachstumsprognosen im Jahresverlauf mehrfach nach unten korrigiert. Die Teuerungsrate erreichte im Jahresmittel 7,9 Prozent und damit den höchsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung. Zeitweise übersprang die Inflationsrate im zurückliegenden Jahr die Marke von 10 Prozent. Der Euro verlor 2022 gegenüber dem US-Dollar vorübergehend mehr als 10 Prozent und unterschritt wie zuletzt vor 20 Jahren temporär die Parität. Um gegenzusteuern, erhöhte die Europäische Zentralbank im Juli 2022 zum ersten Mal seit elf Jahren die Leitzinsen. Die Anhebung betrug zunächst 0,5 Prozentpunkte, weitere Zinsschritte folgten.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigte sich sehr stabil. Gleichzeitig nahm der Fachkräftemangel zu, da immer mehr Angehörige der "Boomer"-Generation die Ruhestandsgrenze erreichten. Die Erwerbslosenquote lag im Jahresmittel bei rund 5,3 Prozent. Gegen Ende des Jahres wurden die hohe Inflationsrate und die allgemeinen Kostensteigerungen in erste Tarifabschlüsse eingepreist, was zu einer zusätzlichen Belastung für die Betriebe führte. Auch die Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland auf 12 Euro pro Stunde ab 1. Oktober 2022 steigerte für viele Betriebe zusätzlich den Kostendruck.

Branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Sparten, in denen der AGRAVIS-Konzern tätig ist, waren direkt oder indirekt so wie die gesamte Wirtschaft von den Auswirkungen des Ukraine-Krieges betroffen. Hohe Preise, knappe Warenverfügbarkeit und gestörte Lieferketten führten zu enormen Herausforderungen. Hinzu kamen eingeschränkte Logistikkapazitäten aufgrund von Niedrigwasser und Fahrermangel.

Insgesamt verbesserte sich die Einkommenssituation in der deutschen Landwirtschaft 2022 spürbar. Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte stiegen im Vergleich zum Vorjahr um rund 40 Prozent, wobei pflanzliche Erzeugnisse um 26 und tierische Erzeugnisse um 49 Prozent zulegten. Der Literpreis für Rohmilch näherte sich der 60-Cent-Marke. Problematisch war weiterhin die Situation für die Erzeuger von Schweinefleisch, was häufig zu Betriebsaufgaben führte, sowie der Bereich Sonderkulturen.

Zugleich war die gesamte Branche 2022 von enormen Kostensteigerungen in praktisch allen Bereichen betroffen. Die Preise für Betriebsmittel stiegen um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einige Hersteller hatten die energieintensive Produktion von Mineraldünger aufgrund der hohen Gaspreise zeitweise ausgesetzt.

Knappheit bei Pflanzenschutzmitteln und rasant steigende Preise erforderten einen Zusatzaufwand im Bestands- und Produktmanagement. Das erhöhte den wirtschaftlichen Druck auf die Anwender zusätzlich, da im Pflanzenbau kaum Alternativen zu bewährten Fungiziden und Herbiziden existierten. Den kurzfristigen zulassungsbedingten Änderungen im Maisanbau und damit verbundenen Veränderungen in der Produktwahl wurde im Verbund erfolgreich Rechnung getragen.

Die Getreideernte in Deutschland lag quantitativ mit 43 Mio. Tonnen über dem Vorjahr, aber unter dem langjährigen Durchschnitt seit 2014. Das starke West-Ost-Gefälle zeigte die klimatischen Herausforderungen in Ostdeutschland. Die Qualitäten speziell beim Weizen ließ aber vielfach zu wünschen übrig. Die Erträge beim Raps lagen weit über dem Fünfjahresmittelwert, insgesamt wurden 4,3 Mio. Tonnen geerntet. Die Maisernte brach hingegen mit einem Minus von 900.000 Tonnen gegenüber Vorjahr drastisch ein. Die globalen Versorgungsbilanzen bei Getreide und Mais sind im Wirtschaftsjahr 2022/2023 eng, während die weltweite Situation bei Raps und Soja relativ komfortabel aussieht. Die Preise für Getreide und Raps erreichten im Jahr 2022 zeitweilig neue Rekordstände, unter anderem ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine, zeigten sich insgesamt aber stark volatil.

Beim Ausbau der ökologischen Landwirtschaft war Deutschland auch 2022 weit von den nationalen (30 Prozent bis 2030) bzw. europäischen Zielen (25 Prozent bis 2030), bezogen auf den Anteil von Bio-Anbau an der gesamten Landwirtschaft, entfernt. Im Bundesdurchschnitt wirtschaftete jeder siebte Betrieb ökologisch. Die Ernte von Biogetreide blieb zum Vorjahr bei etwa 1,2 Mio. Tonnen nahezu unverändert.

Trotz stark gestiegener Energiepreise wuchs die Biogasbranche nur langsam. Der Anlagenbestand nahm um rund 1 Prozent zu. Die Existenzgefährdung zahlreicher Biogasanlagenbetreiber hat die Koalition im Dezember 2022 in letzter Minute noch abgewendet. Denn zur Finanzierung des Strompreisdeckels sind nun doch die meisten Anlagen von einer Erlösabschöpfung befreit. Sie greift erst ab 1 Megawatt Bemessungsleistung.

Aufgrund weiter sinkender Tierbestände in Deutschland ging die Produktion im Jahr nach vorläufigen Zahlen des Deutschen Verbandes Tiernahrung um 6 bis 8 Prozent zurück. Besonders kritisch war die Situation in der Schweinehaltung. Niedrige Preise, hohe Kosten, dazu der Einbruch beim Export durch die Afrikanische Schweinepest und die von der Politik beschriebenen Auflagen für mehr Tierwohl verhinderten moderne Neubauten und führten bei potenziell investitionsbereiten Landwirt:innen zu zahlreichen Betriebsaufgaben.

Die Preise für Rindfleisch sind 2022 im Vergleich zum Vorjahr um zweistellige Prozentwerte gestiegen. Trotz eher verhaltener Nachfrage sorgte ein sehr niedriges Angebot bei Bullen, Kühen und Färsen für diese Entwicklung. Dennoch gaben einige Betriebe die Fleischproduktion aufgrund der stark gestiegenen Kosten vor allem bei Futtermitteln und Energie auf, was wiederum die Rinderpreise weiter ansteigen ließ.

Die Geflügelfleischproduktion in Deutschland ist 2022 marginal um 0,5 Prozent zurückgegangen auf 1,755 Mio. Tonnen. Während die Produktion von Hähnchen 2022 noch leicht das Vorjahresniveau übertraf, sank die Erzeugung am Putenmarkt. Neue Stallgenehmigungen waren weiterhin nur sehr schwierig zu erlangen.

Die Zulassungszahlen für Traktoren waren 2022 rückläufig. Rund 30.300 Einheiten bedeuteten einen Rückgang von knapp 12 Prozent.28 Dennoch stieg das Marktvolumen für Landtechnik in Deutschland preisgetrieben von 6,96 Mrd. Euro im Jahr 2021 auf 7,50 Mrd. Euro im Jahr 2022.

Der Einzelhandel in Deutschland spürte, bedingt durch die hohe Inflation, die starke Verteuerung der Energiekosten und die schwache Konjunktur eine merkliche Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Der reale Kaufkraftverlust führte zu einer Kaufzurückhaltung bei investiven Konsumgütern. Unterbrochene Lieferketten sorgten für knappe Warenverfügbarkeiten. Höhere Preise auf der Einkaufsseite führten zu einem harten Preiswettbewerb im Endkundengeschäft.30 Durch das Ende der Null-Zins-Politik ging in den letzten Monaten des Geschäftsjahres 2022 auch die Bautätigkeit im privaten Bereich zurück.

Die Energiemärkte befanden sich 2022 im Krisenmodus. Zu den Herausforderungen durch die Klimaschutzziele des Bundes kam die Zeitenwende durch den Ausbruch des Ukraine-Krieges. Auf das erklärte politische Ziel Deutschlands, schnellstmöglich von russischem Gas unabhängig zu werden, und auf die Sanktionen gegen Russland reagierte die russische Seite zunächst mit einer Drosselung der Gaslieferungen. Im Verlauf des Jahres wurden die Pipelines Nord Stream 1 und 2 durch einen Sabotageakt zerstört, sodass darüber gar kein Gas mehr nach Deutschland geliefert wurde. Der Gaspreis verteuerte sich sprunghaft, dies führte zu einem Run auf Heizöl und Holzpellets. Diese hohe Nachfrage, gepaart mit knappen Produktverfügbarkeiten und der Sanktionierung russischer Ölprodukte trieb dann auch auf dem Mineralöl- und Holzpelletsmarkt die Preise in die Höhe. Die temporäre Senkung der Steuer auf Mineralölprodukte ("Tankrabatt") sorgte in den Sommermonaten für Nachfrageimpulse an den Tankstellen. Eine angespannte Logistik, bedingt durch wochenlanges Niedrigwasser auf dem Rhein, und fehlende Lkw-Fahrer für den Transport auf der Straße belasteten den Mineralölmarkt zusätzlich. Da durch den hohen Gaspreis Düngemittelproduzenten zeitweise ihren Betrieb eingestellt hatten, war auch die Verfügbarkeit des Diesel-Zusatzstoffs AdBlue eingeschränkt, was zu einem hohen Preisniveau führte.34 Im vierten Quartal 2022 gingen die Mineralölpreise in Deutschland deutlich zurück, lagen aber weiter über Vorkrisenniveau.

Wesentliche Ereignisse im Geschäftsjahr

Schuldscheindarlehen platziert

Zum dritten Mal nach 2013 und 2015 wurden im Juli 2022 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank, der DZ Bank und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einem schwierigen und von Unsicherheit geprägten Markt erfolgreich Schuldscheindarlehen platziert. Das Volumen erreichte rund 95 Mio. Euro und war damit deutlich höher als die angekündigten 75 Mio. Euro. Die nicht nachrangigen, aber unbesicherten Schuldscheindarlehen wurden den Investoren bei Laufzeiten von dreieinhalb, fünf oder sieben Jahren mit variabler und fixer Verzinsung angeboten. Überwiegend entschieden sich die Interessenten für die beiden längeren Laufzeiten. Im Verbund mit den weiteren Finanzierungsquellen sichern die Schuldscheindarlehen die Liquidität des Unternehmens. Erstmalig verknüpft die AGRAVIS Raiffeisen AG die neu ausgegebenen Schuldscheindarlehen mit drei konkreten Nachhaltigkeitszielen. Dieser sogenannte ESG-Ansatz (Environment, Social, Governance) korrespondiert mit der Nachhaltigkeitsstrategie des AGRAVIS-Konzerns, die sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientiert. Als KPIs wurden die CO 2 -Emissionen der AGRAVIS und ihrer wichtigsten Lieferanten sowie die Arbeitssicherheit ausgewählt. Im Mai 2022 hatte die AGRAVIS Raiffeisen AG die Schuldscheindarlehen in Höhe von 59 Mio. Euro abgelöst.

Strategische Weiterentwicklung der AGRAVIS Technik-Gruppe

Die AGRAVIS Technik Gruppe hat die Aktivitäten auf dem polnischen Markt weiter verstärkt und im Vertriebsgebiet der AGRAVIS Technik Polska zwei weitere Standorte in Potegowo und Cekow eröffnet. Damit stehen zur professionellen Bearbeitung des Vertriebsgebiets vier eigene Niederlassungen zur Verfügung. Der Bau einer fünften Niederlassung ist bereits in Planung. Darüber hinaus hat die AGRAVIS Technik Polska durch die Übernahme eines weiteren Händlers mit einem Standort das Verantwortungsgebiet erweitert. Die AGRAVIS Technik Holding hat dem zunehmenden Geschäft im Bereich Robotik Rechnung getragen und eine eigene Vertriebsstruktur etabliert, die sich ausschließlich mit dem Angebot an zukunftsweisenden Robotiklösungen beschäftigt. Durch die Übernahme der Vertriebsverantwortung für die Marken Ecorobotix und Farmdroid im gesamten AGRAVIS Technik-Marktgebiet wurden die Weichen gestellt, um die zunehmende Nachfrage seitens der Kundschaft bedienen zu können.

Mit fast 2500 Mitarbeitenden, die direkt im Endkundengeschäft tätig sind, legt der Bereich Technik einen hohen Fokus auf die Mitarbeiter- und Führungskräfteentwicklung. Die AGRAVIS Technik hat in 2022 ein über zwei Jahre ausgelegtes intensives Führungskräfteschulungsprogramm erfolgreich abgeschlossen. Weitere aufbauende Module sollen 2023 und 2024 folgen.

Weichenstellungen für effiziente Logistik

Der AGRAVIS-Konzern hat im Geschäftsjahr weitere Weichen für eine leistungsstarke, effiziente Logistik innerhalb des genossenschaftlichen Verbundes gestellt. Im Herbst wurden die neu errichteten Lagerstandorte in Isernhagen und Cloppenburg in Betrieb genommen. Das Logistikzentrum in Cloppenburg wird in einer gemeinsamen Gesellschaft mit der GS agri eG betrieben. Die 5.000 Quadratmeter große Stückguthalle steht in direkter Nachbarschaft zum bestehenden Gefahrstofflager des AGRAVIS-Konzerns. Zusätzliche Kapazitäten zur Bevorratung von Betriebsmitteln für die Landwirtschaft stehen ebenfalls in Isernhagen zur Verfügung. Das AGRAVIS-Distributionszentrum für Saatgut steigert damit seine Funktion als Drehkreuz für die Stückgutlogistik. Das Gefahrstofflager in Braunschweig wurde im Zuge dessen aufgegeben. Insgesamt floss in beide Logistikprojekte eine Investitionssumme von rund 8 Mio. Euro. Am Ende des Geschäftsjahres 2022 wurde für den Neubau eines Logistikzentrums in Nottuln Planungsrecht erreicht. Baubeginn ist für Sommer 2023 geplant.

Fortschritte im "Dock"-Programm

Im AGRAVIS-internen Programm "Dock", in dessen Zuge eine konzernweit einheitliche ERP-Systemlandschaft eingeführt wird, wurden weitere Meilensteine erreicht. Mit der Technik Center Alpen GmbH ist seit Juni 2022 wie geplant eine weitere Technik-Gesellschaft auf die neuen Warenwirtschaftsprozesse umgestellt. Vor einer Fortsetzung des Roll-outs in 2023 wurde im Geschäftsjahr 2022 die Qualität der Stammdaten weiter verbessert. Der Roll-out von SAP HXM im Bereich Entgeltabrechnung schritt planmäßig voran. Acht Landtechnik-Gesellschaften wurden zum Oktober 2022 erfolgreich vom bisherigen Abrechnungssystem auf das neue System SAP HXM umgestellt. Zum Ende des Geschäftsjahres 2022 waren somit 15 Konzerngesellschaften mit rund 2.400 Mitarbeitenden an über 100 Standorten erfolgreich auf das neue System gewechselt.

Neue Einheit für E-Commerce

Der AGRAVIS-Konzern hat sich beim E-Commerce neu aufgestellt. Seit 1. Oktober 2022 wird Schritt für Schritt eine neue Einheit "E-Commerce-Management" als weitere Säule des Bereichs Digitalisierung implementiert. Ziel ist es, durch professionalisierte Strukturen die enormen Wachstumspotenziale im Onlinehandel für den Konzern und den genossenschaftlichen Verbund zu heben. Innerhalb des AGRAVIS-Projektes "E-Commerce-Zelle" waren zuvor Eckpunkte einer künftigen Organisationsstruktur erarbeitet worden. Zugleich hatte das Projektteam auf der Basis von Stakeholder-Interviews die größten Entwicklungspotenziale identifiziert und Lösungsvorschläge formuliert. Aufgabe der neuen Einheit ist es, alle Aktivitäten des Konzerns im Onlinehandel sukzessive zentral zu koordinieren und strategisch zu planen. In vier Ausbaustufen soll die E-Commerce-Unit bis zur Jahresmitte 2024 dazu in die Lage versetzt werden, entsprechende Dienstleistungen zu erbringen. Die im E-Commerce erzielten Umsätze und Erträge verbleiben jedoch weiter bei den Fachbereichen bzw. Konzerngesellschaften. Die Belange der Primärgenossenschaften werden durch Bausteine wie den Onlineshop raiffeisenmarkt. de abgebildet.

Forschung und Entwicklung

• Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der AGRAVIS-Konzern insgesamt rund 7,7 Mio. Euro in Forschung und Produktentwicklung investiert (Vorjahr: 6,5 Mio. Euro). Davon wurde ein Anteil von 8,5 Prozent im Jahr 2022 aktiviert. Die Livisto Group hat im Geschäftsjahr weltweit für 65 Produkte der Tiergesundheit neue Zulassungen erhalten.

Überblick über den Geschäftsverlauf

Das Geschäftsjahr war für den AGRAVIS-Konzern in vielerlei Hinsicht herausfordernd. Es war insbesondere vom Krieg in der Ukraine und seinen Auswirkungen gekennzeichnet. Die globalen Märkte stürzten in Turbulenzen. Hohe und volatile Preise vor allem für Agrarrohstoffe und Energie, knappe Produktverfügbarkeiten, gestörte Lieferketten und eine stark gestiegene Inflation wirkten sich erheblich auf das AGRAVIS-Geschäft aus. Gleichwohl waren die Folgen des Krieges für den Konzern beherrschbar. Die Lieferfähigkeit sowie die Versorgung konnten im gesamten Geschäftsjahr gewährleistet werden. Der AGRAVIS-Konzern begegnete den Herausforderungen mit einem ausgeprägten Risiko- und Liquiditätsmanagement. Darüber hinaus profitierte er von seinem breiten Portfolio, den langjährigen, stabilen Lieferantenbeziehungen und der soliden Position auf den unterschiedlichen Märkten.

Angesichts von Rezessionssorgen und Inflationsängsten agierte der AGRAVIS-Konzern auf den Agrarmärkten aus einer kontrollierten Position heraus und fuhr "auf Sicht". Die Ernteergebnisse fielen sortenabhängig und witterungsbedingt regional unterschiedlich aus. Insgesamt ist der AGRAVIS-Konzern mit erfassten Mengen von rund 3 Mio. Tonnen im Erwartungsrahmen durch die Ernte gekommen. Sowohl an den Standorten der AGRAVIS Ost als auch an denen der Agrarzentren im mittleren und westlichen Arbeitsgebiet wurden die Mengen gegenüber dem Vorjahr gesteigert.

Der AGRAVIS-Konzern schloss das Geschäftsjahr 2022 signifikant oberhalb der geplanten Werte ab. Es wurde ein Jahresumsatz von 9,4 Mrd. Euro erzielt (Vorjahr: 7,3 Mrd. Euro). Ein Großteil des Mehr-Umsatzes entfiel auf die Preissteigerungen und die schon Ende 2021 hohe Preissituation. Alle Sparten trugen zu der positiven Umsatzentwicklung bei. Der Mengenabsatz bei Futtermitteln, Düngemitteln, Agrarerzeugnissen und Energie war jedoch mit 10,4 Mio. Tonnen gegenüber dem Vorjahr (11,1 Mio. Tonnen) nochmals leicht rückläufig.

Die Ertragssituation ist mitgewachsen - das Ergebnis vor Steuern betrug am Jahresende 61,5 Mio. Euro (Vorjahr: 33,2 Mio. Euro). Alle Sparten haben positive Ergebnisbeiträge geleistet. Auch in der Produktgruppe Mischfutter wurde im Rahmen der Planwerte wieder ein positiver Ergebnisbeitrag erwirtschaftet. Die Umsatzrendite konnte auf rund 0,7 Prozent gesteigert werden, der Konzern ist damit dem Zielwert von 1 Prozent nähergekommen, hat ihn aber noch nicht erreicht. Gleichwohl ist es gelungen, in Kombination von ordentlichem operativem Geschäft, anhaltender Kostendisziplin, konsequenter Risikovorsorge und weiterer Digitalisierung von Prozessen das Unternehmen für die fortschreitende Transformation widerstandsfähiger zu machen.

Dazu trugen auch die getätigten Investitionen bei. Ein großer Teil der Investitionssumme von 58,1 Mio. Euro floss auch in 2022 wieder in digitale Geschäftsmodelle und Projekte wie das AGRAVIS-interne "Dock"-Programm. Gleichzeitig wurde gezielt in die Standortstruktur investiert.

Als assoziierte Unternehmen werden die gemeinsamen Gesellschaften mit der Danish Agro a.m.b.a. geführt: DV AGRAVIS International Holding A/S, DA AGRAVIS Machinery Holding A/S und Vilomix Holding A/S. Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschafteten diese in Summe einen Umsatz von 4,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 2,9 Mrd. Euro). Mit einer Umsatzrendite von 2,6 Prozent (Vorjahr: 1,5 Prozent) und einem Ergebnisanteil vor Steuern für AGRAVIS von 28,7 Mio. Euro (Vorjahr: 11,5 Mio. Euro) waren sie wirtschaftlich sehr erfolgreich. Die Beteiligungsgesellschaft Ceravis AG wies im Geschäftsjahr 2022 ein positives Ergebnis vor Steuern aus.

Entwicklung der Sparten

Agrar Großhandel

• Im Großhandelsgeschäft erhöhte der AGRAVIS-Konzern seinen Jahresumsatz gegenüber dem Vorjahr signifikant um 25,1 Prozent auf 3.397 Mio. Euro (Vorjahr: 2.716 Mio. Euro). Auch der Ergebnisbeitrag stieg damit deutlich im Vergleich zum Vorjahr und der Planung. Wesentlich beeinflusst war diese Entwicklung auch in dieser Sparte durch die Preissituation im Geschäftsjahr 2022.

Im Bereich Pflanzenbau war das Jahr neben den hohen Marktpreisen geprägt von Beschaffungsherausforderungen aufgrund knapper Warenverfügbarkeiten sowie begrenzten Frachträumen. Dessen ungeachtet gelang es, die Vertriebsstrukturen weiter zu optimieren und über die klassische Großhandelsfunktion hinaus die Kundenbindung durch ein umfassendes Dienstleistungsportfolio und die Besetzung von Zukunftsthemen zu stärken.

Der Produktbereich Pflanzenschutz hat den Umsatz gegenüber Vorjahr und Plan bei positiver Ergebnisentwicklung signifikant gesteigert. Insgesamt war das Jahr von Knappheit, gestiegenen Preisen und maximal geforderten Lieferketten geprägt. Mit den guten Niederschlagsmengen aus den Wintermonaten startete auch das Frühjahr gut und intensiv in den einzelnen Segmenten. Die im Mai einsetzende Trockenheit bremste das Geschäft etwas aus. Die Niederschläge im September kamen gerade noch rechtzeitig und sorgten für ein lebhaftes Herbstgeschäft. Im Foliengeschäft erhöhte sich der Umsatz trotz leicht rückläufiger Mengen, da der Verkaufspreis an den Gaspreis gekoppelt ist.

Preisbedingt überstieg auch der Umsatz im Produktbereich Düngemittel die Vorjahres- und Planzahlen erheblich. Die Kunden reagierten auf die stark gestiegenen Preise bei stickstoffhaltigem Dünger mit Kaufzurückhaltung. So wurde im Frühjahrsgeschäft im Vorjahresvergleich sowohl weniger Grünland- als auch Phosphat- und Kalidünger abgesetzt. Auch die längeren Trockenphasen im Mai und Juni sowie der fehlende Bedarf in den Kulturen drückten die Absatzmenge. Im Herbst konnten zum Auftakt der neuen Saison zunächst höhere Absätze als erwartet erzielt werden, ehe eine Verunsicherung auf Kundenseite aufgrund der ausgeprägten Preisvolatilität den guten Start wieder etwas trübte. Die zeitweilige Produktionsdrosselung bzw. deren Stopp bei europäischen Düngerproduzenten wegen unrentabler Herstellungskosten konnte der AGRAVIS-Produktbereich auffangen. Er blieb trotz knappen Frachtraums im gesamten Jahr lieferfähig. Der Ergebnisbeitrag des Produktbereichs lag deutlich über Vorjahr und Plan.

Der Produktbereich Saatgut erzielte im Vergleich zum Vorjahr und zur Planung ebenso einen deutlich verbesserten Umsatz. Auch das Vorjahresergebnis wurde klar übertroffen, erreichte aber nicht ganz den Planwert. Die Abläufe in der Produktion sowie bei der Transportorganisation konnten verbessert werden. Das Saatgetreidegeschäft mit weiter gestiegenen Mengen an VO-Getreide trug zur Umsatzentwicklung bei. Beim Saatraps wurde der Umsatzanteil der Fokussorten weiter gesteigert. Dies galt auch für die Exklusivsorten beim Saatmais.46 In einem lediglich durchschnittlichen Grünlandjahr stieg die Verkaufsmenge von Mischungen der Eigenmarke Plantinum überproportional. Bei den Zwischenfrüchten erreichten die exklusiven Topsoil-Mischungen ebenfalls die höchsten Steigerungsraten beim Absatz.

Die AGRAVIS-eigenen Schwerpunktprogramme mit regionalisierten Anbauempfehlungen entwickelte die Pflanzenbau-Vertriebsberatung des Bereichs Pflanzenbau im abgelaufenen Geschäftsjahr mit Erfolg weiter. In welchem Maße gesetzliche Einschränkungen als Chance genutzt wurden, zeigte sich beispielhaft an den strengeren Terbuthylazin-Auflagen bei der Mais-Herbizidbehandlung. Frühzeitig wurde der Kontakt zur Industrie gesucht, sodass für die Betriebe Alternativprodukte in ausreichender Menge zur Verfügung standen - und das ohne Mehrkosten für den Landwirt und mit der angestrebten Risikominimierung einer möglichen Rückstandsbildung. Der Terbuthylazin-Einsatz im Kernarbeitsgebiet der AGRAVIS ging unter dem Strich um 76 Prozent zurück.

Bei Umsatz und Ergebnis konnte die Terravis GmbH, die Biogasberatungseinheit des AGRAVIS-Konzerns, die Vorjahres- und Planwerte übertreffen. Die Marktführerschaft beim Vertrieb von Eisenhydroxid wurde gesichert, die Marktanteile bei Spurenelementen und Enzymen hat die Terravis ausgebaut. Das kundenorientierte Dienstleistungsportfolio wurde gezielt ausgeweitet, unter anderem durch die Beratungsleistung des Agrarbüros und die Entwicklung des "Dokumanagers Biomasse" für Biogasanlagen und deren Lieferanten. Dieses Tool ist eine digitale Massenbilanz und erleichtert den Prozess der Nachhaltigkeitszertifizierung.

Der Bereich Agrarerzeugnisse hat im Geschäftsjahr einen Umsatz über dem Niveau des Vorjahres und oberhalb der Planung erzielt. Der Mengenabsatz blieb aber unter Plan; der Ausbau strategischer Kundenbeziehungen wurde allerdings stabilisiert. Wegen der hohen Preise, die starken Schwankungen unterlagen, und der volatilen Devisenmärkte wurden das Risikomanagement planmäßig weiter intensiviert und die Positionen bewusst klein und auf Sicht gehalten. Die direkten und indirekten Auswirkungen des Ukraine-Krieges haben den Bereich das gesamte Geschäftsjahr über zu besonderer Vorsicht gefordert.

