WILO-Mitarbeiter- Beteiligungsgesellschaft mbH

Wilopark 1, 44263 Dortmund, DEU

Stammdaten

Register
Amtsgericht Dortmund HRB 9566
Eingetragen
12.3.1991
Branche
BeteiligungsgesellschaftenManagementtätigkeiten von Holdinggesellschaften mit überwiegend finanziellem AnteilsbesitzWagniskapital-Beteiligungsgesellschaften
Gegenstand
Die Gesellschaft wird auf dem Gebiet der Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern an der WILO AG tätig. Zu diesem Zweck kann sie mit Mitarbeitern der WILO AG nach näherer Bestimmung durch die WILO AG Verträge über die Begründung stiller Gesellschaften abschließen und die so von Mitarbeitern geleisteten Mittel der WILO AG in Form stiller Beteiligungen oder in Form von Darlehen zur Verfügung stellen.

Finanzübersicht

Historie

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Management

NameRolle
Geschäftsführer
Marc Gladen
seit 28.2.2025
Prokura
Daniel Jürgen Kirsch
seit 28.2.2025
Prokura
Marc Peter Sonntag
seit 2.10.2024
Prokura
Ünal Görgün
seit 29.8.2024
Geschäftsführer

Wirtschaftlich Berechtigte

0.00% identifiziert100.00% ungelöst

Ungelöste Beteiligungen (1)

NameAnteil
100.00%

Gesellschafter

1 Gesellschafter

GmbH-Struktur

Germany
26.000 €
100.00%

Bilanzkonten

Gewinn- und Verlustrechnung

Posten

Konzern- und Jahresabschlüsse

WILO SE

Dortmund

Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2021 bis zum 31.12.2021

Konzern-Bilanz zum 31. Dezember 2021

Aktiva

Anhang 31.12.2021 31.12.2020
TEUR TEUR
A. Langfristige Vermögenswerte
I. Immaterielle Vermögenswerte (9.1) 303.538 238.961
II. Sachanlagen (9.2) 646.881 590.870
III. At-equity bewertete Beteiligungen (7.) 2.640 2.640
IV. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (9.4) 8.536 6.763
V. Sonstige finanzielle Vermögenswerte (9.5) 9.016 8.178
VI. Sonstige Forderungen und Vermögenswerte (9.7) 12.483 6.398
VII. Latente Steueransprüche (8.9) 31.020 38.686 *
1.014.114 892.496
B. Kurzfristige Vermögenswerte
I. Vorräte (9.3) 322.003 235.877
II. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (9.4) 284.133 272.513
III. Sonstige finanzielle Vermögenswerte (9.5) 8.318 9.036
IV. Steuerforderungen (9.6) 304 329 *
V. Sonstige Forderungen und Vermögenswerte (9.7) 35.797 23.549 *
VI. Zahlungsmittel (9.8) 189.880 188.952
VII. Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte (9.9) 1.346 613
841.781 730.869
1.855.895 1.623.365

Passiva

Anhang 31.12.2021 31.12.2020
TEUR TEUR
A. Eigenkapital (9.10)
I. Gezeichnetes Kapital 26.980 26.980
./. Nennbetrag eigener Anteile -1.207 -1.477
Ausgegebenes Kapital 25.773 25.503
II. Kapitalrücklage 35.680 26.161
III. Sonstige Rücklagen 799.707 742.956
IV. Rücklage für eigene Anteile -24.410 -29.766
836.750 764.854
B. Langfristige Schulden
I. Finanzschulden (9.11) 388.192 229.160
II. Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten (9.13) 24.616 24.600
III. Sonstige Verbindlichkeiten (9.14) 3.671 3.572
IV. Rückstellungen für Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen (9.15) 90.798 92.746
V. Sonstige Rückstellungen (9.16) 6.435 8.119 **
VI. Latente Steuerschulden (8.9) 13.873 12.277 *
527.585 370.474
C. Kurzfristige Schulden
I. Finanzschulden (9.11) 25.840 117.095
II. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (9.12) 233.463 178.788 **
III. Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten (9.13) 49.813 43.134 **
IV. Sonstige Verbindlichkeiten (9.14) 111.840 79.100 *
V. Sonstige Rückstellungen (9.16) 62.772 61.931 **
VI. Steuerschulden (9.17) 7.832 7.989 *
491.560 488.037
1.855.895 1.623.365

Vorjahreswerte wurden angepasst:

*) für laufende und latente Steuern siehe Anhangsangaben (8.9), (9.6) und (9.17)
**) für Verbindlichkeiten und Rückstellungen siehe Anhangsangaben (7.), (9.12), (9.13) und (9.16)

Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2021

Anhang 01.01.-31.12.2021 01.01.-31.12.2020
TEUR TEUR
1. Umsatzerlöse (8.1) 1.651.889 1.451.494
2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen (8.2) -1.122.339 -977.321
3. Bruttoergebnis vom Umsatz 529.550 474.173
4. Vertriebskosten (8.3) -278.373 -252.998
5. Verwaltungskosten (8.3) -109.201 -89.216
6. Forschungs- und nicht aktivierte Entwicklungskosten (8.4) -55.765 -52.037
7. Sonstige betriebliche Erträge (8.5) 21.306 20.040
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen (8.6) -15.008 -38.612
9. Operatives Ergebnis (EBIT) 92.509 61.350
10. Finanzerträge (8.7) 5.200 5.824
11. Finanzaufwendungen (8.8) -13.832 -13.795
12. Konzernergebnis vor Ertragsteuern 83.877 53.379
13. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag (8.9) -34,860 -28.505
14. Konzernergebnis 49.017 24.874
Das unverwässerte und das verwässerte Ergebnis beträgt EUR 5,00 (i. Vj. EUR 2,54) je Stammaktie. (8.10)

Konzern-Gesamtergebnisrechnung für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2021

01.01.-31.12.2021 01.01.-31.12.2020
TEUR TEUR
Konzernergebnis
Posten, die zukünftig nicht in die Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert werden 49.017 24.874
Neubewertungung der Pensionsverpflichtung und des Planvermögens 2.130 -1.229
darauf Steuern vom Einkommen und vom Ertrag (8.9) -567 318
1.563 -911
Posten, die zukünftig in die Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung umgegliedert werden
Unterschiedsbetrag aus Währungsumrechnung 13.490 -35.861
Währungsumrechnung latente Steuern (8.9) 392 -312
13.882 -36.173
Cashflow Hedges - Umgliederung in Konzern- Gewinn- und Verlustrechnung (11.1) 1.001 624
Sonstiges Konzernergebnis 16.446 -36.460
Gesamtkonzernergebnis 65.463 -11.586

Konzern-Kapitalflussrechnung für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2021

2021 2020 Veränderung
TEUR TEUR TEUR
Operatives Ergebnis (EBIT) 92.509 61.350 31.159
Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen 88.595 79.870 8.725
Zunahme der Rückstellungen -4.704 21.809 -26.513
Verluste/Gewinne aus dem Abgang von immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen -606 1.204 -1.810
Zunahme/Abnahme der Vorräte -70.218 -2.913 -67.305
Zunahme der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen -5.276 -4.193 -1.083
Zunahme/Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 41.914 14.226 27.688
Zunahme/Abnahme sonstiger Aktiva und Passiva, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind 15.241 10.995 4.246
Sonstige zahlungsunwirksame Aufwendungen und Erträge -1.119 4.543 -5.662
Operativer Cashflow vor Ertragsteuerzahlungen 156.336 186.891 -30.555
Ertragsteuerzahlungen -29.611 -25.345 -4.266
Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit 126.725 161.546 -34.821
Auszahlungen für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte -23.939 -21.147 -2.792
Einzahlungen aus Abgängen von Sachanlagen 3.690 2.960 730
Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen -108.285 -97.229 -11.056
Auszahlungen für den Erwerb konsolidierter Unternehmen -38.819 -937 -37.882
Erhaltene Dividenden 50 0 50
Sonstige Auszahlungen, die der Investitionstätigkeit zuzuordnen sind -1.095 -112 -983
Cashflow aus Investitionstätigkeit -168.398 -116.465 -51.933
Dividendenzahlung -8.141 -15.890 7.749
Einzahlungen aus der Aufnahme von Finanzschulden 141.935 108.551 33.384
Auszahlungen für die Tilgung von Finanzschulden -92.738 -81.205 -11.533
Einzahlungen aus dem Verkauf eigener Anteile 15.145 0 15.145
Auszahlungen für Leasingverbindlichkeiten -15.694 -15.706 12
Zinseinzahlungen 1.842 1.281 561
Zinsauszahlungen -9.488 -10.743 1.255
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit 32.861 -13.712 46.573
Zahlungswirksame Veränderung der Zahlungsmittel -8.812 31.369 -40.181
Währungskursbedingte Veränderung der Zahlungsmittel 9.576 -8.763 18.339
Konsolidierungskreisbedingte Veränderung der Zahlungsmittel 164 290 -126
Zahlungsmittel am Anfang der Periode 188.952 166.056 22.896
Zahlungsmittel am Ende der Periode 189.880 188.952 928

Begleitende Erläuterungen können der Anhangangabe (10.) entnommen werden.

Konzern-Eigenkapitalveränderungsrechnung für die Zeit vom 1. Januar 2021 bis 31. Dezember 2021

Ausgegebenes Kapital
Gezeichnetes Kapital Nennbetrag eigener Anteile Kapitalrücklage
TEUR TEUR TEUR
1. Januar 2020 26.980 -1.477 26.161
Konzernergebnis 2020 0 0 0
Sonstiges Konzernergebnis 0 0 0
Dividendenzahlungen 0 0 0
Übrige Veränderungen 0 0 0
31. Dezember 2020 26.980 -1.477 26.161
1. Januar 2021 26.980 -1.477 26.161
Konzernergebnis 2021 0 0 0
Sonstiges Konzernergebnis 0 0 0
Dividendenzahlungen 0 0 0
Veräußerung eigener Anteile 0 270 9.519
Übrige Veränderungen 0 0 0
31. Dezember 2021 26.980 -1.207 35.680
Sonstige Rücklagen
Gewinnrücklagen Rücklage aus der Währungsumrechnung Hedgingrücklage Rücklage für die Neubewertung von Pensionen
TEUR TEUR TEUR TEUR
1. Januar 2020 847.162 -46.780 -2.280 -27.643
Konzernergebnis 2020 24.874 0 0 0
Sonstiges Konzernergebnis 0 -36.173 624 -911
Dividendenzahlungen -15.890 0 0 0
Übrige Veränderungen -27 0 0 0
31. Dezember 2020 856.119 -82.953 -1.656 -28.554
1. Januar 2021 856.119 -82.953 -1.656 -28.554
Konzernergebnis 2021 49.017 0 0 0
Sonstiges Konzernergebnis 0 13.882 1.001 1.563
Dividendenzahlungen -8.141 0 0 0
Veräußerung eigener Anteile 0 0 0 0
Übrige Veränderungen -571 0 0 0
31. Dezember 2021 896.424 -69.071 -655 -26.991
Rücklage für eigene Anteile Eigenkapital der Aktionäre der WILO SE Eigenkapital
TEUR TEUR TEUR
1. Januar 2020 -29.766 792.357 792.357
Konzernergebnis 2020 0 24.874 24.874
Sonstiges Konzernergebnis 0 -36.460 -36.460
Dividendenzahlungen 0 -15.890 -15.890
Übrige Veränderungen 0 -27 -27
31. Dezember 2020 -29.766 764.854 764.854
1. Januar 2021 -29.766 764.854 764.854
Konzernergebnis 2021 0 49.017 49.017
Sonstiges Konzernergebnis 0 16.446 16.446
Dividendenzahlungen 0 -8.141 -8.141
Veräußerung eigener Anteile 5.356 15.145 15.145
Übrige Veränderungen 0 -571 -571
31. Dezember 2021 -24.410 836.750 836.750

Begleitende Erläuterungen können den Anhangangaben (7.) und (9.10.) entnommen werden.

Konzernanhang für das Geschäftsjahr 2021

Inhalt

(1.) Allgemeine Angaben

(2.) Grundlagen für die Aufstellung des Konzernabschlusses

(3.) Anwendung neuer oder geänderter Standards und Interpretationen

(4.) Konsolidierungskreis

(5.) Konsolidierungsgrundsätze

(6.) Währungsumrechnung

(7.) Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

(8.) Erläuterungen zur Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung

(9.) Erläuterungen zur Konzern-Bilanz

(10.) Erläuterungen zur Konzern-Kapitalflussrechnung

(11.) Angaben zu Finanzinstrumenten

(12.) Risikomanagement und derivative Finanzinstrumente

(13.) Sonstige Angaben

(1.) Allgemeine Angaben

Die WILO SE ("Gesellschaft") mit Sitz in Dortmund, Deutschland, eingetragen beim Amtsgericht Dortmund in Abteilung B Nr. 21356, ist die Führungsgesellschaft der Wilo Gruppe. Die Geschäftstätigkeit der Gruppe beinhaltet im Wesentlichen die Herstellung und den weltweiten Vertrieb von Maschinen, insbesondere von Flüssigkeitspumpen und Apparaten. Die Wilo Gruppe entwickelt, fertigt und vertreibt Pumpen und Anlagen der Gebäudetechnik, insbesondere für Heizungs-, Kühl- und Klimaanlagen, zur Trinkwasserversorgung und zur Beseitigung von Schmutz- und Abwässern.

(2.) Grundlagen für die Aufstellung des Konzernabschlusses

Der Konzernabschluss zum 31. Dezember 2021 der WILO SE wurde in Übereinstimmung mit den International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt, wie sie in der Europäischen Union verpflichtend anzuwenden sind. Ferner wurden alle für das Geschäftsjahr 2021 geltenden Auslegungen des IFRS Interpretations Committee (vormals International Financial Reporting Interpretations Committee, IFRIC) berücksichtigt. Die WILO SE nutzt das Wahlrecht des § 315e Absatz 3 HGB und ist somit nicht verpflichtet, einen Konzernabschluss nach deutschem Handelsrecht aufzustellen. Um die Gleichwertigkeit mit einem nach handelsrechtlichen Vorschriften aufgestellten Konzernabschluss zu erreichen, werden über die Angaben nach IFRS hinaus auch die Erläuterungen veröffentlicht, die das deutsche Handelsrecht in § 315e Absatz 1 HGB verlangt.

Um die Klarheit der Darstellung zu verbessern, sind verschiedene Posten der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Konzern-Bilanz zusammengefasst. Diese Posten sind im Konzernanhang gesondert ausgewiesen und erläutert. Die Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung ist nach dem Umsatzkostenverfahren aufgestellt. Im Konzernabschluss werden die Beträge grundsätzlich in Tausend Euro ("TEUR") dargestellt.

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie und die von Regierungen weltweit getroffenen staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus haben die Wilo Gruppe im Berichtsjahr wie schon im Geschäftsjahr 2020 nicht wesentlich beeinträchtigt. Auf die von der Wilo Gruppe gefertigten und vertriebenen Produkte der Gebäudetechnik, zur Trinkwasserversorgung und zur Beseitigung von Schmutz- und Abwässern kann im täglichen Leben nicht verzichtet werden. Es bestehen keine Unsicherheiten, die Zweifel an der Fähigkeit der Wilo Gruppe zur Unternehmensfortführung aufkommen lassen.

(3.) Anwendung neuer oder geänderter Standards und Interpretationen

Nachfolgende Standards, Interpretationen sowie Änderungen zu bestehenden Standards waren erstmalig im Geschäftsjahr 2021 anzuwenden, hatten jedoch keine oder keine wesentlichen Auswirkungen auf den Konzernabschluss der WILO SE:

Reform der Referenzzinssätze Phase 2 (Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16)

COVID-19 bezogene Mieterleichterungen (Änderungen an IFRS 16)

Das IASB und das IFRS Interpretations Committee haben die nachfolgenden Standards, Interpretationen sowie Änderungen zu bestehenden Standards verabschiedet, deren Anwendung im Geschäftsjahr 2021 noch nicht verpflichtend war bzw. die von der Europäischen Union noch nicht anerkannt wurden. Diese werden jedoch keine oder keine wesentlichen Auswirkungen auf den Konzernabschluss der WILO SE haben. Die WILO SE wendet die nachfolgenden Standards, Interpretationen sowie Änderungen zu bestehenden Standards und Interpretationen nicht vorzeitig an:

Erstmalige Anwendung 1. Januar 2022:

Belastende Verträge - Kosten der Vertragserfüllung (Änderungen an IAS 37)

Jährliche Verbesserungen an den IFRS-Standards 2018-2020

Sachanlagen: Erträge vor der geplanten Nutzung (Änderungen an IAS 16)

Verweis auf das Rahmenkonzept (Änderungen an IFRS 3)

Erstmalige Anwendung 1. Januar 2023:

Einstufung von Verbindlichkeiten als kurz- bzw. langfristig (Änderungen an IAS 1)

Angabe von Rechnungslegungsmethoden (Änderung an IAS 1 und IFRS Practice Statement 2)

Definition von Schätzungen (Änderungen an IAS 8)

Latente Steuern im Zusammenhang mit Vermögenswerten und Schulden aus einer einzigen Transaktion (Änderungen an IAS 12)

IFRS 17 Versicherungsverträge und Änderungen an IFRS 17 Versicherungsverträge

Änderung IFRS 4 - Verlängerung der befristeten Befreiung zur Anwendung des IFRS 9 ("deferral of IFRS 9") bis zum Jahr 2023

Erstmalige Anwendung noch offen:

Verkauf oder Einlage von Vermögenswerten zwischen einem Anleger und einem assoziierten Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen (Änderungen an IFRS 10 und IAS 28)

(4.) Konsolidierungskreis

In den Konzernabschluss sind die WILO SE sowie alle wesentlichen Unternehmen, die die WILO SE mittelbar oder unmittelbar beherrscht, einbezogen. Beherrschung besteht dann, wenn die WILO SE aufgrund ihres Engagements bei dem Unternehmen wechselnden wirtschaftlichen Erfolgen ausgesetzt ist oder Rechte daran hat und die Möglichkeit besitzt, diese Erfolge durch ihre Bestimmungsmacht über das Beteiligungsunternehmen zu beeinflussen.

Für alle einbezogenen Gesellschaften gilt der 31. Dezember als Stichtag für die Abschlusserstellung. Die Abschlüsse der Tochtergesellschaften werden vom Tag der Erlangung der Beherrschung bis zur Beendigung der Beherrschung in den Konzernabschluss einbezogen und entsprechend IFRS 10 vollkonsolidiert.

Akquisitionen

ABIONIK Group GmbH, Deutschland

Am 8. Februar 2021 hat die WILO SE 100 % der Geschäftsanteile an der ABIONIK Group GmbH, Berlin / Deutschland, von der BID Equity Investment IV GmbH & Co. KG, Hamburg / Deutschland, sowie weiteren Anteilseignern erworben. Zur ABIONIK Gruppe gehören im Wesentlichen die MARTIN Systems GmbH, Berlin / Deutschland, die LIKUSTA Umwelttechnik GmbH, Lich / Deutschland, und die Steinhardt Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Taunusstein / Deutschland, die sich auf die Abwasser- und Abluftbehandlung sowie die Regenwasserbehandlung und den Hochwasserschutz spezialisiert haben.

Durch den Erwerb der ABIONIK Gruppe erweitert die Wilo Gruppe das Portfolio im Marktsegment Wasserwirtschaft und verfolgt damit die strategische Ausrichtung als Lösungsanbieter in Bezug auf die Behandlung von Wasser und Abwasser.

Der Kaufpreis wurde vollständig durch die Übermittlung von Zahlungsmitteln beglichen. Als Bewertungszeitpunkt wird auf den 1. Januar 2021 abgestellt.

Der Geschäfts- oder Firmenwert umfasst im Wesentlichen mit dem Unternehmenserwerb verbundene Synergien mit den bisherigen Geschäftsaktivitäten in der Trinkwasseraufbereitung, die Organisation des übernommenen Geschäftsbetriebs, das Know-how der Mitarbeiter, den sehr guten Ruf der Produkte insbesondere auf dem deutschen und dem chinesischen Markt sowie mit diesen Faktoren verbundene allgemeine Gewinnerwartungen. Der Geschäfts- oder Firmenwert wird dem Produktbereich "Clean and Waste Water" zugeordnet. Er ist für steuerliche Zwecke nicht abzugsfähig.

Der beizulegende Zeitwert der erworbenen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen entspricht den Bruttobeträgen unter Berücksichtigung von Wertberichtigungen. Die durch den Erwerb der ABIONIK Gruppe in den Konzernabschluss einbezogenen Umsatzerlöse betrugen im Berichtsjahr 31.358 TEUR. Der EBITDA betrug - 367 TEUR.

Der zum Erwerbszeitpunkt gültige beizulegende Zeitwert der gesamten übertragenen Gegenleistungen nach Hauptgruppen beträgt:

TEUR 1. Januar 2021
Immaterielle Vermögenswerte
Geschäfts- oder Firmenwert 27.247
Marken 2.425
Kundenstamm 4.359
Übrige 1.207
Sachanlagen 3.911
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 2.208
Umlaufvermögen 15.310
Übrige Aktiva 95
Liquide Mittel 3.865
Aktive latente Steuer 92
Verbindlichkeiten und Rückstellungen -31.030
Passive latente Steuer -3.189
Gesamt 26.500

QuantumFlo Incorporated, USA

Mit Übernahme der Kontrolle am 1. Oktober 2021 hat die WILO USA LLC, Rosemont, Illinois / USA einen Unternehmenserwerb im Sinne von IFRS 3 durch einen Asset Deal getätigt. Es wurden betriebsnotwendige Teile des Unternehmens QuantumFlo Inc. Sanford, Florida / USA, erworben. Das erworbene Produktportfolio besteht aus Druckerhöhungsanlagen mit elektronischer Steuerung. Der Unternehmenserwerb umfasst betriebsnotwendige materielle und immaterielle Vermögensgegenstände (im Wesentlichen Kundenstamm, Marken, Maschinen, Vorratsvermögen) sowie bestimmte Forderungen und Verbindlichkeiten. Weiterhin wurden die Arbeitsverträge mit Mitarbeitern übernommen. Die Betriebsgebäude sind angemietet. Durch den Unternehmenserwerb wird das von der Wilo Gruppe in den USA bereits angebotene Produktportfolio ergänzt.

Der Kaufpreis wurde vollständig durch die Übermittlung von Zahlungsmitteln beglichen. Der Geschäfts- oder Firmenwert umfasst im Wesentlichen mit dem Unternehmenserwerb verbundene Synergien, das Know-how der Mitarbeiter, den sehr guten Ruf der Produkte auf dem US-amerikanischen Markt sowie die mit diesen Faktoren verbundene allgemeine Gewinnerwartungen. Er ist für steuerliche Zwecke in voller Höhe abzugsfähig.

Seit dem Erwerbszeitpunkt sind im Konzernergebnis Umsatzerlöse in Höhe von 1.522 TEUR sowie ein Jahresüberschuss in Höhe von 8 TEUR aus dem Unternehmenskauf enthalten. Wäre der Erwerbszeitpunkt am 1. Januar 2021 gewesen, wären Umsatzerlöse in Höhe von 8,6 Mio. EUR und ein Jahresüberschuss in Höhe von 1,5 Mio. EUR im Konzernergebnis enthalten.

Der zum Erwerbszeitpunkt gültige beizulegende Zeitwert der gesamten übertragenen Gegenleistungen nach Hauptgruppen beträgt:

TEUR 1. Oktober 2021
Immaterielle Vermögenswerte
Geschäfts- oder Firmenwert 12.207
Marken 371
Kundenstamm 1.501
Sachanlagen 48
Umlaufvermögen 1.829
Verbindlichkeiten und Rückstellungen -296
Gesamt 15.660

In den Konzernabschluss zum 31. Dezember 2021 sind neben der WILO SE 11 (Vorjahr: sieben) inländische und 66 (Vorjahr: 63) ausländische Tochtergesellschaften einbezogen. Zusätzlich wurde ein Gemeinschaftsunternehmen (Vorjahr: ein) im Konzernabschluss nach der Equity-Methode berücksichtigt.

In der Anlage zum Konzernanhang werden alle direkten und indirekten Beteiligungen der WILO SE dargestellt.

(5.) Konsolidierungsgrundsätze

Die in den Konzernabschluss einbezogenen Abschlüsse der in- und ausländischen Unternehmen werden nach einheitlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden aufgestellt.

Unternehmenszusammenschlüsse werden nach der Erwerbsmethode gemäß IFRS 3 unter Aufdeckung aller stillen Reserven und Lasten bilanziert. Dabei werden bei der Kapitalkonsolidierung, die nach den Vorschriften des IFRS 3 identifizierten Vermögenswerte, Schulden und Eventualverbindlichkeiten des erworbenen Unternehmens mit dem beizulegenden Zeitwert zum Erwerbszeitpunkt bewertet und dem Kaufpreis des Erwerbs gegenübergestellt.

Ein Mehrbetrag des Kaufpreises über den Wert des erworbenen neubewerteten Eigenkapitals hinaus wird als Geschäfts- oder Firmenwert aktiviert und in der Folge einem jährlichen Werthaltigkeitstest (Impairment-Test) auf Basis zahlungsmittelgenerierender Einheiten unterzogen, denen der Geschäfts- oder Firmenwert zugeordnet wird. Übersteigt der Wert des erworbenen Eigenkapitals zum Zeitpunkt des Erwerbs den Kaufpreis, so wird der Differenzbetrag nach nochmaliger Überprüfung erfolgswirksam vereinnahmt. Immaterielle Vermögenswerte werden gesondert vom Geschäfts- oder Firmenwert bilanziert, wenn sie vom Unternehmen abtrennbar sind oder aus einem vertraglichen oder anderen Recht resultieren.

Die Aufstockung einer Beteiligung an einer beherrschten und damit vollkonsolidierten Gesellschaft wird im Konzernabschluss als Transaktion zwischen Eigentümern gemäß IFRS 10 behandelt. Ein daraus möglicherweise resultierender Unterschiedsbetrag wird unmittelbar in den Gewinnrücklagen erfasst und den Anteilseignern der WILO SE zugeordnet.

Konzerninterne Umsätze, Aufwendungen und Erträge, Forderungen und Verbindlichkeiten sowie Haftungsverhältnisse werden eliminiert. In den Vorräten enthaltene Vermögenswerte aus konzerninternen Lieferungen werden um Zwischenergebnisse bereinigt. Bei den ergebniswirksamen Konsolidierungsvorgängen werden die ertragsteuerlichen Auswirkungen berücksichtigt und entsprechende latente Steuern in Ansatz gebracht.

(6.) Währungsumrechnung

In den Einzelabschlüssen der WILO SE und der einbezogenen Tochtergesellschaften werden Fremdwährungstransaktionen mit dem gültigen Kurs am Tag des Geschäftsvorfalls in die funktionale Währung umgerechnet. Die Umrechnung von monetären Vermögenswerten und Schulden in Fremdwährung erfolgt zum Mittelkurs am Bilanzstichtag, wobei die eingetretenen Kursgewinne und -verluste ergebniswirksam erfasst werden. Nichtmonetäre Vermögenswerte und Schulden, deren Bewertung zu historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten erfolgt, werden mit dem Kurs am Tag des Geschäftsvorfalls umgerechnet. Sofern nichtmonetäre Posten mit ihrem beizulegenden Zeitwert bewertet werden, wird der Kurs herangezogen, der am Tag der Ermittlung des Werts gültig war.

Die im Einzelabschluss eines jeden Konzernunternehmens enthaltenen Posten werden auf Basis der Währung bewertet, die der Währung des primären wirtschaftlichen Umfelds, in dem das Unternehmen operiert, entspricht (funktionale Währung).

Die in der jeweiligen funktionalen Währung aufgestellten Jahresabschlüsse werden (sofern abweichend) für die Konsolidierung in Euro umgerechnet. Der Euro stellt im Konzernabschluss die Berichtswährung dar. Sämtliche Vermögenswerte und Schulden werden zum Stichtagskurs umgerechnet, die Posten der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung werden zu Jahresdurchschnittskursen, die die Transaktionskurse angemessen approximieren, in den Konzernabschluss übernommen. Die sich aus der Umrechnung ergebenden Unterschiedsbeträge werden bis zum Abgang der Tochtergesellschaft erfolgsneutral behandelt und als gesonderter Posten im Konzerneigenkapital ausgewiesen.

Der Währungsumrechnung liegen die nachfolgenden wesentlichen Währungskurse zugrunde:

Währungskurse Jahresdurchschnittskurse Stichtagskurse zum 31.12.
1 Euro = 2021 2020 2021 2020
Britisches Pfund GBP 0,8584 0,8893 0,8403 0,8990
Chinesischer Yuan CNY 7,6069 7,8975 7,1947 8,0225
Indische Rupie INR 87,3134 84,9444 84,2290 89,6604
Polnischer Zloty PLN 4,5720 4,4680 4,5969 4,5597
Russischer Rubel RUB 87,3297 84,2246 85,3002 91,4670
Schwedische Krone SEK 10,1562 10,4815 10,2503 10,0343
Schweizer Franken CHF 1,0799 1,0709 1,0331 1,0802
Südkoreanischer Won KRW 1.354,6584 1.350,2378 1.346,3807 1.336,0000
Türkische Lira TRY 10,7071 8,0898 14,2793 9,0079
US-Dollar USD 1,1816 1,1470 1,1326 1,2271

(7.) Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

Die im Vorjahr angewendeten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden wurden grundsätzlich beibehalten, Erläuterungen zur erstmaligen Anwendung von neuen oder geänderten Standards und Interpretationen finden sich unter Angabe (3.). In der Bilanz wird zwischen kurzfristigen und langfristigen Posten unterschieden. Ein Vermögenswert oder eine Verbindlichkeit ist kurzfristig, wenn seine bzw. ihre Realisation innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag zu erwarten ist.

Annahmen und Schätzungen

Die Aufstellung des Konzernabschlusses unter Beachtung der Standards des IASB erfordert, dass Annahmen getroffen und Schätzungen verwendet werden, die sich auf Höhe und Ausweis der bilanzierten Vermögenswerte und Schulden, der Erträge und Aufwendungen sowie der Eventualforderungen und -verbindlichkeiten auswirken. Im Wesentlichen sind die nachfolgenden Sachverhalte von Annahmen und Schätzungen betroffen:

Beurteilung der Werthaltigkeit der Geschäfts- oder Firmenwerte

Beurteilung der Werthaltigkeit der aktivierten Entwicklungskosten

Bewertung immaterieller Vermögenswerte sowie von Gegenständen des Sachanlagevermögens (Ansatz der wirtschaftlichen Nutzungsdauer)

Beurteilung der Werthaltigkeit der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Beurteilung der Werthaltigkeit der aktiven latenten Steuern

Ansatz und Bewertung von Rückstellungen für Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen

Ansatz und Bewertung sonstiger Rückstellungen

Im Rahmen des Werthaltigkeitstests der Geschäfts- oder Firmenwerte wird der erzielbare Betrag der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten durch den beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten oder den höheren Nutzungswert bestimmt. Dabei spiegelt der beizulegende Zeitwert die bestmögliche Schätzung des Betrags wider, für den ein unabhängiger Dritter die zahlungsmittelgenerierenden Einheiten am Bilanzstichtag erwerben würde. Der Nutzungswert ist der Barwert der geschätzten künftigen Cashflows, die aus der zahlungsmittelgenerierenden Einheit erwartet werden.

Die Wilo Gruppe stellt bei dem Werthaltigkeitstest der Geschäfts- und Firmenwerte auf den Nutzungswert ab und bestimmt diesen mittels der Discounted-Cashflow-Methode. Den diskontierten Zahlungsströmen liegt die strategische Planung für einen Zeitraum von fünf Jahren zugrunde.

Die Prognosen der Zahlungsströme berücksichtigen Erfahrungen der Vergangenheit und basieren auf der besten von der Unternehmensführung vorgenommenen Einschätzung künftiger Entwicklungen. Zahlungsströme jenseits der Detailplanungsperiode werden unter Anwendung bereichsspezifischer Wachstumsraten extrapoliert.

Die wichtigsten Annahmen, auf denen die Ermittlung des Nutzungswerts basiert, betreffen die langfristigen Zahlungsströme, durchschnittliche jährliche EBIT-Wachstumsraten und gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensätze. Die Planungsprämissen berücksichtigen insbesondere Erwartungen bezüglich der Umsatzentwicklung und EBIT sowie der Entwicklung der Absatzmärkte. Bei dem für die einzelnen Bereiche geplanten Wachstum werden darüber hinaus auch die in der Vergangenheit erzielten Wachstumsraten berücksichtigt. Zukünftige Unternehmensakquisitionen werden in der Planung nicht berücksichtigt. Diese Schätzungen sowie die zugrundeliegende Methodik können einen erheblichen Einfluss auf die jeweiligen Werte und letztlich auf die Höhe einer möglichen Wertminderung des Geschäfts- oder Firmenwerts haben. Die Wilo Gruppe weist zum Bilanzstichtag Geschäfts- oder Firmenwerte in Höhe von 144.296 TEUR (Vorjahr: 101.671 TEUR) aus. Weitere Informationen werden unter den Absätzen "Immaterielle Vermögenswerte" und "Wertminderungen von Vermögenswerten" (Angabe (7.) des Konzernanhangs) sowie unter der Angabe (9.1) des Konzernanhangs gegeben.

Bei immateriellen Vermögenswerten sowie Gegenständen des Sachanlagevermögens unterliegt die Festlegung wirtschaftlicher Nutzungsdauern der Einschätzung der Unternehmensführung. Außerdem wird im Rahmen eines Werthaltigkeitstests, sofern erforderlich, der erzielbare Betrag des Vermögenswerts beziehungsweise der zahlungsmittelgenerierenden Einheit, der der Vermögenswert zugeordnet wurde, aus dem beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten oder dem höheren Nutzungswert bestimmt.

Dabei spiegelt der beizulegende Zeitwert die bestmögliche Schätzung des Betrags wider, für den ein unabhängiger Dritter den Vermögenswert am Bilanzstichtag erwerben würde. Zur Ermittlung des Nutzungswerts sind die diskontierten künftigen Cashflows des betreffenden Vermögenswerts zu bestimmen. Die Schätzung der diskontierten künftigen Cashflows beinhaltet wesentliche Annahmen, die ihrerseits Schätzungsunsicherheiten unterliegen, wie z.B. den Diskontierungszinssatz. Obwohl die Unternehmensführung davon ausgeht, dass die Annahmen bezüglich der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Einschätzungen der diskontierten künftigen Cashflows und die Schätzungen der relevanten erwarteten Nutzungsdauern angemessen sind, könnte durch eine Veränderung der Annahmen oder Umstände eine Veränderung der Analyse erforderlich werden. Hieraus könnten in der Zukunft zusätzliche Wertminderungen resultieren, falls sich die von der Unternehmensführung identifizierten Trends umkehren oder sich die Annahmen und Schätzungen als unzutreffend erweisen sollten. Die Wilo Gruppe weist zum Bilanzstichtag immaterielle Vermögenswerte in Höhe von 303.538 TEUR (Vorjahr: 238.961 TEUR) und Sachanlagen in Höhe von 646.881 TEUR (Vorjahr: 590.870 TEUR) aus.

Weitere Informationen werden unter den Absätzen "Immaterielle Vermögenswerte", "Sachanlagen" und "Wertminderungen von Vermögenswerten" (Angabe (7.) des Konzernanhangs) sowie unter der Angabe (9.1) und (9.2) des Konzernanhangs gegeben.

Für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen können sich Bonitäts- und Ausfallrisiken insoweit ergeben, als dass Kunden ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen und dadurch Vermögensverluste auftreten. Die Ermittlung der erforderlichen Wertberichtigungen erfolgt unter Berücksichtigung der Kreditwürdigkeit des jeweiligen Kunden, vorliegender Sicherheiten sowie Erfahrungen aufgrund historischer Ausfallraten.

Der tatsächliche Zahlungsausfall der Kunden kann von dem erwarteten Zahlungsausfall aufgrund der zugrunde gelegten Einflussfaktoren abweichen. Die Wilo Gruppe hat zum Bilanzstichtag Wertberichtigungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von insgesamt 24.547 TEUR (Vorjahr: 24.531 TEUR) gebildet. Weitere Informationen werden unter dem Absatz "Finanzielle Vermögenswerte" (Angabe (7.) des Konzernanhangs) sowie unter der Angabe (9.5) des Konzernanhangs gegeben.

Voraussetzung für den Ansatz einer aktiven latenten Steuer auf steuerliche Verlustvorträge ist die Erwartung eines zukünftig zu versteuernden Gewinns. Bei der Beurteilung der Werthaltigkeit von aktivierten latenten Steuern werden zunächst passive Latenzen beim gleichen Steuersubjekt und der gleichen Fiskalinstanz sowie die mit ausreichender Wahrscheinlichkeit zukünftig entstehenden steuerpflichtigen Gewinne berücksichtigt. Die Wahrscheinlichkeit der zukünftig entstehenden steuerlichen Gewinne wird anhand strategischer Unternehmensplanungen bestmöglich durch den Vorstand eingeschätzt.

Der Berechnung der Rückstellungen für Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses liegen Schlüsselprämissen, darunter Diskontierungszinssätze, Gehaltstrends, Lebenserwartungen und Trendannahmen zur medizinischen Versorgung, zugrunde. Die angesetzten Diskontierungszinssätze werden auf Grundlage der Renditen bestimmt, die am Ende des Berichtszeitraums für erstrangige festverzinsliche Unternehmensanleihen mit entsprechender Laufzeit und Währungen erzielt werden. Aufgrund der schwankenden Markt- und Wirtschaftslage können die zugrunde gelegten Prämissen von der tatsächlichen Entwicklung abweichen. Das kann wesentliche Auswirkungen auf die Verpflichtungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses haben. Die hieraus resultierenden Differenzen werden im sonstigen Ergebnis erfasst. Insgesamt werden Rückstellungen für Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen in Höhe von 90.798 TEUR (Vorjahr: 92.746 TEUR) zum Bilanzstichtag ausgewiesen. Weitere Informationen werden unter dem Absatz "Pensionen und ähnliche Verpflichtungen" (Angabe (7.) des Konzernanhangs) und unter Angabe (9.15) des Konzernanhangs gegeben.

Für den Ansatz und die Bewertung sonstiger Rückstellungen werden die Höhe und die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme geschätzt. Die Bewertung erfolgt auf der Grundlage des Erfüllungsbetrags mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit oder bei Gleichverteilung der Eintrittswahrscheinlichkeiten mit dem Erwartungswert der Erfüllungsbeträge. Die Höhe der tatsächlichen Inanspruchnahme kann von den Schätzungen abweichen. Die Wilo Gruppe weist unter den sonstigen Rückstellungen im Wesentlichen Rückstellungen für mögliche Gewährleistungsfälle, Restrukturierungen und Rückstellungen für Boni und Rückvergütungen an Kunden aus. Insgesamt werden sonstige Rückstellungen in Höhe von 68.707 TEUR (Vorjahr: 70.050 TEUR) zum Bilanzstichtag ausgewiesen. Weitere Informationen werden unter dem Absatz "Sonstige Rückstellungen" (Angabe (7.) des Konzernanhangs) und unter der Angabe (9.16) des Konzernanhangs gegeben.

Die Annahmen und Schätzungen basieren jeweils auf dem aktuellen Kenntnisstand und den aktuell verfügbaren Daten. Die tatsächliche Entwicklung kann von den Schätzungen abweichen. Wenn die tatsächlichen Entwicklungen von den geschätzten abweichen, werden die sich hieraus ergebenden Folgerungen auf die Buchwerte der relevanten Vermögenswerte und Schulden entsprechend berücksichtigt.

Ermessensentscheidungen

Bei der Anwendung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind Ermessensentscheidungen zu treffen. Dies gilt insbesondere für folgende Sachverhalte:

Bei der Einordnung finanzieller Vermögenswerte gemäß IFRS 9 in die Bewertungskategorien "Ansatz zu fortgeführten Anschaffungskosten", "Ansatz zum beizulegenden Zeitwert, wobei Wertänderungen erfolgswirksam erfasst werden (FVTPL)" sowie "Ansatz zum beilzulegenden Zeitwert, wobei Wertänderungen im sonstigen Ergebnis erfasst werden (FVOCI)" sind Ermessensentscheidungen zu treffen.

Die Bildung und Abgrenzung der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten untereinander, die im Rahmen der Werthaltigkeitstests für Geschäfts- oder Firmenwerte erforderlich sind, erfolgen nach Produkten sowie Anwendungen und obliegen gewissen Ermessensentscheidungen der Unternehmensführung. Die Zuordnung des Geschäfts oder Firmenwerts auf die einzelnen zahlungsmittelgenerierenden Einheiten ist ebenfalls ermessensbehaftet.

Im Rahmen des Einsatzes von Derivaten zur wirtschaftlichen Minimierung von Finanzrisiken aus Grundgeschäften ist zu entscheiden, ob Hedge Accounting im Sinne des IFRS 9 angewendet und damit die Sicherungsbeziehung auch bilanziell abgebildet werden soll.

Aufwands- und Ertragsrealisierung

Die Wilo Gruppe realisiert gemäß IFRS 15 Umsatzerlöse, wenn die Verfügungsgewalt über abgrenzbare Güter oder Dienstleistungen auf den Kunden übergeht, das heißt, wenn der Kunde die Fähigkeit besitzt, die Nutzung der übertragenen Güter oder Dienstleistungen zu bestimmen und im Wesentlichen den verbleibenden Nutzen daraus zu ziehen. Voraussetzung dabei ist, dass ein Vertrag mit durchsetzbaren Rechten und Pflichten besteht und unter anderem der Erhalt der Gegenleistung - unter Berücksichtigung der Bonität des Kunden - wahrscheinlich ist. Die Umsatzerlöse entsprechen dem Transaktionspreis, zu dem die Wilo Gruppe voraussichtlich berechtigt ist. Bei der Wilo Gruppe sind in der Regel keine variablen Gegenleistungen im Transaktionspreis enthalten. Sollten dennoch variable Gegenleistungen im Transaktionspreis enthalten sein, wird der Betrag der variablen Gegenleistung mit dem wahrscheinlichsten Betrag ermittelt. Wenn der Zeitraum zwischen der Übertragung der Güter oder Dienstleistungen und dem vereinbarten Zahlungszeitpunkt einen Zeitraum von zwölf Monaten übersteigt und ein signifikanter Nutzen aus der Finanzierung resultiert, werden aus den Umsatzerlösen signifikante Finanzierungskomponenten in das Finanzergebnis umgegliedert. Wenn ein Vertrag mehrere abgrenzbare Güter und/oder Dienstleistungen umfasst, wird der Transaktionspreis auf Basis der relativen Einzelveräußerungspreise auf die Leistungsverpflichtung aufgeteilt. Falls Einzelveräußerungspreise nicht direkt beobachtbar sind, werden diese in angemessener Höhe geschätzt. Für jede Leistungsverpflichtung werden Umsatzerlöse entweder zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über einen bestimmten Zeitraum realisiert. In der Wilo Gruppe werden Umsatzerlöse grundsätzlich zu einem bestimmten Zeitpunkt in Abhängigkeit von den vereinbarten INCOTERMS realisiert. Ausnahmen sind im Wesentlichen Umsatzerlöse für Gewährleistungen, die über einen bestimmten Zeitraum unter Anwendung der Input-Methode realisiert werden. Die Umsatzerlöse sind abzüglich Skonti, Preisnachlässen, umsatzabhängiger Kundenboni und Rabatten dargestellt.