Der Absatz bei Futterrohstoffen lag unter Plan und unter Vorjahr. Das hohe Preisniveau führte dazu, dass die Mischfutterindustrie keine großen Mengen abnahm. Der Absatz von Einzelfuttermitteln lag ebenfalls unter Plan und unter Vorjahr. Der Sojaverkauf blieb hinter den beiden Vergleichswerten zurück. Sojaschrot wurde von der Mischfutterindustrie und der Landwirtschaft in der Regel nur für die vorderen Termine gekauft.

Beim Getreide lagen der Maisabsatz und der Absatz von Futterweizen unter Plan. Eine Absatzsteigerung wies der Brotweizen auf. Auch nach der Ernte lag das Preisniveau beim Getreide deutlich über den Vorjahreswerten.

Ölfrüchte wurden ebenfalls weniger gehandelt als geplant. Die Warenverfügbarkeit war durch den zeitweiligen Ausfall der Lieferungen von Rapssaat und Sonnenblumenöl aus der Ukraine eingeschränkt. Das Preisniveau überstieg wesentlich die Vorjahreszahlen.

Der Bereich hat ein Ergebnis klar über dem Vorjahr und der Planung realisiert.

Bereich Tier: Auch das -> Futtermittelgeschäft des AGRAVIS-Konzerns wurde im Geschäftsjahr 2022 von den volatilen Rohstoffmärkten, der knappen Versorgungslage, der angespannten Logistiksituation und den herausfordernden Energiemärkten beeinflusst. Dem begegnete der Bereich weiterhin mit überschaubaren Rohwarenpositionen und kurzen Kontraktlaufzeiten im Mischfuttergeschäft. Das auf Risikominimierung bedachte Handeln führte zwar zu einem geringfügig niedrigeren Mengenabsatz als geplant, die Ergebnissituation entwickelte sich im Jahresverlauf jedoch zunehmend positiv und übertraf zum Jahresende die Planung. Nach dem negativen Ergebnisbeitrag im Mischfuttergeschäft aus dem Jahr 2021 wurde wie prognostiziert die Trendwende vollzogen. Preisbedingt wurde ein Umsatz über Vorjahr und über Plan erzielt. Umsatz kosteten die Afrikanische Schweinepest und die Vogelgrippe. Zudem war ein extremer Wettbewerbsdruck aufgrund zurückgehender Tierbestände spürbar. Die Produktionstonnage in den 17 Werken der Konzerngesellschaften erreichte 3,0 Mio. Tonnen (Vorjahr: 3,2 Mio. Tonnen). Die Aufteilung auf die Nutztierarten: Schweinefutter: 1,0 Mio. Tonnen, Rinderfutter: 1,1 Mio. Tonnen, Geflügelfutter 0,7 Mio. Tonnen.

Nimmt man die Beteiligungsgesellschaften hinzu, wurde insgesamt eine Jahresproduktionstonnage von 4,5 Mio. Tonnen erreicht (Vorjahr: 4,8 Mio. Tonnen).

Im Produktbereich Spezialfutter für Nutztiere ging die Produktionsmenge bei Mineralfutter und Milchaustauschern gegenüber Vorjahr leicht zurück. Preisbedingt wurde aber im Vorjahresvergleich und gegenüber der Planung ein höherer Umsatz erzielt. Der Ergebnisbeitrag blieb unterhalb des Vorjahres und auch hinter der Planung zurück.

Der Produktbereich Horse & Hobby - hier vor allem die Aktivitäten der Konzerngesellschaft → Equovis GmbH - sowie der Einkauf und der Vertrieb von Futtermittel-Spezialprodukten sind in einem Verantwortungsbereich angesiedelt. Die Equovis GmbH wies bei Umsatz und Ergebnis Steigerungen gegenüber dem Vorjahr und der Planung aus. Bei den Futtermittel-Spezialprodukten konnte durch die frühzeitige Beschaffung von Rohwaren der Bedarf der AGRAVIS-Werke und der genossenschaftlichen Kunden jederzeit bedient werden. Umsatz und Ergebnis lagen signifikant über Vorjahr und über Plan.

Der Bereich Tiergesundheit erzielte in der Livisto Group einen Umsatz knapp über Vorjahr, aber unterhalb der ambitionierten Planung. Die geringeren Exporte nach Osteuropa infolge des Kriegs in der Ukraine sowie regulatorische Restriktionen beim Vertrieb von Premixen in Spanien und Italien sind als maßgebliche Ursache für die Planabweichung zu sehen. Das Ergebnis blieb deutlich hinter dem Vorjahr und der Planung zurück. Höhere Rohwarenpreise sowie steigende Energie- und Logistikkosten wirkten sich belastend auf die Marge aus und konnten nur teilweise an die Kunden weitergegeben werden.

Agrar Landwirtschaft

Die AGRAVIS Ost-Gruppe und die Agrarzentren der AGRAVIS Agrarholding GmbH erzielten im Direktgeschäft mit der Landwirtschaft einen Jahresumsatz von 2.832 Mio. Euro (Vorjahr: 2.196 Mio. Euro). Das ist ein Anstieg um 29,0 Prozent. Damit wurde auch der Planwert übertroffen. Ein wesentlicher Grund liegt auch hier in der Preishausse bei Getreide, Betriebsmitteln und Energie. Aber auch operativ waren die Konzerneinheiten im Markt erfolgreich. Die erfassten Mengen lagen bei der AGRAVIS Ost auf dem Niveau des Vorjahres, bei den Agrarzentren um 8 Prozent über Vorjahr. Aufgrund des Marktpreisniveaus konnten im gesamten Betriebsmittelgeschäft Erträge über dem Vorjahr erzielt werden. Im Energiegeschäft wurden beim Handel mit Mineralölprodukten - insbesondere an den Tankstellen - bei einer sich im Laufe des Jahres wieder steigenden Mengenentwicklung ebenfalls gute Erträge erwirtschaftet. In den Raiffeisen-Märkten der Agrarzentren war die Umsatzentwicklung aufgrund der allgemeinen Kaufzurückhaltung verhalten. Die Ergebnisse in der Sparte Landwirtschaft übertrafen die Planzahlen signifikant. Neben den hohen Preisen spielten bei den Agrarzentren der Agrarholding auch strukturelle Effekte eine Rolle: Seit dem 1. Januar 2022 führt die AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH das Warengeschäft der benachbarten Raiffeisen Warenhandel GmbH mit Sitz in Rosdorf weiter. Ziele dieser strukturellen Veränderung sind der Ausbau von Marktanteilen sowie die Stärkung der Leistungskraft für die Landwirtschaft und die Region durch schlankere Prozesse. Der daraus resultierende zusätzliche Umsatz- und Ergebniseffekt war in der zeitlich vorgelagerten Planung für 2022 noch nicht berücksichtigt.

Technik

Die AGRAVIS Technik-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2022 das Umsatzniveau des Vorjahres nochmals deutlich gesteigert und auch die Planung übertroffen. Der Umsatz erhöhte sich um 15,2 Prozent auf 1.138 Mio. Euro (Vorjahr: 987 Mio. Euro). Auch die Umsatzprognose wurde damit klar übertroffen. Somit konnte sich die AGRAVIS Technik im Gesamtmarkt sehr gut behaupten. Die Umsatzsteigerung resultierte in wesentlichem Maße von der hohen Investitionsbereitschaft in Neumaschinen, da weitere Preissteigerungen der Hersteller erwartet wurden und vor allem bei Ackerbaubetrieben eine gute Ertragslage vorlag. Durch das geringe Angebot von Gebrauchtmaschinen im Gesamtmarkt - aufgrund von Lieferschwierigkeiten im Neumaschinenbereich - stiegen die Preise auch in diesem Segment.

Bei der Werkstattauslastung knüpfte die Sparte Technik an das starke Jahr 2021 an. Die externen Werkstatteinnahmen lagen über Vorjahr, worin ein hohes Maß an Kundenbindung zum Ausdruck kommt. Angelehnt an die hohe Werkstattauslastung übertraf auch das Ersatzteilgeschäft als weiterer Aftersales-Zweig das Vorjahresniveau. Hier war stationär wie online ein starker Wettbewerb über den Preis spürbar.

Die Auftragslage stellte sich im Vorjahresvergleich weiterhin positiv dar. Die weiterhin angespannte Liefersituation blieb die maßgebliche Herausforderung bei der Bedienung des Vorlaufs. Analog zur starken Umsatzentwicklung lag das Ergebnis über Vorjahr und auch über Plan.

Märkte

In der Sparte Märkte war das schwierige Marktumfeld spürbar. Der Umsatz erhöhte sich dennoch um 3,6 Prozent auf 348 Mio. Euro (Vorjahr: 336 Mio. Euro) und überstieg die Planung. Die spürbare Kaufzurückhaltung bei Verbraucher:nnen insbesondere bei hochpreisigen Gütern konnte in Teilen durch eine Erhöhung der Marktanteile kompensiert werden. Das Ziel, die Zuwächse im Großhandelsgeschäft weiter zu erhöhen, wurde erreicht. Treiber waren sehr gute Umsätze bei der Tiernahrung sowie im Baustoffbereich. Auch der Baustoffhandel in der Regio Baustoffe GmbH lag beim Umsatz über Vorjahr und Plan, sodass die sehr gute Entwicklung in diesem Teilbereich gemäß Prognose weiter anhielt. Gegen Jahresende machte sich die Verunsicherung in der Baubranche aufgrund steigender Zinsen bemerkbar. Im Einkauf waren unsichere Lieferketten und zahlreiche Preiserhöhungen der Lieferanten zu verarbeiten. Bei der Weitergabe von Preiserhöhungen an die Endkundschaft musste in zunehmendem Maß die Wettbewerbssituation beachtet werden.

In der AGRAVIS Raiffeisen-Markt GmbH wurden der Vorjahresumsatz und der Planwert aufgrund der Konsumzurückhaltung verfehlt. Mit der Eröffnung in Bad Dürrenberg erhöhte sich die Anzahl der in der Gesellschaft allokierten Raiffeisen-Märkte auf 30.

Der Umsatz der Raiffeisen-Märkte in der Terres-Kooperation war im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, bewegte sich aber deutlich über dem Referenzjahr 2019 zu Vor-Corona-Zeiten. Flächenbereinigt haben die Raiffeisen-Märkte in der Terres-Kooperation Marktanteile hinzugewonnen.

Für die Omnichannel-Strategie in der Sparte Märkte wurden im Geschäftsjahr 2022 weitere Grundlagen geschaffen. Fast 4 Prozent der Kunden kamen über einen Online-Impuls in einen stationären Raiffeisen-Markt. Der Onlineshop raiffeisenmarkt. de, der gemeinsam mit 40 regionalen Raiffeisen-Genossenschaften betrieben wird, verzeichnete einen Umsatzrückgang, so wie die gesamte Online-Branche. Aufgrund des Relaunches der Shopsoftware sowie der Kaufzurückhaltung war das erste Halbjahr sehr verhalten und die Verluste konnten durch die Umsatzsteigerungen im zweiten Halbjahr nicht kompensiert werden.

Ergebnisseitig lag die Sparte Märkte trotz der Herausforderungen auf Vorjahresniveau und über Plan.

Energie

Der Ukraine-Krieg und seine Auswirkungen haben das Geschäft in der Sparte Energie massiv beeinflusst. Der starke Preisanstieg beim Erdgas in Verbindung mit einer völligen Verunsicherung im Markt und bei den Verbraucher:innen aufgrund einer möglichen Gasmangellage führten zu einer sehr hohen Nachfrage nach Brenn- und Kraftstoffen, insbesondere Heizöl und Holzpellets. Für den Mobilitätssektor wurde die Entwicklung durch die dreimonatige Senkung der Energiesteuer ("Tankrabatt") zusätzlich getrieben. Die hohe Nachfrage traf auf eine angespannte Logistik aufgrund knapper Frachträume vor allem durch das wochenlange Niedrigwasser auf dem Rhein. Hohe Preise und ein sehr guter, gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegener Absatz bei Brenn- und Kraftstoffen führten dazu, dass die Sparte Energie ihren Umsatz gegenüber Vorjahr um 70,5 Prozent auf 1.685 Mio. Euro (2021: 988 Mio. Euro) ausbauen konnte. Damit wurde auch die Planung deutlich übertroffen. Stark gestiegen ist im Geschäftsjahr auch der Preis für den Diesel-Zusatzstoff AdBlue. Ein zeitweiser Produktionsstopp von Mineraldünger führte zu einer Verknappung von Ammoniak, dem Grundstoff von AdBlue.

Dennoch konnte der AGRAVIS-Konzern über das Netzwerk Blue-Service die Versorgung lückenlos sicherstellen. Auch im Schmierstoffsegment mit der Eigenmarke →"Tectrol" war es ein vorrangiges Ziel, die Warenverfügbarkeit zu gewährleisten. Wie erwartet entwickelte sich das Tankstellenprojektgeschäft positiv. Die Bereitschaft, in dieses Segment zu investieren, blieb im genossenschaftlichen Verbund gemäß Prognose lebhaft. Als zusätzliche Dienstleistung realisierte die Einheit "Tankstellen-Service-Center" ein Ladesäulenkonzept für die E-Mobilität unter der Eigenmarke "R-eMobil". Eine Zäsur des Marktgeschehens erlebte die Beteiligungsgesellschaft →Raiffeisen Energie GmbH & Co. KG beim Vertrieb der leitungsgebundenen Energien Strom und Gas. Die stark gestiegenen Beschaffungskosten konnten erst bei Vertragsverlängerung an die Verbraucher:innen weitergegeben werden, während auf Großhandelsebene ein nachhaltig erhöhter Liquiditätsbedarf zur Geschäftsabsicherung herrschte. Aus den Marktanforderungen heraus gelang es, neue Geschäftstätigkeiten anzubauen. Dazu gehörte die Implementierung eines AdBlue-Preisindexes sowie das Einwerben der → THG-Quotenprämie von E-Mobilisten. Darüber hinaus ist AGRAVIS seit August 2022 an der EEX-Börse in Leipzig für den nationalen Emissionshandel zugelassen. Den Ergebnisbeitrag konnte die Sparte Energie gegenüber Vorjahr und Planung signifikant ausdehnen.

Finanzielle Leistungsindikatoren

● Zur Steuerung des AGRAVIS-Konzerns werden folgende Finanzkennzahlen verwendet:

Umsatz

Der Konzernumsatz stieg im Geschäftsjahr 2022, wie bereits dargestellt, auf 9,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 7,3 Mrd. Euro, Plan: 6,8 Mrd. Euro). Beim Planumsatz war ein sinkendes Preisniveau in der zweiten Jahreshälfte vermutet worden. Das trat nicht ein, vielmehr zogen die Preise über einen langen Zeitraum des Jahres gegenüber 2022 weiter an. Daher rührt im Wesentlichen die erhebliche Abweichung zum Plan. Darüber hinaus unterstreicht der gestiegene Umsatz die solide Marktposition des AGRAVIS-Konzerns im deutschen Agrarhandel.

Ergebnis vor Steuern

Das Ergebnis vor Steuern betrug 61,5 Mio. Euro und wuchs um 85 Prozent gegenüber Vorjahr. Auch hier wurde das Planziel durch verbesserte Ergebnisbeiträge in den Sparten klar überschritten (Vorjahr: 33,2 Mio. Euro, Plan: 31,1 Mio. Euro). Zudem konnte der Fehlbetrag im Mischfuttergeschäft aus dem Jahr 2021 in einen positiven Ergebnisbeitrag gedreht werden.

Operatives EBIT

Mit dem operativen EBIT zieht der AGRAVIS-Konzern seit einigen Jahren einen weiteren finanziellen Leistungsindikator heran, um die operative Ertragskraft stärker abzubilden. Es handelt sich bei dem operativen EBIT um ein in der Finanzberichterstattung verwendetes EBIT, das um das neutrale Ergebnis sowie um weitere einmalige, nicht wiederkehrende Aufwendungen und Erträge bereinigt wurde. Hierzu zählen insbesondere einmalige Restrukturierungsaufwendungen. Das operative EBIT betrug im Geschäftsjahr 133,6 Mio. Euro (Vorjahr: 70,3 Mio. Euro, Plan: 57,1 Mio. Euro). Die Planabweichung ergibt sich ebenfalls aus dem signifikant höheren Umsatz und dem damit korrespondierenden gestiegenen Rohertrag.

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote liegt unter Plan und ist annähernd auf Vorjahresniveau geblieben. Sie ging von 27,1 auf 26,6 Prozent zurück (Plan: 31 Prozent). Dies ist der deutlich gestiegenen Bilanzsumme geschuldet. Das hohe Preisniveau und die Herausforderungen bei den Lieferketten führten zu einer höheren Kapitalbindung in Beständen und Forderungen insbesondere aus Lieferungen und Leistungen. Nach Ausschüttung einer Dividende aus dem Jahresüberschuss ist die Eigenkapitalausstattung gegenüber dem Vorjahr um 36,9 Mio. Euro angestiegen. Die finanziellen Leistungsindikatoren werden kontinuierlich überwacht und optimiert.

Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren

Der AGRAVIS-Konzern trägt der Bedeutung der Beschäftigten in seinem personalintensiven Geschäftsmodell durch folgende nichtfinanzielle Leistungsindikatoren Rechnung:

Ausbildungsquote

Als - attraktiver Arbeitgeber bietet der AGRAVIS-Konzern qualifizierten jungen Menschen im ländlichen Raum einen Einstieg in die betriebliche Ausbildung und in das Berufsleben. Die Ausbildung ist ein integraler Bestandteil der Nachwuchsförderung. Der Konzern stellt somit sicher, dass der mittel- und langfristige Personalbedarf erfüllt werden kann. Das Ziel der Ausbildung ist es, qualifizierte Nachwuchskräfte für den eigenen Bedarf zu entwickeln und ihnen längerfristige Perspektiven zu bieten. Zum Stichtag 31. Dezember 2022 gab es konzernweit 630 Auszubildende in 17 Berufsbildern. Die Ausbildungsquote von 9,5 Prozent erreichte damit das prognostizierte Niveau und stieg im Vergleich zum Vorjahr (9,3 Prozent) sogar leicht an.

Fluktuationsquote

Dem AGRAVIS-Konzern ist es während des laufenden Changeprozesses auch in 2022 gelungen, die Mitarbeitenden in einem hohen Maße an das Unternehmen zu binden. Die Fluktuationsquote betrug rund 5,7 Prozent und entwickelte sich gemäß Prognose. Sie ging gegenüber Vorjahr (6,4 Prozent) auf einem niedrigen Niveau weiter zurück. Der Changeprozess bereitet die Mitarbeitenden seit dem Jahr 2020 auf die sich verändernden Arbeitswelten durch Digitalisierung und Modern Work vor und stellt die Weichen für die Entwicklung des AGRAVIS-Konzerns bis zum Jahr 2030.

Arbeitssicherheit

Kontinuierlich arbeitet die Konzern-Gesellschaft - Veravis GmbH daran, die Arbeitssicherheit mit den Mitarbeitenden aller Sparten und Gesellschaften zu verbessern. Sie bietet dies auch als Dienstleistung für Genossenschaften an. Im Jahr 2022 ging die Zahl der meldepflichtigen Unfälle im Vergleich zum Vorjahr weiter zurück, von 136 auf 119. Die meisten Unfälle (76, Vorjahr: 84) ereigneten sich in den Landtechnik-Werkstätten, gefolgt von den Agrarhandelsstandorten (25, Vorjahr: 25). Um Führungskräfte und Beschäftigte für das Thema Arbeitssicherheit weiter zu sensibilisieren, wurde die Kampagne Arbeitssicherheit im Geschäftsjahr 2022 fortgesetzt und das Bewusstsein dafür weiter erhöht. Die Arbeitsschutz-Unterweisung der Beschäftigten erfolgte zeit- und kostengünstig über die interne Plattform Veravis-Schulungsmanager. Dabei richtete sich das Hauptaugenmerk auf die Aspekte Achtsamkeit und Prävention von Arbeitsunfällen.

Ertragslage

• Der Konzernumsatz lag aufgrund des hohen Preisniveaus für Getreide, Dünger und Energie sowie für Mischfutter mit rund 9,4 Mrd. Euro deutlich über Vorjahresniveau und Plan.

Die sonstigen betrieblichen Erträge stiegen um 9,8 Mio. Euro auf 42,1 Mio. Euro. Die wesentliche Ursache liegt in der Realisierung von Erträgen aus Anlagenverkäufen, der Auflösung von Rückstellungen und der Realisierung von Kursgewinnen.

Das erwirtschaftete Rohergebnis von 760 Mio. Euro liegt deutlich über dem Vorjahreswert von 620 Mio. Euro. Hierzu haben alle Unternehmensbereiche beigetragen. Die gestiegenen Einstandspreise haben den Druck auf die Rohertragsmarge weiter erhöht, sodass sie im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückging.

Die Personalkosten stiegen, bedingt durch eine höhere Anzahl von Mitarbeitenden, Tariferhöhungen, Zuführungen zu Personalrückstellungen und Sonderzahlungen für Corona- und Inflationsausgleichsprämie, um 45,2 Mio. Euro.

Die Abschreibungen auf immaterielles und Sachanlagevermögen in Höhe von 56,5 Mio. Euro lagen über dem Vorjahresniveau. Das geplante Investitionsvolumen führt zu einem weiter ansteigenden Abschreibungswert in den nächsten Jahren.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind um rund 71 Mio. Euro auf 250 Mio. Euro gestiegen. Hier sind neben dem insgesamt gestiegenen Preisniveau im Vergleich zum Vorjahr höhere Aufwendungen für Instandhaltung und Forderungsbewertungen angefallen. Grund für den Anstieg der Aufwendungen aus Forderungsbewertung ist vor allem die vollständige Wertberichtigung auf die Aktivitäten in Russland in Höhe von 24,4 Mio. Euro. Aufgrund der Aufhebung von Coronamaßnahmen sind auch wieder höhere Aufwendungen für Reise- und Messekosten angefallen.

Das Finanzergebnis von minus 3,2 Mio. Euro verbesserte sich gegenüber dem Vorjahresniveau. Grund sind vor allem gestiegene Beteiligungserträge.

Die Steuern vom Einkommen und Ertrag in Höhe von 19,3 Mio. Euro lagen über dem Vorjahreswert von 17,5 Mio. Euro. Der Konzern verzeichnete einen Jahresüberschuss von 42,2 Mio. Euro (Vorjahr: 15,7 Mio. Euro). Die Umsatzrendite erreichte 0,7 Prozent, die Eigenkapitalrendite 9,8 Prozent.

Finanzlage

Kapitalzusammensetzung

Zum 31. Dezember 2022 betrug das - gezeichnete Kapital der AGRAVIS Raiffeisen AG als Muttergesellschaft des Konzerns 205,5 Mio. Euro. Damit ist es gegenüber Vorjahr konstant geblieben. Das von den Aktionär:innen eingebrachte Kapital ist in 8,03 Mio. vinkulierte Namensaktien (nennwertlose Stückaktien) eingeteilt. Durch einen Beschluss der Hauptversammlung 2021 steht weiteres genehmigtes Grundkapital von 12 Mio. Euro bis Mai 2023 zur Verfügung. Im Geschäftsjahr 2022 und nach dem Bilanzstichtag wurden hieraus keine weiteren Aktien ausgegeben. Die AGRAVIS-Aktie hat einen rechnerischen Wert von 25,60 Euro. Seit dem 9. Mai 2019 erfolgt die Ausgabe neuer Aktien zu einem Stückpreis von 61,50 Euro. Der Ausgabepreis unterstreicht die Werthaltigkeit der AGRAVIS-Aktie. Das gezeichnete Kapital befand sich am Ende des Geschäftsjahres 2022 zu 62,0 Prozent im Eigentum von Genossenschaften beziehungsweise genossenschaftlichen Gesellschaften. Auf branchennahe natürliche und juristische Personen entfiel ein Aktienanteil von zusammen 28,2 Prozent (inklusive 0,4 Prozent Handelsbestand). Darüber hinaus waren zu diesem Zeitpunkt landwirtschaftliche Betriebe mit 4,7 Prozent und Mitarbeitende mit 5,1 Prozent an der AGRAVIS Raiffeisen AG beteiligt.

Cashflow

Der Cashflow des Geschäftsjahres zeigt einen deutlichen Zufluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit, eine gestiegene Investitionstätigkeit und einen deutlich gesunkenen Cashflow aus Finanzierungstätigkeit.

Der gestiegene Cashflow aus laufender Tätigkeit resultiert überwiegend aus einem deutlich verbesserten Ergebnis. Der preisinduzierte Anstieg der Vorräte wurde weitgehend durch gestiegene Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen kompensiert.

Die Abflüsse der Finanzmittel aus der Investitionstätigkeit sind im Vergleich zum Vorjahr um 10,7 Mio. Euro gestiegen. Dabei hat der AGRAVIS-Konzern 16,8 Mio. Euro (Vorjahr 18,5 Mio. Euro) in immaterielle Vermögensgegenstände, insbesondere in digitale Produkte, investiert. Die Ausgaben für die Sachanlagen lagen mit 41,3 Mio. Euro leicht über dem Vorjahresniveau von 34,7 Mio. Euro. Die Einzahlungen aus den Desinvestitionen von Sachanlagen sind erneut zurückgegangen und betragen 4,3 Mio. Euro. Der gesunkene Cashflow aus Finanzierungstätigkeit im Vergleich zum Vorjahr resultiert vor allem aus einer gesunkenen Inanspruchnahme von Finanzkrediten. Die Zinszahlungen bewegten sich mit 29,0 Mio. Euro leicht über dem Niveau des Vorjahres.

Liquidität und Finanzierung

Jederzeit stellt das AGRAVIS-Finanzmanagement die benötigten Finanzmittel für den Konzern bereit. Zinsänderungs-, Währungs- sowie Preisrisiken werden mithilfe geeigneter Sicherungsinstrumente begrenzt. Der Finanzbereich baut zu keinem Zeitpunkt spekulative Positionen auf. Seine Aufgabe ist es vielmehr, durch den Einsatz von konzernweiten Maßnahmen wie "cash pooling" eine Optimierung der Finanzströme zu erreichen. Die Beachtung der Fristenkongruenz ist ein wesentlicher Grundsatz des AGRAVIS-Finanzmanagements. Die langfristigen Darlehen zur Finanzierung der Investitionen in Anlagevermögen sind als Tilgungsdarlehen ohne Zinsänderungsrisiko ausgestattet. Die Mittel werden fast ausschließlich in Euro aufgenommen, bei Auslandsgesellschaften kleinere Beträge in Landeswährung (CHF) beziehungsweise in USD. Eine weitere wesentliche Finanzierungsquelle des Konzerns ist der Ende 2019 abgeschlossene Konsortialkredit über 650 Mio. Euro (Laufzeit bis Dezember 2024 - mit zwei einjährigen Verlängerungsoptionen, variabel verzinslich auf Euribor-Basis). Die Begrenzung der Zinsänderungsrisiken erfolgt ausschließlich durch einfache derivative, sogenannte Plain-Vanilla-Instrumente. Die Absicherungsquote beträgt knapp 87 Prozent (Vorjahr: 89 Prozent). Die Schuldscheindarlehen über insgesamt 59 Mio. Euro wurden im Mai 2022 planmäßig zurückgezahlt. Im Juli 2022 wurden neue Schuldscheindarlehen in Höhe von 94,5 Mio. Euro ausgegeben. Unverändert bestehen 95 Mio. Euro aus dem Forderungsverkaufsprogramm (Asset Backed Securities) sowie 200 Mio. Euro aus unechten Pensionsgeschäften im Warenbereich. Die Finanzierungsstruktur wird kontinuierlich überprüft, die Zahlungsfähigkeit war jederzeit sichergestellt und der vorhandene Liquiditätsspielraum im Geschäftsjahr zu keinem Zeitpunkt voll ausgeschöpft.

Vermögenslage

● Im Jahr 2022 hat der AGRAVIS-Konzern rund 58,1 Mio. Euro (Vorjahr: 53,6 Mio. Euro) in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen investiert. 16,8 Mio. Euro entfielen auf immaterielle Vermögensgegenstände, 16,1 Mio. Euro auf Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten, 13,6 Mio. Euro auf technische Anlagen, Maschinen und Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie 8,5 Mio. Euro auf geleistete Anzahlungen. In den Geschäftssparten lagen die Schwerpunkte unverändert im Standortausbau bei den Agrarzentren sowie den Technik-Gesellschaften. Mit den Investitionen in 2022 hat der Konzern sein Kerngeschäft weiter gestärkt sowie digitale Lösungen nach vorn entwickelt. Die Ausgaben für eine standardisierte ERP-Landschaft auf SAP-Basis stellten auch 2022 mit rund 8,3 Mio. Euro das mit Abstand größte Investitionsprojekt dar. Die Abschreibungen erreichten 56,5 Mio. Euro und lagen damit über Vorjahresniveau.

Die Bilanzstruktur war 2022 insbesondere durch die deutliche Erhöhung des Umlaufvermögens um 10,5 Prozent auf 1.606,6 Mio. Euro (Vorjahr 1.453,6 Mio. Euro) geprägt. Hierbei zeigte sich der größte Anstieg in den Vorräten, welche aufgrund einer höheren Bevorratung und eines höheren Preisniveaus deutlich angestiegen sind. Das Eigenkapital stieg 2022 um 36,9 Mio. Euro auf 630,7 Mio. Euro (Vorjahr: 593,8 Mio. Euro). Ursächlich hierfür war das positive Jahresergebnis. Die Eigenkapitalquote lag somit bei 26,6 Prozent, wobei dauerhaft ein Wert von 30 Prozent angestrebt wird. Die Rückstellungen sind um gut 14,5 Prozent oder rund 42,1 Mio. Euro auf 289,4 Mio. Euro (Vorjahr: 247,3 Mio. Euro) angestiegen. Pensionsrückstellungen, Steuerrückstellungen, Rückstellungen im Personalbereich sowie für Verpflichtungen im Energiebereich waren hierfür die wesentlichen Ursachen. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten haben sich um rund 38,5 Mio. Euro auf 753,2 Mio. Euro (Vorjahr: 791,7 Mio. Euro) reduziert.

Gesamtaussage des Vorstandes zum Geschäftsverlauf und zur Lage des Konzerns

• Der AGRAVIS-Konzern hat in einem überaus ambitionierten Geschäftsjahr 2022 unter Beweis gestellt, dass er auch unter schwierigen Rahmenbedingungen gemeinsam mit dem genossenschaftlichen Verbund einen Beitrag für die Versorgung und für die Ernährungssicherheit geleistet hat. Durch dauerhafte Lieferfähigkeit und Kontrakttreue trotz knapper Verfügbarkeiten sieht der Konzern das Vertrauen der Kundschaft in der Landwirtschaft und der Menschen im ländlichen Raum bestätigt. Bei Umsatz und Ergebnis wurden die Planzahlen vorwiegend preisbedingt signifikant übertroffen. Aber auch operativ haben alle Sparten und Gesellschaften hierzu ihren Beitrag geleistet. In politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich fordernder Zeit konnte der Konzern seine Marktstellung im hart umkämpften Agrarhandel somit behaupten. Den enormen Preisrisiken und Kostensteigerungen begegnete der AGRAVIS-Konzern mit einem ausgeprägten Risikomanagement, enger Positionsführung in den Handelsbereichen und einem konsequenten Forderungsmanagement. In Kombination mit stabilen, effizienten Prozessen und einer strikten Kostendisziplin war der Konzern so während des gesamten Geschäftsjahrs 2022 in der Lage, die vielfältigen Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf den AGRAVIS-Konzern zu managen.

Auch unter diesen erschwerten Bedingungen gelang es parallel dennoch, den Changeprozess auf Basis des Zukunftsbildes 2030 mit dem Leitbild "Gemeinsam stark. Für Land und Leben." konsequent fortzusetzen und sich gemeinsam mit den genossenschaftlichen Partnern als Lösungsgeber und innovativer Dienstleister für die Landwirtschaft zu positionieren.

Dazu wurde im gesamten Konzern eine Vielzahl konkreter Projekte erfolgreich umgesetzt. Der AGRAVIS-Konzern ist weiterhin solide finanziert und verfügt über eine stabile Aktionärsstruktur.

6-3 Personalbericht

Mitarbeitende

Der AGRAVIS-Konzern hatte zum Stichtag 31. Dezember 2022 insgesamt 6.644 Mitarbeitende, 265 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Personalzuwächse aufgrund von Strukturveränderungen oder Marktwachstum gab es unter anderem in den Sparten Agrar Landwirtschaft, Technik und Märkte. Die Beschäftigten sind an mehr als 400 Standorten in unterschiedlichen Berufsfeldern tätig. Als modernes Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen bietet der Konzern sichere Arbeitsplätze und individuelle Entfaltungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Positionen. Qualifikation, Motivation, Kunden- und Teamorientierung sind dabei wichtige Attribute. Moderne Arbeitswelten wie das mobile Arbeiten gehören inzwischen zum Alltag, sofern die jeweilige Tätigkeit dies zulässt. Der Konzern sieht sich mit Blick auf die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel in einem Umfeld, in dem es darauf ankommt, als Arbeitgeber attraktiv und vertrauenswürdig für -> Bewerber:innen und Belegschaft zu sein. Als relevanter Arbeitgeber im ländlichen Raum übernimmt der AGRAVIS-Konzern überdies eine wichtige soziale Funktion. Auch sie gehört zum AGRAVIS-Verständnis von Nachhaltigkeit. Es gilt, diese Arbeitgebermarke sowohl extern wie auch intern proaktiv zu kommunizieren, um eine hohe Identifikation mit dem AGRAVIS-Konzern zu erzielen.

6.4. Risikobericht

• Der AGRAVIS-Konzern unterscheidet folgende Risiken:

• Umfeldrisiken

- Gesamtwirtschaftliche Risiken

- Fremdwährungsrisiken

• Branchen- und Marktpreisrisiken

• Finanzwirtschaftliche Risiken

- Liquiditäts- und Finanzrisiken

- Kreditrisiken

- Zinsrisiken

● Rechtliche und regulatorische Risiken

• Sonstige Risiken

- IT-Risiken

- Personalrisiken

- Politische Risiken

Grundsätze des Risikomanagements

• Das Risikomanagement ist ein zentraler Baustein in der AGRAVIS-Unternehmensführung. Für alle Handelsbereiche und den Finanzbereich gelten einheitliche Richtlinien gemäß der definierten Risikotragfähigkeit. Sie enthalten Maximalgrenzen für einzugehende Risiken. Die einzelnen Bereiche berichten regelmäßig über diese Risiken. Darüber hinaus sind Führungskräfte des Konzerns verpflichtet, den Vorstand sowie den Bereich Controlling & Unternehmensentwicklung über neu auftretende Risiken unverzüglich zu informieren.

Risikomanagement

• Das Risikomanagement ist im AGRAVIS-Konzern zentral organisiert. Die Verantwortlichkeiten sind vor dem Hintergrund der differenzierten Risikoprofile auf allen Konzernebenen und in allen Funktionsbereichen unabhängig von Wertgrenzen geregelt. Folgende Prozessschritte beinhaltet das Risikomanagement:

Risikoidentifizierung

Der Konzern überprüft fortlaufend gesamt- und branchenwirtschaftliche Entwicklungen ebenso wie interne Prozesse, die Auswirkungen auf seine Gesamtlage haben könnten. Um Einzelrisiken zu identifizieren, nutzt das AGRAVIS-Management einen Risikokatalog.

Risikoanalyse und -bewertung

Die Risiken werden auf ihr mögliches Schadensausmaß und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Das Ausmaß eines potenziellen Schadens wird möglichst in Kostenangaben bemessen und die Auswirkungen werden hinsichtlich der Folgen für die Finanzsituation des AGRAVIS-Konzerns untersucht.

Risikosteuerung

Für das AGRAVIS-Management ist die Bewertung der identifizierten Risiken Entscheidungsgrundlage zur Risikosteuerung. Beurteilt wird vor allem, ob Risiken vermieden oder durch geeignete Maßnahmen gemindert werden können, durch Abschluss bestimmter Verträge transferiert oder akzeptiert werden müssen.

Berichterstattung und Risikoüberwachung

Die Risikoberichte der Handelsbereiche sowie der Bereiche Controlling & Unternehmensentwicklung und Finanzen dienen dem AGRAVIS-Management zur Dokumentation der risikorelevanten Vorgänge und zur kontinuierlichen Überwachung des vorhandenen Risikopotenzials im Konzern. Aus der europäischen Verordnung "EMIR" (European Market Infrastructure Regulation) ergeben sich weitreichende Anforderungen an Strategie, Organisation, Prozesse und IT-Technologie im Bereich des Derivatemanagements. Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist als nichtfinanzielle Gegenpartei (Art. 2 Nr. 9 EMIR) prüfungspflichtig und wird durch die Deloitte GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, geprüft. Die AGRAVIS Raiffeisen AG hat im Umgang mit Währungs- und Zinsderivaten angemessene Verfahren und Vorkehrungen getroffen, um operationelle Risiken und Ausfallrisiken wirksam zu steuern. Die Meldepflichten von Neuabschlüssen, Änderungen und vorzeitigen Beendigungen von Derivatekontrakten an die Transaktionsregister wurden an die Banken beziehungsweise Financial Counterparties delegiert und durch die verantwortlichen Bereiche geprüft.

Risiken

Umfeldrisiken

Gesamtwirtschaftliche Risiken

Sowohl global als auch national war die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2022 von gestörten Lieferketten beeinflusst; ausgelöst durch den Ukraine-Krieg und - vor allem mit Blick auf China und die dort bis Jahresende 2022 strikt eingehaltene Null-Covid-Strategie - auch weiter getrieben durch die Coronapandemie. Der AGRAVIS-Konzern ist in der Produktion und im Vertrieb von derzeit- und qualitätsgerechten Lieferung von Energie, Agrarrohstoffen und sonstigen Handelswaren abhängig. Lieferengpässe, -boykotte oder -ausfälle aufseiten der Lieferanten schränken die Verfügbarkeit von fossilen Energieträgern, Agrarrohstoffen, Komponenten sowie von Produkten in den Raiffeisen-Märkten und Landtechnik-Gesellschaften ein. Ein weiterer wesentlicher Risikofaktor ist die hohe Inflation. Kostenanstiege auf breiter Linie haben das AGRAVIS-Geschäft bereits im Jahr 2022 erheblich beeinflusst und dies zeichnet sich auch für das Geschäftsjahr 2023 ab - mit vielfältigen möglichen Folgen wie einem intensiveren, über den Preis ausgetragenen Wettbewerb, einer Kaufzurückhaltung auf Kundenseite oder steigenden Personalkosten aufgrund hoher Lohnforderungen. Zudem kann ein Wohlstandsverlust als Folge von hoher Inflation und Rezession dazu führen, dass die Bereitschaft sinkt, für qualitativ hochwertige Lebensmittel und Konsumgüter einen angemessenen Preis zu bezahlen.

Fremdwährungsrisiken

Der AGRAVIS-Konzern ist als nationaler Agrarhändler überwiegend in Deutschland tätig, daher fallen die Herstellungs- und Einkaufskosten zum Großteil in Euro an. Daneben werden jedoch auch Rohstoffe (z. B. Sojaschrot, Vitamine) sowie bei Bedarf Handelsware (z. B. Artikel für die Raiffeisen-Märkte) auf dem internationalen Markt oder bei ausländischen Produzenten und damit in erster Linie in US-Dollar eingekauft. Das daraus resultierende Transaktionsrisiko wird durch geeignete Kurssicherungsinstrumente bei Geschäftsabschluss begrenzt. Gleichwohl können Wechselkursschwankungen in diesem Bereich die Ertragslage des AGRAVIS-Konzerns negativ beeinflussen, sofern diese Kursschwankungen auf den Absatzmärkten nicht durch Preisanpassungen kompensiert werden können. Währungsrisiken ergeben sich daraus, dass Umsatzerlöse des AGRAVIS-Konzerns im Umfang eines zweistelligen Euro-Millionenbetrags in anderen Währungen erzielt werden. Ein Anstieg des Wechselkurses des Euro gegenüber diesen Währungen wirkt sich deshalb nachteilig auf die in Euro ausgewiesenen Umsatzerlöse und damit auf das Ergebnis aus. Sieben konsolidierte Tochtergesellschaften des AGRAVIS-Konzerns bilanzieren in Fremdwährungen. Für Konsolidierungszwecke müssen die Jahresabschlüsse dieser Tochtergesellschaften in Euro umgerechnet werden. Die Wechselkursschwankungen zwischen dem Euro und diesen Währungen wirken sich auf das Eigenkapital des AGRAVIS-Konzerns aus.

Branchen- und Marktpreisrisiken

Fossile und regenerative Energie, Mineraldünger, Agrarrohstoffe und Mikrokomponenten wie Vitamine und Aminosäuren unterliegen erheblichen Preisschwankungen. Energie und Agrarrohstoffe setzt der AGRAVIS-Konzern zum einen für die Herstellung von Futtermitteln ein, zum anderen sind es Handelswaren des AGRAVIS-Konzerns. Daher ist die Preisentwicklung bei diesen Wirtschaftsgütern für den Einkauf und den Vertrieb des AGRAVIS-Konzerns von besonderer Bedeutung. Falls der AGRAVIS-Konzern etwaige Verteuerungen von Agrarrohstoffen oder Betriebsmitteln nicht an die Kundschaft weitergeben oder anderweitig kompensieren könnte, würde das seine Profitabilität schmälern. Vor allem im Pflanzenbau und in der Landtechnik unterliegen die vom AGRAVIS-Konzern vertriebenen Produkte einer saisonal schwankenden Nachfrage. Insbesondere lange Phasen der Trockenheit können die Anbaubedingungen erschweren und damit die Nachfrage nach Düngemitteln und Pflanzenschutzprodukten negativ beeinflussen. Milde Winter hingegen können zu Absatzeinbußen beim Vertrieb von Brennstoffen führen.

Auch ein sich weiter wandelndes Konsumverhalten der Bevölkerung hin zu weniger Fleischverzehr könnte sich indirekt auf die Absatzmärkte des AGRAVIS-Konzerns auswirken, indem zum Beispiel aufgrund einer weiteren Reduzierung von Nutztierbeständen die Nachfrage nach Futtermitteln abnimmt.

Die Nachfrage in der Landtechniksparte ist zudem von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage der landwirtschaftlichen Betriebe abhängig. Beim Handelsgeschäft insbesondere mit den Raiffeisen-Genossenschaften übernimmt der AGRAVIS-Konzern über abgesicherte Kontrakte häufig das Preisänderungsrisiko. Dafür werden neben herkömmlichen Deckungsgeschäften auch gängige Hedging-Instrumente an den Warenterminbörsen eingesetzt. Die Risiken aus diesen Geschäften werden durch Obergrenzen limitiert und kontinuierlich an die Gremien gemeldet. Im Bedarfsfall werden auch innerhalb der genehmigten Grenzen Risikopositionen geschlossen. Unverändert werden die unterschiedlichen Märkte kontinuierlich überwacht und analysiert.

Weiterhin erhebliche Risiken für das AGRAVIS-Geschäft gehen von der Afrikanischen Schweinepest und der Vogelgrippe in Deutschland aus. Vor allem sind Einbußen im Mischfutter-Absatz zu erwarten für den Fall, dass Tierbestände getötet werden müssen. Die Folgen für einzelne regionale Werke könnten Kurzarbeit oder sogar vorübergehende Stilllegungen sein. Um die Risiken möglichst gering zu halten, greift ein engmaschiges, bereichsübergreifendes Krisenmanagement.

Finanzwirtschaftliche Risiken

Liquiditäts- und Finanzrisiken

Neben dem Konsortialkredit und langfristigen Darlehen sichert der AGRAVIS-Konzern seinen Liquiditätsbedarf durch den Einsatz eines Asset-Backed-Securities-Programms (ABS-Programm), einer Handelslinie für (unechte) Pensionsgeschäfte im Bereich Agrarcommodities, sowie durch Schuldscheindarlehen. Im Rahmen des ABS-Programms werden Lieferungs- und Leistungsforderungen als strukturierte Finanzierung zur Liquiditätsstärkung an ein Kreditinstitut verkauft. Auf diesem Weg kann der Konzern sich zu Geldmarktkonditionen refinanzieren. Das Management für die auf das Kreditinstitut übertragenen Forderungen obliegt weiterhin dem AGRAVIS-Konzern. Das Regelwerk des Konsortialkredits, die Schuldscheindarlehen, das ABS-Programm und die Agrarcommodity-Linie definieren eine stabile Finanzierungsstruktur. Die vertragliche Ausgestaltung berücksichtigt saisonale Schwankungen des Liquiditätsbedarfs und garantiert die benötigte Planungssicherheit. Wesentliche Liquiditäts- und Finanzrisiken sind nicht erkennbar.

Kreditrisiken

Bei seiner unternehmerischen Tätigkeit übernimmt der AGRAVIS-Konzern für die landwirtschaftlichen Handelspartner eine wichtige Finanzierungsfunktion. Im Agrarbereich entsteht dem Konzern ein Finanzierungsrisiko insbesondere aus der Vorfinanzierung landwirtschaftlicher Betriebsmittel, deren Rückzahlung durch Übernahme und Vermarktung der Ernte erfolgt. Daneben gewährt der Konzern gewerblichen Abnehmern Lieferantenkredite durch Einräumung entsprechender Zahlungsziele. Ein zentral installiertes Kreditmanagement überwacht und steuert diese Risiken. Zentraler Bestandteil ist hierbei die systemunterstützte Bonitätsanalyse, verbunden mit einer laufenden Überwachung von Kreditlimits mit dokumentierten Genehmigungsverfahren. Auf wöchentlicher Basis informiert das Kreditmanagement die Risikomanagementgremien über die Gesamtforderungen sowie die wesentlichen Einzelforderungen. Darüber hinaus werden bestehende gewöhnliche Ausfallrisiken bei Forderungen aus Lieferungen und Leistungen durch Einzel- und Pauschalwertberichtigungen abgesichert. Besondere Kreditrisiken sind nicht erkennbar. Die Forderungslaufzeiten werden eng überwacht. Darüber hinaus besteht eine Warenkreditversicherung mit Selbstbehalt.

Zinsrisiken

Im Zinsänderungsrisiken bei variabel verzinslichen Finanzierungen zu begrenzen, schließt die AGRAVIS Raiffeisen AG als Konzernobergesellschaft Zinssicherungsgeschäfte ab. Dabei werden ausschließlich Zinsswaps zu Sicherungszwecken für künftige Zahlungsströme eingesetzt. Zeitgleich mit der Aufnahme langfristiger Darlehen werden Mikro-Hedges in Form von fristen kongruenten Zinsswaps abgeschlossen, wodurch synthetische Festsatzfinanzierungen entstehen. Zinsswaps werden ebenfalls zur Absicherung der Zinsrisiken aus Kreditinanspruchnahmen unter dem Konsortialkredit abgeschlossen. Die Swaps stellen einen Portfolio-Hedge in Bezug auf die Konzern-Betriebsmittelfinanzierung dar. Der Konzern unterhält ein modernes Risikomanagementsystem für Zinsänderungsrisiken. Die Steuerung erfolgt in diesem Bereich nunmehr über den sogenannten Fair Value beziehungsweise dessen Veränderung. Hierbei wird monatlich der Fair Value der verschiedenen Fremdfinanzierungsquellen ermittelt. Der AGRAVIS-Konzern erhält den Fair Value von seinen Finanzpartnern. Das Konzept ist international anerkannt und liefert insbesondere bei Betrachtung der Veränderungen vergleichbare Werte. Bei Erreichen beziehungsweise Überschreiten bestimmter Schwellenwerte erfolgt eine Information an die verschiedenen Risikomanagementgremien.

Rechtliche und regulatorische Risiken

Die Unternehmen des AGRAVIS-Konzerns sind Risiken im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten ausgesetzt, an denen sie zurzeit beteiligt sind oder in Zukunft beteiligt sein können. Derartige Rechtsstreitigkeiten entstehen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zum Beispiel aus der Geltendmachung von Ansprüchen aus Fehlleistungen und -lieferungen oder aus Zahlungsstreitigkeiten. Rechtliche Risiken können sich grundsätzlich auch aus Verstößen gegen Compliance-Vorschriften durch einzelne Mitarbeitende ergeben. Als Folge daraus könnten Konzerngesellschaften die Zahlung von Geldbußen, Schadensersatzleistungen oder sonstige Sanktionen aufgrund behördlicher Veranlassung oder aus zivil- oder strafrechtlichen Verfahren auferlegt werden. Entsprechende rechtliche Risiken werden durch die Unternehmensbereiche sowie die AGRAVIS- interne Compliance-Organisation fortlaufend überwacht. Der AGRAVIS-Konzern bildet Rückstellungen für Prozessrisiken, wenn es wahrscheinlich ist, dass eine Verpflichtung entsteht und der Umfang der wirtschaftlichen Belastung sachgerecht abgeschätzt werden kann. Im Einzelfall kann eine tatsächliche Inanspruchnahme den zurückgestellten Betrag überschreiten. Nach Einschätzung des Vorstandes wurde für die zum Zeitpunkt der Aufstellung bekannten rechtlichen und regulatorischen Risiken bilanzielle Vorsorge durch Dotierung von Rückstellungen in ausreichendem Umfang getroffen. Änderungen im regulatorischen Umfeld können die Konzernentwicklung beeinflussen. Zu nennen sind insbesondere Eingriffe in die Rahmenbedingungen für den Agrarbereich. Negative Einflüsse können sich insbesondere ergeben aus der Umgestaltung, Rückführung oder Abschaffung von Fördermaßnahmen oder grundlegenden Veränderungen in der Agrarpolitik, die das Handelsgeschäft mit den Kunden belasten können.

Sonstige Risiken

IT-Risiken

Der AGRAVIS-Konzern ist für seinen Geschäftsbetrieb auf funktionierende IT-Systeme angewiesen. Der konzerneigene Bereich "Informationstechnologie" stellt die zuverlässige Servicebereitstellung in zwei eigenen und redundanten Rechenzentren und durch Nutzung passender Cloud-Services sicher.

Auf Basis einer mit Bedacht gewählten Cloud-First-Strategie, sowie einem kontinuierlichen strategischen Einsatz von Standardlösungen, findet eine zunehmende Komplexitätsreduktion statt. Um die Dienstleistungen des Bereichs IT kontinuierlich zu gewährleisten, wurden verschiedene Sicherheitsmechanismen eingebaut. Dazu gehören zum Beispiel Zugangskontrollen, Gebäudeüberwachung, eine permanente Energieversorgung für zentrale Systeme, ein fortlaufendes Monitoring und eine gespiegelte Datenhaltung.

Der Konzern setzt umfassende Sicherheitslösungen ein, um die IT-Services wirkungsvoll gegen unberechtigten Zugriff zu sichern und vor Angriffen von außen zu schützen. Durch eine stetig aktualisierte Notfallplanung sollen die Auswirkungen bei möglichen Ausfallszenarien möglichst gering bleiben. Zudem finden regelmäßige Notfallübungen sowie kontinuierliche Schulungs- und Sensibilisierungsprogramme für Mitarbeitende zur Internetsicherheit bzw. zu Cyber-Risiken statt. Unter Berücksichtigung der sich permanent verändernden Bedrohungslage werden in Zusammenarbeit mit externen Fachleuten regelmäßig Überprüfungen durchgeführt und Maßnahmen zur Steigerung der IT-Sicherheit ergriffen. Zusätzlich erfolgte der Abschluss einer Cyber-Risk-Versicherung.

Personalrisiken

Um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können, benötigt der AGRAVIS-Konzern die richtigen Mitarbeitenden zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sowohl Nachwuchskräfte als auch Quereinsteigende mit Berufserfahrung in Fach- und Führungsfunktionen sind weiterhin die Zielgruppen für alle Aktivitäten des Personalmarketings und Recruitings.

Gleichermaßen wächst die Bedeutung der internen Nachwuchsförderung, um Mitarbeitende gezielt in Spezialisten- und Führungsfunktionen zu entwickeln. Der AGRAVIS-Konzern setzt auf hoch engagierte Beschäftigte, die sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren, um mit ihnen die Zukunft zu gestalten. Die Investitionen in ein systematisches Nachfolgemanagement sowie die Personalentwicklungsmaßnahmen werden auch 2023 fortgesetzt.

Politische Risiken

Je länger der russische Angriffskrieg auf die Ukraine dauert, desto mehr politische Risiken können damit verbunden sein. Die Auswirkungen - Energiekrise mit starken Preisaufschlägen und Risiken hinsichtlich einer ausreichenden Gasversorgung im Winter, hohe Preise für Agrarrohstoffe, knappe Produktverfügbarkeiten, angespannte Liquidität - waren bereits im Jahr 2022 sehr fordernd und können das AGRAVIS-Geschäft auch im Jahr 2023 weiter beeinflussen. Die Auswirkungen möglicher weitergehender Verknappungen bei Agrarrohstoffen, Energie, Düngemitteln oder Vormischungen sind gegenwärtig nicht absehbar.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges auf die Geschäftstätigkeit des Konzerns waren bis zur Aufstellung weiter beherrschbar; ein striktes Risiko- und Forderungsmanagement wird konsequent umgesetzt. Bei der mittelfristigen Liquiditätsplanung werden weitere denkbare Stressszenarien berücksichtigt.

Die veränderten Warenströme durch wegfallenden Export aus der Ukraine, Russland und Belarus können aktuell aufgefangen werden und führen nur in Ausnahmefällen zu Engpässen oder Ausfällen in der Warenverfügbarkeit. Beim Handel mit Agrarerzeugnissen ist die Versorgung eigener Mischfutterwerke im Verbund mit der eigenen Erfassung gesichert, Positionen werden angesichts der festen, hochvolatilen und liquiditätsintensiven Märkte möglichst klein und auf Sicht gehalten.

Zu den in Russland tätigen Unternehmenseinheiten: Das Futtermittelwerk in Nowoalexandrowsk produziert derzeit trotz der fragilen Gesamtsituation weiter. Die Versorgung mit Rohwaren ist aus dem regionalen Markt momentan sichergestellt. Die Livisto-Vertriebsgesellschaft OOO Lirus wird unverändert und weiterhin von europäischen Produktionsstandorten mit Tierarzneiprodukten versorgt. Angesichts der Risiken und der nicht vorhersehbaren weiteren Entwicklung wurden die Wertansätze der in Russland ansässigen oder dort tätigen Gesellschaften im Geschäftsjahr 2022 vollständig wertberichtigt, sodass eine mögliche Zuspitzung der Lage in der Zukunft keine wesentlichen Werthaltigkeitsrisiken für den AGRAVIS-Konzern zur Folge haben würde.