In den Herstellungskosten sind die zur Erzielung der Umsatzerlöse angefallenen Einzel- und Gemeinkosten einschließlich der Abschreibungen auf Produktionsanlagen ausgewiesen. In diesem Posten sind auch die Kosten der Dotierung von Rückstellungen für Gewährleistung enthalten. Betriebliche Aufwendungen werden mit Inanspruchnahme der Leistung bzw. zum Zeitpunkt ihrer Verursachung ergebniswirksam. Zinserträge und Zinsaufwendungen werden periodengerecht erfasst.

Verwaltungs- und Vertriebskosten

In den Verwaltungskosten und den Vertriebskosten sind neben den zurechenbaren Personal- und Sachkosten die auf den jeweiligen Bereich entfallenden Abschreibungen enthalten.

Forschungs- und Entwicklungskosten

Entwicklungskosten werden als immaterielle Vermögenswerte mit den Herstellungskosten aktiviert und über die Nutzungsdauer abgeschrieben, sofern die in IAS 38 beschriebenen Aktivierungsvoraussetzungen kumulativ erfüllt sind. Entwicklungskosten, die nicht die Aktivierungsvoraussetzungen gemäß IAS 38 erfüllen, werden ebenso wie Forschungskosten aufwandswirksam in einem eigenen Posten innerhalb der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen. Im Berichtsjahr wurden Entwicklungskosten in Höhe von 15.216 TEUR (Vorjahr: 16.634 TEUR) aktiviert. Darüber hinaus werden im Zugang der aktivierten Entwicklungskosten auch Fremdkapitalkosten in Höhe von 903 TEUR (Vorjahr: 714 TEUR) ausgewiesen, sodass der Zugang 16.119 TEUR (Vorjahr: 17.348 TEUR) beträgt.

Fremdkapitalkosten

Fremdkapitalkosten werden aufwandswirksam erfasst, sofern sie sich nicht direkt auf den Erwerb, die Erstellung oder Produktion von qualifizierten Vermögenswerten beziehen.

Ist dieser Bezug gegeben, so werden diese direkten Fremdkapitalkosten als Anschaffungsnebenkosten des qualifizierten Vermögenswerts aktiviert. Qualifizierte Vermögenswerte sind Vermögenswerte, die einen längeren Zeitraum benötigen, bis sie genutzt oder verkauft werden können. Im Geschäftsjahr 2021 wurden Fremdkapitalkosten in Höhe von 1.227 TEUR (Vorjahr: 1.638 TEUR) aktiviert. Der Fremdkapitalkostensatz, der bei der Bestimmung der aktivierbaren Fremdkapitalkosten zugrunde gelegt wird, betrug im Berichtsjahr 2,10 % (Vorjahr: 2,13 %).

Immaterielle Vermögenswerte

Entgeltlich erworbene immaterielle Vermögenswerte mit einer begrenzten Nutzungsdauer werden zu Anschaffungskosten aktiviert und planmäßig über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer (innerhalb der Wilo Gruppe drei bis fünf Jahre) linear abgeschrieben. Die Abschreibungen werden in den Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen, den Vertriebskosten und Verwaltungskosten sowie den Forschungs- und nicht aktivierten Entwicklungskosten ausgewiesen.

Geschäfts- oder Firmenwerte werden gemäß IFRS 3 bzw. IAS 38 in Verbindung mit IAS 36 nicht planmäßig abgeschrieben, sondern jährlich sowie bei Vorliegen von Anhaltspunkten für eine Wertminderung einem Werthaltigkeitstest (Impairment-Test) unterzogen.

Sobald die Vorrausetzungen gemäß IAS 38 vorliegen, werden Entwicklungskosten auf ihre einzelnen Komponenten mit einer begrenzten Nutzungsdauer aktiviert und planmäßig über ihre voraussichtliche Nutzungsdauer von 10 bis 15 Jahren linear abgeschrieben. Aktivierte Entwicklungskosten eines noch nicht nutzungsbereiten immateriellen Vermögenswerts werden einmal jährlich auf ihre Werthaltigkeit überprüft.

Sachanlagen

Materielle Vermögenswerte, die im Geschäftsbetrieb länger als ein Jahr genutzt werden, sind mit ihren Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten abzüglich planmäßiger linearer Abschreibungen bewertet. Die Anschaffungs- und Herstellungskosten umfassen den Kaufpreis und alle bis zur Betriebsbereitschaft direkt zurechenbaren Kosten.

Für Gebäude werden Nutzungsdauern zwischen zehn und 60 Jahren zugrunde gelegt, Bauten und Einbauten auf fremden Grundstücken werden entsprechend der Laufzeit der Mietverträge bzw. einer niedrigeren Nutzungsdauer abgeschrieben. Als Nutzungsdauer für technische Anlagen und Maschinen werden drei bis 14 Jahre angesetzt. Betriebs- und Geschäftsausstattung wird bei normaler Beanspruchung über drei bis 13 Jahre abgeschrieben. Wesentliche Vermögenswerte werden bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen des IAS 16 gemäß des "Component Approach" bilanziert. Die Abschreibungen des Geschäftsjahres werden den entsprechenden Funktionsbereichen zugeordnet.

Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte

Langfristige Vermögenswerte oder Veräußerungsgruppen werden als zur Veräußerung gehalten klassifiziert, wenn der zugehörige Buchwert überwiegend durch ein Veräußerungsgeschäft und nicht durch fortgesetzte Nutzung realisiert wird. Voraussetzung für eine solche Klassifizierung ist, dass der Vermögenswert bzw. die Veräußerungsgruppe im gegenwärtigen Zustand sofort veräußerbar und eine Veräußerung sehr wahrscheinlich ist. Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte werden nicht mehr abgeschrieben, sondern mit ihrem beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten bewertet, sofern dieser niedriger ist als der Buchwert.

Leasing

Die Wilo Gruppe verleast selbst keine Gegenstände, sondern tritt ausschließlich als Leasingnehmer auf. Ausgangspunkt für die Zugangsbewertung der Leasingverbindlichkeit ist der Barwert der über die Laufzeit zu leistenden Zahlungen. Die Leasingverbindlichkeit ist in den Folgeperioden in Abhängigkeit von der vereinbarten Tilgung fortzuschreiben.

Die erworbenen Nutzungsrechte werden zum Zugangszeitpunkt mit den Anschaffungskosten aktiviert und linear über die Laufzeit des Leasingvertrags abgeschrieben. Hierbei richtet sich die Folgebewertung des Nutzungsrechts nach den Vorgaben für das Anlagevermögen.

Die geleasten Gegenstände werden nach Ablauf der Grundmietzeit an den Leasinggeber zurückgegeben.

Wertminderungen von nicht finanziellen Vermögenswerten

Der Ermittlung des erzielbaren Betrags auf Basis der Discounted-Cashflow-Methode liegen die durch den Aufsichtsrat genehmigten Planungen zugrunde, die auf einer fünfjährigen strategischen Planung basieren. Ein angemessener bereichsspezifischer Wachstumsfaktor wird berücksichtigt. Grundlage für diese Planungen sind die Erfahrungen der Vergangenheit sowie die Erwartungen über die künftige Marktentwicklung. Die Produktbereiche der Wilo Gruppe werden nach Produktgruppen und Anwendungen getrennt und bilden die zahlungsmittelgenerierenden Einheiten. Die Wilo Gruppe verzichtet auf eine freiwillige Segmentberichterstattung gemäß IFRS 8. Daher erübrigt sich eine zusätzliche Unterteilung der zahlungsmittelgenerierenden Einheiten nach weiteren Segmenten.

Die Wilo Gruppe stellt auf den Nutzungswert pro Produktbereich als erzielbaren Betrag im Rahmen des Werthaltigkeitstests für die Geschäfts- oder Firmenwerte ab.

In der folgenden Tabelle werden die wichtigsten Annahmen, die im Rahmen des Werthaltigkeitstests für Geschäfts- oder Firmenwerte zur Bestimmung des Nutzungswerts pro Produktbereich herangezogen worden sind, dargestellt:

Geschäftsjahr 2021 Geschäfts- oder
Firmenwert in
Nachhaltiger
Wachstumsfaktor
Diskontierungssatz
vor Ertragsteuern
Produktbereich TEUR in % in %
Heating, Ventilation, Air-Conditioning 7.569 1,1 8,63
Clean and Waste Water 136.727 1,1 8,59

Der nachhaltige Wachstumsfaktor basiert auf volkswirtschaftlichen Zielsetzungen, wie zum Beispiel den Inflationszielen der Europäischen Zentralbank für die Geschäftsregionen, in denen Wilo tätig ist.

In den Diskontierungszinssatz vor Ertragsteuern fließt die Kapitalstruktur einer Peer Group sowie von der Deutschen Bundesbank veröffentlichte Parameter zur Schätzung von Zinssätzen für hypothetische Nullkuponanleihen ein. Die Marktrisikoprämie wird anhand einer Empfehlung des Fachausschusses für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft ermittelt.

Über den Planungszeitraum wird bei konstant steigenden Umsatzerlösen ein je nach Produktbereich leicht bis deutlich steigendes EBIT unterstellt.

Die für den Geschäfts- oder Firmenwert durchgeführten Werthaltigkeitstests bestätigten dessen Werthaltigkeit. Auch bei einer für möglich erachteten Änderung der genannten Parameter würde es bei keiner der aufgeführten Gruppen von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten zu einer Wertminderung kommen. Die Werthaltigkeit des Geschäfts- oder Firmenwerts wird im Rahmen des jährlichen Impairment-Tests zum 30. November eines jeden Jahres überprüft.

Darüber hinaus hat der Impairment-Test für die aktivierten Entwicklungskosten, der im Geschäftsjahr 2021 durchgeführt worden ist, keinen Abwertungsbedarf ergeben (Vorjahr: 0 TEUR).

At-equity bewertete Beteiligungen

Die Anteile an gemeinschaftlich geführten Unternehmen werden nach der Equity-Methode bewertet und unter der Bilanzposition "At-equity bewertete Beteiligungen" ausgewiesen. Eine Anwendung der anteilsmäßigen Konsolidierung findet nicht statt.

Finanzielle Vermögenswerte

Die finanziellen Vermögenswerte der Wilo Gruppe setzen sich aus ausgereichten Krediten und Forderungen, erworbenen Eigenkapital- und Schuldtiteln, Zahlungsmitteln und derivativen Finanzinstrumenten mit positiven beizulegenden Zeitwerten zusammen. Innerhalb der Wilo Gruppe werden diese finanziellen Vermögenswerte unter den Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, sonstigen finanziellen Vermögenswerten und Zahlungsmitteln ausgewiesen.

Bei der erstmaligen Erfassung wird ein finanzieller Vermögenswert wie folgt eingestuft und bewertet:

zu fortgeführten Anschaffungskosten

FVOCI-Schuldinstrumente (Investments in Schuldinstrumente, die zum beizulegenden Zeitwert mit Änderungen im sonstigen Ergebnis bewertet werden)

FVOCI-Eigenkapitalinvestments (Eigenkapitalinvestments, die zum beizulegenden Zeitwert mit Änderungen im sonstigen Ergebnis bewertet werden)

FVTPL (zum beizulegenden Zeitwert mit Wertänderungen im Gewinn oder Verlust)

Marktübliche Käufe und Verkäufe von nicht derivativen finanziellen Vermögenswerten werden grundsätzlich zum Erfüllungstag bilanziert, d.h. zum Zeitpunkt der Lieferung und des Eigentumsübergangs. Derivative Finanzinstrumente werden zum Handelstag bilanziert.

Finanzielle Vermögenswerte werden nach der erstmaligen Erfassung nicht reklassifiziert, es sei denn, der Konzern ändert sein Geschäftsmodell zur Steuerung der finanziellen Vermögenswerte. In diesem Fall werden alle betroffenen finanziellen Vermögenswerte am ersten Tag der Berichtsperiode reklassifiziert, die auf die Änderung des Geschäftsmodells folgt.

Ein finanzieller Vermögenswert wird zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet, wenn beide der folgenden Bedingungen erfüllt sind und er nicht als FVTPL designiert wurde:

Er wird im Rahmen eines Geschäftsmodells gehalten, dessen Zielsetzung darin besteht, finanzielle Vermögenswerte zur Vereinnahmung der vertraglichen Zahlungsströme zu halten, und

die Vertragsbedingungen des finanziellen Vermögenswerts führen zu festgelegten Zeitpunkten zu Zahlungsströmen, die ausschließlich Tilgungs- und Zinszahlungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag darstellen.

Ein Schuldinstrument wird zu FVOCI designiert, wenn beide der folgenden Bedingungen erfüllt sind und es nicht als FVTPL designiert wurde:

Es wird im Rahmen eines Geschäftsmodells gehalten, dessen Zielsetzung sowohl im Halten finanzieller Vermögenswerte zur Vereinnahmung der vertraglichen Zahlungsströme als auch im Verkauf finanzieller Vermögenswerte besteht, und

seine Vertragsbedingungen führen zu festgelegten Zeitpunkten zu Zahlungsströmen, die ausschließlich Tilgungs- und Zinszahlungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag darstellen.

Beim erstmaligen Ansatz eines Eigenkapitalinvestments, das nicht zu Handelszwecken gehalten wird, kann der Konzern unwiderruflich wählen, Folgeänderungen im beizulegenden Zeitwert des Investments im sonstigen Ergebnis zu zeigen. Diese Wahl wird einzelfallbezogen für jedes Investment getroffen.

Alle finanziellen Vermögenswerte, die nicht zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zu FVOCI bewertet werden, werden zu FVTPL bewertet. Dies umfasst alle derivativen finanziellen Vermögenswerte. Bei der erstmaligen Erfassung kann der Konzern unwiderruflich entscheiden, finanzielle Vermögenswerte, die ansonsten die Bedingungen für die Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zu FVOCI erfüllen, zu FVTPL zu designieren, wenn dies dazu führt, ansonsten auftretende Rechnungslegungsanomalien ("accounting mismatch") zu beseitigen oder signifikant zu verringern.

Im Folgenden werden für die finanziellen Vermögenswerte die Folgebewertung sowie Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung beschrieben:

• Finanzielle Vermögenswerte zu FVTPL

Diese Vermögenswerte werden zum beizulegenden Zeitwert folgebewertet. Nettogewinne und -verluste, einschließlich jeglicher Zins- oder Dividendenerträge, werden im Gewinn oder Verlust erfasst.

• Finanzielle Vermögenswerte zu fortgeführten Anschaffungskosten

Diese Vermögenswerte werden zu fortgeführten Anschaffungskosten mittels der Effektivzinsmethode folgebewertet. Die fortgeführten Anschaffungskosten werden durch Wertminderungsaufwendungen gemindert. Zinserträge, Währungskursgewinne und -Verluste sowie Wertminderungen werden im Gewinn oder Verlust erfasst. Ein Gewinn oder Verlust aus der Ausbuchung wird im Gewinn oder Verlust erfasst.

• Schuldinstrumente zu FVOCI

Diese Vermögenswerte werden zum beizulegenden Zeitwert folgebewertet. Zinserträge, die mit der Effektivzinsmethode berechnet werden, Wechselkursgewinne und -verluste sowie Wertminderungen werden im Gewinn oder Verlust erfasst. Andere Nettogewinne oder -verluste werden im sonstigen Ergebnis erfasst. Bei der Ausbuchung wird das kumulierte sonstige Ergebnis in den Gewinn oder Verlust umgegliedert.

• Eigenkapitalinvestments zu FVOCI

Diese Vermögenswerte werden zum beizulegenden Zeitwert folgebewertet. Dividenden werden als Ertrag im Gewinn oder Verlust erfasst, es sei denn, die Dividende stellt offensichtlich eine Deckung eines Teils der Kosten des Investments dar. Andere Nettogewinne oder -verluste werden im sonstigen Ergebnis erfasst und nie in den Gewinn oder Verlust umgegliedert.

• Ausbuchung finanzielle Vermögenswerte

Der Konzern bucht einen finanziellen Vermögenswert aus, wenn die vertraglichen Rechte hinsichtlich der Zahlungsströme aus dem finanziellen Vermögenswert auslaufen oder er die Rechte zum Erhalt der Zahlungsströme in einer Transaktion überträgt, in der auch alle wesentlichen mit dem Eigentum des finanziellen Vermögenswertes verbundenen Risiken und Chancen übertragen werden.

Eine Ausbuchung findet ebenfalls statt, wenn der Konzern alle wesentlichen mit dem Eigentum verbundenen Risiken und Chancen weder überträgt noch behält und er nicht die Verfügungsgewalt über den übertragenen Vermögenswert behält.

• Wertminderungen von Vermögenswerten

Die Risikovorsorge und damit auch eine Wertberichtigung basiert auf dem Modell erwarteter Kreditausfälle des IFRS 9. Diese Bewertungsvorschriften umfassen sämtliche finanziellen Vermögenswerte, die nicht zu "FVTPL" bewertet werden, wie z.B. Darlehen, Leasingforderungen, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Kreditsicherheiten, aktive Vertragsposten, spezifische Finanzgarantien oder Kreditvereinbarungen. Der Bewertungsansatz ist abhängig von der Veränderung des Kreditrisikos seit initialer Erfassung. Das Bewertungsmodell besteht gemäß IFRS 9 aus den Bewertungsansätzen, dass die Risikovorsorge entweder auf einem Zwölf-Monats- "Expected Loss" oder auf einem der Lebensdauer des finanziellen Vermögenswerts entsprechenden "Expected Loss" basiert. Ein auf die Lebensdauer bezogener "Expected Loss" wird nur bestimmt, wenn das Kreditrisiko seit Erstbewertung signifikant gestiegen ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn eine Forderung mehr als 30 Tage überfällig ist oder eine Abstufung des Ratings um zwei oder mehr Stufen erfolgt.

Für die Folgebewertung von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie aktive Vertragsposten besteht ein vereinfachter Ansatz auf Basis einer Wertberichtigungsmatrix. Diese Forderungen unterliegen grundsätzlich dem "Lifetime Expected Credit Loss".

Vorräte

Die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Waren sind zu Anschaffungskosten unter Berücksichtigung niedrigerer Nettoveräußerungswerte bewertet. Die Anschaffungskosten werden anhand der Durchschnittsmethode ermittelt. Die unfertigen und fertigen Erzeugnisse werden mit den Herstellungskosten angesetzt. Sie enthalten alle direkt dem Herstellungsprozess zurechenbaren Kosten sowie angemessene Teile der produktionsbezogenen Gemeinkosten. Hierzu gehören die fertigungsbedingten Abschreibungen, anteilige Verwaltungskosten sowie anteilige Kosten des sozialen Bereichs. Fremdkapitalzinsen werden nicht in die Herstellungskosten einbezogen. Auf Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Waren und Erzeugnisse werden Abschläge für Qualitäts- und Funktionsmängel sowie Absatzrisiken vorgenommen. Die Bewertung zum Bilanzstichtag erfolgt zum jeweils niedrigeren Betrag aus Anschaffungs- oder Herstellungskosten einerseits und realisierbarem Nettoveräußerungspreis abzüglich erwarteter Verkaufskosten am Absatzmarkt andererseits.

Derivate und Sicherungsbeziehungen

Derivate werden in der Wilo Gruppe ausschließlich zur Reduzierung des Währungs-, Zins- und Rohstoffpreisrisikos eingesetzt. Diese Geschäfte stellen wirtschaftlich betrachtet eine Absicherung dar. Die Wilo Gruppe macht vom Hedge Accounting unter IAS 39 Gebrauch.

Wenn die Absicherungen die Anforderungen des IAS 39 beziehungsweise des IFRS 9 nicht erfüllen, erfolgt der Ansatz und die Bewertung unter den "FVTPL". Die Bewertung derivativer Finanzinstrumente erfolgt unter Anwendung marktüblicher Verfahren (Bewertungsmethoden) unter Zugrundelegung instrumentenspezifischer Marktparameter. Für die Marktwertermittlung von Devisentermingeschäften sowie Zinswährungsswaps werden Barwertmodelle verwendet, die Marktwerte von Optionen werden mittels Optionspreismodellen ermittelt. Als Eingangsparameter für diese Modelle werden, so weit wie möglich, die am Bilanzstichtag relevanten Marktpreise und Zinssätze verwendet.

Der Marktwert von Devisentermingeschäften errechnet sich auf Basis des am Bilanzstichtag geltenden Devisenkassamittelkurses unter Berücksichtigung der Terminaufschläge und Terminabschläge für die jeweilige Restlaufzeit des Kontrakts im Vergleich zum vereinbarten Devisenterminkurs. Bei Zinswährungsswaps erfolgt die Marktbewertung durch die Abzinsung der erwarteten Cashflows. Zur Diskontierung werden am Bilanzstichtag gültige, laufzeitadäquate Marktzinssätze verwendet. Die Bewertung von Rohstoffterminkontrakten erfolgt anhand aktueller Börsenkurse unter Berücksichtigung entsprechender Terminauf- und abschläge. Die Marktwerte für Optionskontrakte auf Devisen und Rohstoffe hingegen werden auf Basis von Optionspreismodellen ermittelt. Die Berechnung der Marktwerte für die derivativen Finanzinstrumente erfolgt durch Kreditinstitute.

Die Veränderungen der beizulegenden Zeitwerte der Derivate zum Bilanzstichtag werden unmittelbar erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung im sonstigen Finanzergebnis berücksichtigt. Erträge und Aufwendungen aus der Realisierung der Derivate werden in dem Posten der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen, in dem auch die ergebniswirksamen Effekte des wirtschaftlich gesicherten Grundgeschäfts ausgewiesen werden. So werden Erträge oder Aufwendungen aus der Realisierung von Währungsderivaten unter den sonstigen betrieblichen Erträgen oder Aufwendungen ausgewiesen, sofern das gesicherte Grundgeschäft dem operativen Bereich zugeordnet worden ist und demzufolge die Erträge und Aufwendungen aus der Bewertung dieses Grundgeschäfts ebenfalls in diesem Posten ausgewiesen wurden. Handelt es sich bei dem Grundgeschäft um einen Vorgang der Finanzierungstätigkeit, werden die realisierten Erträge und Aufwendungen des Devisentermingeschäfts oder der Devisenoption im sonstigen Finanzergebnis ausgewiesen. Erträge oder Aufwendungen aus der Realisierung von Zinswährungsswaps werden im Zinsergebnis ausgewiesen. Erträge oder Aufwendungen aus der Realisierung von Rohstoffderivaten ohne physische Lieferung werden in den Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen ausgewiesen.

Sonstige Forderungen und Vermögenswerte

Die sonstigen Forderungen und Vermögenswerte umfassen im Wesentlichen Steuerforderungen, geleistete Anzahlungen, Rückdeckungsansprüche, Abgrenzungen sowie Forderungen gegenüber Mitarbeitern, die keine finanziellen Vermögenswerte darstellen. Diese sonstigen Forderungen und Vermögenswerte werden zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet.

Latente Steuern

Aktive und passive latente Steuern werden entsprechend IAS 12 für sämtliche temporären Differenzen zwischen den steuerlichen und den Wertansätzen nach IFRS gebildet.

Die aktiven latenten Steuern umfassen auch Steuerminderungsansprüche, die sich aus der erwarteten Nutzung bestehender Verlustvorträge in Folgejahren ergeben und deren Realisierung nach Einschätzung des Vorstands mit ausreichender Wahrscheinlichkeit gewährleistet ist. Aktive Steuerlatenzen (latente Steueransprüche) werden zum Bilanzstichtag einem Werthaltigkeitstest unterzogen. Zu diesem Zweck wird aus der vom Aufsichtsrat genehmigten fünfjährigen strategischen Planung eine Steuerplanung abgeleitet. Grundlage für die Planungen sind die Erfahrungen der Vergangenheit, die Erwartungen über die künftige Marktentwicklung sowie die Ergebnisse geplanter und bereits begonnener Maßnahmen. Zum Bilanzstichtag werden aktive latente Steuern auf Verlustvorträge in Höhe von 40.810 TEUR (Vorjahr: 40.203 TEUR) angesetzt. Der Vorstand rechnet mit einer Inanspruchnahme dieser Verlustvorträge in den folgenden Jahren, auch bei den Gesellschaften, die im Berichtsjahr noch einen steuerlichen Verlust ausweisen.

Ferner bildet die Wilo Gruppe latente Steuerschulden aufgrund der Steuerbelastung, die sich aus den im Folgejahr erwarteten Gewinnausschüttungen der konsolidierten Tochtergesellschaften an die WILO SE ergeben wird. Die latenten Steuern werden auf Basis der Steuersätze ermittelt, die nach der derzeitigen Rechtslage in den einzelnen Ländern zum Realisationszeitpunkt gelten bzw. erwartet werden.

Eine Verrechnung von aktiven latenten Steuern mit passiven latenten Steuern erfolgt, wenn eine Identität der Steuergläubiger und Fristenkongruenz besteht. Dem entsprechend wurden Vorjahreswerte angepasst. Die Ursachen für die latenten Steuern zum 31. Dezember 2021 sowie die erfolgte Verrechnung werden unter Punkt (8.9) des Anhangs dargestellt.

Zuwendungen der öffentlichen Hand

Zuwendungen der öffentlichen Hand werden gemäß IAS 20 nur erfasst, wenn eine angemessene Sicherheit dafür besteht, dass die damit verbundenen Bedingungen erfüllt sind und die Zuwendungen gewährt werden. Der Wilo Gruppe werden Forschungs- und Investitionszuschüsse gewährt, die entsprechend dem Aufwandsverlauf ergebniswirksam vereinnahmt werden. Investitionszuschüsse werden passivisch abgegrenzt und über die Laufzeit der bezuschussten Anlagegüter ergebniswirksam aufgelöst.

Als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie führten verschiedene Länder, in denen Wilo Konzerngesellschaften tätig sind, Lohnkostenzuschüsse (z.B. Kurzarbeitergeld, Entfall von Sozialabgaben) ein. Im Geschäftsjahr 2021 erhielt der Konzern Lohnkostenzuschüsse in Höhe von 156 TEUR (Vorjahr 2.594 TEUR). Die Wilo Gruppe saldiert diese erfolgsbezogenen Zuschüsse mit den Personalkosten der einzelnen Funktionsbereiche.

Eigenkapital

Vom gezeichneten Kapital werden eigene Anteile im rechnerischen Wert von 1.207 TEUR (Vorjahr: 1.477 TEUR) offen abgesetzt.

Finanzielle Verbindlichkeiten

Die finanziellen Verbindlichkeiten setzen sich aus originären Verbindlichkeiten und den derivativen Finanzinstrumenten mit negativem beizulegenden Zeitwert zusammen.

Originäre Verbindlichkeiten wie finanzielle Verbindlichkeiten aus Finanzschulden, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie Verbindlichkeiten, die unter den sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten ausgewiesen sind, werden gemäß IAS 32 in der Konzern-Bilanz angesetzt, wenn die Wilo Gruppe eine vertragliche Pflicht hat, Zahlungsmittel oder andere finanzielle Vermögenswerte auf eine andere Partei zu übertragen. Die originären Verbindlichkeiten werden der Bewertungskategorie "Fortgeführte Anschaffungskosten" im Sinne des IFRS 9 zugeordnet und zum Rückzahlungsbetrag bzw. zu fortgeführten Anschaffungskosten unter Anwendung der Effektivzinsmethode bewertet. Sofern der Zinseffekt nicht unwesentlich ist, werden unverzinsliche oder niedrig verzinsliche Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von über einem Jahr diskontiert. Bei Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von unter einem Jahr wird unterstellt, dass der beizulegende Zeitwert dem Rückzahlungsbetrag entspricht. Die direkt zurechenbaren Transaktionskosten werden bei allen finanziellen Verbindlichkeiten, die in der Folge nicht zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden, ebenfalls angesetzt und unter Anwendung der Effektivzinsmethode über die Laufzeit amortisiert.

Die derivativen Verbindlichkeiten werden gemäß IFRS 9 zum beizulegenden Zeitwert angesetzt, wobei Wertänderungen erfolgswirksam erfasst werden (Fair Value through Profit or Loss, kurz: FVTPL).

Finanzielle Verbindlichkeiten werden ausgebucht, wenn die vertraglichen Verpflichtungen beglichen, aufgehoben oder ausgelaufen sind.

Finanzielle Vermögenswerte und finanzielle Verbindlichkeiten werden in der Regel nicht saldiert ausgewiesen.

In einem geringen Umfang hat der Wilo-Konzern mit einigen wenigen Lieferanten eine Supply-Chain-Finanzierung (SCF) aufgesetzt. Dabei haben die entsprechenden Lieferanten die Möglichkeit, die Begleichung ihrer Verbindlichkeit vor der eigentlichen Fälligkeit über die teilnehmende Bank zu erhalten. In diesen Fällen gliedert der Wilo-Konzern die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen in die sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten um, bis die Zahlung des ursprünglichen Betrags vom Wilo-Konzern an die Bank im Rahmen der mit der Bank vereinbarten Zahlungsbedingungen erfolgt. Das Transaktionsvolumen im Jahr 2021 belief sich auf 9.494 TEUR (Vorjahr: 7.387 TEUR). Zum 31. Dezember 2021 werden sonstige finanzielle Verbindlichkeiten aus der SCF in Höhe von 4.614 TEUR ausgewiesen (Vorjahr: 3.776 TEUR). Die Vorjahreswerte wurden dem entsprechend angepasst.

Pensionen und ähnliche Verpflichtungen

Für ungewisse Verbindlichkeiten aus Pensionsverpflichtungen und sonstigen Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses werden Rückstellungen gebildet. Die Pensionsverpflichtungen für die Leistungszusagen werden gemäß IAS 19 nach dem international üblichen Anwartschaftsbarwertverfahren (Projected Unit Credit Method) ermittelt. Die Berechnungen beruhen auf entsprechenden Gutachten unter Berücksichtigung biometrischer Parameter.

Auftretende versicherungsmathematische Gewinne und Verluste sowie Gewinne und Verluste aus der Neubewertung des Planvermögens werden in voller Höhe im sonstigen Ergebnis erfasst.

Der Aufwand aus der Dotierung der Pensionsverpflichtungen, mit Ausnahme des im Finanzergebnis ausgewiesenen Zinsanteils, wird den Kosten der betroffenen Funktionsbereiche zugeordnet. Die Höhe der Pensionsverpflichtung wird nach versicherungsmathematischen Methoden berechnet, für die Schätzungen unumgänglich sind.

Dabei liegen den Berechnungen für die Pensionsverpflichtungen die folgenden wesentlichen Parameter zugrunde, die mit ihrem gewogenen Gruppendurchschnitt angegeben werden:

Angaben in % 31. Dezember 2021 31. Dezember 2020
Diskontierungszinssatz 1,24 0,90
Rentenanpassung 2,07 1,83
Gehaltssteigerung 3,05 3,02

Der Nettozinsaufwand ergibt sich durch Multiplikation der Nettopensionsverbindlichkeit mit dem Diskontierungszinssatz.

Der sich nach der Projected Unit Credit Method ergebende versicherungsmathematische Barwert der Pensionsverpflichtungen wird bei extern finanzierten Versorgungsplänen in Höhe des entsprechenden Vermögens bei dem externen Versorgungsträger gekürzt, sofern die Voraussetzungen für ein Planvermögen gemäß IAS 19 vorliegen.

Sonstige Rückstellungen

Sonstige Rückstellungen werden gemäß IAS 37 gebildet, soweit eine aus einem vergangenen Ereignis resultierende Verpflichtung gegenüber Dritten besteht, die künftig wahrscheinlich zu einem Vermögensabfluss führt und sich diese Vermögensbelastung der Höhe nach zuverlässig schätzen lässt. Langfristige Rückstellungen für Verpflichtungen, die voraussichtlich nicht bereits im Folgejahr zu einer Vermögensbelastung führen, werden in Höhe des Barwerts des erwarteten Vermögensabflusses gebildet. Der Abzinsung liegen Marktzinssätze zugrunde.

Der Erfüllungsbetrag umfasst auch die erwarteten Kostensteigerungen. Der Wertansatz der Rückstellungen wird zu jedem Bilanzstichtag überprüft. Rückstellungen werden nicht mit Rückgriffsansprüchen verrechnet.

(8.) Erläuterungen zur Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung

(8.1) Umsatzerlöse

Die Umsatzerlöse teilen sich wie folgt auf die Regionen auf:

TEUR 2021 % 2020 %
Reife Märkte 963.308 58,3 853.850 58,8
Wachstumsmärkte 688.581 41,7 597.644 41,2
Gesamt 1.651.889 100,0 1.451.494 100,0

Die reifen Märkte und Wachstumsmärkte umfassten zum 31. Dezember 2021 die folgenden Länder:

Reife Märkte: alle europäischen Staaten, USA und Kanada

Wachstumsmärkte: China, Indien, Südkorea, südostasiatische Staaten, Australien und Ozeanien, Russland, Weißrussland, kaukasische Staaten, Türkei, Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, afrikanische Staaten, Lateinamerika

In den Umsatzerlösen sind neben Erlösen aus dem Verkauf von Gütern in Höhe von 1.537.045 TEUR (Vorjahr: 1.344.336 TEUR) auch Erlöse aus Dienstleistungen in Höhe von 114.844 TEUR (Vorjahr: 107.158 TEUR) enthalten.

(8.2) Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen

Dieser Posten umfasst die Herstellungskosten der abgesetzten Erzeugnisse sowie die Anschaffungskosten der verkauften Handelswaren.

TEUR 2021 2020
Materialaufwand -794.686 -670.313
Übrige Herstellungskosten -327.653 -307.008
Gesamt -1.122.339 -977.321

(8.3) Vertriebs- und Verwaltungskosten

TEUR 2021 2020
Vertriebskosten -278.373 -252.998
Verwaltungskosten -109.201 -89.216
Gesamt -387.574 -342.214

Die Vertriebskosten enthalten insbesondere Personalkosten, Abschreibungen, Kundendienst-, Werbungs-, Verkaufsförderungs-, Marktforschungs- und Versandkosten des Vertriebsbereiches.

(8.4) Forschungs- und nicht aktivierte Entwicklungskosten

TEUR 2021 2020
Forschungs- und Entwicklungskosten -70.981 -68.671
davon aktivierte Entwicklungskosten 15.216 16.634
Gesamt Forschungs- und Entwicklungskosten -55.765 -52.037

(8.5) Sonstige betriebliche Erträge

TEUR 2021 2020
Währungsgewinne aus operativem Geschäft 10.966 11.642
Staatliche Zuschüsse 3.038 3.049
Erträge aus dem Abgang von immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen 1.055 854
Versicherungsentschädigungen 790 307
Übrige 5.457 4.188
Gesamt 21.306 20.040

Die Währungsgewinne aus operativem Geschäft in Höhe von 10.966 TEUR (Vorjahr: 11.642 TEUR) enthalten im Wesentlichen Gewinne aus Kursveränderungen zwischen Entstehungs- und Zahlungszeitpunkt von Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten sowie Kursgewinne aus der Bewertung zum Stichtagskurs. Kursverluste in Höhe von 9.658 TEUR (Vorjahr: 15.373 TEUR) aus diesen Posten werden unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen ausgewiesen (vgl. Angabe (8.6) des Konzernanhangs). Im Wesentlichen entstehen diese Währungsgewinne und -verluste aus innerkonzernlichen Lieferungen und Leistungen, da die Tochtergesellschaften ihre Liefer- und Leistungsbeziehungen mit fremden Dritten vornehmlich in lokaler Währung abwickeln. Die Vorjahreswerte Währungsgewinne aus operativem Geschäft sowie Währungsverluste aus operativem Geschäft wurden um Kursveränderungen aus Hedge Accounting angepasst.

(8.6) Sonstige betriebliche Aufwendungen

TEUR 2021 2020
Währungsverluste aus operativem Geschäft -9.658 -15.373
Restrukturierungsaufwendungen -1.464 -17.681
Verluste aus dem Abgang von immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen -449 -2.058
Übrige -3.437 -3.500
Gesamt -15.008 -38.612

(8.7) Finanzerträge

Die Finanzerträge setzen sich wie folgt zusammen:

TEUR 2021 2020
Währungsgewinne aus Finanzierungstätigkeit 1.923 2.530
Zinserträge aus liquiden Mitteln 1.842 1.281
Gewinne aus derivativen Finanzinstrumenten 414 1.706
Übrige 1.021 307
Gesamt 5.200 5.824

(8.8) Finanzaufwendungen

Die Finanzaufwendungen setzen sich wie folgt zusammen:

TEUR 2021 2020
Zinsaufwendungen aus Finanzschulden -8.646 -9.623
Verluste aus derivativen Finanzinstrumenten -2.641 -665
Währungsverluste aus Finanzierungstätigkeit -2.039 -3.471
Zinseffekte aus Pensionen, langfristigen Verbindlichkeiten und Forderungen -891 -554
Zinsen aus Leasingvereinbarungen -842 -1.120
Aktivierte Fremdkapitalzinsen 1.227 1.638
Gesamt -13.832 -13.795

Die Währungsgewinne und -verluste aus Finanzierungstätigkeit ergeben sich aus der Umrechnung von konzerninternen Fremdwährungsdarlehen.

Im Geschäftsjahr ergeben sich die Gewinne und Verluste aus derivativen Finanzinstrumenten im Wesentlichen aufgrund von positiven und negativen Verbrauchs- und Bewertungseffekten von Devisentermingeschäften. Darüber hinaus ergeben sich positive und negative Verbrauchs- und Bewertungseffekte aus Rohstoffderivaten, die zur Preisabsicherung des Rohstoffbedarfs innerhalb der Wilo Gruppe eingesetzt werden.

(8.9) Steuern vom Einkommen und vom Ertrag

Der im Konzernergebnis erfasste Ertragsteueraufwand setzt sich wie folgt zusammen:

TEUR 2021 2020
Tatsächlicher Steueraufwand/-ertrag
- Berichtsjahr -27.797 -26.246
- Anpassungen für Vorjahre -1.074 -1.859
Tatsächliche Steuern vom Einkommen und vom Ertrag -28.871 -28.105
Latenter Steueraufwand/-ertrag
- aus angesetzten DTA auf Verlustvorträge 607 -956
- aus geänderten Steuersätzen 223 986
- aus der Entstehung und Auflösung temporärer Differenzen -6.254 -276
- aus Ab- und Zuschreibung auf latente Steueransprüche -565 -154
Latenter Steuerertrag/-aufwand -5.989 -400
Steuern vom Einkommen und vom Ertrag -34.860 -28.505

Die Ermittlung der latenten Steuern erfolgt unter Berücksichtigung lokaler Ertragsteuersätze. Für das Inland ist dies ein kombinierter Steuersatz aus Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer in Höhe von 32,1 % (Vorjahr: 32,1 %). Für ausländische Gesellschaften variieren die lokalen Ertragsteuersätze zwischen 9,0 % und 34,0 % (Vorjahr zwischen 9,3 % und 34,0 %).

Latente Steuern nach Bilanzposten

Auf Ansatz- und Bewertungsunterschiede bei den einzelnen Bilanzposten und auf steuerliche Verlustvorträge entfallen die folgenden bilanzierten aktiven und passiven latenten Steuern:

Aktive latente Steuern Passive latente Steuern
TEUR 2021 2020 2021 2020
Immaterielle Vermögenswerte 5.466 3.754 41.785 35.653
Sachanlagen 3.222 1.345 16.227 16.579
Vorräte 6.775 5.780 373 973
Forderungen und sonstige Vermögenswerte 6.646 8.507 3.116 3.305
22.109 19.386 61.501 56.510
Finanzschulden 0 2 445 1.140
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.577 1.203 38 7
Pensionen und ähnliche Verpflichtungen 16.369 17.471 316 0
Sonstige Rückstellungen und Verbindlichkeiten 9.426 15.489 10.844 9.688
Steuerliche Verlustvorträge 40.810 40.203 0 0
68.182 74.368 11.643 10.835
Saldierung - 59.271 - 55.068 - 59.271 - 55.068
Bilanzausweis 31.020 38.686 13.873 12.277

Die Veränderung der aktiven und passiven latenten Steuern im Berichtsjahr stellt sich wie folgt dar:

TEUR Nettobetrag aktive/ passive latente Steuern zum 31.12.2020 Ergebniswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst Erfolgsneutral aus Erstkonsolidierung ABIONIK Erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis erfasst Nettobetrag aktive/ passive latente Steuern zum 31.12.2021
Immaterielle Vermögenswerte -31.899 -2.105 -2.315 0 -36.319
Sachanlagen -15.234 2.326 -188 91 -13.005
Vorräte 4.808 2.281 -686 0 6.403
Forderungen und sonstige Vermögenswerte 5.180 -1.876 0 203 3.507
Finanzschulden -1.139 694 0 0 -445
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.196 343 0 0 1.539
Pensionen und ähnliche Verpflichtungen 17.471 -852 92 -659 16.052
Sonstige Rückstellungen und Verbindlichkeiten 5.404 -7.408 0 190 -1.814
Erstanwendung IFRS 9 und IFRS 15 420 0 0 0 420
Steuerliche Verlustvorträge 40.203 607 0 0 40.810
Gesamt 26.409 -5.989 -3.097 -175 17.148

Die Veränderung der aktiven und passiven latenten Steuern im Vorjahr setzt sich wie folgt zusammen:

TEUR Nettobetrag aktive/passive latente Steuern zum 31.12.2019 Ergebniswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst Erfolgsneutral im sonstigen Ergebnis erfasst Nettobetrag aktive/passive latente Steuern zum 31.12.2020
Immaterielle Vermögenswerte -28.523 -3.376 0 -31.899
Sachanlagen -15.583 367 -18 -15.234
Vorräte 3.754 1.074 -20 4.808
Forderungen und sonstige Vermögenswerte 4.000 1.340 -160 5.180
Finanzschulden -438 -701 0 -1.139
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.136 150 -90 1.196
Pensionen und ähnliche Verpflichtungen 17.649 -496 318 17.471
Sonstige Rückstellungen und Verbindlichkeiten 3.229 2.199 -24 5.404
Erstanwendung IFRS 9 und IFRS 15 420 0 0 420
Steuerliche Verlustvorträge 41.159 -956 0 40.203
Gesamt 26.803 -400 6 26.409

Der im sonstigen Ergebnis erfasste latente Steueraufwand in Höhe von -175 TEUR entfällt mit einem Betrag 392 TEUR auf Währungsdifferenzen. Der Betrag von - 567 TEUR entfällt auf die versicherungsmathematische Veränderung des Barwerts der Pensionsverpflichtungen sowie die Neubewertung des damit im Zusammenhang stehenden Planvermögens.