Darüber hinaus können sich aus politischen Entscheidungen auf Bundes- und EU-Ebene zur Transformation der Landwirtschaft Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit des AGRAVIS-Konzerns ergeben. So ist der angestrebte Umbau der Tierhaltung politisch noch nicht ausformuliert. Neben einem Finanzierungssystem ist auch die Öffnung des Bau- und Immissionsschutzrechtsvoraussetzung für den Umbau der Tierhaltung.79 Branchenvertreter befürchten durch das Gesetz einen weiteren gezielten Abbau der Tierbestände in Deutschland. Dadurch würde der Futtermittelabsatz des AGRAVIS-Konzerns weiter sinken.

Auch im Ackerbau zeichnen sich weitere Einschränkungen beim Betriebsmitteleinsatz ab. 2023 soll es ein Reduktionsprogramm für den chemischen Pflanzenschutz geben. Damit will das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) den Einsatz synthetischer Präparate senken. Für das Reduktionsprogramm Pflanzenschutz soll der Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) weiterentwickelt werden. Die Farm-to-Fork-Strategie der EU sieht eine pauschale Halbierung des Pflanzenschutzes bis 2030 vor. Mit Start der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU im Jahr 2023 ergeben sich bis 2027 weitere Einschränkungen bei der Direktzahlung, um Klima- und Umweltleistungen stärker zu berücksichtigen.

Gesamtaussage des Vorstandes zur Risikosituation des Konzerns

In Kenntnis der beschriebenen Risiken und auf Basis der mittelfristigen Planung erwartet der Vorstand gegenwärtig keine gravierenden Gefährdungen für die künftige Entwicklung, die einzeln oder in Wechselwirkung mit anderen Risiken zu einer dauerhaften und bestandsgefährdenden Beeinträchtigung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des AGRAVIS- Konzerns führen können.

6.5. Chancenbericht

Gesamtwirtschaftliche Chancen

• Die Landwirtschaft und damit auch die vor- und nachgelagerten Bereiche unterliegen einem rasanten und anhaltenden Strukturwandel. Trotzdem wird es auch in Zukunft eine flächendeckende innovative, nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland geben. Obschon die Auswirkungen des Klimawandels auch hier zu spüren sind, braucht es die Gunststandorte in Deutschland und Europa und den technischen Fortschritt, um eine wachsende Weltbevölkerung von inzwischen mehr als acht Milliarden Menschen bei knapper werdenden Flächenressourcen mit qualitativ hochwertigen und bezahlbaren Nahrungsmitteln zu versorgen. Der AGRAVIS-Konzern sieht seine Rolle hier als innovativer Dienstleister und Lösungsanbieter für die nachhaltige Landwirtschaft. Er will als Knotenpunkt in einem Netzwerk mit dem genossenschaftlichen Verbund und weiteren Partnern aus dem Agribusiness auf dem Fundament des klassischen Agrarhandels digitale Vertriebswege ergänzen und Geschäftsmodelle profitabel weiterentwickeln. Er orientiert sich dabei an den Kriterien Wesentlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit.82 Der AGRAVIS-Konzern stellt sich diesen Herausforderungen mit einer konsequenten Kundenfokussierung, standardisierten und schlanken Prozessen und leistungsstarken Angeboten. Durch die Marktveränderungen einschließlich der digitalen Transformation ergeben sich Chancen, die der Konzern konsequent aufgreifen und in Geschäft ummünzen wird. Durch eine klare Ausrichtung an den Markt- und Kundenanforderungen sieht der Konzern für sich gute Chancen auf nachhaltiges, profitables Wachstum im genossenschaftlichen Verbund.

Strategische Chancen

Digitalisierung

• Der AGRAVIS-Konzern sieht in der Digitalisierung die Chance und auch einen Auftrag an sich selbst, im genossenschaftlichen Verbund passgenaue digitale Bausteine für die Kundschaft zu etablieren. Die Nachfrage nach praxistauglichen Produkten steigt in der Landwirtschaft weiter an, bleibt aber insgesamt auf einem verhaltenen Niveau. Abwartendem Verhalten und Marktkonsolidierungen auf der einen Seite stehen weiterhin vielfältige Innovationsideen auf der Suche nach Investoren und funktionierenden Vertriebsstrukturen gegenüber. Vor diesem Hintergrund wird sich der AGRAVIS-Konzern weiter für gemeinsame, funktionssichere Lösungen im genossenschaftlichen Verbund einsetzen. Ein Beispiel dafür ist die genossenschaftliche Bündelung der Aktivitäten zur teilflächenspezifischen Bewirtschaftung. Weitere Vernetzungen sind für 2023 geplant. Ein weiteres Beispiel ist die erfolgreiche Pilotierung der Silo-Füllstandsmessung RSilo mit Genossenschaften bis zur Umsetzungsreife. Um noch mehr als bisher vom starken Wachstum im E-Commerce zu partizipieren und die technischen Dienstleistungen für die operativen Vertriebsgesellschaften zu bündeln, wird ab dem Jahr 2023 im Bereich Digitalisierung sukzessive eine zentrale Organisationseinheit "E-Commerce-Management" aufgebaut.

Genossenschaftliche Zusammenarbeit

Der AGRAVIS-Konzern ist fest in der genossenschaftlichen Organisation verwurzelt. Über 60 Prozent des AGRAVIS-Kapitals liegen in den Händen der regionalen genossenschaftlichen Eigentümer. Das ist für den Konzern eine Chance, aber auch ein Auftrag, mehr Geschäft miteinander zu machen. Den genossenschaftlichen Verbund betrachtet der Konzern als Erfolgsmodell mit dem stetigen gemeinsamen Ziel, die Genossenschaften regional im Vertrieb und im Kontakt zu den Landwirt:innen zu stärken. Dazu muss der AGRAVIS-Konzern die eigene Leistung im Großhandel, in der Beratung und in den administrativen Aufgaben aktiv positionieren und sich so für die Genossenschaften zum bevorzugten strategischen und operativen Partner machen. Deshalb gilt es, die Zusammenarbeit mit den Genossenschaften konsequent auszubauen und gemeinsam neue Verbundbausteine zu entwickeln, die den landwirtschaftlichen und privaten Kund:innen nutzen. Auf dieses Ziel zahlt ausdrücklich auch die weitreichende Finanzbeteiligung der Raiffeisen Landbund eG, RWG Niedersachsen Mitte eG, RWG Osthannover eG sowie der VR Bank in Südniedersachsen an der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH ein, die zum 1. Januar 2023 realisiert wurde.

Internationalisierung

Den klaren Schwerpunkt setzt der AGRAVIS-Konzern auf den deutschen Agrarmarkt und hier insbesondere auf die Regionen zwischen den Niederlanden im Westen und Polen im Osten. Daneben verfolgt er gezielt und mit Augenmaß ausgewählte Internationalisierungsbausteine weiter. Im Vordergrund stehen dabei seit einigen Jahren die gemeinsamen Aktivitäten in den Joint Ventures mit der dänischen Danish Agro a.m.b.a. Chancen für zusätzliches internationales Geschäft werden aber auch bei der Tiergesundheit, beim Spezialfutter und bei der Landtechnik mit dem Engagement in Polen aktiv genutzt. Solche Initiativen werden insbesondere in den ausländischen Märkten weiterentwickelt, die ein hohes Wachstum versprechen und einen nachhaltigen Vorteil gegenüber dem Wettbewerb realistisch erscheinen lassen. Investitionen werden nur dann getätigt, wenn das für das Auslandsgeschäft notwendige Know-how und die Vernetzung des Unternehmens vor Ort gegeben sind. Auch für das internationale Geschäft gelten die Vorgaben des AGRAVIS-Risikomanagements.

Flexibilität und Diversifizierung

Als 360-Grad-Dienstleister im Agribusiness sowie in den Sparten Märkte und Energie ist der AGRAVIS-Konzern in der Lage, Volatilitäten aufzufangen und so eine einseitige wirtschaftliche Abhängigkeit von einer Sparte zu verhindern. Das umfangreiche Produkt- und Leistungsportfolio und die kundennahe Vertriebsstruktur innerhalb des genossenschaftlichen Verbundes bieten gleichzeitig die Chance zur Vernetzung von Know-how, Dienstleistungen und dem Entwickeln von Mehrwertlösungen. So lassen sich Synergien heben, von denen der AGRAVIS-Konzern und die genossenschaftlichen Partner langfristig profitieren können. Ziel ist es, mit dem Kerngeschäft in bestehenden Märkten Anteile zu sichern und auszuweiten. Eine weitere Ausweitung über Produkte oder neue Märkte soll vor allem dort realisiert werden, wo sich mit Bezug zum Kerngeschäft überdurchschnittliche Wachstumschancen ergeben. Gleichzeitig wird es weitere gemeinsame Geschäftsaktivitäten von Primärgenossenschaften und dem AGRAVIS-Konzern mit dem Ziel geben, den genossenschaftlichen Handel in der jeweiligen Region und somit die Marktstellung auszubauen. Auch die Bereitschaft zu strategischen Allianzen mit anderen Partnern bleibt bestehen.

Unternehmensentwicklung und Innovation

Mit den Tätigkeitsfeldern Strategie und Innovation, M&A und Projektmanagement-Office unterstützt der Bereich Controlling & Unternehmensentwicklung den AGRAVIS-Konzern bei seiner zukunftsorientierten Ausrichtung. Das Team Strategie & Innovation begleitet die Strategieentwicklung und überarbeitet regelmäßig die strategische Ausrichtung mit den Bereichen.

Zudem koordiniert und unterstützt es die vielfältigen → Innovationsaktivitäten im Konzern. Im Jahr 2022 wurde unter anderem der Kontakt zur Start-up-Szene in der Agrar- und Ernährungswirtschaft weiter intensiviert. Seit Jahresbeginn 2023 treibt die konzerninterne Arbeitsgruppe "InnoLoop" die Innovationsthemen voran.

Das Projektmanagement-Office begleitet die Projektinitiierung sowie ausgewählte konzernrelevante Projekte in der Durchführung und übernimmt das regelmäßige Reporting zum Projektportfolio des Konzerns. Unternehmensbeteiligungen sowie Akquisitionen und Desinvestitionen werden durch das M&A-Team entlang aller Prozessschritte begleitet. Damit wird die Basis für weiteres anorganisches Wachstum des Konzerns geschaffen. In den operativen Bereichen Tiere, Pflanzenbau, Technik und Märkte ergänzen und verbinden projektorientierte Servicebereiche die praktische Umsetzung von Wachstum, Restrukturierung und Innovation.

6.6. Prognosebericht

Künftige Ausrichtung des Konzerns

• Der AGRAVIS-Konzern wird den laufenden Veränderungsprozess fortsetzen und sich weiter als kundenorientierter, innovativer Dienstleister - fest verankert im genossenschaftlichen Verbund - für die nachhaltige Landwirtschaft positionieren. Einschränkungen bei der Tierhaltung und im Pflanzenbau erfordern weiterhin konsequentes Handeln bei der Prozessoptimierung und dem Ausschöpfen von Marktpotenzialen. Zusätzlich sind Antworten auf die Herausforderungen durch Klimaneutralität und Digitaltransformation zu geben. Im Jahr 2022 wurde deshalb das Themenfeld "Regenerative Energien" als strategisches Geschäftsmodell nach vorne entwickelt. Beispiele hierfür sind die Biomethanproduktion aus Biogas in Dorsten und zukünftig auch in Velen. Die Biogasanlage in Dorsten produziert bilanziell rund 70 Prozent des jährlichen AGRAVIS-Gasbedarfs. Zudem wurde in PV-Anlagen für den Eigenverbrauch von Strom investiert. Bis zum Jahr 2024 wird für die Konzernstandorte ein Eigenstromanteil von 20 Prozent angestrebt.

Das eigene Nachhaltigkeitsmanagement wird auf der Basis der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen weiter forciert. Stichworte hier sind die CO 2 -Fußabdrücke der AGRAVIS- Standorte und die Treibhausgasemissionen der hergestellten Produkte. Hierzu entwickelt der AGRAVIS-Konzern zukunftsgerichtete Konzepte, um die CO 2 -Emissionen auf einem niedrigen Niveau zu halten. Auch die Anforderungen aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz werden als Chance betrachtet, um durch stabile Prozesse innerhalb des Konzerns in nachhaltige Lieferketten zu investieren.

Die digitale Transformation wird dauerhaft die Weiterentwicklung des Konzerns prägen - diesen Weg gilt es mit eigenen Mehrwertkonzepten kundenorientiert zu gestalten. Zudem müssen die internen Prozesse effizient sein und einheitliche Standards aufweisen. Mit dem internen Projekt "Dock" werden die bisherigen warenwirtschaftlichen Systeme schrittweise in eine bedarfsgerechte und zukunftssichere Systemlandschaft überführt.

Der Konzern möchte in seinem Kerngeschäft nachhaltig, qualitativ und solide wachsen. Dazu müssen alle Geschäftsbereiche dauerhaft profitabel sein. Die Kraft dafür zieht der AGRAVIS-Konzern aus dem gemeinschaftlichen Agieren in einem starken Netzwerk. Gemeinsam mit den regionalen Raiffeisen-Genossenschaften will der Konzern im deutschen Agrarmarkt wirtschaftlich erfolgreich sein und durch maximale Kundenorientierung Marktanteile hinzugewinnen. Der scharfe Strukturwandel in der margenschwachen Agrarbranche und der harte Verdrängungswettbewerb auf der Handelsebene bieten dem genossenschaftlichen Verbund die Chance, durch Marktzugang, schlanke Prozesse und Innovation Marktanteile zu sichern und sich in einem tendenziell schrumpfenden Markt noch besser zu positionieren. Der AGRAVIS-Konzern wird weiter zielgerichtet Strukturen mitgestalten und die Position des genossenschaftlichen Verbundes entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärken.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

● Die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2023 ist bedingt durch den Ukraine-Krieg, Inflation und hohe Energiekosten wiederum mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Durch die Coronasituation in China erwarten Fachleute auch wieder Herausforderungen für die Stabilität der Lieferketten. Waren sich die Wirtschaftsforscher lange Zeit darüber einig, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr in eine Rezession abrutschen würde, hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft im Dezember 2022 ein leichtes Wachstum von 0,3 Prozent prognostiziert. Auch die Bundesregierung erwartet laut Jahreswirtschaftsbericht eine geringfügig steigende Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent. Die hohen Energiepreise werden die privaten Haushalte und die Unternehmen im Jahr 2023 weiter belasten, allerdings abgefedert durch die Preisdeckel. Die Unternehmen dürften gegenüber dem Vorjahr wieder mehr investieren. Der private Konsum soll den Experten zufolge in der zweiten Jahreshälfte wieder in Schwung kommen. Die Inflation wird mit vorhergesagten 5,4 Prozent auf hohem Niveau bleiben, allerdings gegenüber dem Vorjahr bereits wieder merklich sinken. Viele Rohstoffpreise werden Prognosen zufolge weiter steigen. Der Arbeitsmarkt zeigt sich den Prognosen zufolge robust, sodass Unternehmen der Demografie geschuldet weiterhin nach Fachkräften suchen werden. Das Staatsdefizit dürfte im Jahr 2023 aufgrund der Hilfspakete auf rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts anschwellen.

Branchenentwicklung

Die deutsche Landwirtschaft schätzt die eigene wirtschaftliche Lage gegenüber 2022 wieder etwas pessimistischer ein. Hierzu trägt ebenfalls der Ukraine-Krieg in erheblichem Umfang bei. Auch wenn mehr als jeder dritte Landwirt aufgrund der Unsicherheit Investitionen aufschieben will, nimmt insgesamt die Investitionsbereitschaft zu, vor allem getrieben durch die Bereitschaft, in erneuerbare Energien zu investieren.

Aus fundamentaler Sicht wird das weltweite Preisniveau für Agrarrohstoffe zwar absinken, aber insgesamt auf einem hohen Niveau bleiben. Ein Grund sind die engen weltweiten Versorgungsbilanzen für Weizen und Mais. In Deutschland hingegen sind aufgrund der guten Ernte sowie der großen Zuflüsse aus Polen und der Ukraine keine Versorgungsprobleme zu erwarten. Eine wirkliche Entspannung wird erst mit sehr guten Ernten auf der Nordhalbkugel und der zweiten Maisernte in Brasilien Mitte 2023 möglich sein. Bei Ölsaaten wird sich hingegen die globale Versorgungslage gegenüber dem Vorjahr angesichts einer Rekorderzeugung nochmals verbessern. Hohe Inflationsraten und starke Wechselkursschwankungen, dazu das unruhige politische Umfeld, werden den Agrarhandel auch in 2023 fordern. Der Liquiditätsbedarf im Agrarhandel wird hoch bleiben.

Das Pflanzenschutzgeschäft wird weiter durch das politische Ziel, den Einsatz von chemischem Pflanzenschutz bis 2030 zu halbieren, überlagert. Die Innovationsgeschwindigkeit für neue Wirkstoffe nimmt aus regulatorischen und politischen Gründen ab. Parallel hierzu werden generische Angebote weiter wachsen. Zudem sind signifikante Kostensteigerungen zu erwarten. Die Betriebe werden aber weiterhin nutzenorientiert Pflanzenschutz im Sinne einer innovativen, nachhaltigen Landwirtschaft betreiben.

Im Düngemittelmarkt werden nach einem deutlichen Rückgang in den ersten Monaten 2023 weiter hohe Preisvolatilitäten erwartet und ein Fortdauern des harten Wettbewerbs auf Großhandelsebene. Die Verfügbarkeit in Europa dürfte bei einzelnen Produkten knapp bleiben. Für den notwendigen Import wird die Logistik extrem herausfordernd werden, weil auch weltweit die Stickstoffreserve knapp ist.

Der Mischfuttermarkt in Deutschland wird 2023 weiter rückläufig eingeschätzt. Die Volatilität wird aufgrund des Ukraine-Krieges, knapper Rohwarenbilanzen und veränderter Rohwarenströme anhalten. Die Lage für die schweinehaltenden Betriebe wird entsprechend dem Schweinezyklus bei knapper Ferkelverfügbarkeit stabilisieren. Für die Milchviehbetriebe wird die Wirtschaftlichkeit abgeschwächt positiv eingeschätzt. In der Geflügelhaltung erwartet der AGRAVIS-Konzern ebenfalls eine stabile Entwicklung, allerdings vorbehaltlich der politischen Auflagen und der Auswirkungen der Vogelgrippe.

Der Branchenverband VDMA geht für 2023 von einem leichten Rückgang im Maschinen- und Anlagenbau aus. In der Landtechniksparte erwartet der AGRAVIS-Konzern, dass die Hersteller bei den Auslieferungen von Neumaschinen wieder für eine bessere Planbarkeit sorgen und somit der Auftragsüberhang des Vorjahres langsam abgearbeitet werden kann. Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird insgesamt ein leichter Rückgang des Traktorenmarktes erwartet, wogegen die Markterwartungen für den Mähdrescherabsatz als stabil eingestuft werden. Eine besondere Wachstumsdynamik wird im Bereich Robotik prognostiziert. In diesem Marktsegment warten neue Hersteller mit neuen technologischen Lösungen auf, die den steigenden Anforderungen in der Landwirtschaft hinsichtlich Ressourceneinsatz in besonderem Maße Rechnung tragen. Hier sieht sich die Landtechniksparte sehr gut aufgestellt.

Für den Einzelhandel in Deutschland wird ein geringes Wachstum von 1,5 bis 2,5 Prozent vorhergesagt, also ein realer Rückgang. Denn die Inflation bleibt hoch und die Zinsen steigen weiter. Die allgemeine Kaufzurückhaltung und das Aufschieben von größeren Investitionen werden daher auch die Raiffeisen-Märkte spüren. Erschwerend aufs Geschäft werden sich zudem die anhaltenden Lieferengpässe auswirken, die zu einer weiterhin angespannten Warenversorgung führen. Chancen für die Sparte Märkte des AGRAVIS-Konzerns können sich aus der Konzentration der Kund:innen auf das eigene Heim (Cocooning) ergeben - mit entsprechendem Potenzial für analoges und digitales Wachstum.

Die Transformation des Energiemarktes wird in 2023 anhalten. Treiber bleiben weiterhin die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 und die 65-prozentige Minderung der Treibhausgasemissionen bis 2030 sowie die Auswirkungen des Ukraine-Krieges mit den daraufhin beschlossenen Entscheidungen wie dem vollständigen Importstopp von russischem Öl zum 1. Januar 2023. Das wird zu veränderten Versorgungsstrukturen im Mineralölbereich führen. Trotz Importstopps und eines Preisdeckels für russisches Öl sieht das Bundeswirtschaftsministerium die Versorgungssicherheit in ganz Deutschland als gewährleistet an. Fossile Energien werden durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen (THG-Quote, CO 2 -Abgabe) weiter verteuert, auch wenn die Heizölpreise Ende Februar 2023 aufgrund hoher Rohölvorräte in den USA auf ein Jahrestief sanken. Der strukturelle Absatzrückgang beim Heizöl wird auch in 2023 gebremst bleiben. Grund ist die Unsicherheit bei der Gasversorgung. Bei Diesel und Ottokraftstoffen erwartet der AGRAVIS-Konzern einen anhaltenden strukturell rückläufigen Absatzmarkt im Inland, vorrangig bedingt durch alternative Antriebstechnologien wie die E-Mobilität. Im Tankstellensegment wird eine fortgesetzte genossenschaftliche Investitionsbereitschaft prognostiziert. Bei der Biomethan-Produktion werden stabile Verkaufserlöse bei einem anhaltend hohen Preisniveau für Wirtschaftsdünger erwartet. Im Schmierstoffsektor geht die Energiesparte der AGRAVIS von einem ebenfalls rückläufigen Inlandsabsatz aus bei gleichzeitigen Preissteigerungen durch Logistik- und Handlingkosten. Im Holzpelletsmarkt wird ein Wachstum von 10 bis 15 Prozent zugrunde gelegt.

Der im letzten Quartal 2022 einsetzende Preisrückgang könnte sich 2023 fortsetzen.

Erwartete Umsatz-, Vermögens-, Finanz- und Ertragslage

● Für 2023 wird ein Konzernumsatz von 8,5 Mrd. Euro erwartet. Dabei wird ein Preisniveau unterstellt, das sich im Verlauf des Geschäftsjahres gegenüber 2022 leicht rückläufig entwickelt. Umsatzimpulse aus dem operativen Geschäft heraus werden unter anderem in den Produktbereichen Düngemittel und Saatgut, Spezialfutter Nutztiere, Horse & Hobby, im Bereich Agrarerzeugnisse sowie im Direktgeschäft mit der Landwirtschaft über die Agrarzentren bzw. die AGRAVIS Ost erwartet.

Analog wird auch das Ergebnis vor Steuern gegenüber Vorjahr auf Basis der konservativen Planung als rückläufig eingeschätzt. Der Plan sieht bei stabilen Personal- und leicht zurückgehenden sonstigen Kosten sowie entsprechender Risikovorsorge 45,1 Mio. Euro vor. Die ausgeprägte Leistungsstärke des Konzerns im Markt wird im operativen EBIT abgebildet, das nach dem außergewöhnlichen Geschäftsjahr 2022 im Jahr 2023 eine Höhe von 86,6 Mio. Euro erreichen soll.

Die Eigenkapitaldecke wird mit geplanten 655 Mio. Euro weiter gestärkt, die Eigenkapitalquote soll 2023 um 1,5 Prozentpunkte wieder merklich auf 28,1 Prozent ansteigen. Dies kann neben dem Jahresergebnis durch ein aktives Working-Capital-Management erreicht werden, welches zu sinkenden Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und anderen Verbindlichkeiten sowie einer verringerten Bilanzsumme führt.

Das Risikomanagement wird nicht zuletzt vor dem Hintergrund der geopolitischen Herausforderungen weiterhin konsequent angewendet und das Portfolio regelmäßig auf die Performance der Bereiche überprüft. Aus heutiger Sicht erwartet der AGRAVIS-Konzern in den Sparten folgende Entwicklung:

Agrar Großhandel

In der Sparte Agrar Großhandel will der AGRAVIS-Konzern im Jahr 2023 seine Geschäftstätigkeit mit den Genossenschaften weiter ausdehnen. Aufgrund dessen und angesichts eines unterstellten leicht sinkenden Preisniveaus wird ein Umsatz auf Vorjahresniveau prognostiziert, das Ergebnis wird unterhalb des Vorjahres erwartet.

Der Bereich Pflanzenbau will sich weiter als erster Ansprechpartner und zukunftsfähiger Partner für Pflanzenbaulösungen im Markt positionieren. Dazu werden der Vertriebsangang bei den Genossenschaften potenzialorientiert weiterentwickelt und Lieferanten an den AGRAVIS-Konzern gebunden. Die Schwerpunkt- und Exklusivprodukte sind weiter ein bedeutendes Standbein innerhalb des Portfolios. Auch die Angebote für die biologisch tätige Landwirtschaft werden durch eine intensive Zusammenarbeit der Produktgruppen Pflanzenschutz, Düngemittel und Saatgut mit der Konzerngesellschaft biovis agrar GmbH ausgeweitet.

Der Produktbereich Pflanzenschutz geht von einem durchschnittlichen Befallsjahr aus, also einer gleichbleibenden Behandlungsintensität im Getreide und Raps. Der Umsatz wird in etwa auf Vorjahresniveau erwartet, der Ergebnisbeitrag dürfte preisbedingt unter dem Vorjahr liegen. Im Produktbereich Düngemittel sollen die Marktanteile stabilisiert werden. Der Fokus soll auf Lieferanten gelegt werden, die weiter in Deutschland bzw. Europa produzieren und Importe anbieten. Es wird ein gegenüber Vorjahr nochmals steigender Umsatz erwartet bei stabilem Ergebnisbeitrag. Der Produktbereich Saatgut will den Schwung aus dem Vorjahr mitnehmen. Der Umsatz wird leicht unter dem Vorjahr, das Ergebnis leicht über den Vorjahreswerten geplant. Die Biogasberatungseinheit Terravis GmbH will ihr Dienstleistungsangebot weiter ausbauen, ihren Umsatz stabilisieren und ein Ergebnis auf Vorjahreslevel generieren.

Der Bereich Agrarerzeugnisse will angesichts der unsicheren geopolitischen Lage, hoher Währungsrisiken und engen Versorgungsbilanzen den Liquiditätsbedarf weiter so gering wie möglich halten und bei der Kontraktabwicklung eine enge Führung fortsetzen. Durch möglichst niedrige Bestände soll der Spagat zwischen Versorgungssicherheit und Liquidität gelingen. Seine Position als erster Ansprechpartner für die genossenschaftlichen Futtermittelwerke, die Mühlen und die Stärkeindustrie will der Bereich festigen. Es wird ein Umsatz leicht unter Vorjahr bei ebenfalls rückläufigem Ergebnisbeitrag erwartet.

Bereich Tier: Im Produktbereich Mischfutter will der AGRAVIS-Konzern im Geschäftsjahr 2023 die Jahrestonnage wiederum möglichst konstant halten. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage für Milchviehbetriebe wird beim Rinderfutter mit einem leichten Anstieg gegenüber Vorjahr geplant. Die Schweinefutterproduktion dürfte leicht unter der Tonnage von 2022 liegen; damit wird der anhaltend schwierigen Situation in der Schweinehaltung und Ferkelproduktion sowie der Afrikanischen Schweinepest Rechnung getragen. Trotz Vogelgrippe soll der Marktanteil beim Geflügelfutter weiter steigen, Ausdruck dessen ist eine leicht höhere Jahresproduktion als im Vorjahr. Der Umsatz beim Mischfutter wird in Summe unter Vorjahr bei einem zurückgehenden Ergebnis erwartet.