Zum Bilanzstichtag bestehen steuerliche Verlustvorträge in Höhe von 269.741 TEUR (Vorjahr: 224.183 TEUR), von denen 235.075 TEUR (Vorjahr: 184.058 TEUR) zeitlich unbegrenzt nutzbar sind. Die zeitlich begrenzt nutzbaren steuerlichen Verlustvorträge betragen 34.666 TEUR (Vorjahr: 40.125 TEUR) und sind zwischen vier und 20 Jahre vortragsfähig.

Unter Berücksichtigung der lokalen Ertragsteuersätze wurden zum Bilanzstichtag aktive latente Steuern auf Verlustvorträge in Höhe von 40.810 TEUR (Vorjahr: 40.203 TEUR) angesetzt. Das Management rechnet mit einer Inanspruchnahme dieser Verlustvorträge in den folgenden Jahren, auch bei den Gesellschaften, die im Berichtsjahr noch einen steuerlichen Verlust ausweisen. Für in- und ausländische steuerliche Verlustvorträge in Höhe von TEUR 134.379 (Vorjahr TEUR 88.787) wurden in der Bilanz keine aktiven latenten Steuern angesetzt, da eine künftige Nutzung zum Bilanzstichtag nicht hinreichend wahrscheinlich erscheint.

Da die WILO SE im nächsten Jahr Gewinnausschüttungen ihrer konsolidierten Tochtergesellschaften erwartet, wurden auf diese erwarteten Gewinnausschüttungen latente Steuerverbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 2.100 TEUR (Vorjahr: 2.368 TEUR) gebildet.

Bei einer Dividendenausschüttung von Tochtergesellschaften oder einer möglichen Veräußerung von Tochtergesellschaften unterliegen 5 % der Dividende bzw. des Veräußerungsgewinns der deutschen Besteuerung. In der Regel würde sich hieraus eine zusätzliche Steuerbelastung ergeben. Zum 31. Dezember 2021 bestanden in Tochtergesellschaften thesaurierte Gewinne in Höhe von 198.092 TEUR (Vorjahr: 222.523 TEUR), die dauerhaft investiert bleiben sollen und für die deshalb keine latenten Steuerschulden gebildet wurden.

Überleitung vom erwarteten zum tatsächlichen Ertragsteueraufwand

In der Überleitung vom erwarteten zum tatsächlichen Ertragsteueraufwand ist im Geschäftsjahr 2021 der kombinierte gesetzliche Steuersatz aus Körperschaftsteuer und Solidaritätszuschlag in Höhe von 15,8 % sowie der Gewerbesteuer von annähernd 16,3 % verwendet worden. Dies entspricht insgesamt einem Steuersatz in Höhe von 32,1 % (Vorjahr: 32,1 %). In der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung für 2021 weist die Wilo Gruppe einen Steueraufwand in Höhe von 34.860 TEUR (Vorjahr: 28.505 TEUR) aus. Dieser ist um 7.935 TEUR höher (Vorjahr: 11.370 TEUR höher) als der erwartete Steueraufwand von 26.925 TEUR (Vorjahr: 17.135 TEUR), der sich bei Anwendung des inländischen Steuersatzes in Höhe von 32,1 % (Vorjahr: 32,1 %) auf Konzernebene ergibt.

Dieser Unterschiedsbetrag ist auf folgende Ursachen zurückzuführen:

TEUR 2021 2020
Konzernergebnis vor Ertragsteuern 83.877 53.379
Erwarteter Steueraufwand -26.925 -17.135
Steuersatzänderungen 218 986
Unterschied zu tatsächlichen Steuersätzen 12.265 11.293
Sonstige Konsolidierungsvorgänge -190 301
Sonstige permanente Differenzen -2.707 -7.659
Steuerfreies Einkommen -2.912 3.986
Veränderung der nicht bilanzierten latenten Steuern auf Verlustvorträge -10.660 -14.581
Quellensteuer -3.223 -3.560
Periodenfremde Steuern -1.074 -1.859
Sonstige 348 -277
Tatsächlicher Steueraufwand -34.860 -28.505

(8.10) Ergebnis je Aktie

Das Ergebnis je Aktie errechnet sich aus der Division des auf die Aktionäre der WILO SE entfallenden Anteils am Konzernergebnis und der gewogenen durchschnittlichen Anzahl der Aktien, die sich im Umlauf befanden. Das unverwässerte und das verwässerte Ergebnis je Stammaktie beträgt jeweils 5,00 EUR (Vorjahr: 2,54 EUR).

2021 2020
Konzernergebnis in TEUR 49.017 24.874
Anzahl der Stammaktien zum 31.12. 9.912.527 9.808.760
Gewogene durchschnittliche Anzahl der im Umlauf befindlichen Stammaktien 9.813.084 9.808.760
Ergebnis je Stammaktie in EUR 5,00 2,54

(9.) Erläuterungen zur Konzern-Bilanz

(9.1) Immaterielle Vermögenswerte

Die immateriellen Vermögenswerte haben sich in den Geschäftsjahren 2021 und 2020 wie folgt entwickelt:

TEUR Patente, Schutzrechte und Kundenstamm Geschäfts- oder Firmenwerte Aktivierte Entwicklungskosten Geleistete Anzahlungen Gesamt
Kumulierte Anschaffungs- und Herstellungskosten
Stand zum 1.1.2020 88.707 110.484 98.073 10.454 307.718
Währungsumrechnung -1.692 -3.891 -69 0 -5.652
Zugänge 2.201 644 17.348 3.266 23.459
Abgänge -753 0 0 -25 -778
Umbuchungen 9.975 0 0 -9.975 0
Stand zum 31.12.2020 98.438 107.237 115.352 3.720 324.747
Stand zum 1.1.2021 98.438 107.237 115.352 3.720 324.747
Währungsumrechnung 1.842 3.057 339 0 5.238
Zugänge 2.981 97 16.119 6.066 25.263
Zugänge durch Unternehmenszusammenschlüsse 9.870 39.454 0 0 49.324
Abgänge -209 0 0 0 -209
Umbuchungen 2.306 0 0 -2.306 0
Stand zum 31.12.2021 115.228 149.845 131.810 7.480 404.363
Kumulierte Abschreibungen
Stand zum 1.1.2020 62.125 5.644 6.809 0 74.578
Währungsumrechnung -724 -78 0 0 -802
Abschreibungen des Geschäftsjahres 7.631 0 4.790 0 12.421
Abgänge -411 0 0 0 -411
Stand zum 31.12.2020 68.621 5.566 11.599 0 85.786
Stand zum 1.1.2021 68.621 5.566 11.599 0 85.786
Währungsumrechnung 752 -17 0 0 735
Abschreibungen des Geschäftsjahres 8.620 0 6.228 0 14.848
Zuschreibungen -350 0 0 0 -350
Zugänge durch Unternehmenszusammenschlüsse 8 0 0 0 8
Abgänge -202 0 0 0 -202
Stand zum 31.12.2021 77.449 5.549 17.827 0 100.825
Restbuchwerte
Stand zum 1.1.2020 26.582 104.840 91.264 10.454 233.140
Stand zum 31.12.2020 29.817 101.671 103.753 3.720 238.961
Stand zum 1.1.2021 29.817 101.671 103.753 3.720 238.961
Stand zum 31.12.2021 37.779 144.296 113.983 7.480 303.538

Die Geschäfts- oder Firmenwerte werden mindestens einmal im Jahr einem Impairment-Test unterzogen. Detailliertere Informationen zum Impairment-Test werden unter der Angabe (7.) des Konzernanhangs gegeben.

Die den Produktbereichen zugeordneten Geschäfts- oder Firmenwerte haben sich im Geschäftsjahr 2021 wie folgt entwickelt:

TEUR 1.1.2021 Zugänge Währungsumrechnung 31.12.2021
Produktbereich
Heating, Ventilation, Air-Conditioning 7.579 0 -10 7.569
Clean and Waste Water 94.092 39.551 3.084 136.727
Gesamt 101.671 39.551 3.074 144.296

(9.2) Sachanlagen

Die Sachanlagen haben sich in den Geschäftsjahren 2021 und 2020 wie folgt entwickelt:

TEUR Grundstücke und Bauten Technische Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsausstattung Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau Gesamt
Kumulierte Anschaffungs- und Herstellungskosten
Stand zum 1.1.2020 424.665 244.408 363.912 83.270 1.116.255
Währungsumrechnung -13.112 -3.511 -5.654 -541 -22.818
Zugänge 53.812 10.686 27.713 15.540 107.751
Umbuchungen 27.272 22.154 15.956 -65.382 0
Abgänge -37.036 -11.954 -18.094 -767 -67.851
Stand zum 31.12.2020 455.601 261.783 383.833 32.120 1.133.337
Stand zum 1.1.2021 455.601 261.783 383.833 32.120 1.133.337
Währungsumrechnung 5.500 3.698 4.250 332 13.780
Zugänge 23.974 17.061 25.185 58.788 125.008
Zugänge durch Unternehmenszusammenschlüsse 2.540 888 1.066 0 4.494
Umbuchungen 879 6.169 15.680 -22.728 0
Umgliederung in "Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte" -1.815 0 0 0 -1.815
Abgänge -2.122 -5.454 -11.752 -216 -19.544
Stand zum 31.12.2021 484.557 284.145 418.262 68.296 1.255.260
Kumulierte Abschreibungen
Stand zum 1.1.2020 94.832 173.757 276.444 0 545.033
Währungsumrechnung -2.201 -2.444 -3.461 0 -8.106
Abschreibungen des Geschäftsjahres 18.686 16.405 32.358 0 67.449
Umbuchungen 0 278 -278 0 0
Abgänge -35.529 -11.087 -15.293 0 -61.909
Stand zum 31.12.2020 75.788 176.909 289.770 0 542.467
Stand zum 1.1.2021 75.788 176.909 289.770 0 542.467
Währungsumrechnung 1.647 2.651 3.097 0 7.395
Abschreibungen des Geschäftsjahres 23.491 17.434 32.482 340 73.747
Zugänge durch Unternehmenszusammenschlüsse 44 78 146 0 268
Umbuchungen 3 1 234 -238 0
Umgliederung in "Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte" -469 0 0 0 -469
Abgänge -1.129 -4.950 -8.950 0 -15.029
Stand zum 31.12.2021 99.375 192.123 316.779 102 608.379
Restbuchwerte
Stand zum 1.1.2020 329.833 70.651 87.468 83.270 571.222
Stand zum 31.12.2020 379.813 84.874 94.063 32.120 590.870
Stand zum 1.1.2021 379.813 84.874 94.063 32.120 590.870
Stand zum 31.12.2021 385.182 92.022 101.483 68.194 646.881

Leasing-Verhältnisse

Insbesondere im Bereich der Betriebs- und Geschäftsausstattung (z.B. Laptops und Mobiltelefone) bestehen Leasingverhältnisse für Gegenstände von geringem Wert. Für diese Leasingverhältnisse werden gemäß der Vereinfachungsregeln des IFRS 16 weder Nutzungsrechte noch Leasingverbindlichkeiten in der Bilanz erfasst.

In den Buchwerten im Sachanlagevermögen sind zum 31. Dezember 2021 Nutzungsrechte in Höhe von 31.383 TEUR enthalten. Im Vorjahr betrugen die Buchwerte der nach IFRS 16 aktivierten Nutzungsrechte 32.884 TEUR. Die Nettobuchwerte der bilanzierten Nutzungsrechte setzen sich wie folgt zusammen:

TEUR IFRS 16 31.12.2021 IFRS 16 31.12.2020
Grundstücke und Bauten 19.762 21.988
Technische Anlagen und Maschinen 1.768 922
Betriebs- und Geschäftsausstattung 9.853 9.974
Gesamt 31.383 32.884

Die im Geschäftsjahr 2021 nach IFRS 16 im Sachanlagevermögen aktivierten Nutzungsrechte haben sich wie folgt entwickelt:

TEUR Grundstücke und Bauten Technische Anlagen und Maschinen Betriebs- und Geschäftsausstattung Gesamt
Stand zum 1.1.2021 21.988 922 9.974 32.884
Währungsumrechnung 412 1 -21 392
Zugänge Nutzungsrechte 7.419 1.617 7.686 16.722
Zugänge durch Unternehmenszusammenschlüsse 50 0 26 76
Abgänge Nutzungsrechte -797 -25 -1.961 -2.783
Abschreibungen des Jahres -9.310 -747 -5.851 -15.908
Stand zum 31.12.2021 19.762 1.768 9.853 31.383

Wilo nimmt die Ausnahmeregelungen für Leasingverhältnisse nach IFRS 16 hinsichtlich geringwertiger Wirtschaftsgüter sowie für kurzfristige Leasingverhältnisse in Anspruch. In der Gewinn- und Verlustrechnung werden folgende Beträge aus Leasingverhältnissen ausgewiesen:

TEUR 2021 2020
Zinsaufwendungen für Leasingverbindlichkeiten 842 1.120
Aufwand für Leasingverhältnisse über einen Vermögenswert von geringem Wert 3.192 2.627
Aufwand für kurzfristige Leasingverhältnisse 6.407 4.829
Aufwand für variable Leasingzahlungen, die nicht in die Bewertung der Leasingverbindlichkeit einbezogen wurden 368 264
Gesamt 10.809 8.840

In der Konzern-Kapitalflussrechnung sind Zahlungsmittelabflüsse für Leasingverhältnisse, für die eine Leasingverbindlichkeit nach IFRS 16 passiviert wurde, in Höhe von 15.694 TEUR (Vorjahr: 15.706 TEUR) im Cashflow aus Finanzierungstätigkeit erfasst.

(9.3) Vorräte

TEUR 31.12.2021 31.12.2020
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 110.847 79.558
Unfertige Erzeugnisse 35.931 23.605
Fertige Erzeugnisse und Waren 172.992 131.946
Geleistete Anzahlungen 2.233 768
Gesamt 322.003 235.877

Zum 31. Dezember 2021 betrug die Wertminderung der Vorräte, bei einem Bruttowert in Höhe von 346.850 TEUR (Vorjahr: 259.537 TEUR), 24.847 TEUR (Vorjahr: 23.660 TEUR). Verfügungsbeschränkungen an Vorräten bestehen, mit Ausnahme des üblichen Eigentumsvorbehalts der Lieferanten, nicht.

(9.4) Forderungen aus Lieferungen und Leistungen

Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ergeben sich aus dem gewöhnlichen Liefer- und Leistungsverkehr der Wilo Gruppe. Die kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 284.133 TEUR (Vorjahr: 272.513 TEUR) sind im Geschäftsjahr 2022 zur Zahlung fällig. Langfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 8.536 TEUR (Vorjahr: 6.763 TEUR) haben eine Fälligkeit von über einem Jahr. Verfügungsbeschränkungen an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bestehen nicht.

Der Vorstand ist der Ansicht, dass der Buchwert der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ihrem beizulegenden Zeitwert annähernd entspricht. Wertminderungen, welche in Form von Einzelwertberichtigungen und "Expected Credit Loss" gebildet werden, tragen dem Ausfallrisiko hinreichend Rechnung. Die Bildung von Einzelwertberichtigungen erfolgt auf Basis der Informationen, die zum Bilanzstichtag für den Einzelfall vorliegen. Ursächlich für die Bildung und die Höhe der Einzelwertberichtigungen sind im Wesentlichen Klage-, Inkasso- oder Insolvenzverfahren des Schuldners, Überfälligkeiten, Reklamationen, Sicherheiten von Dritten, abweichende Zahlungsvereinbarungen sowie alle sonstigen Vorgänge und Informationen, die den Ausgleich der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zweifelhaft erscheinen lassen.

Bei überfälligen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden Annahmen zum voraussichtlichen Zahlungszeitpunkt getroffen. Bei Annahme eines langfristigen Zahlungszeitpunkts erfolgt eine entsprechende Abzinsung.

Die Einzelwertberichtigungen sowie der "Expected Credit Loss" auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen haben sich in den Geschäftsjahren 2021 und 2020 wie folgt entwickelt:

Einzelwertberichtigungen

TEUR 2021 2020
Stand zum 01.01. 18.064 17.369
Währungsumrechnung 774 -839
Zuführungen 4.998 6.139
Verbrauch -935 -1.872
Auflösungen -5.114 -2.733
Stand zum 31.12. 17.787 18.064

IFRS 9 "Expected Credit Loss" 31.12.2021

TEUR Erwartete Verlustrate Bruttobuchwert Risikovorsorge
Europe 0,2 - 1,5 % 139.277 996
Asia-Pacific 0,5 -10,4 % 90.355 5.045
MEA 2,2 - 3,0 % 16.762 471
Others 0,5 - 4,0 % 23.856 248
Stand zum 31.12.2021 270.250 6.760

IFRS 9 "Expected Credit Loss" 31.12.2020

TEUR Erwartete Verlustrate Bruttobuchwert Risikovorsorge
Europe 0,2 - 1,5 % 132.315 991
Asia-Pacific 1,5 - 8,4 % 91.203 4.578
MEA 2,7 - 4 % 19.659 680
Others 0,5 - 3,5 % 19.505 218
Stand zum 31.12.2020 262.682 6.467

Die Regionen Europe, Asia-Pacific, MEA und Others bestehen aus folgenden Ländern:

Europe: alle europäischen Staaten außer Russland und Weißrussland

Asia-Pacific: Indien, China, Südkorea, südostasiatische Staaten, Australien und Ozeanien

MEA: Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, Türkei und afrikanische Staaten

Others: Staaten des amerikanischen Kontinents, Russland und Weißrussland, kaukasische Staaten

Weitere Informationen zum "Expected Credit Loss" werden unter der Angabe "Risikomanagement und derivative Finanzinstrumente" (12.) gegeben.

Aufwendungen und Erträge aus Wertberichtigungen, Wertaufholungen und Ausbuchungen von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werden unter dem Posten (8.3) Vertriebs- und Verwaltungskosten des Konzernanhangs ausgewiesen.

(9.5) Sonstige finanzielle Vermögenswerte

Die sonstigen finanziellen Vermögenswerte setzen sich zum 31. Dezember 2021 und 2020 wie folgt zusammen:

31.12.2021 31.12.2020
davon mit einer Restlaufzeit
TEUR Gesamt < 1 Jahr > 1 Jahr Gesamt
Forderungen gegen nicht konsolidierte Tochterunternehmen, gemeinschaftlich geführte Unternehmen oder assoziierte Unternehmen 399 399 0 247
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten 1.051 721 330 4.078
Ausleihungen und Darlehen 64 0 64 132
Eigenkapitalinstrumente 4.159 0 4.159 1.994
Übrige sonstige finanzielle Forderungen 11.661 7.198 4.463 10.763
Gesamt 17.334 8.318 9.016 17.214
31.12.2020
davon mit einer Restlaufzeit
TEUR < 1 Jahr > 1 Jahr
Forderungen gegen nicht konsolidierte Tochterunternehmen, gemeinschaftlich geführte Unternehmen oder assoziierte Unternehmen 247 0
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten 2.577 1.501
Ausleihungen und Darlehen 0 132
Eigenkapitalinstrumente 0 1.994
Übrige sonstige finanzielle Forderungen 6.212 4.551
Gesamt 9.036 8.178

Die Eigenkapitalinstrumente in Höhe von 4.159 TEUR (Vorjahr: 1.994 TEUR) sind zum beizulegenden Zeitwert bewertet. Da der beizulegende Zeitwert weder von einem Börsen- oder Marktpreis noch durch Diskontierung zuverlässig ermittelter zukünftiger Cashflows abgeleitet werden konnte, wird der beizulegende Zeitwert auf Kostenbasis geschätzt.

Der Buchwert der sonstigen finanziellen Vermögenswerte entspricht annähernd ihrem beizulegenden Zeitwert. Verfügungsbeschränkungen an den sonstigen finanziellen Vermögenswerten bestehen nicht.

(9.6) Steuerforderungen

Die Wilo Gruppe weist zum Bilanzstichtag Forderungen aus Steuern vom Einkommen und Ertrag in Höhe von 304 TEUR (Vorjahr: 329 TEUR) aus.

(9.7) Sonstige Forderungen und Vermögenswerte

Die sonstigen Forderungen und Vermögenswerte setzen sich zum 31. Dezember 2021 und 2020 wie folgt zusammen:

31.12.2021 31.12.2020
davon mit einer Restlaufzeit
TEUR Gesamt < 1 Jahr > 1 Jahr Gesamt
Steuererstattungsansprüche 25.709 18.098 7.611 16.134
Geleistete Anzahlungen 12.615 10.644 1.971 7.147
Rückdeckungsansprüche 2.676 0 2.676 1.510
Abgegrenzte Ausgaben 6.723 6.621 102 4.771
Vermögenswerte an nicht konsolidierten Tochtergesellschaften 51 0 51 51
Forderungen an Mitarbeiter 506 434 72 334
Gesamt 48.280 35.797 12.483 29.947
31.12.2020
davon mit einer Restlaufzeit
TEUR < 1 Jahr > 1 Jahr
Steuererstattungsansprüche 11.360 4.774
Geleistete Anzahlungen 7.132 15
Rückdeckungsansprüche 0 1.510
Abgegrenzte Ausgaben 4.740 31
Vermögenswerte an nicht konsolidierten Tochtergesellschaften 0 51
Forderungen an Mitarbeiter 317 17
Gesamt 23.549 6.398

(9.8) Zahlungsmittel

Die Zahlungsmittel in Höhe von 189.880 TEUR (Vorjahr: 188.952 TEUR) umfassen überwiegend Barmittel und Sichteinlagen bei Kreditinstituten. Verfügungsbeschränkungen bestehen in Höhe von 3.822 TEUR (Vorjahr: 967 TEUR).

(9.9) Zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte

Die zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerte in Höhe von 1.346 TEUR (Vorjahr: 613 TEUR) umfassen ein Produktions- und Verwaltungsgebäude mit Grundstück. Der Veräußerungsprozess für den Vermögenswert wurde im Jahr 2021 begonnen und wird voraussichtlich im ersten Quartal 2022 abgeschlossen.

(9.10) Eigenkapital

Gezeichnetes Kapital

Das gezeichnete Kapital der WILO SE beträgt zum Bilanzstichtag wie im Vorjahr 26.980 TEUR und ist in voller Höhe eingezahlt. Es ist in 10.117.331 Stück nennwertlose auf den Namen lautende Stammaktien und 259.418 Stück nennwertlose auf den Namen lautende Vorzugsaktien ohne Stimmrecht eingeteilt. Zum 31. Dezember 2021 befanden sich 9.912.527 Stammaktien (Vorjahr: 9.808.760) und entsprechend dem Vorjahr keine Vorzugsaktien im Umlauf.

Vom gezeichneten Kapital werden eigene Anteile im rechnerischen Wert von 1.207 TEUR (Vorjahr: 1.477 TEUR) offen abgesetzt.

Kapitalrücklage

Die Kapitalrücklage in Höhe von 35.680 TEUR (Vorjahr: 26.161 TEUR) resultiert aus der im Geschäftsjahr 2011 durchgeführten Kapitalerhöhung in Höhe von insgesamt 15.507 TEUR, wovon 14.527 TEUR in die Kapitalrücklage der WILO SE eingestellt wurden. Die Erhöhung im Geschäftsjahr 2021 resultiert aus der Veräußerung von Stammaktien in Höhe von 15.145 TEUR, wovon 9.519 TEUR der Kapitalrücklage zugeführt werden.

Sonstige Rücklagen

Die sonstigen Rücklagen umfassen neben den Gewinnrücklagen die Unterschiedsbeträge aus der Umrechnung von Fremdwährungsabschlüssen aller im Rahmen der Vollkonsolidierung in den Konzernabschluss einbezogenen Gesellschaften, die versicherungsmathematischen Gewinne und Verluste aus Pensionsverpflichtungen sowie die Gewinne und Verluste aus der Neubewertung des Planvermögens. Die Gewinnrücklagen enthalten darüber hinaus die gesetzliche Rücklage gemäß § 150 Abs. 2 AktG in Höhe von 10,0 % des gezeichneten Kapitals der WILO SE.

Die sonstigen Rücklagen haben sich in den Geschäftsjahren 2021 und 2020 wie folgt entwickelt:

TEUR 2021 2020
Stand zum 01.01. 742.956 770.459
Anteil der Aktionäre der WILO SE am:
Konzernergebnis 49.017 24.874
sonstigen Konzernergebnis 16.446 -36.460
Dividendenzahlung -8.141 -15.890
Übrige Veränderungen -571 -27
Stand zum 31.12. 799.707 742.956

Eigene Anteile

Im Dezember 2021 hat die WILO SE 103.767 Stammaktien, entsprechend 1,0 % des Grundkapitals, zum Preis von EUR/Stück 145,95 verkauft. Demzufolge hält die Gesellschaft zum 31. Dezember 2021 eigene Aktien in Höhe von 464.222 Stück. Dies entspricht 4,5 % des Grundkapitals. Zum 31. Dezember 2021 weist die Gesellschaft 204.804 Stammaktien (Vorjahr: 308.571) und 259.418 Vorzugsaktien (Vorjahr: 259.418) als eigene Anteile aus.

Dividenden

Die Hauptversammlung hat am 15. April 2021 beschlossen, aus dem Bilanzgewinn zum 31. Dezember 2020 eine Ausschüttung in Höhe von 8.141 TEUR vorzunehmen (Vorjahr: 15.890 TEUR). Dies entspricht einer Dividende je Stammaktie in Höhe von 0,83 EUR.

Kapitalmanagement

Es ist eine unternehmerische Zielsetzung der Wilo Gruppe, eine möglichst starke Eigenkapitalbasis zu wahren, um das Vertrauen bei allen wichtigen Interessengruppen sowie die Weiterentwicklung der Gruppe zu fördern. Eine solide Eigenkapitalbasis ist ferner ein wichtiger Faktor für eine stabile Risikoeinschätzung durch die Fremdkapitalgeber, welche eine wichtige Voraussetzung für die Finanzierung der Wilo Gruppe zu angemessenen Konditionen bildet. Der Vorstand und der Aufsichtsrat sowie die Anteilseigner der WILO SE achten darauf, dass eine verantwortliche Dividendenpolitik betrieben und eine angemessene Verzinsung des investierten Kapitals erreicht wird, um so einen Beitrag zur zukunftssichernden Wertsteigerung des Unternehmens zu leisten.

Im Rahmen der monatlichen Berichterstattung wird der Vorstand der WILO SE über die Eigenkapitalsituation der Wilo Gruppe informiert. Des Weiteren wird in regelmäßigen Abständen sowie nach Bedarf die Eigenkapitalsituation der vollkonsolidierten Tochterunternehmen überprüft und gegebenenfalls Maßnahmen unter Beachtung der steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen eingeleitet, um sowohl die operativen Ziele jeder Tochtergesellschaft als auch die strategischen Ziele der Wilo Gruppe durch eine entsprechende Eigenkapitalausstattung zu unterstützen.

Zum 31. Dezember 2021 weist die Wilo Gruppe ein Eigenkapital in Höhe von 836.750 TEUR (Vorjahr: 764.854 TEUR) aus, welches im Wesentlichen aus frei verfügbaren Gewinnrücklagen in Höhe von 893.726 TEUR (Vorjahr: 853.421 TEUR) besteht.

Die frei verfügbaren Gewinnrücklagen beinhalten nicht die gesetzliche Rücklage der WILO SE in Höhe von 2.698 TEUR (Vorjahr: 2.698 TEUR). Die frei verfügbaren Gewinnrücklagen und die gesetzliche Rücklage bilden gemeinsam die Gewinnrücklagen in Höhe von 896.424 TEUR (Vorjahr: 856.119 TEUR).

Die WILO SE hat sich im Rahmen der Aufnahme von Schuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen unter anderem dazu verpflichtet, eine Mindesteigenkapitalquote auszuweisen. Die Gesellschaft ist dieser Verpflichtung in den Geschäftsjahren 2021 und 2020 vollumfänglich nachgekommen. Detailliertere Erläuterungen zu diesen Schuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen werden unter Angabe (9.10) des Konzernanhangs gegeben.

(9.11) Finanzschulden

Die Finanzschulden setzen sich zum 31. Dezember 2021 und 2020 wie folgt zusammen:

TEUR 31.12.2021 31.12.2020
Langfristige Finanzschulden
mit einer Restlaufzeit
von > 1 bis < 5 Jahren 259.035 88.121
von > 5 Jahren 129.157 141.039
Gesamt 388.192 229.160
Kurzfristige Finanzschulden
mit einer Restlaufzeit
von < 1 Jahr 25.840 117.095

Die WILO SE weist zum 31. Dezember 2021 die folgenden wesentlichen Finanzierungsvereinbarungen aus:

• USPP 2035

Im April 2020 hat die WILO SE eine Schuldverschreibung im Rahmen einer US-Privatplatzierung in Höhe von 90,0 Mio. EUR mit einer Laufzeit von 15 Jahren begeben ("USPP 2035"). Die Schuldverschreibung ist endfällig, wird mit einem Zinssatz von 1,55 % p.a. verzinst und ist weder dinglich noch durch finanzielle Vermögenswerte der WILO SE besichert.

• USPP 2027

Im Mai 2017 hat die WILO SE im Rahmen einer US-Privatplatzierung eine Schuldverschreibung in Höhe von 30,0 Mio. USD mit Endfälligkeit im Jahre 2027 und einem Zinssatz von 3,22 % p.a. begeben ("USPP 2027"). Sie ist weder dinglich noch durch finanzielle Vermögenswerte der WILO SE besichert. Zum 31. Dezember 2021 valutierte die Schuldverschreibung in Höhe von 26,5 Mio. EUR.

• USPP 2023

Die WILO SE hat im März 2013 eine Schuldverschreibung in Höhe von 37,0 Mio. EUR im Rahmen einer US-Privatplatzierung begeben. Die Schuldverschreibung ist weder dinglich noch durch finanzielle Vermögenswerte der Gesellschaft besichert. Sie ist im Jahre 2023 endfällig und wird mit 3,1125 % p.a. verzinst.

• Schuldschein 2030

Im Juni 2020 hat die WILO SE ein Schuldscheindarlehen ("Schuldschein 2030") in Höhe von 15,0 Mio. EUR mit einer Laufzeit bis 2030 und zu einem Zinssatz von 1,50 % p.a. aufgenommen. Das Schuldscheindarlehen wird ab Dezember 2020 halbjährlich in Höhe von 750 TEUR getilgt. Es ist weder dinglich noch durch finanzielle Vermögenswerte der Gesellschaft besichert. Zum Bilanzstichtag valutierte das Schuldscheindarlehen in Höhe von 12,75 Mio. EUR.

• Schuldschein 2027

Die WILO SE hat im Juni 2017 ein Schuldscheindarlehen ("Schuldschein 2027") in Höhe von 50,0 Mio. EUR mit einer Laufzeit bis 2027 und zu einem Zinssatz von 1,35 % p.a. aufgenommen. Das Schuldscheindarlehen wird ab Dezember 2022 halbjährlich in Höhe von 5,0 Mio. EUR getilgt. Es ist weder dinglich noch durch finanzielle Vermögenswerte der Gesellschaft besichert.

• KfW-Förderdarlehen 2027

Zur Finanzierung der Bauvorhaben am Standort Dortmund wurde im November 2017 für das Verwaltungsgebäude ein KfW-Förderdarlehen über 19,5 Mio. EUR mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Zinssatz von 1,15 % abgeschlossen ("KfW-Förderdarlehen 2027") und mittels einer erstrangigen Grundschuld besichert. Die Darlehenssumme wurde seit 2018 in Teilbeträgen nach Baufortschritt vollständig abgerufen. Nach Ablauf von zwei tilgungsfreien Jahren erfolgt die Tilgung ratierlich seit 2020. Zum Bilanzstichtag valutierte das KfW-Förderdarlehen in Höhe von 14,6 Mio. EUR.

• Konsortialkredit 2024

Im Juli 2013 hat die WILO SE eine Vereinbarung über einen Konsortialkredit mit revolvierender Kreditlinie in Höhe von 120,0 Mio. EUR mit einer ursprünglichen Laufzeit von fünf Jahren abgeschlossen ("Konsortialkredit 2024"). Der Konsortialkredit wurde im Juli 2017 vorzeitig bis zum Jahr 2022 verlängert und entsprechend dem geplanten Finanzierungsbedarf auf 200,0 Mio. EUR erhöht. Die vertraglich vereinbarten Optionen zur Erhöhung der Kreditlinie auf 300,0 Mio. EUR bzw. zur Verlängerung der Laufzeit um maximal zwei Jahre wurden in der Folge jeweils in Anspruch genommen, sodass die Laufzeit nun im Jahr 2024 endet. Der Zinssatz wird vierteljährlich auf Basis des Verschuldungsgrades ermittelt. Der Konsortialkredit ist weder dinglich noch durch finanzielle Vermögenswerte der Gesellschaft besichert. Zum Bilanzstichtag waren 140,0 Mio. EUR (Vorjahr: 30,0 Mio. EUR) der Kreditlinie in Anspruch genommen und somit noch 160,0 Mio. EUR (Vorjahr: 270,0 Mio. EUR) frei verfügbar.

Die Gesellschaft ist verpflichtet, bestimmte marktübliche Finanzkennzahlen (Verhältnis des konsolidierten EBITDA zu konsolidiertem Zinsaufwand (Zinsdeckungsgrad), Verhältnis der konsolidierten Nettoverschuldung zu konsolidiertem EBITDA (Verschuldungsgrad) sowie Eigenkapitalquote) im Rahmen der begebenen Schuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen zu erfüllen. Die WILO SE ist dieser Verpflichtung in den Geschäftsjahren 2021 und 2020 vollumfänglich nachgekommen. Weiterhin enthalten die Verträge eine Reihe marktüblicher Kündigungsgründe.

Im Zusammenhang mit diesen Finanzierungsvereinbarungen sind Anschaffungsnebenkosten entstanden, die aktivisch von den Finanzschulden abgesetzt sind und unter Anwendung der Effektivzinsmethode über die Laufzeit der Finanzierungsverträge verteilt sowie aufwandswirksam ausgewiesen werden. Zum Bilanzstichtag betrugen die noch zu verteilenden Anschaffungsnebenkosten 198 TEUR (Vorjahr: 383 TEUR).

Zum 31. Dezember 2021 weisen die Finanzschulden einen beizulegenden Zeitwert in Höhe von 430.273 TEUR (Vorjahr: 356.703 TEUR) auf, der unter Anwendung von Barwertmodellen ermittelt worden ist.

Die kurzfristigen Finanzschulden bestehen im Wesentlichen aus den Tranchen langfristiger Finanzschulden, die im Geschäftsjahr 2022 getilgt werden sowie der Inanspruchnahme von Kreditlinien.

(9.12) Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen setzen sich zum 31. Dezember 2021 und 2020 wie folgt zusammen:

TEUR 31.12.2021 31.12.2020
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
mit einer Restlaufzeit von < 1 Jahr 233.463 178.788
Gesamt 233.463 178.788

Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen umfassen offene Verpflichtungen aus dem gewöhnlichen Lieferungs- und Leistungsverkehr. Der Vorstand geht davon aus, dass der Buchwert der langfristigen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen annähernd ihrem beizulegenden Zeitwert entspricht.

(9.13) Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten

TEUR 31.12.2021 31.12.2020
Langfristige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten aus Leasing
mit einer Restlaufzeit von > 1 < 5 Jahren 18.363 18.132
mit einer Restlaufzeit von > 5 Jahren 925 2.405
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten mit einer Restlaufzeit von > 1 < 5 Jahren 899 18
Übrige finanzielle Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von > 1 < 5 Jahren 4.429 4.045
Gesamt 24.616 24.600
Kurzfristige sonstige finanzielle Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten aus Wechseln 10.571 9.570
Verbindlichkeiten gegenüber nicht konsolidierten Tochterunternehmen, gemeinschaftlich geführten Unternehmen oder assoziierten Unternehmen 2.729 2.650
Verbindlichkeiten aus Leasing 12.385 12.368
Reverse Factoring 4.614 3.776
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten 750 422
Übrige finanzielle Verbindlichkeiten 18.764 14.348
Gesamt 49.813 43.134

Wie nach IFRS 15 zulässig, werden keine Angaben zu den verbleibenden Leistungsverpflichtungen zum 31. Dezember 2021 oder zum 31. Dezember 2020 gemacht, die eine erwartete ursprüngliche Laufzeit von einem Jahr oder weniger haben. Die kurzfristigen sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von unter einem Jahr. Die übrigen finanziellen Verbindlichkeiten enthalten unter anderem Beträge für Steuerberatung, Jahresabschlusskosten, Provisionen, Delkredere-Provisionen und andere finanzielle Verpflichtungen gegenüber fremden Unternehmen. Der Vorstand geht davon aus, dass der Buchwert der sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten annähernd ihrem beizulegenden Zeitwert entspricht.

(9.14) Sonstige Verbindlichkeiten

Die sonstigen Verbindlichkeiten setzen sich zum 31. Dezember 2021 und 2020 wie folgt zusammen:

TEUR 31.12.2021 31.12.2020
Langfristige sonstige Verbindlichkeiten
Vertragsverbindlichkeiten (IFRS 15) 2.350 2.282
Abgegrenzte Einnahmen 1.321 1.290
Gesamt 3.671 3.572
Kurzfristige sonstige Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten aus sonstigen Steuern 18.843 16.715
Verbindlichkeiten Personal 40.414 32.550
Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen 42.500 21.437
Verbindlichkeiten im Rahmen der sozialen Sicherheit 5.076 4.533
Abgegrenzte Einnahmen 192 161
Übrige Verbindlichkeiten 4.815 3.704
Gesamt 111.840 79.100

Die langfristigen sonstigen Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit zwischen einem und fünf Jahren. Die kurzfristigen sonstigen Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von unter einem Jahr.

Die Verbindlichkeiten Personal enthalten Beträge für rückständigen Urlaub, Tantiemen und Gratifikationen, noch abzurechnende Gehälter, Berufsgenossenschaft und Abfindungen.

(9.15) Rückstellungen für Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen

Die Pensionen und sonstigen Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses setzen sich zum 31. Dezember 2021 und 2020 wie folgt zusammen:

TEUR 31.12.2021 31.12.2020
Rückstellung für Pensionen 87.053 88.927
Ähnliche Verpflichtungen 3.745 3.819
Gesamt 90.798 92.746

Die Pensionsrückstellungen setzen sich wie folgt zusammen:

TEUR 31.12.2021 31.12.2020
Barwert der Pensionsverpflichtung 101.197 101.556
Beizulegender Zeitwert des Planvermögens -14.144 -12.629
Rückstellung für Pensionen 87.053 88.927

Pensionsverpflichtungen werden für Verpflichtungen aus Anwartschaften und laufenden Leistungen an berechtigte aktive und ehemalige Mitarbeiter der Wilo Gruppe und ihre Hinterbliebenen auf der Grundlage leistungsdefinierter Versorgungspläne (Defined Benefit Plans) gebildet.

Die Versorgungsleistungen werden in Abhängigkeit von den länderspezifischen Gegebenheiten gewährt und basieren in der Regel auf der Beschäftigungsdauer und dem Entgelt der Mitarbeiter. Zum überwiegenden Teil erhalten die Begünstigten Leistungen in Form von lebenslangen Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenrenten. In geringerem Umfang werden Leistungen in Form von Einmalzahlungen bei Renteneintritt gewährt.

Die entsprechenden Rückstellungen bemessen sich nach versicherungsmathematischen Bewertungen der bestehenden Versorgungsverpflichtungen, die in jedem Jahr neu durchgeführt werden.

Die Aufwendungen aus den Zusagen werden entsprechend dem versicherungsmathematischen Gutachten über die Dienstzeit der Beschäftigten verteilt und bestehen aus Personal- und Zinsaufwand. Dabei wird der Personalaufwand den entsprechenden Funktionsbereichen zugeordnet. Der Zinsaufwand wird saldiert mit dem Zinsertrag aus Planvermögen im sonstigen Finanzergebnis ausgewiesen. Versicherungsmathematische Gewinne und Verluste bzw. Neubewertungen des Planvermögens werden in voller Höhe im sonstigen Ergebnis erfasst.

Der leistungsorientierte Plan der WILO SE wurde zum 31. Dezember 2005 geschlossen. Dafür wurde ein beitragsorientierter Plan (Defined Contribution Plan) für die Mitarbeiter der WILO SE eingerichtet, die ab dem 1. Januar 2006 eine Pensionszusage erhalten haben. Der Aufwand aus beitragsorientierten Plänen innerhalb der Wilo Gruppe betrug im Berichtsjahr 3.697 TEUR (Vorjahr: 3.195 TEUR).

Der Barwert der Pensionsverpflichtungen hat sich wie folgt entwickelt:

TEUR 2021 2020
Stand zum 01.01 101.556 99.367
Laufender Dienstzeitaufwand 4.405 3.544
Nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand 40 16
Zinsaufwand 872 1.073
Neubewertungen
Versicherungsmathematische Gewinne/Verluste aus der Veränderung von demografischen Annahmen -913 499
Versicherungsmathematische Gewinne/Verluste aus der Veränderung von finanziellen Annahmen -1.014 1.020
Versicherungsmathematische Gewinne/Verluste aus Erfahrungsanpassungen -110 -247
Pensionszahlungen -3.257 -3.065
Währungseffekte und übrige Änderungen -382 -651
Stand zum 31.12 101.197 101.556

Die Pensionsverpflichtung verteilt sich wie folgt auf die Begünstigten:

Aktive begünstigte Arbeitnehmer: 56.885 TEUR (Vorjahr: 57.751 TEUR)

Ausgeschiedene begünstigte Arbeitnehmer: 10.381 TEUR (Vorjahr: 10.060 TEUR)

Pensionäre: 33.931 TEUR (Vorjahr: 33.745 TEUR)

Die Bewertung der Pensionsverpflichtung beruht auf versicherungsmathematischen Annahmen. Entsprechend ist die Wilo Gruppe bestimmten versicherungsmathematischen Risiken ausgesetzt. Dazu zählen insbesondere Zinsrisiken, Rentensteigerungsrisiken, Gehaltsrisiken sowie Langlebigkeitsrisiken.