Im Produktbereich Spezialfutter wird mit steigenden Mengen sowohl beim Mineralfutter als auch bei Milchaustauschern geplant. Bei weitgehend stabilem Umsatz soll das Ergebnis gegenüber dem Jahr 2022 ansteigen.

Im Produktbereich Horse & Hobby will die Konzerngesellschaft Equovis GmbH ihre Marktposition ausbauen - sowohl im Pferdefuttersegment als auch im Hobbybereich. Bei Umsatz und Ergebnis sollen die 2022er-Zahlen auf konstantem Niveau gehalten werden. Bei den Futtermittel-Spezialprodukten wird ein vergleichsweise "normales" Jahr erwartet. Ziel ist die durchgehende Lieferfähigkeit bei allen Produkten. Die Umsatzerwartung liegt auf Vorjahresniveau, das prognostizierte Ergebnis unter dem 2022er-Wert.

Bei der Tiergesundheit will die Livisto Group das Geschäft mit Präparaten für Klein- und Nutztiere ausbauen. Sowohl bei Umsatz als auch beim Ergebnis sind Werte über denen des Jahres 2022 eingeplant.

Agrar Landwirtschaft

Die im Direktgeschäft mit der Landwirtschaft tätigen AGRAVIS-Einheiten wollen ihre operative Stärke im Markt, die sie im Jahr 2022 gezeigt haben, im neuen Geschäftsjahr bestätigen und weiter ausbauen. Aufgrund der anhaltend positiven Ertragsaussichten für Ackerbau- und Milchviehbetriebe sowie der volatilen Betriebsmittelpreise geht der Konzern in dieser Sparte von einem Umsatz leicht über dem Vorjahresniveau aus. Dabei wird eine durchschnittliche Ernte vorausgesetzt. Die vier Agrarzentren der Agrarholding planen mit einer Umsatzrendite von 1,0 Prozent, obschon die Ergebniserwartung gegenüber dem von außerordentlichen Effekten geprägten Ausnahmejahr 2022 deutlich heruntergeschraubt wird. Sie liegt aber immer noch rund ein Drittel über dem Planwert des Vorjahres. Strukturelle und innovative Impulse erwartet die Agrarholding von der Finanzbeteiligung der Raiffeisen Landbund eG, RWG Niedersachsen Mitte eG, RWG Osthannover eG und VR Bank in Südniedersachsen an dem regionalen Agrarzentrum AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH. Parallel zu dieser Finanzbeteiligung wollen die genossenschaftlichen Partner Fachkompetenzen bündeln und gemeinsame Innovations- und Wachstumsprojekte vorantreiben über digitale, schlanke Prozesse und eine leistungsstarke, kundenorientierte Infrastruktur. Für die Gesellschaften der AGRAVIS Ost geht der Konzern ebenfalls von einem leicht rückläufigen Ergebnis aus. Auf der Kostenseite bleiben auch in der Sparte Agrar Landwirtschaft die Risiken in der Logistik, die Ausgaben für Energie und die Lohnkosten wichtige Faktoren. Durch weitere Effizienzsteigerungen und ein striktes Risikomanagement vor dem Hintergrund eines möglichen Endes der Preishausse sehen sich die AGRAVIS-Einheiten dieser Sparte dafür gewappnet.

Technik

Unter der Annahme, dass keine zusätzlichen Herausforderungen aufgrund geopolitischer Krisen auftreten, erwartet die AGRAVIS-Technik-Gruppe auch in 2023 ein erfolgreiches Geschäftsjahr. Der Umsatz wird nahezu auf Vorjahresniveau prognostiziert, der Ergebnisbeitrag wird rückläufig eingeschätzt. Zentrale Bestandteile der Wertschöpfungsentwicklung bleiben After Sales und der Ausbau von markenübergreifenden Synergien. Im Neumaschinengeschäft erwartet die Technik-Gruppe eine leichte Entspannung bei den produktionsbedingten Lieferverzögerungen der Hersteller. Sowohl im Neumaschinen- als auch im Gebrauchtmaschinenverkauf wird es darauf ankommen, auf Entwicklungen im Marktumfeld schnell zu reagieren. Zur Risikominimierung werden das Bestands- und Forderungsmanagement weiter optimiert. Um die kostentechnischen und prozessualen Effizienzziele zu erreichen, sollen die Umsetzung und Nutzung der geschaffenen Möglichkeiten innerhalb des Programms "Dock" weiter ausgebaut und ein neues Kundenmanagementsystem eingeführt werden.

Märkte

Beim Umsatz und Ergebnis erwartet der AGRAVIS-Konzern für die Sparte Märkte in Summe Werte leicht unter dem Vorjahr. Die Prognose stützt sich auf die anhaltende Verunsicherung und Kaufzurückhaltung der Verbraucher:innen durch die hohe Inflation und die Sorge vor einer Rezession. Die Nähe der Raiffeisen-Märkte zu ihrer Kundschaft wird zugleich als Chance betrachtet. Der Großhandel soll auch im Geschäftsjahr 2023 der Umsatz- und Ergebnistreiber sein. Im Segment Baustoffhandel wird ein gegenüber Vorjahr leicht zurückgehender Umsatz bei stabilem Ergebnisbeitrag prognostiziert. Grund ist der Druck in der Baubranche durch steigende Zinsen und daraus resultierende zurückgehende Bauanträge. Die Raiffeisen-Markt GmbH plant weitere Standorte und einen Umsatz über Vorjahresniveau. Im Onlinegeschäft will die Raiffeisen Webshop GmbH & Co. KG ihre strukturelle Konzeption weiterentwickeln und ihren Wachstumspfad nach dem umsatzschwächeren Vorjahr wieder aufnehmen.

Energie

Die Energiemärkte werden auch in 2023 mit großen Unsicherheiten behaftet sein. Der AGRAVIS-Konzern hat daher für die Sparte Energie bewusst zurückhaltend geplant. Es wird von Umsatzerlösen ausgegangen, die sich unterhalb des Vorjahresumsatzes bewegen. Das Preisniveau für Energie dürfte hoch bleiben, aber nicht mehr die extremen Höhen wie im Jahr 2022 erreichen. Die für 2023 prognostizierte weitere Abschwächung der Wirtschaft kann darüber hinaus zu einem Nachfragerückgang führen. Der strukturellen Verteuerung fossiler Energien aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen will der AGRAVIS-Konzern mit einer Straffung der bestehenden Handelsaktivitäten bei Brenn- und Kraftstoffen sowie einem Ausbau strategischer Partnerschaften mit Key-Kunden bzw. Lieferanten begegnen. Der Handel mit alternativen Kraftstoffen wird geprüft und soll gegebenenfalls aufgebaut werden. Als Teil eines Betreiberkonsortiums wird AGRAVIS ab 2023 die Biogasanlage Velen so umbauen, dass dort Biomethan für den Kraftstoffmarkt produziert werden kann. Beim Vertrieb des Diesel-Zusatzstoffs AdBlue soll die Marktposition gestärkt werden. Das Tankstellen-Service-Center will das Ladesäulenkonzept "R-emobil" im Konzern bei den genossenschaftlichen Partnern etablieren. Im Holzpelletsmarkt will die Beteiligungsgesellschaft Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH ihr B2C-Geschäft weiter ausbauen und ihr nationales Wachstum fortsetzen. Der Handel mit leitungsgebundenen Energien .

Erdgas und Strom wird wie im zurückliegenden Geschäftsjahr massiv von der Marktsituation und den Auswirkungen der beschlossenen Strom- und Gaspreisbremse abhängen. Im Schmierstoffsegment mit der Eigenmarke "Tectrol" soll der Ausbau des digitalen Vertriebs Impulse setzen. Der Ergebnisbeitrag der Sparte Energie wird sich analog zum zurückgehenden Umsatz reduzieren.

Geplante Investitionen

Investitionsbudget

● Der AGRAVIS-Konzern plant für das Geschäftsjahr 2023 mit einem Investitionsvolumen von 55,6 Mio. Euro (Vorjahr: 50,8 Mio. Euro geplant, 58,1 Mio. Euro realisiert). Der Grund für die Abweichung zum Planwert sind Überträge aus dem Geschäftsjahr 2021 sowie Nachträge. Der Konzern behält damit seine hohe Investitionstätigkeit aus den Vorjahren bei. Abschreibungen auf immaterielles sowie Sachanlagevermögen werden in einer Größenordnung von 53,1 Mio. Euro veranschlagt (Vorjahr: 55 Mio. Euro geplant, rund 56 Mio. Euro im Ist). Mit mehr als 33 Mio. Euro an Investitionen will der Konzern das Geschäft in den Segmenten Agrarhandel, Landtechnik, Tiere und Pflanzen stärken. Für die Sparten Märkte und Energie sind 4,4 Mio. Euro vorgesehen. Knapp 18 Mio. Euro an Investitionssumme stehen für Servicebereiche und Dienstleistungen bereit. Hier liegt der Fokus neben dem weiteren Ausbau der Digitalisierung mit dem internen Großprojekt "Dock" auf einer Verbesserung der Energieeffizienz an den Konzernstandorten. Der konzerneigene Standort in Isernhagen wird durch ein Bürogebäude als Ersatz für die angemietete Immobilie in Hannover noch stärker zu einem zentralen AGRAVIS-Drehkreuz für die Region ausgebaut.

Der AGRAVIS-Konzern unterscheidet wie schon in der Vergangenheit wieder in drei Investitionskategorien:

Strategische Investitionen in Standorte und Märkte: 20,7 Mio. Euro (Anteil: 37,2 Prozent),

Strategische Investitionen in Digitalisierung: 13,3 Mio. Euro (24,0 Prozent),

Ersatz/Verschleiß: 21,6 Mio. Euro (38,8 Prozent).

Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren

Wie bereits beschrieben, nutzt der AGRAVIS-Konzern folgende nichtfinanzielle Leistungsindikatoren:

Ausbildungsquote

Fluktuationsquote

Arbeitssicherheit.

Die Ausbildungsquote soll im Geschäftsjahr 2023 im Einklang mit den Recruiting-Aktivitäten des Konzerns auf dem hohen Niveau von rund 9 Prozent stabil gehalten werden. Bei der Fluktuationsquote wird auf derselben Grundlage wieder ein leichter Rückgang angestrebt. Die vielfältigen Präventionsmaßnahmen sollen dazu beitragen, dass die Arbeitsunfälle im Konzern im laufenden Geschäftsjahr weiter spürbar sinken und sich so die Arbeitssicherheit kontinuierlich erhöht.

Gesamtaussage des Vorstandes zur voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns

Die unsichere geopolitische Lage, eine hohe Inflation, die Sorge in Teilen der Bevölkerung um einen anhaltenden Wohlstandsverlust, volatile Märkte mit hohen Preisrisiken sowie Wetterextreme infolge des Klimawandels und weitere gesetzgeberische Einschränkungen für die Landwirtschaft werden den AGRAVIS-Konzern im Jahr 2023 auf allen Ebenen wieder stark fordern. Auf veränderte Warenströme, Produktknappheiten und politische Instabilität ist der Konzern vorbereitet. Als systemrelevantes Unternehmen steht der AGRAVIS-Konzern weiter zu seiner Aufgabe, die Versorgungssicherheit der Menschen mit qualitativ hochwertigen bezahlbaren Nahrungsmitteln zu gewährleisten und die globalen Herausforderungen lokal zu managen.

Er zieht aus diesen Determinanten für sich den Schluss, innerhalb des genossenschaftlichen Verbundes die Transformation im Agribusiness weiter konsequent und aktiv mitzugestalten. Dieser gelebte Wandel richtet den Fokus auf den Kundennutzen, indem bereichsübergreifend und gemeinsam mit anderen Playern im Markt praxistaugliche Lösungen und neue Geschäftsmodelle umgesetzt werden. Der AGRAVIS-Konzern sieht sich hier weiter als Treiber für eine innovative, nachhaltige Landwirtschaft und wird aus der Stärke des genossenschaftlichen Verbundes heraus die sich bietenden Chancen ergreifen. Dazu werden die Prozesse weiter optimiert und digitalisiert, um in effizienter Aufstellung, mit großer Kostendisziplin und einem strikten Risikomanagement sowie schnellen Entscheidungen wirtschaftlich erfolgreich im Markt zu agieren. So kann der eigene Anspruch, dauerhaft dividendenfähig zu sein und Gewinne zu thesaurieren, auch in Zukunft erfüllt werden.

Der AGRAVIS-Konzern konzentriert sich weiter auf das etablierte Kerngeschäft. Dort sollen Marktanteile stabilisiert und ausgebaut werden. Dies geschieht mit dem Know-how und der Kundenorientierung der Mitarbeitenden. Für sie ist der AGRAVIS-Konzern ein relevanter, attraktiver Arbeitgeber im ländlichen Raum, der mit Wertschätzung Wissen vermittelt und Leistungsträger:innen fördert.

Der Vorstand trifft diese Aussagen auf der Basis des aktuellen Konsolidierungskreises des Konzerns und der beschriebenen Annahmen zu den politischen, gesamtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Rahmenbedingungen sowie sämtlichen zum jetzigen Zeitpunkt vorliegenden Informationen. Es werden darüber hinaus Witterungsbedingungen ohne Wetterextreme sowie durchschnittliche Ernten unterstellt. Sollte sich das Marktumfeld ändern oder sollten Risiken - wie sie beispielhaft im Risikobericht beschrieben werden - eintreten, kann die tatsächliche Entwicklung des Konzerns von der hier dargestellten Prognose abweichen. Der Vorstand wird dann geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen. Es besteht keine Verpflichtung, die im Lagebericht getätigten Aussagen zu aktualisieren.

 

Münster, den 29. März 2023

AGRAVIS Raiffeisen AG, der Vorstand

Dr. Köckler, Vorsitzender

Hesseler

7.1. Konzernbilanz zum 31. Dezember 2022

→ Aktiva

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Anlagevermögen
Immaterielle Vermögensgegenstände
Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte 989 1.090
Entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 35.587 32.784
Geschäfts- oder Firmenwert 7.170 12.368
Geleistete Anzahlungen 17.624 16.600
61.370 62.842
Sachanlagen
Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken 273.567 276.123
Technische Anlagen und Maschinen 108.826 106.798
Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 27.887 27.045
Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau 14.094 13.491
424.374 423.457
Finanzanlagen
Anteile an verbundenen Unternehmen 20.388 21.936
Ausleihungen an verbundene Unternehmen 8.943 7.436
Anteile an assoziierten Unternehmen 218.785 194.293
Beteiligungen 16.687 15.890
Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 3.660 3.460
Sonstige Ausleihungen 6.309 2.236
274.772 245.251
Anlagevermögen insgesamt 760.516 731.550
Umlaufvermögen
Vorräte
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 71.120 66.825
Unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen 7.137 6.084
Fertige Erzeugnisse und Waren 1.001.983 783.845
Geleistete Anzahlungen 13.875 22.013
1.094.115 878.767
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 395.755 400.816
Forderungen gegen verbundene Unternehmen 13.826 36.497
Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 36.271 32.638
Sonstige Vermögensgegenstände 55.944 93.395
501.796 563.346
Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks 10.749 11.524
Umlaufvermögen insgesamt 1.606.660 1.453.637
Rechnungsabgrenzungsposten 4.034 5.557
Aktive latente Steuern 2.048 0
Summe der Aktivseite 2.373.258 2.190.744

→ Passiva

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Eigenkapital
Gezeichnetes Kapital
Grundkapital 205.537 205.537
Kapitalrücklage 73.658 73.658
Gewinnrücklagen
Gesetzliche Rücklage 26.174 25.576
- davon aus Jahresüberschuss Geschäftsjahr eingestellt 598 506
Andere Gewinnrücklagen 163.568 159.742
Summe Gewinnrücklagen 189.742 185.318
Eigenkapitaldifferenz aus Währungsumrechnung 1.654 562
Nicht beherrschende Anteile 23.817 16.711
Konzernbilanzgewinn
Konzernjahresüberschuss 42.176 15.677
Nicht beherrschenden Anteilen zustehender Gewinn -4.387 -2.217
Einstellung in die Rücklagen -598 -506
37.191 12.954
Genussrechtskapital 99.095 99.095
Eigenkapital insgesamt 630.694 593.835
Sonderposten für Investitionszulagen 23 26
Rückstellungen
Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen 132.990 118.117
Steuerrückstellungen 20.367 16.865
Sonstige Rückstellungen 136.068 112.360
289.425 247.342
Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 753.161 791.734
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 18.901 15.217
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 578.494 480.559
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 10.615 7.850
Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 27.357 18.319
Sonstige Verbindlichkeiten 62.967 34.369
- davon aus Steuern (23.349) (16.691)
- davon im Rahmen der sozialen Sicherheit (461) (417)
1.451.495 1.348.048
Rechnungsabgrenzungsposten 1.621 1.493
Summe der Passivseite 2.373.258 2.190.744

7.2. Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2022

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
1. Umsatzerlöse 9.444.761 7.277.662
2. Erhöhung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen und Leistungen 2.215 2.831
3. Andere aktivierte Eigenleistungen 1.829 1.841
4. Sonstige betriebliche Erträge 42.122 32.311
9.490.927 7.314.645
5. Materialaufwand
a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren 8.607.728 6.579.212
b) Aufwendungen für bezogene Leistungen 123.535 115.640
Summe Materialaufwand 8.731.263 6.694.852
Rohergebnis 759.664 619.793
6. Personalaufwand
a) Löhne und Gehälter 306.782 282.083
b) Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung 79.137 58.620
- davon für Altersversorgung (20.093) (3.388)
Summe Personalaufwand 385.919 340.703
7. Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen 56.446 50.922
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen 249.716 179.077
Zwischensumme 67.583 49.091
9. Erträge aus Beteiligungen 1.177 1.774
- davon aus verbundenen Unternehmen (257) (172)
10. Ergebnis aus Beteiligungen an assoziierten Unternehmen 26.792 13.831
11. Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens 393 415
- davon aus verbundenen Unternehmen (154) (150)
12. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 9.893 9.724
- davon aus verbundenen Unternehmen (1.281) (1.269)
Zwischensumme (9 bis 12) 38.255 25.744
13. Abschreibungen auf Finanzanlagen 5.705 1.394
14. Aufwendungen aus Verlustübernahmen 0 0
15. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 35.739 37.593
- davon aus Aufzinsung (3.891) (9.302)
- davon an verbundene Unternehmen (47) (33)
- davon Vergütung für Genussrechtskapital (2.508) (2.406)
Zwischensumme (13 bis 15) 41.444 38.987
Finanzergebnis -3.189 -13.243
16. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 19.369 17.544
17. Ergebnis nach Steuern 45.026 18.304
18. Sonstige Steuern 2.849 2.627
19. Konzernjahresüberschuss 42.176 15.677
20. Nicht beherrschenden Anteilen zustehender Gewinn -4.387 -2.217
21. Einstellungen in die gesetzliche Gewinnrücklage -598 -506
22. Einstellungen in die anderen Gewinnrücklagen 0 0
23. Konzernbilanzgewinn 37.191 12.954

7.3. Kapitalflussrechnung (indirekte Methode)

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
1. Periodenergebnis (Konzernjahresüberschuss einschließlich Ergebnisanteilen von Minderheitsgesellschaftern) 42.176 15.677
2. +/- Abschreibungen/Zuschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens 62.151 52.316
3. +/- Zunahme/Abnahme der Rückstellungen 38.580 12.072
4. +/- Konzernspezifische und sonstige zahlungsunwirksame Aufwendungen/Erträge -26.342 -9.406
5. -/+ Zunahme/Abnahme der Vorräte, der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Aktiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind -155.816 -243.879
6. +/- Zunahme/Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind 144.251 71.853
7. -/+ Gewinn/Verlust aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens 1.404 -4.098
8. - Buchgewinn aus dem Verkauf von konsolidierten Unternehmen -3.121 -732
9. +/- Zinsaufwendungen/Zinserträge 18.918 11.626
10. - Sonstige Beteiligungserträge -1.177 -1.031
11. +/- Ertragsteueraufwand/-ertrag 19.369 17.544
12. -/+ Ertragsteuerzahlungen -17.972 -14.584
13. = Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit (Summe aus 1 bis 12) 122.422 -92.642
14. + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des immateriellen Anlagevermögens 382 668
15. - Auszahlungen für Investitionen in das immaterielle Anlagevermögen -16.823 -18.526
16. + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Sachanlagevermögens 4.291 9.873
17. - Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen -41.306 -34.725
18. + Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Finanzanlagevermögens 862 7.096
19. - Auszahlungen für Investitionen in das Finanzanlagevermögen -12.490 -7.754
20. + Einzahlungen aus Abgängen aus dem Konsolidierungskreis 8.132 758
21. - Auszahlungen für Zugänge zum Konsolidierungskreis (einschließlich Übergangskonsolidierung) 0 -1.607
22. + Erhaltene Zinsen 10.286 10.139
23. + Erhaltene Dividenden/Verlustübernahme 1.177 1.031
24. = Cashflow aus der Investitionstätigkeit (Summe aus 14 bis 23) -45.488 -33.047
25. + Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen von Gesellschaftern des Mutterunternehmens (Kapitalerhöhungen, Verkauf eigener Anteile etc.) 0 1.637
26. - Auszahlungen für den Erwerb eigener Aktien 0 0
27. - Auszahlungen aus Rückzahlung des Genussrechtskapitals 0 -30.000
28. + Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen aus der Ausgabe von Genussrechtskapital 0 38.880
29. + Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen von anderen Gesellschaftern 352 64
30. + Einzahlungen aus der Begebung von Anleihen und der Aufnahme von (Finanz-)Krediten 510.750 587.769
31. - Auszahlungen aus der Tilgung von Anleihen und (Finanz-)Krediten -548.337 -444.696
32. - Gezahlte Zinsen -28.976 -24.170
33. - Gezahlte Dividenden an Gesellschafter des Mutterunternehmens -9.233 -8.166
34. - Auszahlungen an andere Gesellschafter -2.544 -369
35. = Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit (Summe aus 25 bis 34) -77.988 120.949
36. = Zahlungswirksame Veränderungen des Finanzmittelfonds (Summe aus 13, 24, 35) -1.054 -4.740
37. +/- Wechselkurs- und bewertungsbedingte Änderungen des Finanzmittelfonds 279 16
38. +/- Konsolidierungsbedingte Änderungen des Finanzmittelfonds 0 -1
39. + Finanzmittelfonds am Anfang der Periode 11.524 16.249
40. = Finanzmittelfonds am Ende der Periode (Summe aus 36 bis 39) 10.749 11.524

7.4. Entwicklung des Konzerneigenkapitals

Stand 31. Dezember 2021 Sonstige Veränderungen Ausschüttung Konzernjahresüberschuss Stand 31. Dezember 2022
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Grundkapital 205.537 0 0 0 205.537
- Kapitalrücklage 73.658 0 0 0 73.658
- Gewinnrücklagen
- gesetzliche Rücklage 25.576 0 0 598 26.174
- andere Gewinnrücklagen 159.742 3.826 0 0 163.568
Summe Gewinnrücklagen 185.318 3.826 0 598 189.742
Eigenkapitaldifferenz aus Währungsumrechnung 562 1.092 0 0 1.654
Gewinnvortrag 0 9.233 -9.233 0 0
Summe 465.075 14.151 -9.233 598 470.591
Nicht beherrschende Anteile 16.711 5.262 -2.543 4.387 23.817
Konzernbilanzgewinn 12.954 -12.954 0 37.191 37.191
Genussrechtskapital 99.095 0 0 0 99.095
Konzerneigenkapital 593.835 6.459 -11.776 42.176 630.694

Konzernanhang

A. Allgemeine Angaben

Die AGRAVIS Raiffeisen AG mit Sitz in Münster, eingetragen beim Amtsgericht Münster im Handelsregister B9692, ist das Mutterunternehmen des AGRAVIS-Konzerns. Der Konzernabschluss der AGRAVIS Raiffeisen AG für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 2022 ist auf der Grundlage des Handelsgesetzbuches sowie der ergänzenden Vorschriften des Aktiengesetzes (AktG) aufgestellt. Er umfasst die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung, den Anhang, die Kapitalflussrechnung sowie den Eigenkapitalspiegel. Die Gewinn- und Verlustrechnung folgt dem Gesamtkostenverfahren und entspricht den Vorgaben der §§ 275 und 312 Abs. 4 Satz 2 HGB. Der Konzernabschluss ist in Euro aufgestellt. Die Angaben erfolgen in Tausend Euro (Tsd. Euro) bzw. in Millionen Euro (Mio. Euro). Aufgrund dieser Größenangabe und der damit verbundenen Rundungsdifferenzen kann es zu unwesentlichen Unterschieden in den ausgewiesenen Werten oder Summen dieser Werte kommen. Die in der Konzernbilanz beziehungsweise in der Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns oder wahlweise im Anhang anzubringenden Vermerke werden zur besseren Klarheit und Übersichtlichkeit der Angaben teilweise im Anhang aufgeführt.

B. Konsolidierungskreis

In den Konzernabschluss der AGRAVIS Raiffeisen AG sind nach den Grundsätzen der Vollkonsolidierung neben der AGRAVIS Raiffeisen AG alle in- und ausländischen Tochterunternehmen gem. § 290 HGB einbezogen, bei denen es sich nicht um Tochterunternehmen von insgesamt untergeordneter Bedeutung handelt. Für Tochterunternehmen, die sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit betrachtet für die Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von nachgeordneter Bedeutung sind, wurde in Ausübung der Vorschriften des § 296 Abs. 2 HGB auf die Einbeziehung verzichtet. Die Umsätze und Vermögensgegenstände dieser Gesellschaften machen sowohl jeweils isoliert als auch in Summe rund 1 Prozent des Konzernumsatzes und weniger als 5 Prozent der Konzernbilanzsumme aus.

Der Konsolidierungskreis hat sich im Vergleich zum Vorjahr wie folgt entwickelt:

Inland Ausland Gesamt
Einbezogen zum 31. Dezember 2021 93 13 106
Veränderungen im Geschäftsjahr 2022
Zugänge 1 0 1
Einbezogen zum 31. Dezember 2022 94 13 107
davon vollkonsolidiert 76 10 86
davon at-Equity-konsolidiert 18 3 21

Es haben sich keine wesentlichen Veränderungen beim Konsolidierungskreis ergeben, die zu einer eingeschränkten Vergleichbarkeit der Vorjahreszahlen führen. Die neugegründete AGRAVIS Power GmbH wurde zum 14. Oktober 2022 erstmalig in den Konzernabschluss der AGRAVIS Raiffeisen AG einbezogen.

Mit notariell beurkundetem Vertrag vom 22. Dezember 2021 wurden 25,1 Prozent der Anteile an der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH zum 1. Januar 2022 an die Raiffeisen Warenhandel GmbH verkauft. Die Gesellschaft bleibt weiterhin vollkonsolidiertes Tochterunternehmen des AGRAVIS Raiffeisen Konzerns. In diesem Zusammenhang hat die AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH das Agrarhandelsgeschäft der Raiffeisen Warenhandel GmbH erworben. Hieraus resultiert der Zugang eines Geschäfts- oder Firmenwertes in Höhe von 1.700 Tsd. Euro.

Gemäß § 264 Abs. 3 HGB beziehungsweise § 264b HGB verzichten wir bei mehreren unserer Tochtergesellschaften auf die Offenlegung des Jahresabschlusses dieser Gesellschaften im Bundesanzeiger sowie auf die Aufstellung eines Anhangs und gegebenenfalls eines Lageberichtes. Die fraglichen Gesellschaften sind mit einem "*" gekennzeichnet.

Vollkonsolidierte Unternehmen

Name Sitz Anteil mittelbar (in %) Anteil unmittelbar (in %)
• Agrar Großhandel
AGRAVIS Futtermittel GmbH * Münster 100
AGRAVIS Kraftfutterwerke Rhein-Main GmbH Wiesbaden 75
AGRAVIS Mischfutter Leine-Weser GmbH * Hannover 100
AGRAVIS Mischfutter Oldenburg/Ostfriesland GmbH * Münster 100
AGRAVIS Mischfutter Ostwestfalen-Lippe GmbH * Münster 100
AGRAVIS Mischfutter West GmbH * Münster 100
AGRAVIS Pflanzenbau Holding GmbH * Münster 100
Agrarrohstoff Beteiligungs GmbH * Hannover 100
aniMedica GmbH Senden 100
aniMedica Herstellungs GmbH Senden 100
aniMedica international GmbH Frankfurt/Main 62
DoFu Donaufutter GmbH * Straubing 100
Dr.E.Gräub AG Bern (CH) 100
EQUOVIS GmbH Münster 100
GiG Geflügel GmbH * Münster 100
Graincom GmbH * Hannover 100
HL Beteiligungs-GmbH & Co. KG * Hamburg 55
HL Beteiligungs-Verwaltungs GmbH Hamburg 55
HL Hamburger Leistungsfutter GmbH Hamburg 55
Industrial Veterinaria S.A. Barcelona (ES) 100
Industria Italiana Integratori Trei S.p.A. Rio Saliceto (IT) 100
LIVISTO Dominicana S.R.L. Santiago (DO) 100
LIVISTO EXPORT. S.A. de C.V. Santa Tecla (SV) 100
LIVISTO Group GmbH Senden 100
LIVISTO INT'L S.L. Barcelona (ES) 100
LIVISTO Panamá S.A. Chiriqui (PA) 100
LIVISTO S.A. de C.V. Zaragoza (SV) 100
LIVISTO Sp. z o.o. Gdynia (PL) 100
000 Lirus Moskau (RUS) 100
PROFUMA Spezialfutterwerke GmbH & Co. KG * Dormagen 100
Verwaltung HL Hamburger Leistungsfutter GmbH & Co. KG * Hamburg 55
Agrar Landwirtschaft
AGRAVIS Agrarholding GmbH * Münster 100
AGRAVIS Ems-Jade GmbH * Esens 100
AGRAVIS Kornhaus Westfalen-Süd GmbH * Meschede 100
AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH Wunstorf 75
AGRAVIS Ost GmbH & Co. KG * Bülstringen 100
AGRAVIS Ost - Verwaltungs-GmbH Bülstringen 100
AGRAVIS Westfalen-Hessen GmbH * Brakel 100
Agrar Cargo Spedition GmbH Riesa 100
Baro Beteiligungs-GmbH & Co. KG * Münster 100
FGL Fürstenwalder Futtermittel-Getreide-Landhandel GmbH * Fürstenwalde 100
FGL Holding GmbH * Fürstenwalde 100
Futura Agrarhandel GmbH Erwitte 100
GEKRA Produktionsgesellschaft mbH Querfurt 100
RFG Raiffeisen Flüssigfutter GmbH Lüdinghausen 100
TEC GmbH Bülstringen 100
Technik
AGRAVIS Technik BvL GmbH Meppen 100
AGRAVIS Technik Center GmbH * Meppen 100
AGRAVIS Technik Heide-Altmark GmbH * Uelzen 100
AGRAVIS Technik Hessen-Pfalz GmbH * Fritzlar 100
AGRAVIS Technik Holding GmbH * Münster 100
AGRAVIS Technik Lenne-Lippe GmbH Lennestadt 76
AGRAVIS Technik Münsterland-Ems GmbH * Borken 100
AGRAVIS Technik Raiffeisen GmbH * Barsinghausen 100
AGRAVIS Technik Sachsen-Anhalt/Brandenburg GmbH * Köthen 100
AGRAVIS Technik Saltenbrock GmbH Melle 73
AGRAVIS Technik Service GmbH * Hannover 100
Franz Schotte GmbH Duderstadt 100
Landtechnik Steigra GmbH Steigra 85
Menke Agrar GmbH * Soest 100
New-Tec Ost Vertriebsgesellschaft für Agrartechnik mbH * Treuenbrietzen 100
New-Tec West Vertriebsgesellschaft für Agrartechnik mbH * Harsum 100
Technik Center Alpen GmbH * Alpen 100
TecVis GmbH * Olfen 100
• Märkte
AGRAVIS Bauservice GmbH * Münster 100
AGRAVIS Raiffeisen-Markt Holding GmbH * Münster 100
AGRAVIS Raiffeisen-Markt GmbH * Münster 100
Terres Agentur GmbH * Münster 100
Terres Marketing- und Consulting GmbH * Münster 100
Energie
AGRAVIS Energie Holding GmbH * Münster 100
AGRAVIS Raiffeisen Tankstellen GmbH * Münster 100
Georg Piening GmbH * Seesen 100
Georg Piening GmbH & Co. KG * Seesen 100
Georg Piening Haustechnik und Energieservice GmbH Seesen 100
Georg Piening
Mineralölhandel und Energieservice GmbH & Co. KG * Seesen 100
TerraSol Wirtschaftsdünger GmbH Münster 84
● Sonstige
AGRAVIS Beteiligungsverwaltungs GmbH Hannover 100
AGRAVIS Dienstleistungsholding GmbH * Münster 100
AGRAVIS Digital GmbH Hannover 100
AGRAVIS International Holding GmbH Münster 100
AGRAVIS Versicherungsservice GmbH & Co. KG * Hannover 100
FINVIS Business Services GmbH * Münster 100
TerraVis GmbH * Münster 100
VERAVIS GmbH * Münster 100
Verbundene Unternehmen - nicht einbez zogen
● Agrar Großhandel
AGRAVIS Raiffeisen Agro SRL Bukarest (RO) 100
AGRAVIS GUS Holding GmbH Münster 100
ANIMEDICA LATINO AMERICA S.A. de C.V. Lomas de las Palmas (MEX) 90
biovis agrar GmbH Münster 75
DGO Agrar GmbH Cloppenburg 100
HL Hamburger Leistungsfutter Polska Sp.z o.o. Kwiatowa (PL) 55
Hygiene Beteiligungsgesellschaft mbH Münster 100
000 Raiffeisen Agro Nowoalexandrowsk (RUS) 100
000 Raiffeisen Agro Real Estate Nowoalexandrowsk (RUS) 100
000 Economix Kaliningrad (RUS) 100
000 AGRAVIS Raiffeisen Agro Krasnodar (RUS) 100
Panto d.o.o. Rijeka (HR) 55
Panto Ecommerce GmbH Hamburg 55
• Agrar Landwirtschaft
VR Agrar Center Wittelsbacher Land GmbH Altomünster 51
● Technik
AGRAVIS Technik Polska Sp.z o.o. Posen (PL) 100
Feuersträter GmbH Beelen 73
Handelshof GmbH Bismark Bismark 80
Lorenz Rubarth Landtechnik GmbH Anröchte 74
Menke Agrar Polska Sp.z o.o. Komorniki (PL) 100
• Märkte/Energie
Raiffeisen-Markt Ebstorf GmbH Ebstorf 76
Raiffeisen Webshop GmbH & Co. KG Münster 2 50
Regio Baustoffe Geschäftsführungs GmbH Münster 100
Terres Marken Geschäftsführungs GmbH Münster 100
Terres Marken GmbH & Co. KG Münster 96
• Sonstige
AGRAVIS Versicherungsservice Geschäftsführungs GmbH Münster 100
IGS Immobiliengesellschaft Sachsen mbH Trebsen 100
Land24 Gesellschaft mit beschränkter Haftung Münster 53
PROFUMA Geschäftsführungs GmbH Dormagen 100
Raiffeisen Webshop Geschäftsführungs GmbH Münster 52
Railog Besitzgesellschaft Nottuln GmbH Münster 100
VERAVIS Energy GmbH Münster 51
VERAVIS Energy PV1 GmbH & Co. KG Münster 51
VERAVIS Energy PV2 GmbH & Co. KG Münster 51
Assoziierte Unternehmen
Agrar Großhandel
AGRAVIS Futtermittelwerke Emsland GmbH Lingen 50
AGRAVIS Kraftfutterwerke Münsterland GmbH Münster 50
AGRAVIS Kraftfutterwerk Oldenburg GmbH Oldenburg 37
Crystalyx Products GmbH Münster 50
Genossenschafts-Kraftfutterwerk GmbH Hannover 50
H. Bögel GmbH & Co. KG Hamburg 33
Raiffeisen-Kraftfuttermittelwerk Dörpen GmbH Dörpen 15
Roland Mills United GmbH & Co. KG Bremen 40
● Agrar Landwirtschaft
Raiffeisen Lienen-Lengerich GmbH Lienen 100
Raiffeisen Lippe-Weser AG Lage 30
Raiffeisen Warenhandel GmbH Rosdorf 32
Raiffeisen Warenhandel GmbH & Co. KG Halle 50
Technik
AFS Financial Service GmbH & Co. KG Seevetal 40
Sonstige
DA Agravis Machinery Holding A/S Galten (DK) 25
Deutsche Raiffeisen-Warenzentrale GmbH Frankfurt/Main 34
DV Agravis International Holding A/S Galten (DK) 25
Natural Energy West GmbH Neuss 25
Raiffeisen Anlagenbau GmbH Lage 45
Raiffeisen Beteiligungs GmbH Münster 100
Raiffeisen Bio Brennstoffe GmbH Münster 46
Vilomix Holding A/S Mørke (DK) 25
Assoziierte Unternehmen - nicht einbezogen
Agrar Großhandel
BioMühle Hamaland GmbH Gescher 49
Fr.B. Janssen GmbH & Co. KG Leer 50
Hafenbetriebsgesellschaft Schweringen GmbH Schweringen 32
Hauptsaat GmbH Linsburg 20
HL-Top Mix Ltd. Slive (BG) 40
Raiffeisen Kraftfutterwerk Mittelweser Heide GmbH Schweringen 25
Agrar Landwirtschaft
Agroservice Landhandel GmbH Heudeber Nordharz 50
Agro-Service und Landhandel GmbH Eilsleben Eilsleben 45
Beddingen Agrar Service GbR Salzgitter 25
Raiffeisen Lagerhaus Peine GmbH & Co. KG Uetze 25
Raiffeisen Münsterland West GmbH Ahaus 25
Technik
Buchheister Technik GmbH Coppenbrügge 24
Märkte
AGRAVIS Baustoffhandel GmbH & Co. KG Münster 20
Baustoffprofi Handels GmbH Wettringen 40
Raiffeisenmarkt-Emsdetten GmbH Emsdetten 49
Veland Raiffeisen H & G Markt GmbH Vechta 50
Energie
Behrenswerth Energieservice GmbH Hilter 30
ENIRA Energie Raiffeisen GmbH Nottuln 37
Gela Energie GmbH Lünne 20
Loos Mineralölhandel GmbH Dortmund 25
Raiffeisen Gas GmbH Münster 25
Bioenergie Velen GmbH Velen 25
Sonstige
AGRI-System GmbH Münster 50
FRIA-Immobilien GmbH & Co. KG Hannover 50
Fr.B. Janssen Verwaltungsgesellschaft mbH Leer 50
H.Bögel Beteiligungsgesellschaft mbH Hamburg 33
H. Schlötelburg GmbH Hude 27
INTEGRAFEED S.R.L Modena (IT) 20
Rolf Jäger Elektrotechnik GmbH Twistetal-Berndorf 50
Novafield GmbH Münster 17
ODAS GmbH Dorsten 25
ODAS IT GmbH Dorsten 50
Saaten Software GmbH Rätzlingen 50
Raiffeisen Lagerhaus Peine Beteiligungs GmbH Uetze 25
Raiffeisen Portal GmbH Münster 48
Raiffeisen Transport GmbH Lüdinghausen 7 20
Raiffeisen Transport Gesellschaft Minden GmbH Minden 50
RaiLog Cloppenburg GmbH Cloppenburg 50
RaiLog Lüdinghausen GmbH Lüdinghausen 33
Tacoss Software GmbH Flensburg 33
Raiffeisen dig-IT-al GmbH Stade 20

Internationale Länderkennungen: CH - Schweiz, DK - Dänemark, DO - Dominikanische Republik, ES - Spanien, HR - Kroatien, IT - Italien, MEX - Mexiko, PA - Panama, PL - Polen, RO - Rumänien, RUS - Russland, SV - El Salvador

C. Konsolidierungsgrundsätze

Die Abschlüsse der in den Konzernabschluss einbezogenen Unternehmen werden einheitlich nach den für den AGRAVIS-Konzern bestehenden Bilanzierungs- und Bewertungsrichtlinien aufgestellt. Stichtag für die Aufstellung der Abschlüsse ist stets der 31. Dezember. Auf fremde Währungen lautende Jahresabschlüsse werden gemäß den Vorschriften des § 308a HGB in Euro umgerechnet. Dabei werden die Aktiv- und Passivposten, mit Ausnahme des Eigenkapitals, das zum historischen Kurs umgerechnet wird, zum Devisenkassamittelkurs am Abschlussstichtag umgerechnet. Für die Posten der Gewinn- und Verlustrechnung wird der Durchschnittskurs verwendet. Sich ergebende Umrechnungsdifferenzen werden innerhalb des Eigenkapitals in einem gesonderten Posten ausgewiesen. Die Kapitalkonsolidierung sowie die Ermittlung der Beteiligungswerte an assoziierten Unternehmen erfolgen für Erwerbsvorgänge nach dem 31. Dezember 2009 auf Basis der Zeitwerte, die den Vermögensgegenständen, Schulden, Rechnungsabgrenzungsposten und Sonderposten der einzubeziehenden Unternehmen zu dem Zeitpunkt, zu dem das Unternehmen Tochterunternehmen beziehungsweise assoziiertes Unternehmen geworden ist, beizulegen sind (Neubewertungsmethode). Die in der Vergangenheit nach der Buchwert-Methode vorgenommenen Konsolidierungen werden fortgeschrieben. Verbleibende aktivische Unterschiedsbeträge werden als Geschäfts- oder Firmenwerte aktiviert und über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben. Passivische Unterschiedsbeträge werden in Abhängigkeit von der Natur des Postens unter dem Posten "Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung" unterhalb des Eigenkapitals ausgewiesen oder mit den Rücklagen verrechnet. Beteiligungen an assoziierten Unternehmen von nicht untergeordneter Bedeutung für die Vermittlung eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Bildes der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns werden at Equity nach der Buchwert-Methode bewertet. Die Bücher der assoziierten Unternehmen werden dabei regelmäßig unter Beachtung der handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung geführt. Eine Anpassung der Jahresabschlüsse an die konzerneinheitlichen Bewertungsmethoden findet nicht statt. Im Rahmen der Schuldenkonsolidierung werden sämtliche Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen den einbezogenen Unternehmen untereinander aufgerechnet. Aus der Schuldenkonsolidierung resultierende Unterschiede werden unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen. Zwischenergebnisse wurden gemäß § 304 Abs. 1 HGB eliminiert. Aufwendungen und Erträge zwischen Konzerngesellschaften werden gegeneinander aufgerechnet. Unterschiede aus der Aufwands- und Ertragskonsolidierung werden erfolgsneutral behandelt. Auf Konsolidierungsmaßnahmen werden latente Steuern abgegrenzt.

D. Erläuterungen zu den Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Die Vermögensgegenstände und Schulden sind mit Ausnahme der zu Bewertungseinheiten gemäß § 254 HGB zusammengefassten Vermögensgegenstände, Schulden und Finanzinstrumente einzeln bewertet. Alle vorhersehbaren Risiken und Verluste wurden berücksichtigt. Ebenso wurden Risiken berücksichtigt, die zwischen dem Abschlussstichtag und dem Tag der Aufstellung des Konzernabschlusses bekannt wurden. Dem Realisationsprinzip folgend sind nur Gewinne, die bis zum Abschlussstichtag realisiert wurden, berücksichtigt. Die Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres wurden periodengerecht berücksichtigt. Sofern zum Ausgleich gegenläufiger Wertänderungen oder Zahlungsströme entsprechend den konzernweit implementierten Grundsätzen über das Risikomanagement Sicherungsgeschäfte abgeschlossen werden, sind diese - soweit die entsprechenden handelsrechtlichen Anforderungen im Einzelfall erfüllt sind - teilweise auch bilanziell mit den Grundgeschäften zu Bewertungseinheiten zusammengefasst. Insoweit unterbleibt die imparitätische Bewertung der entsprechenden Bilanzpositionen beziehungsweise der Erfolgswirkung künftiger erwarteter Zahlungsströme.

Im Einzelnen wurden folgende Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden angewendet:

Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen

Selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände werden mit ihren Herstellungskosten aktiviert und linear über die gewöhnliche Nutzungsdauer (in der Regel sieben Jahre) abgeschrieben. Bei der Ermittlung der Herstellungskosten für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände sind Einzelkosten, angemessene Teile der Gemeinkosten und des Werteverzehrs des Anlagevermögens, soweit dieser durch die Herstellung veranlasst ist, sowie anteilige Verwaltungs- und Sozialkosten berücksichtigt. Fremdkapitalzinsen sind nicht berücksichtigt.

Die entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögensgegenstände werden zu Anschaffungskosten, vermindert um planmäßige lineare Abschreibungen, bewertet. Die Bestimmung der betriebsgewöhnlichen voraussichtlichen Nutzungsdauern für die immateriellen Vermögensgegenstände erfolgt regelmäßig in Anlehnung an die durch die Finanzverwaltung veröffentlichten branchenbezogenen Abschreibungstabellen (Mindestsatz). Bei voraussichtlich dauernder Wertminderung werden außerplanmäßige Abschreibungen vorgenommen. Geschäfts- oder Firmenwerte werden planmäßig linear über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer, die entsprechend unseren spezifischen Erwartungen über den erwarteten Nutzen des übernommenen Geschäfts individuell geschätzt wird, abgeschrieben.

Der erwartete Nutzen ergibt sich regelmäßig vor allem aufgrund der voraussichtlichen Nachhaltigkeit übernommener Kundenbeziehungen und wird regelmäßig überprüft. Änderungen in dieser Einschätzung werden durch außerplanmäßige Abschreibungen oder Anpassung der Restnutzungsdauer berücksichtigt. Aktuell werden die Geschäfts- oder Firmenwerte in einer Bandbreite geschätzter Nutzungsdauern von fünf bis 15 Jahren abgeschrieben. Die Abschreibungen der aus der Konsolidierung der assoziierten Unternehmen entstandenen Geschäfts- und Firmenwerte werden in der Gewinn- und Verlustrechnung, wie im Vorjahr, unter dem Posten Abschreibungen auf Finanzanlagen ausgewiesen.

Die Bewertung des Sachanlagevermögens erfolgt zu den historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um die kumulierten Abschreibungen. Die Abschreibung erfolgt planmäßig, überwiegend linear, über die voraussichtliche Nutzungsdauer. Zugänge seit dem 1. Januar 2017 werden grundsätzlich nur noch linear abgeschrieben. Bei voraussichtlich dauerhafter Wertminderung werden außerplanmäßige Abschreibungen vorgenommen. Bei der Ermittlung der Herstellungskosten für Sachanlagen sind Einzelkosten, angemessene Teile der Gemeinkosten und des Werteverzehrs des Anlagevermögens, soweit dieser durch die Herstellung veranlasst ist, sowie anteilige Verwaltungs- und Sozialkosten berücksichtigt. Fremdkapitalzinsen sind nicht berücksichtigt. Die Bestimmung der betriebsgewöhnlichen voraussichtlichen Nutzungsdauern für die Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens erfolgt - soweit vorstehend nicht anders angegeben - regelmäßig in Anlehnung an die durch die Finanzverwaltung veröffentlichten branchenbezogenen Abschreibungstabellen (Mindestsatz). Geringwertige Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Anschaffungskosten bis zu einem Betrag von 800 Euro werden im Zugangsjahrvollständig abgeschrieben und als Abgang behandelt.

Finanzanlagen

Finanzanlagen werden zu Anschaffungskosten bewertet. Bei voraussichtlich dauerhafter Wertminderung werden außerplanmäßige Abschreibungen vorgenommen. Zuschreibungen werden vorgenommen, soweit die Gründe für eine vormalige Abschreibung nicht mehr bestehen. Die Anteile an für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlichen assoziierten Unternehmen werden mit dem anteiligen Eigenkapital bilanziert (at-Equity-Bewertung). Dabei werden die Buchwerte jährlich um die anteiligen Ergebnisse, Ausschüttungen und sonstigen Eigenkapitalveränderungen erhöht beziehungsweise vermindert.

Vorräte

Die Vorräte an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie Waren werden zu Anschaffungskosten oder zu niedrigeren Wiederbeschaffungskosten unter Beachtung des strengen Niederstwertprinzips bewertet. Ersatzteile als Bestandteile der Ware werden in der Regel zu Durchschnittspreisen bewertet. Bestandsrisiken aus der Lagerdauer und der Verwertbarkeit der Ersatzteilbestände wird durch ausreichende Wertabschläge, die aufgrund einer konzerneinheitlichen Bewertungsrichtlinie ermittelt wurden, Rechnung getragen.

Die Vorräte an unfertigen Erzeugnissen und Leistungen sowie fertigen Erzeugnissen werden zu Herstellungskosten oder zu niedrigeren Wiederbeschaffungskosten unter Beachtung des strengen Niederstwertprinzips bewertet. Die Herstellungskosten der fertigen und unfertigen Erzeugnisse beinhalten Einzelkosten, angemessene Teile der Material-, der Fertigungsgemeinkosten und angemessene Teile des durch die Fertigung veranlassten Werteverzehrs des Anlagevermögens sowie anteilige Verwaltungs- und Sozialkosten. Fremdkapitalzinsen sind nicht berücksichtigt. Die Methoden der Gruppenbewertung gemäß § 240 Abs. 4 HGB beziehungsweise Unterstellung einer Verbrauchsfolge (FiFo) gemäß § 256 HGB wurden genutzt. Bestandsrisiken, die sich aus der Lagerdauer oder der geminderten Verwertbarkeit der Bestände ergeben, wird ebenso wie Risiken aus der Preisentwicklung bis zur Bilanzerstellung durch ausreichende Wertabschläge Rechnung getragen.

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände werden mit dem Nennwert angesetzt. Erkennbare Einzelrisiken werden durch Wertberichtigungen berücksichtigt. Dem allgemeinen Kreditrisiko wird durch Pauschalwertberichtigungen (unverändert zum Vorjahr 1 Prozent) Rechnung getragen. Forderungen in Fremdwährung werden mit dem Devisenkassamittelkurs am Bilanzstichtag bewertet. Bei der Bewertung der Forderungen in Fremdwährung mit einer Restlaufzeit von einem Jahr oder weniger kommen das Anschaffungskostenprinzip gemäß § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB und das Imparitätsprinzip nach § 252 Abs. 1 Nr. 4 Halbsatz 2 HGB gemäß § 256a HGB nicht zur Anwendung.

Liquide Mittel

Die liquiden Mittel umfassen ausschließlich Kassenbestände, Guthaben bei Kreditinstituten sowie Schecks und sind zum Nennwert bewertet. Fremdwährungen wurden zu den am Zahlungstag geltenden Kursen oder dem niedrigeren Devisenkassamittelkurs am Bilanzstichtag umgerechnet.

Aktive Rechnungsabgrenzungsposten

Die Rechnungsabgrenzungsposten betreffen Zahlungsausgänge vor dem Bilanzstichtag, die Aufwendungen nach dem Bilanzstichtag darstellen. Sie sind mit dem Nominalbetrag angesetzt.

Eigenkapital

Als gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklage und gesetzliche Gewinnrücklage sind im Konzernabschluss die entsprechenden Beträge aus dem Jahresabschluss der AGRAVIS Raiffeisen AG ausgewiesen. Das gezeichnete Kapital ist zum Nennwert angesetzt. Der jeweils nach Ausschüttung an die Aktionärinnen des Mutterunternehmens verbleibende Konzerngewinn des Vorjahres wird unter den anderen Gewinnrücklagen ausgewiesen.

Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

Die Pensionsverpflichtungen werden nach dem Projected-Unit-Credit-Verfahren (PUC-Verfahren) unter Anwendung versicherungsmathematischer Grundsätze auf Basis der 2018 veröffentlichten Richttafeln 2018 G der Heubeck AG, Köln, ermittelt. Nach diesem Verfahren errechnet sich die Höhe der Pensionsverpflichtungen aus der zum Bilanzstichtag erdienten Anwartschaft unter Berücksichtigung zukünftiger Gehalts- und Rentensteigerungen sowie einer von Alter und Dienstzeit abhängigen wahrscheinlichen Fluktuation. Der Rechnungszins wird pauschal mit dem von der Bundesbank ermittelten durchschnittlichen Marktzinssatz angesetzt, der sich bei einer Restlaufzeit von 15 Jahren ergibt. Für einen Teil der Pensionsverpflichtungen besteht dem Zugriff aller übrigen Gläubiger entzogenes und ausschließlich zur Erfüllung von Verpflichtungen aus der Altersversorgung bestimmtes Deckungsvermögen. Entsprechend werden diese Verpflichtungen und der Zeitwert des Deckungsvermögens nach § 246 Abs. 2 Satz 2 HGB verrechnet ausgewiesen. Ergibt sich ein Verpflichtungsüberhang, wird dieser unter den Rückstellungen erfasst. Übersteigt der Wert des Deckungsvermögens die Verpflichtungen, erfolgt der Ausweis als "Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung" auf der Aktivseite der Bilanz. Im Berichtsjahr war wie im Vorjahr ein aktiver Unterschiedsbetrag nicht auszuweisen. Der Ertrag aus dem qualifizierten Deckungsvermögen wird in der gleichen Periode mit dem Aufwand aus der dazugehörigen Pensionsverpflichtung verrechnet und saldiert ausgewiesen.

Die Bewertung des Deckungsvermögens erfolgt zum beizulegenden Zeitwert, der jeweils unter Anwendung versicherungsmathematischer Grundsätze ermittelt wird. Bei dem in Form von Rückdeckungsversicherungsverträgen bestehenden Deckungsvermögen entspricht der versicherungsmathematisch ermittelte Zeitwert dem geschäftsplanmäßigen Deckungskapital der Policen und somit zugleich den Anschaffungskosten der Ansprüche gegen den Rückversicherer.

Steuerrückstellungen und sonstige Rückstellungen

Sonstige Rückstellungen und Steuerrückstellungen werden in Höhe ihres nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrages angesetzt. Sie berücksichtigen alle erkennbaren Risiken und ungewisse Verbindlichkeiten. Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr werden mit den von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten fristenadäquaten Zinssätzen abgezinst.