Veränderungen der maßgeblichen versicherungsmathematischen Annahmen hätten folgende Auswirkungen auf den Barwert der Pensionsverpflichtung gehabt:

Barwert der Pensionsverpflichtung
Veränderung in %
2021 2020
Diskontierungszins +0,5 % -6,3 -7,3
-0,5 % 7,2 7,6
Rentenfaktor +0,25 % 2,6 2,6
-0,25 % -2,5 -2,5
Gehaltsfaktor +0,25 % 0,2 0,3
-0,25 % -0,2 0,0
Lebenserwartung + 10 % 6,6 6,7

Die Berechnung der Sensitivitäten unterstellt jeweils nur die Änderung eines einzelnen Faktors, während die anderen versicherungsmathematischen Annahmen konstant gehalten werden. Bei den zugrunde gelegten Abweichungen handelt es sich um realistische Annahmen, die auf Erfahrungswerten aus der Vergangenheit und zukünftigen Markterwartungen beruhen.

Zum 31. Dezember 2021 beträgt die gewichtete durchschnittliche Laufzeit der leistungsorientierten Verpflichtung 15,8 Jahre (Vorjahr: 16,1 Jahre).

Die Pensionsverpflichtungen in Höhe von 101.197 TEUR (Vorjahr: 101.556 TEUR) betreffen zu 71,8 % das Inland (Vorjahr: 72,2 %).

Die Wilo Gruppe hat sich insbesondere in Deutschland dazu entschieden, den Innenfinanzierungseffekt der Pensionsrückstellungen zu nutzen und nur zu einem relativ geringen Teil Pensionsverpflichtungen mit Planvermögen zu hinterlegen. Der beizulegende Zeitwert des Planvermögens hat sich wie folgt entwickelt:

TEUR 2021 2020
Stand zum 01.01. 12.629 12.195
Zinsertrag 196 185
Neubewertung
Gewinn/Verlust aus Planvermögen (ohne Zinsertrag) 93 43
Auszahlungen -545 -416
Einzahlungen durch Arbeitgeber 1.113 892
Währungseffekte und übrige Änderungen 658 -270
Stand zum 31.12. 14.144 12.629

Das Planvermögen setzt sich wie folgt zusammen:

TEUR 2021 2020
Zahlungsmittel 11.136 10.579
Qualifizierte Versicherungspolicen 2.574 1.634
Investmentfonds 434 416
Stand zum 31.12. 14.144 12.629

Darüber hinaus bestehen Rückdeckungsversicherungen zur Absicherung der rückstellungsfinanzierten Pensionsverpflichtungen in Höhe von 2.676 TEUR (Vorjahr: 1.510 TEUR), die allerdings nicht die Voraussetzungen für die Klassifizierung als Planvermögen gemäß IAS 19 erfüllen.

Die Wilo Gruppe geht zurzeit davon aus, dass keine wesentlichen Einzahlungen in das Planvermögen in den kommenden Jahren vorgenommen werden.

Pensionsähnliche Verpflichtungen

Die pensionsähnlichen Verpflichtungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses für 2021 betragen 3.745 TEUR (Vorjahr: 3.819 TEUR). Die Bruttoverpflichtung beträgt 6.066 TEUR (Vorjahr 7.675 TEUR). Darin enthalten sind Bruttoverpflichtungen aus Altersteilzeit für die WILO SE in Höhe von 4.989 TEUR (Vorjahr: 5.751 TEUR). Der am Bilanzstichtag beizulegende Zeitwert von Planvermögen in Höhe von 3.441 TEUR (Vorjahr: 3.983 TEUR) wurde in Abzug gebracht, soweit es die Erfüllungsrückstände aus Altersteilzeit betrifft. Der darüber hinaus bestehende Teil des Planvermögens in Höhe von 1.120 TEUR (Vorjahr: 127 TEUR), der nicht mit den Erfüllungsrückständen aus Altersteilzeit verrechnet wird, wird unter den Rückdeckungsansprüchen innerhalb der langfristigen sonstigen Vermögenswerte ausgewiesen. Der Diskontierungszinssatz für die Berechnung der Verpflichtungen aus Altersteilzeit zum 31. Dezember 2021 beträgt -0,15 % (Vorjahr: - 0,13 %). Ferner wurde eine jährliche Lohn- und Gehaltssteigerung in Höhe von 1,5 % (Vorjahr: 1,5 %) angenommen.

(9.16) Sonstige Rückstellungen

Die lang- und kurzfristigen Rückstellungen für Garantien werden für mögliche Gewährleistungsfälle gebildet und anhand der Erfahrungen der Vergangenheit und der geplanten Maßnahmen bewertet.

Die Rückstellung für Boni und Rabatte umfasst Rückvergütungen an Kunden für das Geschäftsjahr 2021. Die Wilo Gruppe erwartet, dass die entsprechenden Rückvergütungen in Höhe von 23.114 TEUR (Vorjahr: 21.741 TEUR) bis Mitte des Jahres 2022 nahezu vollständig an die Kunden ausgezahlt werden.

Kurzfristig
TEUR Boni und Rabatte Garantien Restrukturierung Übrige Gesamt
01.01.2021 21.741 14.935 14.848 10.407 61.931
Währungsumrechnung 477 124 0 524 1.125
Inanspruchnahme 10.317 1.172 4.704 3.348 19.541
Umbuchung 0 66 2.601 0 2.667
Auflösung 671 2.766 3.729 1.567 8.733
Zugänge durch Unternehmenszusammenschlüsse 0 0 0 742 742
Zuführung 11.884 4.032 1.464 7.201 24.581
31.12.2021 23.114 15.219 10.480 13.959 62.772
Langfristig
TEUR Garantien Restrukturierung Jubiläum Gesamt
01.01.2021 3.785 2.601 1.733 8.119
Währungsumrechnung 14 0 0 14
Inanspruchnahme 364 0 0 364
Umbuchung -66 -2.601 0 -2.667
Auflösung 231 0 0 231
Zugänge durch Unternehmenszusammenschlüsse 583 0 0 583
Zuführung 783 0 198 981
31.12.2021 4.504 0 1.931 6.435

Die Wilo Gruppe hat im Vorjahr zukunftssichernde und wachstumsorientierte Restrukturierungsmaßnahmen zur weiteren Senkung der Kostenbasis sowie zur Stärkung der Unabhängigkeit von regionalen Wertschöpfungsketten initiiert. Diese betreffen sämtliche Unternehmensbereiche und beinhalten auch die Verlagerung von Funktionen sowie die Konsolidierung von Standorten. Die Maßnahmen sind wichtige strukturelle Voraussetzungen für profitables Wachstum und werden die Zukunftsfähigkeit der Wilo Gruppe nachhaltig stärken. Die Folgemaßnahmen haben im Berichtsjahr das sonstige betriebliche Ergebnis mit insgesamt 1,5 Mio. EUR belastet.

(9.17) Steuerschulden

Die Wilo Gruppe weist zum Bilanzstichtag Schulden aus Steuern vom Einkommen und Ertrag in Höhe von 7.832 TEUR (Vorjahr: 7.989 TEUR) aus.

(10.) Erläuterungen zur Konzern-Kapitalflussrechnung

Die Konzern-Kapitalflussrechnung ist nach Zahlungsströmen (Cashflows) aus der operativen Geschäftstätigkeit, der Investitions- und der Finanzierungstätigkeit gegliedert. Der Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit wird nach der indirekten Methode ermittelt und währungsbereinigt ausgewiesen. Auswirkungen des Einflusses von Währungskursänderungen und konsolidierungskreisbedingten Änderungen auf die Zahlungsmittel werden gesondert ausgewiesen. Die Zahlungsmittel umfassen zum 31. Dezember 2021 Barmittel und Sichteinlagen bei Kreditinstituten in Höhe von 189.880 TEUR (Vorjahr: 188.952 TEUR), wovon liquide Mittel in Höhe von 3.822 TEUR (Vorjahr: 967 TEUR) Verfügungsbeschränkungen unterliegen.

Die währungskursbedingten Änderungen der Zahlungsmittel in Höhe von 9.576 TEUR (Vorjahr: -8.763 TEUR) betreffen Effekte aus der Umrechnung der Fremdwährungsbestände an Zahlungsmitteln in Berichtswährung. Unter den Auszahlungen für Investitionen in immaterielle Vermögenswerte sind Auszahlungen im Zusammenhang mit aktivierten Entwicklungskosten in Höhe von 16.119 TEUR (Vorjahr: 17.348 TEUR) enthalten.

Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit zeigt folgende Veränderungen der Finanzschulden sowie der Leasingverbindlichkeiten:

Nicht zahlungswirksam
TEUR 01.01.2021 Zahlungs-
ströme
Zugang durch Unternehmenszus-
ammenschlüsse
Ubrige zahlungsunwirksame Veränderungen
Finanzschulden langfristig 229.160 125.275 18.516 15.241
Finanzschulden kurzfristig 117.095 -76.078 64 -15.241
Leasingverbindlichkeiten 32.905 -15.694 76 13.994
Gesamt 379.160 33.503 18.656 13.994
Nicht zahlungswirksam
TEUR Währungs-
umrechnung
31.12.2021
Finanzschulden langfristig 0 388.192
Finanzschulden kurzfristig 0 25.840
Leasingverbindlichkeiten 393 31.674
Gesamt 393 445.706
Nicht zahlungswirksam
TEUR 01.01.2020 Zahlungs-
ströme
Übrige zahlungsunwirksame Veränderungen Währungs-
umrechnung
31.12.2020
Finanzschulden langfristig 205.406 104.442 -80.688 0 229.160
Finanzschulden kurzfristig 113.503 -77.096 80.688 0 117.095
Leasing verbindlichkeiten 41.532 -15.706 8.377 -1.298 32.905
Gesamt 360.441 11.640 8.377 -1.298 379.160

Die erhaltenen Zinsen werden für die liquiden Mittel ebenso wie die gezahlten Zinsen dem Cashflow aus Finanzierungstätigkeit zugeordnet, da die erhaltenen Zinsen im Wesentlichen Zahlungen im Zusammenhang mit der kurzfristigen Wiederanlage von aufgenommenen, aber noch nicht benötigten Finanzmitteln beinhalten.

(11.) Angaben zu Finanzinstrumenten

(11.1) Derivative Finanzinstrumente

Die folgende Tabelle stellt die Marktwerte der derivativen Finanzinstrumente zum 31. Dezember 2021 sowie die Veränderung zum Vorjahr dar:

Marktwert
Laufzeit ab 31.12.2021
TEUR < 1 Jahr > 1 Jahr < 5 Jahre > 5 Jahr Vorjahr
Devisentermingeschäfte -354 -546 -22 1.585
Rohstoffderivate 324 0 0 2.053
Nominalvolumen
TEUR 31.12.2021 31.12.2020
Devisentermingeschäfte 81.699 57.955
Rohstoffderivate 452 6.152

Im Finanzergebnis stehen Gewinne von 414 TEUR (Vorjahr: 1.706 TEUR) Verlusten in Höhe von 2.641 TEUR (Vorjahr: 665 TEUR) gegenüber (vgl. Angabe (8.7) und (8.8) des Konzernanhangs).

Cashflow Hedge Accounting für langfristige Darlehen

Die WILO SE hat verschiedene langfristige Darlehen über insgesamt 100,6 Mio. USD (Vorjahr: 65,0 Mio. USD) an die WILO USA LLC ausgereicht. Davon sind zum Stichtag 60,6 Mio. USD (Vorjahr: 34,5 Mio. USD) im Bestand. Die Darlehensverträge sehen Zins- und Tilgungszahlungen vor. Obgleich die Darlehen (Grundgeschäfte) im Konsolidierungsprozess eliminiert werden, verbleibt aus der Währungsumrechnung der Konzerndarlehen im Abschluss der WILO SE ein Währungsrisiko und -ergebnis im Finanzergebnis des Konzernabschlusses. Das Risiko besteht im variablen Wert des USD-Zahlungsstroms für Tilgungen zu den jeweiligen Rückzahlungszeitpunkten in den benötigten EUR.

Aus diesem Grund hat die WILO SE zum 31. Dezember 2021 insgesamt 33 (Vorjahr: 16) konzernexterne Devisentermingeschäfte (Sicherungsinstrument) im Bestand, die die Rückzahlungstranchen dieser Darlehen bis zum 2. August 2027 sichern und die in ein Cashflow Hedge Accounting designiert sind. Der Marktwert dieser Derivate beträgt zum Stichtag - 754 TEUR (Vorjahr: 1.793 TEUR) und wird in den kurzfristigen sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten (Vorjahr: kurzfristige sonstige finanzielle Vermögenswerte) ausgewiesen.

In zukünftigen Perioden werden die nachfolgend dargestellten Wertbeiträge vom sonstigen Ergebnis (Other Comprehensive Income) in das Währungsergebnis reklassifiziert.

2021 Buchwert Erwartete Reklassifizierung
TEUR < 1 Jahr > 1 < 5 Jahre > 5 Jahre
Sonstiges Ergebnis 453 501 78 -126
Nominal in Mio. USD 11,8 44,4 4,3
Durchschnittlicher Sicherungskurs USD/EUR 1,1680 1,2011 1,2379
Marktwert -754 -227 -504 -23
2020 Buchwert Erwartete Reklassifizierung
TEUR < 1 Jahr > 1 < 5 Jahre > 5 Jahre
Sonstiges Ergebnis 1.512 816 654 42
Nominal in Mio. USD 10,0 22,0 3,0
Durchschnittlicher Sicherungskurs USD/EUR 1,1816 1,1658 1,1732
Marktwert 1.793 300 1.239 254

Insgesamt wurde im Geschäftsjahr zunächst ein Ergebnis aus der Marktwertentwicklung der Derivate in Höhe von - 2.246 TEUR (Vorjahr: 2.023 TEUR) im sonstigen Ergebnis erfasst. Im gleichen Zeitraum wurde ein Teil des abgegrenzten Ergebnisses in Höhe von 5.669 TEUR (Vorjahr: -2.691 TEUR) für bestehende Derivate und 816 TEUR (Vorjahr: 507 TEUR) für abgerechnete Derivate in das Währungsergebnis reklassifiziert. In gleicher Höhe wurde dadurch ein Währungsergebnis des Konzerndarlehens kompensiert. Es ergab sich im Geschäftsjahr keine Ineffektivität. Die Effektivität der Sicherungsbeziehung ergibt sich aus der Übereinstimmung der wertkritischen Parameter von Grundgeschäft und Sicherungsinstrumenten und einer "Dollar-Offset-Bewertung" für die bilanzielle Erfassung zum Stichtag.

Cashflow Hedge Accounting - Einkäufe und Verkäufe von Waren

Darüber hinaus wendet Wilo Hedge-Accounting nach IAS 39 zur Absicherung von Währungsrisiken bei Verkäufen sowie Einkäufen von Vorräten an. Die Sicherungsstrategie führt zu einer quartalsweisen rollierenden Sicherung der Währungsrisiken auf Ebene einzelner Monatsscheiben. Dabei steigt die Sicherungsquote für einen konkreten, zukünftigen Zeitpunkt im Zeitablauf an und wird kontinuierlich durch aktuelle Planungen überprüft. Aus diesem Grund können Ineffektivitäten oder Übersicherungen konzeptionell weitgehend vermieden werden. Sollten Ineffektivitäten oder Übersicherungen auftreten, werden sie im operativen Währungsergebnis ausgewiesen. Der Konzern hielt die folgenden Devisentermingeschäfte, um sich gegen Veränderungen aus operativen Währungsrisiken abzusichern:

Devisentermingeschäfte für die Sicherung operativer Währungsrisiken

31.12.2021

1-6 Monate 6-12 Monate > ein Jahr
Nominal CHF: EUR in Mio. EUR 3,0 2,1 1,1
Durchschnittlicher Terminkurs CHF:EUR 0,9319 0,9301 0,9440
Nominal GBP: EUR in Mio. EUR 4,0 3,2 0,8
Durchschnittlicher Terminkurs GBP:EUR 1,1620 1,1552 1,1465
Nominal CNY: EUR in Mio. EUR 1,7 2,0 0,0
Durchschnittlicher Terminkurs CNY:EUR 0,1311 0,1355 0
Nominal RUB: EUR in Mio. EUR 9,2 0,0 0,0
Durchschnittlicher Terminkurs RUB:EUR 0,0118 0 0

31.12.2020

1-6 Monate 6-12 Monate > ein Jahr
Nominal CHF: EUR in Mio. EUR 3,9 2,2 1,3
Durchschnittlicher Terminkurs CHF:EUR 0,9304 0,9468 0,933
Nominal GBP: EUR in Mio. EUR 5,9 4,7 0,0
Durchschnittlicher Terminkurs GBP:EUR 1,1147 1,1072 0
Nominal PLN: EUR in Mio. EUR 3,2 0,7 0,0
Durchschnittlicher Terminkurs PLN:EUR 0,2255 0,2247 0
Nominal RON: EUR in Mio. EUR 2,5 1,2 0,0
Durchschnittlicher Terminkurs RON:EUR 0,2007 1,1984 0

Rollierende FX-Absicherung aus Zahlungseingängen/Lieferantenzahlungen

2021 Wechselkursrisiko in TEUR

Devisentermingeschäfte für Verkäufe Devisentermingeschäfte für Einkäufe
Buchwert sonstiges Ergebnis Stand zum 01.01. 152 -8
Veränderung im sonstigen Ergebnis 1) 2.290 -174
Reklassifizierung aus dem sonstigen Ergebnis in die Gewinn- und Verlustrechnung -2.133 75
Buchwert sonstiges Ergebnis Stand zum 31.12. 309 -107
davon:
Buchwert Devisentermingeschäft Vermögenswert 2) 277 49
Buchwert Devisentermingeschäft Schuld 2) -500 0
Nominalbetrag zu Stichtag 22.359 -500

2020 Wechselkursrisiko in TEUR

Devisentermingeschäfte für Verkäufe Devisentermingeschäfte für Einkäufe
Buchwert sonstiges Ergebnis Stand zum 01.01. 930 0
Veränderung im sonstigen Ergebnis 1) -3.021 105
Reklassifizierung aus dem sonstigen Ergebnis in die Gewinn- und Verlustrechnung 2.179 -49
Buchwert sonstiges Ergebnis Stand zum 31.12. 88 56
davon:
Buchwert Devisentermingeschäft Vermögenswert 2) 233 0
Buchwert Devisentermingeschäft Schuld 2) -322 -76
Nominalbetrag zu Stichtag 18.169 -1.277

1) Der Betrag entspricht der Wertänderung der Grundgeschäfte, die zur Ermittlung der Ineffektivität verwendet wurde. Der Betrag entspricht mit umgekehrten Vorzeichen der Wertänderung der Sicherungsinstrumente, die zur Ermittlung der Ineffektivität verwendet wurde.
2) Die Buchwerte der Sicherungsinstrumente werden unter den "Sonstigen finanziellen Vermögenswerten" (9.5) bzw. den "Sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten" (9.13) ausgewiesen. Die Cashflow-Hedge-Accounting-Rücklage wird im sonstigen Ergebnis (Eigenkapital) ausgewiesen.

(11.2) Angaben zu Buchwerten und Marktwerten der Finanzinstrumente

In den folgenden Tabellen werden die finanziellen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten mit ihren Buchwerten zum 31. Dezember 2021 pro Bewertungskategorie gemäß IFRS 9 bzw. nach Klassen der Bilanz dargestellt.