Verbindlichkeiten

Verbindlichkeiten werden mit ihrem Erfüllungsbetrag angesetzt. Bei den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen bestehen die üblichen Eigentumsvorbehalte der Warenlieferanten.

Verbindlichkeiten in Fremdwährung werden mit dem Devisenkassamittelkurs am Bilanzstichtag bewertet. Bei der Bewertung der Verbindlichkeiten in Fremdwährung mit einer Restlaufzeit von einem Jahr oder weniger kommen das Anschaffungskostenprinzip gemäß § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB und das Imparitätsprinzip nach § 252 Abs. 1 Nr. 4 Halbsatz 2 HGB gemäß § 256a HGB nicht zur Anwendung.

Passive Rechnungsabgrenzungsposten

Die Rechnungsabgrenzungsposten betreffen Zahlungseingänge vor dem Bilanzstichtag, die Erträge nach dem Bilanzstichtag darstellen. Sie sind mit dem Nominalbetrag angesetzt.

Latente Steuern

Latente Steuern werden anhand des bilanzorientierten Konzepts ermittelt. Danach sind auf Differenzen zwischen den handelsrechtlichen Wertansätzen der Vermögensgegenstände und Schulden und deren steuerlichen Wertansätzen latente Steuern abgegrenzt, sofern sich die Differenzen in späteren Geschäftsjahren voraussichtlich wieder umkehren und sich daraus Steuerbelastungen oder-entlastungen ergeben. Die aktiven latenten Steuern umfassen auch Steuerminderungsansprüche, die sich aus der erwarteten Nutzung bestehender Verlust- und Zinsvorträge in Folgejahren ergeben und deren Realisierung mit ausreichender Sicherheit gewährleistet ist. Latente Steuern werden unter Anwendung der jeweils landes- und gesellschaftsrechtsformspezifischen Steuersätze, die nach gegenwärtiger Rechtslage zum Zeitpunkt des Abbaus der Differenzen maßgebend sein werden, berechnet. Zur Verbesserung des Einblicks in die Vermögens- und Ertragslage des Konzerns wird wie im Vorjahr in Anwendung des Wahlrechts aus § 274 Abs. 1 Satz 3 i. V. m. § 298 Abs. 1 HGB eine vollständige Verrechnung der auf Ebene der in den Konzernabschluss einbezogenen Jahresabschlüsse bestehenden passiven latenten Steuern (primäre passive latente Steuern) sowohl mit den nach § 306 HGB anzusetzenden latenten Steuern aus Konsolidierungsmaßnahmen (sekundäre latente Steuern) als auch mit den primären aktiven Latenzen aus anderen Konzerngesellschaften vorgenommen. Das Wahlrecht des § 274 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. § 298 Abs. 1 HGB zum Ansatz eines danach verbleibenden aktiven latenten Steuerüberhangs wird hingegen unverändert nicht ausgeübt. Latente Steuern gem. § 306 HGB werden angesetzt. Der Aufwand oder Ertrag aus der Veränderung bilanzierter latenter Steuern wird unter den "Steuern vom Einkommen und vom Ertrag" erfasst.

Währungsumrechnungen

Soweit zur Sicherung gegen Wechselkursrisiken für bereits bilanzwirksame Fremdwährungspositionen oder schwebende Beschaffungs- oder Absatzgeschäfte im Einzelfall Devisentermingeschäfte abgeschlossen wurden, sind diese in Anwendung des § 254 HGB durchgängig mit den jeweiligen Grundgeschäften zusammengefasst. Entsprechend erfolgt die Bewertung der jeweiligen Forderungs- und Verbindlichkeitspositionen beziehungsweise die Ermittlung eines sich aus schwebenden Geschäften gegebenenfalls ergebenden Kontraktrisikos unmittelbar unter Verwendung des jeweiligen Sicherungskurses.

Haftungsverhältnisse und sonstige finanzielle Verpflichtungen

Die Angaben sind jeweils auf nominaler Basis ermittelt.

Derivative Finanzinstrumente

Soweit die Voraussetzungen zur Bildung von Bewertungseinheiten nach § 254 HGB erfüllt sind und eine bilanzielle Zuordnung (Designation) von Sicherungsinstrumenten vorgenommen und dokumentiert wurde, werden Sicherungs- und Grundgeschäfte zu Bewertungseinheiten zusammengefasst. Soweit diese Kriterien nicht erfüllt sind, erfolgt der Ansatz zum niedrigeren Wert aus Anschaffungskosten des Derivats (soweit vorhanden) und Marktwert zum Bilanzstichtag. Das heißt: Nicht in Bewertungseinheiten einbezogene derivative Finanzinstrumente mit negativen Marktwerten werden durch den Ansatz von Drohverlustrückstellungen abgebildet, während derartige Geschäfte mit positiven Marktwerten grundsätzlich keinen Ansatz in der Bilanz finden.

E. Entwicklung des Konzernanlagevermögens

Anschaffungs- und Herstellungskosten
(Angaben in Tsd. Euro) Vortrag 1. Januar 2022
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1 Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte 4.631
2. Entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 112.021
3. Geschäfts- oder Firmenwert 77.109
4. Geleistete Anzahlungen 16.600
210.361
II. Sachanlagen
1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken 568.399
2. Technische Anlagen und Maschinen 364.016
3. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 121.991
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau 13.491
1.067.897
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen 35.591
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen 7.436
3. Anteile an assoziierten Unternehmen 228.783
4. Beteiligungen 16.425
5. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 3.463
6. Sonstige Ausleihungen 2.267
293.965
Summe Anlagevermögen 1.572.223
Anschaffungs- und Herstellungskosten
(Angaben in Tsd. Euro) Veränderung Konsolidierungskreis Zugänge Umbuchungen Abgänge Kursdifferenzen Stand 31. Dezember 2022
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1 Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte 0 157 0 99 48 4.737
2. Entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 0 6.200 5.966 1.562 72 122.697
3. Geschäfts- oder Firmenwert 0 1.911 9 307 0 78.722
4. Geleistete Anzahlungen 0 8.554 -5.921 1.609 0 17.624
0 16.823 54 3.577 120 223.780
II. Sachanlagen
1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken 0 10.025 5.171 8.792 499 575.302
2. Technische Anlagen und Maschinen 3.280 8.280 5.198 8.560 666 372.879
3. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 0 11.293 531 9.533 105 124.387
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau 0 11.708 -10.953 155 3 14.094
3.280 41.306 -54 27.040 1.273 1.086.662
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen -124 3.885 124 113 0 39.363
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen 0 1.507 0 0 0 8.943
3. Anteile an assoziierten Unternehmen 0 24.835 0 0 0 253.618
4. Beteiligungen 0 1.600 -124 692 0 17.209
5. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 0 200 0 0 0 3.663
6. Sonstige Ausleihungen 0 4.172 0 57 0 6.382
0 36.200 0 862 0 329.178
Summe Anlagevermögen 3.156 94.328 0 31.479 1.393 1.639.620
Kumulierte Abschreibungen
(Angaben in Tsd. Euro) Vortrag 1. Januar 2022 Veränderung Konsolidierungskreis Abschreibungen des Geschäftsjahres Umbuchungen Abgänge Kursdifferenzen Stand 31. Dezember 2022
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1 Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte 3.540 0 169 0 9 48 3.748
2. Entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 79.237 0 9.204 0 1.381 51 87.111
3. Geschäfts- oder Firmenwert 64.742 0 7.117 0 307 0 71.552
4. Geleistete Anzahlungen 0 0 0 0 0 0 0
147.519 0 16.490 0 1.697 99 162.411
II. Sachanlagen
1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken 292.276 0 16.090 0 6.861 229 301.734
2. Technische Anlagen und Maschinen 257.217 0 13.594 0 7.197 439 264.053
3. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 94.946 0 10.272 0 8.785 67 96.500
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau 0 0 0 0 0 0 0
644.439 0 39.957 0 22.843 735 662.288
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen 13.656 -13 5.319 13 0 0 18.975
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen 0 0 0 0 0 0 0
3. Anteile an assoziierten Unternehmen 34.491 0 343 0 0 0 34.833
4. Beteiligungen 534 0 0 -13 0 0 522
5. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 2 0 0 0 0 0 2
6. Sonstige Ausleihungen 31 0 43 0 0 0 73
48.714 -13 5.705 0 0 0 54.406
Summe Anlagevermögen 840.672 -13 62.151 0 24.539 834 879.104
Buchwerte
(Angaben in Tsd. Euro) 31. Dezember 2022 31. Dezember 2021
I. Immaterielle Vermögensgegenstände
1 Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte 989 1.090
2. Entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten 35.587 32.784
3. Geschäfts- oder Firmenwert 7.170 12.368
4. Geleistete Anzahlungen 17.624 16.600
61.370 62.842
II. Sachanlagen
1. Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte und Bauten einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken 273.567 276.123
2. Technische Anlagen und Maschinen 108.826 106.798
3. Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 27.887 27.045
4. Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau 14.094 13.491
424.374 423.457
III. Finanzanlagen
1. Anteile an verbundenen Unternehmen 20.388 21.936
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen 8.943 7.436
3. Anteile an assoziierten Unternehmen 218.785 194.292
4. Beteiligungen 16.687 15.890
5. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 3.660 3.460
6. Sonstige Ausleihungen 6.309 2.236
274.772 245.251
Summe Anlagevermögen 760.516 731.550

F. Erläuterung zur Konzernbilanz und zur Gewinn- und Verlustrechnung

I. Bilanz

1. Entwicklung des Konzernanlagevermögens

Das Anlagevermögen von erstmals in den Konzernabschluss einbezogenen Unternehmen wird nach der Neubewertungsmethode mit den Anschaffungs-/Herstellungskosten zum Zeitpunkt der Einbeziehung in das Konzernanlagevermögen aufgenommen. Das Anlagevermögen von im Geschäftsjahr aus dem Konsolidierungskreis ausgeschiedenen Unternehmen wird ebenfalls brutto im Anlagenspiegel berücksichtigt. Die auf diese Weise zu- und abgegangenen Anschaffungs-/Herstellungskosten sind in der Spalte "Veränderung Konsolidierungskreis" ausgewiesen. Der Gesamtbetrag der Forschungs- und Entwicklungskosten des Geschäftsjahres beläuft sich auf 7,7 Mio. Euro. Darin enthalten sind Aufwendungen in Höhe von 0,2 Mio. Euro, die als andere aktivierte Eigenleistungen in die Zugänge selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände in Höhe von 0,2 Mio. Euro eingeflossen sind. In den Buchwerten der Anteile an assoziierten Unternehmen war im Vorjahr, aus der Bewertung zum Zeitpunkt der erstmaligen Einbeziehung in den Konzernabschluss (2016 bis 2022) ein Geschäfts- oder Firmenwert in Höhe von 0,3 Mio. Euro enthalten. Dieser wurde im Geschäftsjahr planmäßig abgeschrieben. In den sonstigen Ausleihungen sind Geschäftsguthaben bei Genossenschaften in Höhe von 48,0 Tsd. Euro (Vorjahr: 48,3 Tsd. Euro) enthalten.

2. Von den Forderungen haben eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Forderungen
- aus Lieferungen und Leistungen 372 542
- gegen verbundene Unternehmen 300 300
- gegen Beteiligungsunternehmen 0 0
- sonstige Vermögensgegenstände 2.093 3.971

3. In den Forderungen gegen verbundene Unternehmen sind enthalten:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1.259 4.364
Sonstige Vermögensgegenstände 12.567 32.133

4. In den Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, sind enthalten:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 21.951 13.028
Sonstige Vermögensgegenstände 14.320 19.610

5. In den sonstigen Vermögensgegenständen sind als wesentliche Posten Steuererstattungsansprüche in Höhe von 17.969 Tsd. Euro (Vorjahr: 24.796 Tsd. Euro) enthalten.

6. Der aktive Rechnungsabgrenzungsposten enthält keine Zinsabgrenzungen mehr, im Vorjahr waren hier auch die Kosten der Strukturierung des Konsortialkredits in Höhe von 2,3 Mio. Euro ausgewiesen, soweit diesen ein zinsähnlicher Charakter zukam. Der ergebniswirksame Effekt aus der Abschreibung der zuvor aktivierten Ausgaben für Zinsabgrenzungen beträgt 1,5 Mio. Euro.

7. Das Grundkapital der AGRAVIS Raiffeisen AG, Münster, hat sich im Jahr 2022 nicht verändert und beträgt 205.536.563,20 Euro. Es ist in 8.028.772 nennwertlose Stückaktien (vinkulierte Namensaktien) eingeteilt. Der rechnerische Wert einer Aktie beträgt demnach 25,60 Euro.

Der Vorstand ist ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrates das Grundkapital in der Zeit bis zum 3. Mai 2023 einmalig oder mehrmalig um einen Nominalbetrag von insgesamt bis zu 12 Mio. Euro durch Ausgabe neuer vinkulierter Namensaktien gegen Geld- oder Sacheinlage zu er höhen (genehmigtes Kapital). Im Jahr 2022 und nach dem Bilanzstichtag wurden hieraus keine weiteren Aktien ausgegeben. Das Bezugsrecht der Aktionäre ist ausgeschlossen. Die AGRAVIS Raiffeisen AG hält am 31. Dezember 2022 keine eigenen Aktien (im Vorjahr 0 Euro).

8. Die Kapitalrücklage hat sich im Berichtsjahr nicht verändert.

9. Das herausgegebene Genussrechtskapital ist nach seiner Ausgestaltung als Eigenkapital anzusehen, da die Nachrangigkeit, die Erfolgsabhängigkeit der Vergütung sowie die Teilnahme am Verlust und die Längerfristigkeit der Kapitalüberlassung gegeben sind. Die Genussrechtsinhaber erhalten eine dem Gewinnanspruch der Aktionär:innen vorgehende, jährliche Ausschüttung in Höhe des angegebenen Zinssatzes bezogen auf den Nennbetrag der Genussrechte. Der Bilanzausweis erfolgt mit dem Nominalbetrag. Die geschuldeten Zinsen des Geschäftsjahres wurden abgegrenzt.

Valutatermin Art, Nennbetrag Zinssatz Laufzeit
(in Tsd. Euro) (in Prozent per anno)
13. November 2020 Genussrecht 2020/A 24.975 3,25 bis 12. November 2025, eine ordentliche Kündigung ist ausgeschlossen
13. November 2020 Genussrecht 2020/B 25.160 2,40 bis 12. November 2025, eine ordentliche Kündigung ist ausgeschlossen
13. November 2020 Genussrecht 2020/C 10.080 2,25 bis 12. November 2025, eine ordentliche Kündigung ist ausgeschlossen
9. Dezember 2021 Genussrecht 2021/A 15.000 2,80 bis 9. Dezember 2026, eine ordentliche Kündigung ist ausgeschlossen
9. Dezember 2021 Genussrecht 2021/B 9.095 2,00 bis 9. Dezember 2026, eine ordentliche Kündigung ist ausgeschlossen
9. Dezember 2021 Genussrecht 2021/C 14.785 1,80 bis 9. Dezember 2026, eine ordentliche Kündigung ist ausgeschlossen

10. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

Die Bewertung der Pensionsverpflichtungen erfolgt unter Anwendung versicherungsmathematischer Grundsätze nach einem Anwartschaftsbarwertverfahren (sog. Projected-Unit-Credit-Methode) und basiert auf folgenden Rechnungsgrundlagen:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Prozent) (in Prozent)
Rententrend
- Anpassung 2023 7,00 1,70
- Anpassung 2024 6,00
- Anpassung ab 2025 2,30
Gehaltstrend 3,25 2,50
Zinssatz (§ 253 Abs. 2 Satz 2 HGB) 1,78 1,87

Die Mitarbeiterfluktuation wurde, wie im Vorjahr, altersabhängig in einer Bandbreite von 1 bis 4 Prozent p. a. berücksichtigt. Die Rechnungsgrundlagen für den Rententrend (Erhöhung auf 7 Prozent für 2023, 6 Prozent für 2024 und auf 2,3 Prozent ab 2025) und für den Gehaltstrend (Erhöhung um 0,75 Prozent-Punkte) wurden im Berichtsjahr geändert. Der Ergebniseffekt daraus betrug 16,6 Mio. Euro.

Gemäß § 246 Abs. 2 Satz 2 HGB ist Deckungsvermögen, bestehend in Ansprüchen aus Rückdeckungsversicherungen, das dem Zugriff aller übrigen Gläubiger entzogen ist und ausschließlich der Erfüllung von Schulden aus Altersversorgungsverpflichtungen dient, mit diesem verrechnet worden. Der Erfüllungsbetrag der Schulden beträgt zum Bilanzstichtag 12.216 Tsd. Euro (Vorjahr: 10.769 Tsd. Euro), der beizulegende Zeitwert der verrechneten Vermögensgegenstände, welcher zugleich deren Anschaffungskosten entspricht, beträgt 6.336 Tsd. Euro (Vorjahr 6.342 Tsd. Euro). Der sich ergebende passivische Überhang der Pensionsverpflichtung über den Wertansatz des Deckungsvermögens erfolgt unter der Bilanzposition Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen. In der Berichtsperiode wurden 29 Tsd. Euro (Vorjahr: 39 Tsd. Euro) Erträge aus dem Deckungsvermögen mit den im Personalaufwand enthaltenen Aufwendungen aus der Zuführung zur Pensionsrückstellung (im Personalaufwand mit 17,9 Mio. Euro -Vorjahr 1,1 Mio. Euro) verrechnet.

Der Unterschiedsbetrag nach § 253 Abs. 6 Satz 1 HGB zwischen dem Ansatz der Rückstellungen nach Maßgabe des entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatzes aus den vergangenen zehn Geschäftsjahren und dem Ansatz der Rückstellungen nach Maßgabe des entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatzes aus den vergangenen sieben Geschäftsjahren beträgt insgesamt 6.432 Tsd. Euro (Vorjahr: 8.728 Tsd. Euro).

11. In den Steuerrückstellungen sind ausschließlich Verpflichtungen aus laufenden Ertragsteuern enthalten.

12. Von den sonstigen Rückstellungen entfallen auf:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
- Verpflichtungen im Personal- und Sozialbereich 38.963 32.325
- Risiken und Verpflichtungen aus Warengeschäften 43.476 45.008
- Instandhaltung 2.492 289
- Wechselobligo 303 188

13. Die Verbindlichkeiten weisen folgende Fristigkeitsstruktur auf:

31. Dezember 2022
davon mit einer Restlaufzeit
Gesamt bis zu 1 Jahr zwischen 1 bis 5 Jahren von mehr als 5 Jahren
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 753.161 543.307 147.256 62.598
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 18.901 18.901 0 0
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 578.494 578.491 3 0
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 10.615 10.615 0 0
Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 27.357 27.357 0 0
Sonstige Verbindlichkeiten 62.967 62.967 0 0
Summe 1.451.495 1.241.638 147.259 62.598
Vorjahr
davon mit einer Restlaufzeit
Gesamt bis zu 1 Jahr zwischen 1 bis 5 Jahren von mehr als 5 Jahren
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 791.734 695.097 66.373 30.264
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 15.217 15.217 0 0
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 480.559 480.481 78 0
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 7.850 7.850 0 0
Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 18.319 18.319 0 0
Sonstige Verbindlichkeiten 34.369 34.369 0 0
Summe 1.348.048 1.251.333 66.451 30.264

Von den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind 109.758 Tsd. Euro (Vorjahr: 98.903 Tsd. Euro) durch Grundschulden gesichert. Zur Besicherung der ebenfalls unter den Verbindlichkeiten gegenüber den Kreditinstituten ausgewiesenen Verbindlichkeiten aus der Ziehung eines Konsortialkredites in Höhe von 495 Mio. Euro (Vorjahr: 565 Mio. Euro) wurden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abgetreten sowie Vorratsbestände sicherungsübereignet. Der Konsortialkredit wurde zum 18. Dezember 2019 neu abgeschlossen mit einem Volumen von 650 Mio. Euro. Im Berichtsjahr beinhalten die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten die Verbindlichkeiten aus der ABS-Finanzierung für verkaufte, jedoch nicht ausgebuchte Forderungen in Höhe von 20.107 Tsd. Euro (Vorjahr: 20.199 Tsd. Euro). Die den Verbindlichkeiten aus dem Liquiditätszufluss gegenüberstehenden Forderungen sind wie im Vorjahr an den Forderungskäufer übereignet.

Insgesamt wurden sechs Schuldscheindarlehen neu aufgenommen. Das Volumen beträgt 94,5 Mio. Euro (Vorjahr: 59 Mio. Euro). Es handelt sich um sechs nicht nachrangige, aber unbesicherte Schuldscheindarlehen mit fest und variabel verzinslichen Tranchen. Die Restlaufzeiten der Tranchen der Schuldscheindarlehen sind gestaffelt und betragen bis zu 36 Monate (Volumen 15 Mio. Euro), bis zu 54 Monate (Volumen 52,5 Mio. Euro) und bis zu 78 Monate (Volumen 27 Mio. Euro). Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten größer als 1 Jahr betragen insgesamt 209,8 Mio. Euro (Vorjahr: 96,6 Mio. Euro).

14. In den Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen sind enthalten:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 484 528
Sonstige Verbindlichkeiten 10.131 7.322

15. In den Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, sind enthalten:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 3.241 1.769
Sonstige Verbindlichkeiten 24.116 16.550

16. Latente Steuern werden für zeitliche, sich in der Zukunft voraussichtlich umkehrende Differenzen zwischen den handels- und den steuerrechtlichen Wertansätzen von Vermögensgegenständen, Schulden und Rechnungsabgrenzungsposten ermittelt. Im Falle von Steuerentlastungen wurde konzerneinheitlich von dem Aktivierungswahlrecht gem. § 274 HGB kein Gebrauch gemacht. Die Ermittlung der latenten Steuern erfolgt auf Grundlage landesspezifisch ermittelter kombinierter Ertragsteuersätze. Bei der Ermittlung der bei Inlandsgesellschaften bestehenden latenten Steuern sowie der latenten Steuerwirkungen aus Konsolidierungsmaßnahmen wurde ein durchschnittlicher Steuersatz von 31 Prozent zugrunde gelegt. Der kombinierte Ertragsteuersatz umfasst Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag (Personenhandelsgesellschaften davon abweichend). Für die in der Bilanz angesetzten latenten Steuern der im Ausland ansässigen Gesellschaften waren daneben lokale Steuersätze zwischen 21 und 31 Prozent angesetzt.

Aufgrund der vollständigen Verrechnung passiver latenter Steuern aus Jahresabschlüssen mit den aktiven latenten Steuern aus anderen Konzerngesellschaften (primäre latente Steuern) waren in der Konzernbilanz zum Stichtag 31. Dezember 2022 keine latenten Steuern zu passivieren. Aktive latente Steuern aus Konsolidierungsmaßnahmen (sekundäre latente Steuern) waren in Höhe von Tsd. Euro 2.048 zu aktivieren.

Die in die Verrechnung einbezogenen latenten Steueransprüche und -schulden setzen sich wie folgt zusammen:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
primäre sekundäre primäre sekundäre
• Latente Steueransprüche
Immaterielle Vermögensgegenstände 5.314 0 4.617 0
Sachanlagevermögen 1.313 0 1.724 0
Vorräte 7.931 2.438 6.963 1.777
Rückstellungen 28.290 49 22.955 103
Forderungen 6.763 0 3.033 0
Sonstige Aktiva/Passiva 3.673 782 2.876 816
Steuerminderungsansprüche aus Verlustvorträgen 7.833 0 9.373 0
61.117 3.269 51.541 2.696
• Latente Steuerschulden
Immaterielle Vermögensgegenstände -200 0 -312 0
Sachanlagevermögen -16.036 -330 -8.009 -330
Vorräte -488 0 -379 0
Rückstellungen -52 -620 -50 -1.147
Sonstige Aktiva/Passiva -328 -271 -716 -271
-17.104 -1.221 -9.466 -1.748
44.013 2.048 42.075 948
Gesamtbetrag der nach Verrechnung verbleibenden und nicht angesetzten primären aktiven latenten Steuerüberhänge 46.061 43.023

Die vorstehend dargestellten primären latenten Steuern beinhalten die auf Ebene der in den Konzernabschluss einbezogenen Jahresabschlüsse ermittelten latenten Steuern einschließlich der Anpassung an die konzerneinheitliche Bilanzierungs- und Bewertungsrichtlinie. Die sekundären latenten Steuern basieren auf den aus den Konsolidierungsmaßnahmen entstandenen temporären Differenzen.

II. Gewinn- und Verlustrechnung

1. Die Umsatzerlöse wurden in folgenden Sparten erzielt:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Mio. Euro) (in Mio. Euro)
Agrar Großhandel 3.397 2.716
Agrar Landwirtschaft 2.832 2.196
Energie 1.685 988
Technik 1.138 987
Märkte 348 336
Sonstige 45 55
Summe Umsatzerlöse 9.445 7.278

In den Umsatzerlösen sind Dienstleistungsumsätze in Höhe von 131 Mio. Euro (Vorjahr: 127 Mio. Euro) enthalten. Die Umsätze wurden weit überwiegend im Inland erwirtschaftet; der Auslandsanteil beträgt rund 9 Prozent der Erlöse.

2. In den Posten der Gewinn- und Verlustrechnung sind folgende Erträge und Aufwendungen, die einem anderen Geschäftsjahr zuzuordnen sind oder außergewöhnliche Posten enthalten:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
• Erträge
aus Anlageabgängen 3.906 4.891
aus der Auflösung von Rückstellungen 11.342 6.063
aus der Auflösung von Wertberichtigungen und aus Eingängen
auf abgeschriebene Forderungen 7.419 6.401
• Aufwendungen
Aufwand aus der Forderungsbewertung 40.066 11.503
Verluste aus Anlageabgängen 3.547 792

Auf die Forderungen gegen in Russland ansässige bzw. dort tätige Tochtergesellschaften wurde eine vollständige Wertberichtigung in Höhe von 24.386 Tsd. Euro in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst. Aufgrund des Krieges in der Ukraine und der sich daraus ergebenden geänderten Markteinschätzungen waren unter Berücksichtigung kaufmännischer Vorsicht entsprechende Wertberichtigungen erforderlich.

In den sonstigen betrieblichen Erträgen und in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind Kursgewinne in Höhe von 5.249 Tsd. Euro (Vorjahr: 3.021 Tsd. Euro) und Kursverluste in Höhe von 5.338 Tsd. Euro (Vorjahr: 1.891 Tsd. Euro) enthalten. In den Posten sonstige Zinsen und ähnliche Aufwendungen sind periodenfremde Aufwendungen aus der Änderung des Rechnungszinses zur Bewertung der Pensionsrückstellung in Höhe von 1.613 Tsd. Euro (Vorjahr: 6.549 Tsd. Euro) enthalten. Die außerplanmäßigen Abschreibungen der aus der Erstkonsolidierung der AGRAVIS Technik Center Alpen GmbH, der AGRAVIS Technik Raiffeisen GmbH und der AGRAVIS Westfalen Hessen GmbH entstanden Geschäfts- und Firmenwerte sind in den Aufwendungen aus Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen in Höhe von 1.103 Tsd. Euro enthalten.

3. In den Steuern vom Einkommen und Ertrag sind latente Steuererträge in Höhe von saldiert 2.048 Tsd. Euro (Vorjahr: 45 Tsd. Euro) enthalten.

G. Erläuterungen zur Kapitalflussrechnung

Der Finanzmittelfonds entspricht ausschließlich der Bilanzposition "Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks". Die zahlungsunwirksame Veränderung der Finanzmittelfonds aufgrund der Umrechnung der darin enthaltenen Fremdwährungsbestände in Euro wurde gesondert dargestellt.

H. Erläuterungen zur Entwicklung des Eigenkapitals

Aus dem erwirtschafteten Konzerneigenkapital in Höhe von 227 Mio. Euro unterliegt die darin enthaltene gesetzliche Rücklage des Mutterunternehmens der AGRAVIS Raiffeisen AG in Höhe von 26,2 Mio. Euro gem. § 150 AktG und § 33 der Satzung einer Ausschüttungssperre. Für die in der Bilanz ausgewiesenen selbst erstellten immateriellen Vermögensgegenstände des Anlagevermögens in Höhe von 1,0 Mio. Euro besteht eine Ausschüttungssperre gem. § 268 Abs. 8 Satz 1 HGB. Ferner ist der Unterschiedsbetrag nach § 253 Abs. 6 S. 1 HGB in Höhe von 6.432 Tsd. Euro entsprechend der Regelung des § 253 Abs. 6 S. 2 HGB ausschüttungsgesperrt.

I. Sonstige Angaben

1. Am Bilanzstichtag bestanden folgende Haftungsverhältnisse nach § 251 HGB:

Geschäftsjahr Vorjahr
(in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Verbindlichkeiten aus Begebung und Übertragung von Wechseln 29.948 18.612
Verbindlichkeiten aus Bürgschaften, Wechsel- und Scheckbürgschaften 28.076 15.398
Verbindlichkeiten aus Gewährleistungsverträgen und schwebenden Rücknahmeverpflichtungen 32.832 32.098
Haftungsverhältnisse aus übrigen schwebenden Verpflichtungen 9.051 0

Auf Grundlage der aktuell vorliegenden Informationen - die insbesondere die Bonität, das Vermögen (einschließlich stiller Reserven) sowie das Zahlungsverhalten der unmittelbar verpflichteten Schuldner betreffen - ist bei den Verbindlichkeiten aus der Begebung und Übertragung von Wechseln sowie bei den Verbindlichkeiten aus Bürgschaften nicht mit einer Inanspruchnahme zu rechnen. Die Verbindlichkeiten aus Gewährleistungsverträgen betreffen Restwertgarantien aus Kundenfinanzierungen und schwebende Rücknahmeverpflichtungen aus Maschinengeschäften. Da den Verpflichtungen im Übrigen jeweils die Maschinenwerte gegenüberstehen, werden weitergehende Inanspruchnahmerisiken nicht gesehen. Die Bedienung der fremden Verbindlichkeiten, für die Sicherheiten bestellt wurden, wird fortlaufend überwacht. Nach dem beobachtbaren Zahlungsverhalten ist auch hier keine Inanspruchnahme zu erwarten. Weiterhin bestanden zwei Patronatserklärungen zugunsten von Beteiligungsunternehmen in Höhe von 2,4 Mio. Euro, mit deren Inanspruchnahme aufgrund der aktuellen Geschäftsentwicklung der Begünstigten nicht zu rechnen ist.

2. Nicht in der Konzernbilanz enthaltene Geschäfte

Im Rahmen einer ABS-Transaktion wurden Forderungen in Höhe von 79 Mio. Euro an ein Kreditinstitut veräußert und aus der Konzernbilanz ausgebucht. Die ABS-Finanzierung dient der kurzfristigen Stärkung der Liquidität und Finanzkraft des Konzerns. Sämtliche Forderungsausfallrisiken wurden dabei endgültig auf das Kreditinstitut übertragen. Das Debitorenmanagement für die auf die Finanzierungsgesellschaft übertragenen Forderungen - einschließlich der aufgrund mangelnden Risikotransfers nicht bilanzentlastenden Forderungsverkäufe - wird weiterhin durch die Unternehmen des AGRAVIS-Konzerns vorgenommen. Zur Verbesserung der kurzfristigen Liquidität wurde eine strukturierte Finanzierung für verschiedene landwirtschaftliche Produkte in der Form unechter Pensionsgeschäfte abgeschlossen. Hieraus bestehen schwebende Rücknahmeoptionen in Höhe von 199 Mio. Euro (Vorjahr: 195 Mio. Euro).

3. Es bestehen folgende, nicht in der Bilanz ausgewiesene oder vermerkte sonstige finanzielle Verpflichtungen, die für die Beurteilung der Finanzlage von Bedeutung sind:

Geschäftsjahr
(in Tsd. Euro)
Miet- und Erbbaurechtsverpflichtungen
- Jahresbetrag 15.826
- davon mit einer Laufzeit von mehr als 5 Jahren 1.904
- davon mit einer Laufzeit von mehr als 10 Jahren (Erbbaurechte bis 2102) 224
Leasingverpflichtungen
- Jahresbetrag 23.675
- mit einer Laufzeit von mehr als 5 Jahren 2.208
Restverpflichtungen aus der Bestellung von Investitionsgütern und sonstige finanzielle Verpflichtungen 7.270
Verpflichtungen aus der Beteiligung an GmbHs
- noch ausstehende eigene Einlagen 13

Die Nutzung eines Teils der Geschäftsimmobilien, von technischen Anlagen und Maschinen sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung (unter anderem des Fuhrparks) erfolgt auf der Grundlage von Miet-, Pacht- und Operating-Leasingverträgen. Der Abschluss derartiger Verträge trägt auch zur Verringerung der Kapitalbindung des Konzerns bei und belässt das Investitionsrisiko bei den jeweiligen Vermietern beziehungsweise Leasinggebern. Die im Zusammenhang mit den Verträgen bestehenden Verpflichtungen sind in den vorstehenden Angaben zu den sonstigen finanziellen Verpflichtungen enthalten.

4. Bewertungseinheiten und Derivate

Die AGRAVIS Raiffeisen AG hat Zinssicherungsgeschäfte abgeschlossen, um die Zinsänderungsrisiken bei variabel verzinslichen Finanzierungen zu begrenzen. Es werden dabei ausschließlich Zinsswaps zu Sicherungszwecken für künftige Zahlungsströme eingesetzt. Zeitgleich mit der Aufnahme langfristiger Darlehen wurden fristenkongruente Zinsswaps abgeschlossen, wodurch synthetische Festsatzfinanzierungen geschaffen wurden. Diese Mikro-Hedges belaufen sich per 31. Dezember 2022 auf ein Volumen von 21,3 Mio. Euro. Der Marktwert dieser Swaps beträgt 1,3 Mio. Euro. Analog wurden für die variabel verzinslichen Tranchen der Schuldscheindarlehen nominal 15,0 Mio. Euro Zinsswaps mit einem Marktwert von 0,8 Mio. Euro abgeschlossen. Auch hier bestehen Sicherungsbeziehungen in Form von Mikro-Hedges.

Zur Absicherung der Risiken aus künftigen Zins-Zahlungsströmen aus Kreditinanspruchnahmen unter dem Konsortialkredit wurden ebenfalls Zinsswaps mit einem Nominalvolumen von 355,0 Mio. Euro abgeschlossen. Das Volumen entspricht der durchschnittlichen Kreditinanspruchnahme gemäß der Liquiditätsplanung des Konzerns. Diese Swaps stellen einen Portfolio-Hedge in Bezug auf die Konzern-Betriebsmittelfinanzierung dar. Der Marktwert aller Zinsswaps mit Bezug zum Konsortialkredit betrug zum Jahresende 2022 11,7 Mio. Euro. Aufgrund der Einbeziehung in Bewertungseinheiten im Sinne von Mikro- sowie Portfolio-Hedges waren keine Drohverlustrückstellungen zu bilden. Zur Absicherung von Währungsrisiken (PLN, USD) wurden derivative Sicherungsgeschäfte, im Wesentlichen Laufzeitoptionen, eingesetzt. Der Nominalwert dieser Geschäfte - der dem Volumen der abgesicherten Risiken betragsmäßig entspricht - betrug zum Bilanzstichtag 61,4 Mio. Euro. Diese Sicherungsgeschäfte stehen in einer direkten Beziehung zu Waren(termin)geschäften in Fremdwährung und werden daher in der Form von Mikro-Hedges zu Bewertungseinheiten mit diesen Grundgeschäften zusammengefasst. Der Marktwert dieser Derivate lag zum Bilanzstichtag bei minus 0,6 Mio. Euro. Die gegenläufigen Zahlungsstromänderungen aus Währungssicherung und Grundgeschäft gleichen sich über den Zeitraum der Laufzeit der Sicherungsgeschäfte im folgenden Geschäftsjahr vollständig aus.

Zur Steuerung gegenwärtiger und künftiger Preisrisiken aus dem Warengeschäft - insbesondere betreffend den Handel mit Futterrohstoffen (unter anderem Soja), Ölsaaten und Getreide - werden daneben auch derivative Finanzinstrumente in der Form standardisierter börsengehandelter Warenterminkontrakte sowie mit Handelspartnern erstrangiger Bonität geschlossene OTC-Termin- und Optionsgeschäfte auf Agrarrohstoffe eingesetzt. Die Instrumente dienen dabei ausschließlich der Sicherung operativer Grundgeschäfte; zusätzliche Risiken entstehen daher nicht. Die Transaktionen werden ausschließlich in marktüblichen Geschäften getätigt. Transaktionen zu spekulativen Zwecken werden nicht vorgenommen. Diese Sicherungsgeschäfte werden zum Teil im Sinne eines Portfolio-Hedges als Bewertungseinheit mit ausgewählten Warenbeständen in einem Gesamtvolumen von 428,2 Mio. Euro sowie zum Bilanzstichtag schwebenden Ein- und Verkaufskontrakten zusammengefasst. Für die negativen Marktwerte der in die Bewertungseinheit einbezogenen derivativen Finanzinstrumente in Höhe von 23,7 Mio. Euro waren Drohverlustrückstellungen entsprechend nicht zu dotieren.

Warentermin- und Optionsgeschäfte werden auf Basis börsentäglicher Notierungen für die zugrunde liegenden Rohstoffe und der sich ergebenden Differenzen zwischen Termin- und Tageskursen bewertet. Die eigene Marktbewertung derivativer Instrumente erfolgt dabei im täglichen Abgleich mit den von verschiedenen renommierten Handelspartnern bereitgestellten Bewertungen. Aufgrund der Bezugnahme auf die Preisstellung an den globalen Handelsplätzen sind die in die Bewertungseinheiten einbezogenen Bestände und Geschäfte einander entsprechenden Preisänderungsrisiken für Agrarrohstoffe ausgesetzt. Die einander gegenläufigen Wert- und Zahlungsstromänderungen aus den verschiedenen Elementen der Bewertungseinheit gleichen sich aufgrund der Bezugnahme auf identische Wertparameter bei der Abwicklung der Geschäfte - die regelmäßig innerhalb des Folgejahres erfolgt - weitestgehend aus.

Soweit Risiken für offene Kontraktpositionen nicht vollständig durch die Bildung von Bewertungseinheiten abgedeckt werden beziehungsweise die bestehenden Bewertungseinheiten Ineffizienzen aufweisen, wird dem durch die Dotierung von Drohverlustrückstellungen Rechnung getragen. Diese beliefen sich zum Bilanzstichtag auf 15,2 Mio. Euro (Vorjahr: 23,7 Mio. Euro). Neben den in Sicherungsbeziehungen im vorstehend beschriebenen Sinne einbezogenen Waren-Optionsgeschäften sind durch einzelne Konzerngesellschaften zum Zwecke des Risikomanagements weitere Optionsgeschäfte getätigt worden, die hingegen nicht als Sicherungsinstrumente im bilanziellen Sinne designiert wurden. Die zum Erwerb dieser Kauf-/Verkaufsoptionen aufgewendeten Optionsprämien sind unter den sonstigen Vermögensgegenständen ausgewiesen und nach dem strengen Niederstwertprinzip bewertet. Für den Verkauf von Kauf-/Verkaufsoptionen vereinnahmte Optionsprämien sind zusammen mit den über die erhaltene Prämie hinausgehenden Drohverlusten von den positiven Salden aus der Hinterlegung von Sicherheiten bei den Kontraktpartnern abgesetzt worden. Der Bestand dieser Optionsgeschäfte ergibt sich wie folgt:

Art der Geschäfte Umfang Zeitwert Buchwert
(in Tonnen) (in Tsd. Euro) (in Tsd. Euro)
Erwerb OTC-Optionen (Put/Call) 385.500 12.489 10.387
Verkauf OTC-Optionen (Put/Call) 390.500 -2.322 -8.748

5. Geschäfte mit nahestehenden Unternehmen und Personen entsprechend § 314 Abs. 1 Nr. 13 HGB zu marktunüblichen Konditionen wurden nicht getätigt.

6. Mitarbeiter

Im Jahr 2022 wurden durchschnittlich insgesamt 5.993 Mitarbeiter (Vorjahr: 5.803) beschäftigt, davon 5.143 Vollzeitkräfte (Vorjahr: 4.993 Vollzeitkräfte), 850 Teilzeitkräfte (Vorjahr: 810 Teilzeitkräfte). Außerdem wurden 554 Auszubildende (Vorjahr: 529 Auszubildende) beschäftigt.

7. Organe

Die Gesamtbezüge für die Tätigkeiten im Geschäftsjahr betrugen für die Mitglieder des Aufsichtsrates 377 Tsd. Euro und für die Mitglieder des Beirates 128 Tsd. Euro. Die Gesamtbezüge des Vorstandes beliefen sich im Geschäftsjahr 2022 auf 3,1 Mio. Euro. Die Gesamtbezüge der früheren Mitglieder des Vorstandes und ihrer Hinterbliebenen beliefen sich auf 2,2 Mio. Euro. Die für diese Personen gebildeten Rückstellungen für Pensionen betrugen 37,9 Mio. Euro.

8. Abschlussprüferhonorare

Das für den Abschlussprüfer des Konzernabschlusses, die Deloitte GmbH, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, im Geschäftsjahr als Aufwand erfasste Honorarvolumen gliedert sich wie folgt auf:

Geschäftsjahr
(in Tsd. Euro)
a) Abschlussprüferleistungen 766
b) Andere Bestätigungsleistungen 163
c) Steuerberatungsleistungen 8
d) Sonstige Leistungen 102
Summe 1.039

9. Ergebnisverwendungsvorschlag des den Konzernabschluss aufstellenden Mutterunternehmens Für das Geschäftsjahr 2022 ergibt sich unter Einbeziehung der Zuweisung zur gesetzlichen Rücklage in Höhe von 598.000,00 Euro sowie der Berücksichtigung des Gewinnvortrages aus dem Jahr 2021 in Höhe von 710.564,67 Euro ein Bilanzgewinn von 12.067.352,99 Euro. Der Vorstand schlägt der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 1,28 Euro je Stückaktie vor, insgesamt 10.276.828,16 Euro. Der Vorstand schlägt vor, 1.000.000,00 Euro in die anderen Gewinnrücklagen einzustellen und den verbleibenden Betrag in Höhe von 790.524,83 Euro auf neue Rechnung vorzutragen.

10. Nachtragsbericht

Nach dem Ende des Geschäftsjahres ergaben sich keine Ereignisse oder Entwicklungen, die zu einer wesentlichen Änderung des Ausweises oder des Wertansatzes der einzelnen Vermögenswerte oder Schuldposten zum 31. Dezember 2022 geführt hätten oder über die zu berichten wäre.

 

Münster, den 29. März 2023

AGRAVIS Raiffeisen AG,

der Vorstand

Dr. Köckler, Vorsitzender

Hesseler

Heinecke

Sudhoff

BESTÄTIGUNGSVERMERK DES UNABHÄNGIGEN ABSCHLUSSPRÜFERS

An die AGRAVIS Raiffeisen AG, Münster

Prüfungsurteile

Wir haben den Konzernabschluss der AGRAVIS Raiffeisen AG, Münster, und ihrer Tochtergesellschaften (der Konzern) - bestehend aus der Konzernbilanz zum 31. Dezember 2022, der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung, dem Konzern-Eigenkapitalspiegel und der Konzern-Kapitalflussrechnung für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2022 sowie dem Konzernanhang, einschließlich der Darstellung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden - geprüft. Darüber hinaus haben wir den Konzernlagebericht der AGRAVIS Raiffeisen AG, Münster, für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2022 geprüft.

Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse

entspricht der beigefügte Konzernabschluss in allen wesentlichen Belangen den deutschen handelsrechtlichen Vorschriften und vermittelt unter Beachtung der deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns zum 31. Dezember 2022 sowie seiner Ertragslage für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2022 und

vermittelt der beigefügte Konzernlagebericht insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns. In allen wesentlichen Belangen steht dieser Konzernlagebericht in Einklang mit dem Konzernabschluss, entspricht den deutschen gesetzlichen Vorschriften und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar.

Gemäß § 322 Abs. 3 Satz 1 HGB erklären wir, dass unsere Prüfung zu keinen Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts geführt hat.

Grundlage für die Prüfungsurteile

Wir haben unsere Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts in Übereinstimmung mit § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführt. Unsere Verantwortung nach diesen Vorschriften und Grundsätzen ist im Abschnitt "Verantwortung des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts" unseres Bestätigungsvermerks weitergehend beschrieben. Wir sind von den Konzernunternehmen unabhängig in Übereinstimmung mit den deutschen handelsrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften und haben unsere sonstigen deutschen Berufspflichten in Übereinstimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die von uns erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unsere Prüfungsurteile zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht zu dienen.

Sonstige Informationen

Die gesetzlichen Vertreter bzw. der Aufsichtsrat sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen Informationen umfassen:

den Abschnitt "Bericht des Aufsichtsrates" des Konzerngeschäftsberichts 2022,

den Abschnitt "Corporate Governance" des Konzerngeschäftsberichts 2022,

die Versicherung der gesetzlichen Vertreter nach § 297 Abs. 2 Satz 4 HGB bzw. nach § 315 Abs. 1 Satz 5 HGB zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht und

alle übrigen Teile des Konzerngeschäftsberichts,

aber nicht den Konzernabschluss, nicht die inhaltlich geprüften Konzernlageberichtsangaben und nicht unseren dazugehörigen Bestätigungsvermerk.

Unsere Prüfungsurteile zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht erstrecken sich nicht auf die sonstigen Informationen, und dementsprechend geben wir weder ein Prüfungsurteil noch irgendeine andere Form von Prüfungsschlussfolgerung hierzu ab.

Im Zusammenhang mit unserer Konzernabschlussprüfung haben wir die Verantwortung, die oben genannten sonstigen Informationen zu lesen und dabei zu würdigen, ob die sonstigen Informationen

wesentliche Unstimmigkeiten zum Konzernabschluss, zu den inhaltlich geprüften Konzernlageberichtsangaben oder zu unseren bei der Prüfung erlangten Kenntnissen aufweisen oder

anderweitig wesentlich falsch dargestellt erscheinen.

Verantwortung der gesetzlichen Vertreter und des Aufsichtsrats für den Konzernabschluss und den Konzernlagebericht

Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernabschlusses, der den deutschen handelsrechtlichen Vorschriften in allen wesentlichen Belangen entspricht, und dafür, dass der Konzernabschluss unter Beachtung der deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die internen Kontrollen, die sie in Übereinstimmung mit den deutschen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung als notwendig bestimmt haben, um die Aufstellung eines Konzernabschlusses zu ermöglichen, der frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen (d.h. Manipulationen der Rechnungslegung und Vermögensschädigungen) oder Irrtümern ist.

Bei der Aufstellung des Konzernabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich, die Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen. Des Weiteren haben sie die Verantwortung, Sachverhalte im Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit, sofern einschlägig, anzugeben. Darüber hinaus sind sie dafür verantwortlich, auf der Grundlage des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu bilanzieren, sofern dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen.

Außerdem sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die Aufstellung des Konzernlageberichts, der insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns vermittelt sowie in allen wesentlichen Belangen mit dem Konzernabschluss in Einklang steht, den deutschen gesetzlichen Vorschriften entspricht und die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend darstellt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die Vorkehrungen und Maßnahmen (Systeme), die sie als notwendig erachtet haben, um die Aufstellung eines Konzernlageberichts in Übereinstimmung mit den anzuwendenden deutschen gesetzlichen Vorschriften zu ermöglichen und um ausreichende geeignete Nachweise für die Aussagen im Konzernlagebericht erbringen zu können.

Der Aufsichtsrat ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses des Konzerns zur Aufstellung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts.

Verantwortung des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts

Unsere Zielsetzung ist, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Konzernabschluss als Ganzes frei von wesentlichen falschen Darstellungen aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern ist, und ob der Konzernlagebericht insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns vermittelt sowie in allen wesentlichen Belangen mit dem Konzernabschluss sowie mit den bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnissen in Einklang steht, den deutschen gesetzlichen Vorschriften entspricht und die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend darstellt, sowie einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der unsere Prüfungsurteile zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht beinhaltet.

Hinreichende Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführte Prüfung eine wesentliche falsche Darstellung stets aufdeckt. Falsche Darstellungen können aus dolosen Handlungen oder Irrtümern resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie einzeln oder insgesamt die auf der Grundlage dieses Konzernabschlusses und Konzernlageberichts getroffenen wirtschaftlichen Entscheidungen von Adressaten beeinflussen.

Während der Prüfung üben wir pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische Grundhaltung. Darüber hinaus

identifizieren und beurteilen wir die Risiken wesentlicher falscher Darstellungen im Konzernabschluss und im Konzernlagebericht aufgrund von dolosen Handlungen oder Irrtümern, planen und führen Prüfungshandlungen als Reaktion auf diese Risiken durch sowie erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unsere Prüfungsurteile zu dienen. Das Risiko, dass aus dolosen Handlungen resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, ist höher als das Risiko, dass aus Irrtümern resultierende wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, da dolose Handlungen kollusives Zusammenwirken, Fälschungen, beabsichtigte Unvollständigkeiten, irreführende Darstellungen bzw. das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten können.

gewinnen wir ein Verständnis von dem für die Prüfung des Konzernabschlusses relevanten internen Kontrollsystem und den für die Prüfung des Konzernlageberichts relevanten Vorkehrungen und Maßnahmen, um Prüfungshandlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prüfungsurteil zur Wirksamkeit dieser Systeme abzugeben.

beurteilen wir die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungslegungsmethoden sowie die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestellten geschätzten Werte und damit zusammenhängenden Angaben.

ziehen wir Schlussfolgerungen über die Angemessenheit des von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungsnachweise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls wir zu dem Schluss kommen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, im Bestätigungsvermerk auf die dazugehörigen Angaben im Konzernabschluss und im Konzernlagebericht aufmerksam zu machen oder, falls diese Angaben unangemessen sind, unser jeweiliges Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage der bis zum Datum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegebenheiten können jedoch dazu führen, dass der Konzern seine Unternehmenstätigkeit nicht mehr fortführen kann.

beurteilen wir Darstellung, Aufbau und Inhalt des Konzernabschlusses insgesamt einschließlich der Angaben sowie ob der Konzernabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und Ereignisse so darstellt, dass der Konzernabschluss unter Beachtung der deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt.

holen wir ausreichende geeignete Prüfungsnachweise für die Rechnungslegungsinformationen der Unternehmen oder Geschäftstätigkeiten innerhalb des Konzerns ein, um Prüfungsurteile zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht abzugeben. Wir sind verantwortlich für die Anleitung, Beaufsichtigung und Durchführung der Konzernabschlussprüfung. Wir tragen die alleinige Verantwortung für unsere Prüfungsurteile.

beurteilen wir den Einklang des Konzernlageberichts mit dem Konzernabschluss, seine Gesetzesentsprechung und das von ihm vermittelte Bild von der Lage des Konzerns.

führen wir Prüfungshandlungen zu den von den gesetzlichen Vertretern dargestellten zukunftsorientierten Angaben im Konzernlagebericht durch. Auf Basis ausreichender geeigneter Prüfungsnachweise vollziehen wir dabei insbesondere die den zukunftsorientierten Angaben von den gesetzlichen Vertretern zugrunde gelegten bedeutsamen Annahmen nach und beurteilen die sachgerechte Ableitung der zukunftsorientierten Angaben aus diesen Annahmen. Ein eigenständiges Prüfungsurteil zu den zukunftsorientierten Angaben sowie zu den zugrunde liegenden Annahmen geben wir nicht ab. Es besteht ein erhebliches unvermeidbares Risiko, dass künftige Ereignisse wesentlich von den zukunftsorientierten Angaben abweichen.

Wir erörtern mit den für die Überwachung Verantwortlichen unter anderem den geplanten Umfang und die Zeitplanung der Prüfung sowie bedeutsame Prüfungsfeststellungen, einschließlich etwaiger bedeutsamer Mängel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Prüfung feststellen.

 

Düsseldorf, den 29. März 2023

Deloitte GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Prof. Dr. Carl-Friedrich Leuschner, Wirtschaftsprüfer

Max Schürtz, Wirtschaftsprüfer

Versicherung der gesetzlichen Vertreter

Wir versichern nach bestem Wissen, dass gemäß den anzuwendenden Rechnungslegungsgrundsätzen der Konzernabschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt und im Konzernlagebericht der Geschäftsverlauf einschließlich des Geschäftsergebnisses und die Lage des Konzerns so dargestellt sind, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt wird sowie die wesentlichen Chancen und Risiken der voraussichtlichen Entwicklung des Konzerns beschrieben sind.

 

Münster, den 29. März 2023

AGRAVIS Raiffeisen AG,

der Vorstand

Dr. Köckler, Vorsitzender

Heinecke

Hesseler

Sudhoff

Beschlussfassung über die Ergebnisverwendung

Auszug aus dem Protokoll der Hauptversammlung vom 09. Mai 2023 in Osnabrück

TOP 3 (Verwendung des Bilanzgewinns aus dem Geschäftsjahr 2022)

Der Vorsitzende nahm Bezug auf den mit der Einladung veröffentlichten und auf der Leinwand eingeblendeten Gewinnverwendungsvorschlag des Vorstands und des Aufsichtsrates und wiederholte den auch im Rahmen des Berichts des Aufsichtsrats vorgetragenen Beschlussvorschlag zusammenfassend mit gerundeten Zahlen. Die exakten Zahlen wurden auf der Leinwand hinter ihm gezeigt.

Es erfolgt der Hinweis darauf, dass der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrates am 29.03.2023 beschlossen habe, den Wert für die AGRAVIS-Aktie auf 62,00 Euro festzulegen. Das sei eine Erhöhung um 0,50 Euro und eine gute Nachricht für die Aktionäre. Diese Werterhöhung sei ab Ende der Hauptversammlung gültig.

Bei der Abstimmung wurden für 6.701.960 Stückaktien Stimmen abgegeben.

Die Abstimmung ergab:

Ja-Stimmen 6.701.960 Stimmen das entspricht 100 %
Nein-Stimmen 0 Stimmen das entspricht 0 %

Der Vorsitzende stellte fest und verkündete, dass der am 03. April 2023 im Bundesanzeiger veröffentlichte Beschlussvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat zum Tagesordnungspunkt 3 "Verwendung des Bilanzgewinns aus dem Geschäftsjahr 2022" mit der erforderlichen Mehrheit angenommen wurde.

 

Osnabrück, den 09. Mai 2023

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