Sonstige finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten zum 31.12.2021

2021 Buchwert in der Bilanz nach IFRS 9
TEUR Bewertungskategorie nach IFRS 9 Fortgeführte Anschaffungskosten Beizulegender Zeitwert Derivate im Hedge Accounting
Langfristige und kurzfristige finanzielle Vermögenswerte
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Sonstige finanzielle Vermögenswerte Fortgeführte Anschaffungskosten 292.669
Forderungen gegen Tochterunternehmen, gemeinschaftlich geführte Unternehmen und assoziierte Unternehmen Fortgeführte Anschaffungskosten 399
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten nicht im Hedge Accounting befindlich FVTPL 329
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten im Hedge Accounting befindlich n/a 722
Ausleihungen und Darlehen Fortgeführte Anschaffungskosten 64
Eigenkapitalinstrumente FVOCI EK 4.159
Übrige finanzielle Vermögenswerte Fortgeführte Anschaffungskosten 11.661
Zahlungsmittel Fortgeführte Anschaffungskosten 189.880
Langfristige und kurzfristige finanzielle Verbindlichkeiten
Finanzschulden Fortgeführte Anschaffungskosten 414.032
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten Fortgeführte Anschaffungskosten 233.463
Verbindlichkeiten aus Wechseln Fortgeführte Anschaffungskosten 10.571
Verbindlichkeiten gegenüber Tochterunternehmen, gemeinschaftlich geführte Unternehmen und assoziierten Unternehmen Fortgeführte Anschaffungskosten 2.729
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten nicht im Hedge Accounting befindlich FVTPL 0
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten im Hedge Accounting befindlich n/a 1.649
Übrige finanzielle Verbindlichkeiten Fortgeführte Anschaffungskosten 27.807
davon aggregiert nach den Bewertungskategorien gemäß IFRS 9
Fortgeführte Anschaffungskosten 1.183.275
FVOCI EK 4.159
FVTPL 329
Derivate im Hedge Accounting -927

Sonstige finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten zum 31.12.2020

2020 Buchwert in der Bilanz nach IFRS 9
TEUR Bewertungskategorie nach IFRS 9 Fortgeführte Anschaffungskosten Beizulegender Zeitwert Derivate im Hedge Accounting
Langfristige und kurzfristige finanzielle Vermögenswerte
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen Fortgeführte Anschaffungskosten 279.276
Sonstige finanzielle Vermögenswerte
Forderungen gegen Tochterunternehmen, gemeinschaftlich geführte Unternehmen und assoziierte Unternehmen Fortgeführte Anschaffungskosten 247
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten nicht im Hedge Accounting befindlich FVTPL 2.053
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten im Hedge Accounting befindlich n/a 2.025
Ausleihungen und Darlehen Fortgeführte Anschaffungskosten 132
Eigenkapitalinstrumente FVOCI EK 1.994
Übrige finanzielle Vermögenswerte Fortgeführte Anschaffungskosten 10.763
Zahlungsmittel Fortgeführte Anschaffungskosten 188.952
Langfristige und kurzfristige finanzielle Verbindlichkeiten
Finanzschulden Fortgeführte Anschaffungskosten 346.255
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen Fortgeführte Anschaffungskosten 178.788
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten
Verbindlichkeiten aus Wechseln Fortgeführte Anschaffungskosten 9.570
Verbindlichkeiten gegenüber Tochterunternehmen, gemeinschaftlich geführtenn Unternehmen und assoziierten Unternehmen Fortgeführte Anschaffungskosten 2.650
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten nicht im Hedge Accounting befindlich FVTPL 42
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten im Hedge Accounting befindlich n/a 398
Übrige finanzielle Verbindlichkeiten Fortgeführte Anschaffungskosten 22.169
davon aggregiert nach den Bewertungskategorien gemäß IFRS 9
Fortgeführte Anschaffungskosten 1.038.802
FVOCI EK 1.994
FVTPL 2.011
Derivate im Hedge Accounting 1.627

Die Buchwerte der finanziellen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten im Anwendungsbereich von IFRS 7 stimmen grundsätzlich mit ihren beizulegenden Zeitwerten (Marktwerten) je Klasse überein. Lediglich bei den Finanzschulden weichen die Buchwerte in Höhe von 414.032 TEUR (Vorjahr: 346.255 TEUR) von den beizulegenden Zeitwerten in Höhe von 430.273 TEUR (Vorjahr: 356.703 TEUR) ab. Die beizulegenden Zeitwerte der Finanzschulden wurden anhand von Barwertmodellen ermittelt.

Der Konzern verfügt über vier Beteiligungen, die zum beizulegenden Zeitwert gegen das sonstige Ergebnis bilanziert werden und deren beizulegender Zeitwert in Höhe von 4.159 TEUR (Vorjahr: 1.994 TEUR) der Hierarchiestufe 3 entspricht.

Die WILO SE hält im Rahmen einer strategischen Beteiligung 8 % der Anteile an der EUROCARBO S.P.A., Corropoli / Italien. Der Wert der Anteile bemisst sich neben strategischen Überlegungen im Wesentlichen am Wert des Eigenkapitalanteils und an den stillen Reserven im Sachanlagevermögen. Die indikative Bewertung basiert auf einer Fortschreibung der Investitionsentscheidung. Unter Berücksichtigung aller verfügbaren Informationen stimmen nach unserer Auffassung Anschaffungskosten und beizulegender Wert zum 31. Dezember 2021 überein.

Darüber hinaus hält die WILO SE einen Anteil in Höhe von 2,6 % an der HydroPoint Data Systems, Inc., Petaluma / USA. Die Gesellschaft ist ein Spezialist am US-amerikanischen Smart-Water-Management-Markt. In diesem sehr innovativen und neuen Geschäftsfeld ergeben sich erhebliche Planungsunsicherheiten. Durch die Unsicherheit bei der Bewertung wird der beizulegende Zeitwert über die Anschaffungskosten bestimmt.

Aus dem Erwerb der Anteile an der ABIONIK Group GmbH, Deutschland, im Berichtsjahr resultiert der Erwerb von zwei Unterbeteiligung der ABIONIK Group GmbH an der Guhong Environmental Engineering Equipment Co. Ltd., Shanghai / China und der LIKU-TECH ENVIRONMENTAL SOLUTIONS INDIA PRIVATE LIMITED, Nolambur (Chennai) / Indien. Der beizulegende Zeitwert der Beteiligungen entspricht den Anschaffungskosten in Höhe von 2.165 TEUR.

Aus keiner der Bewertungen ergab sich ein Effekt auf das Ergebnis oder auf das sonstige Ergebnis. Die Sensitivität kann nur auf Basis des Gesamtwerts bestimmt werden. Eine Erhöhung (Senkung) des jeweiligen Werts um 10 % führt zu einer Erhöhung (Senkung) des sonstigen Ergebnisses um 416 TEUR (Vorjahr: 199 TEUR).

Die Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte der Forderungen bzw. Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten, die den Bewertungskategorien "FVTPL" in Höhe von 329 TEUR (Vorjahr: 2.053 TEUR) bzw. 0 TEUR (Vorjahr: 42 TEUR) zugeordnet sind, wird unter Angabe (7.) des Konzernanhangs dargestellt.

(11.3) Nettogewinne und Nettoverluste je Bewertungskategorie

Die folgende Tabelle stellt das Nettoergebnis gemäß IFRS 7 dar, das Zinsen, Dividenden, Marktwertänderungen, Wertaufholungen, Wertberichtigungen sowie Fremdwährungseffekte je Bewertungskategorie für die finanziellen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten umfasst, die im Geschäftsjahr 2021 erfolgswirksam ausgewiesen wurden. Hierin sind keine Ergebniseffekte aus Leasingvereinbarungen berücksichtigt, da die Leasingvereinbarungen keiner Bewertungskategorie des IFRS 9 angehören.

Geschäftsjahr 2021

Bewertungskategorie Buchwert 31.12 Zinsen und Dividenden Zuführung zu Wert-
berichtigungen
Auflösung von Wert-
berichtigungen
Financial Assets
Fortgeführte Anschaffungskosten 494.673 3.069 -5.227 5.621
FVOCI EK 4.159 0 0 0
FVTPL 329 0 0 0
Financial Assets Gesamt 3.069 -5.227 5.621
Financial Liabilities
Fortgeführte Anschaffungskosten 688.602 -8.646 0 0
Financial Liabilities Gesamt -8.646 0 0
Bewertungskategorie Fremd-
währungseffekte
Nettogewinne/ Nettoverluste
Financial Assets
Fortgeführte Anschaffungskosten 23.114 26.577
FVOCI EK 0 0
FVTPL 0 0
Financial Assets Gesamt 23.114 26.577
Financial Liabilities
Fortgeführte Anschaffungskosten -24.310 -32.956
Financial Liabilities Gesamt -24.310 -32.956

Geschäftsjahr 2020

Bewertungskategorie Buchwert 31.12 Zinsen und Dividenden Zuführung zu Wert-
berichtigungen
Auflösung von Wert-
berichtigungen
Financial Assets
Fortgeführte Anschaffungskosten 479.370 2.919 -6.626 3.560
FVOCI EK 1.994 0 0 0
FVTPL 2.053 0 0 0
Financial Assets Gesamt 2.919 -6.626 3.560
Financial Liabilities
Fortgeführte Anschaffungskosten 559.432 -9.623 0 0
FVTPL 42 0 0 0
Financial Liabilities Gesamt -9.623 0 0
Bewertungskategorie Fremd-
währungseffekte
Nettogewinne/ Nettoverluste
Financial Assets
Fortgeführte Anschaffungskosten 13.602 13.455
FVOCI EK 0 0
FVTPL 0 0
Financial Assets Gesamt 13.602 13.455
Financial Liabilities
Fortgeführte Anschaffungskosten -8.930 -18.553
FVTPL 0 0
Financial Liabilities Gesamt -8.930 -18.553

(11.4) Fair-Value-Hierarchie finanzieller Vermögenswerte und Verbindlichkeiten

Die finanziellen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, die zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden, werden anhand der Ermittlung ihres beizulegenden Zeitwerts in folgende drei Level gemäß IFRS 13 eingeteilt:

Level 1: Der beizulegende Zeitwert für einen Vermögenswert oder eine Verbindlichkeit ergibt sich anhand von quotierten Marktpreisen auf aktiven Märkten für identische Vermögenswerte und Verbindlichkeiten.

Level 2: Der beizulegende Zeitwert für einen Vermögenswert oder eine Verbindlichkeit ergibt sich anhand von Wertfaktoren für diesen Vermögenswert oder diese Verbindlichkeit, die direkt oder indirekt auf einem Markt beobachtbar sind.

Level 3: Der beizulegende Zeitwert für einen Vermögenswert oder eine Verbindlichkeit ergibt sich anhand von Wertfaktoren für diesen Vermögenswert oder diese Verbindlichkeit, die nicht auf beobachtbaren Marktdaten beruhen.

Die folgende Tabelle stellt die Einteilung der finanziellen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten dar, die zum 31. Dezember 2021 und 2020 innerhalb der Wilo Gruppe bestanden und zum beizulegenden Zeitwert bilanziert wurden bzw. deren beizulegender Zeitwert angegeben wird.

Fair Value Hierarchie
31.12.2021 31.12.2020
Level 2 Level 2
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten im Hedge Accounting befindlich 722 2.025
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten nicht im Hedge Accounting befindlich (FVTPL) 329 2.053
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten im Hedge Accounting befindlich 1.649 398
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten nicht im Hedge Accounting befindlich (FVTPL) 0 42
Finanzschulden (beizulegender Zeitwert) 430.273 356.703
Level 3 Level 3
Eigenkapitalinstrumente (FVOCI EK) 4.159 1.994

Die Wilo Gruppe weist zum 31. Dezember 2021 und 2020 keine finanziellen Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten aus, die aufgrund der Ermittlungsmethode für ihren beizulegenden Zeitwert in Level 1 einzustufen wären. Weitere Informationen zu den Eigenkapitalinstrumenten (FVOCI EK) werden unter Angabe (11.2) des Konzernanhangs gegeben.

Soweit Umgliederungen in andere Level der Bewertungshierarchie erforderlich sind, werden diese zum Ende des Geschäftsjahres in dem das Ereignis eintritt, das die Umgliederung erforderlich macht, vorgenommen.

(12.) Risikomanagement und derivative Finanzinstrumente

Grundsätze des Risikomanagements

Die Wilo Gruppe unterliegt aufgrund ihrer internationalen Geschäftstätigkeit hinsichtlich ihrer Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und geplanten Transaktionen Marktrisiken insbesondere aus der Veränderung der Währungskurse, der Zinssätze und der Rohstoffpreise. Ziel des finanziellen Risikomanagements ist es, diese Marktrisiken durch die laufenden operativen und finanzwirtschaftlichen Aktivitäten zu begrenzen. Hierzu werden je nach Einschätzung des Risikos ausgewählte derivative und nicht derivative Sicherungsinstrumente eingesetzt. Derivative Finanzinstrumente werden ausschließlich als Sicherungsinstrumente genutzt, d.h. für Handels- oder andere spekulative Zwecke kommen sie nicht zum Einsatz. Das allgemeine Kreditrisiko bezüglich dieser derivativen Finanzinstrumente ist als gering einzuschätzen, da die Geschäfte nur mit bonitätsmäßig einwandfreien Banken abgeschlossen werden. Darüber hinaus bestehen Kredit- bzw. Forderungsausfallrisiken sowie Liquiditätsrisiken.

Die Grundzüge der Finanzpolitik und -strategie werden vom Vorstand festgelegt und vom Aufsichtsrat überwacht. Die Umsetzung der Finanzpolitik und -strategie sowie das laufende Risikomanagement obliegen der Abteilung "Group Finance". Weitere Erläuterungen zu Risiken und Risikomanagement sind im Konzernlagebericht unter dem Abschnitt "Chancen- und Risikobericht" zu finden.

Währungsrisiko

Währungsrisiken der Wilo Gruppe resultieren im Wesentlichen aus Finanzierungsmaßnahmen und operativer Tätigkeit. Die Währungsrisiken aus Finanzierungsmaßnahmen ergeben sich vor allem aus finanziellen Verbindlichkeiten in Fremdwährung, die gegenüber externen Kreditgebern bestehen, und Darlehen in Fremdwährung, die zur Finanzierung an Konzerngesellschaften ausgereicht werden. Die Währungskursrisiken aus operativen Tätigkeiten bestehen im Wesentlichen aus Lieferungen und Leistungen an Konzerngesellschaften. Den hieraus resultierenden Währungskursrisiken wird einerseits durch gegenläufige Geschäfte in der gleichen Währung, andererseits durch den Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten begegnet. Das Währungskursrisiko aus operativen Tätigkeiten der Konzernunternehmen mit externen Kunden und Lieferanten wird als gering eingeschätzt, da diese Aktivitäten überwiegend in der funktionalen Währung der Konzerngesellschaften abgewickelt werden.

Die folgende Tabelle zeigt die Fremdwährungsrisikoposition der Wilo Gruppe zum 31. Dezember 2021 und 2020 in der jeweiligen Fremdwährung. Diese besteht aus Fremdwährungstransaktionen des operativen Geschäfts sowie aus Finanzierungsmaßnahmen in Fremdwährung, die sich bis zum 31. Dezember 2021 und 2020 ergeben haben sowie aus erwarteten Fremdwährungstransaktionen des operativen Geschäfts, die sich im Jahr 2022 bzw. 2021 ergeben werden. Die Auswirkungen der Umrechnung von Abschlüssen der Tochtergesellschaften in die Berichtswährung (Translationsrisiko) bleiben bei dieser Betrachtung unberücksichtigt. Das Bruttorisiko versteht sich vor Abschluss von Sicherungsgeschäften.

Fremdwährungsrisikopositionen zum 31.12.2021

31.12.2021
in Mio. EUR USD CNY GBP PLN
Zahlungsmittel 4,3 8,4 24,9 2,1 0,0
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen 15,3 5,6 2,2 0,0 0,0
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 3,5 16,6 136,4 1,1 9,9
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten -2,3 -9,4 -15,5 0,0 0,0
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen -6,7 -0,1 0,0 0,0 0,0
Finanzschulden -27,0 -3,3 -57,4 0,0 -0,3
Währungsrisiken aus Vermögenswerten und Verbindlichkeiten - brutto - -12,9 17,8 90,6 3,2 9,6
Erwartete Verkäufe in 2022 87,3 40,1 296,9 7,6 133,0
Erwartete Einkäufe in 2022 -107,9 -62,0 -366,9 -0,5 0,0
Währungsrisiko aus erwarteten Transaktionen des operativen Geschäfts in 2021 - brutto - -20,6 -21,9 -70,0 7,1 133,0
Sicherungsgeschäfte 0,0 0,2 0,0 0,0 0,0
Währungsrisiko - netto - -33,5 -3,9 20,6 10,3 142,6
31.12.2021
in Mio. RON RUB
Zahlungsmittel 0,6 132,4
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen 0,0 0,2
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 7,2 96,3
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten 0,0 -0,1
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 0,0 0,0
Finanzschulden 0,0 -221,8
Währungsrisiken aus Vermögenswerten und Verbindlichkeiten - brutto - 7,8 7,0
Erwartete Verkäufe in 2022 31,3 4.031,0
Erwartete Einkäufe in 2022 0,0 -1.104,0
Währungsrisiko aus erwarteten Transaktionen des operativen Geschäfts in 2021 - brutto - 31,3 2.927,0
Sicherungsgeschäfte 0,0 0,0
Währungsrisiko - netto - 39,1 2.934,0

Fremdwährungsrisikopositionen zum 31.12.2020

31.12.2020
in Mio. EUR USD CNY GBP PLN
Zahlungsmittel 7,6 2,9 17,7 1,4 0,0
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen 14,4 3,3 22,7 0,0 0,0
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 2,5 11,6 67,9 0,5 5,4
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten -2,8 -6,7 -10,3 0,0 0,0
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen -33,0 -0,1 0,0 0,0 0,0
Finanzschulden -0,9 -2,1 -25,8 -1,3 -0,4
Währungsrisiken aus Vermögenswerten und Verbindlichkeiten - brutto - -12,2 8,9 72,2 0,6 5,0
Erwartete Verkäufe in 2021 67,1 37,2 138,0 4,9 95,3
Erwartete Einkäufe in 2021 -94,3 -46,9 -215,9 -0,3 0,0
Währungsrisiko aus erwarteten Transaktionen des operativen Geschäfts in 2020 - brutto - -27,2 -9,7 -77,9 4,6 95,3
Sicherungsgeschäfte 0,0 0,6 0,0 0,0 0,0
Währungsrisiko - netto - -39,4 -0,2 -5,7 5,2 100,3
31.12.2020
in Mio. RON RUB
Zahlungsmittel 0,0 4,3
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen 0,0 0,0
Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen 2,1 52,8
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten 0,0 -0,1
Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 0,0 0,0
Finanzschulden 0,0 -94,9
Währungsrisiken aus Vermögenswerten und Verbindlichkeiten - brutto - 2,1 -37,9
Erwartete Verkäufe in 2021 17,2 4.000,0
Erwartete Einkäufe in 2021 0,0 -829,9
Währungsrisiko aus erwarteten Transaktionen des operativen Geschäfts in 2020 - brutto - 17,2 3.170,1
Sicherungsgeschäfte 0,0 0,0
Währungsrisiko - netto - 19,3 3.132,2

Die Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten, die erwarteten Fremdwährungstransaktionen sowie die derivativen Finanzinstrumente in Form von Zinswährungsswaps und Devisentermingeschäften weisen bestimmte Sensitivitäten gegenüber Währungsschwankungen auf. Eine Auf- bzw. Abwertung der jeweiligen Währung um 10,0 % zum 31. Dezember gegenüber sämtlichen anderen Währungen hätte die folgenden hypothetischen Ergebnisauswirkungen:

Mio. EUR 2021 2020
+10 % -10 % + 10 % -10 %
EUR -3,7 3,0 -4,3 3,6
USD 5,4 -4,5 2,9 -2,4
CNY 0.7 -0,6 0,l -0,1
GBP 2,3 -1,7 1,8 -1,5
PLN 3,5 -2,9 2,9 -2,3
RON 1,1 -0,9 0,9 -0,7
RUB 4,8 -4,0 3,8 -3,1

Neben langfristen Konzerndarlehen in USD werden auch Währungskursrisiken aus Verkäufen von Produkten und Einkäufen von Vorräten abgesichert. Diese im Hedge Accounting befindlichen derivativen Finanzinstrumente weisen Sensitivitäten gegenüber Währungsschwankungen auf. Eine Auf- bzw. Abwertung der jeweiligen Währung um 10,0 % zum 31. Dezember gegenüber sämtlichen anderen Währungen hätte die folgenden hypothetischen Auswirkungen im sonstigen Ergebnis:

Mio. EUR 2021 2020
+10 % -10 % + 10 % -10 %
USD 4,0 -6,2 4,2 -1,1
CHF 0,7 -0,9 0,7 -0,7
GBP 0,7 -0,9 1,0 -1,2
PLN 0,l -0,1 0,5 -0,3
RUB 1,2 -0,7 0,0 0,0

Die Sensitivitätsanalyse unterstellt, dass alle anderen wertbeeinflussenden Faktoren konstant bleiben und, dass der Bestand am Bilanzstichtag repräsentativ für das Gesamtjahr ist.

Zinsrisiko

Das Zinsrisiko resultiert hauptsächlich aus variabel verzinslichen Finanzschulden und der Anlage von flüssigen Mitteln. Zinsrisiken entstehen dabei sowohl aus dem Anstieg als auch aus dem Sinken der Zinskurve. Gegen negative Wertveränderungen aus unerwarteten Zinsbewegungen sichert sich die Wilo Gruppe durch derivative Finanzgeschäfte ab. Das Zinsrisiko im Sinne des IFRS 7 wird als gering eingeschätzt, da die Finanzschulden langfristig festverzinslich sind. Das verbleibende Zinsrisiko aus variabel verzinslichen Finanzinstrumenten, insbesondere aus der Inanspruchnahme von Kontokorrentkrediten bei Kreditinstituten, ist unwesentlich.

Bei einer Verminderung des Zinsniveaus und resultierenden negativen Einlagenzinssätzen würde die Wilo Gruppe ihre Anlagestrategie entsprechend anpassen, um eine Belastung des Zinsergebnisses zu minimieren.

Rohstoffpreisrisiko

Das Rohstoffpreisrisiko der Wilo Gruppe resultiert im Wesentlichen aus Preisschwankungen der Weltmärkte für Kupfer, Aluminium sowie deren Legierungen. Zur Steuerung des Risikos für Kupfer setzt die Wilo Gruppe gezielt Rohstoffderivate ein.

Im Geschäftsjahr 2021 würde aus heutiger Sicht die Ertragslage der Wilo Gruppe durch Preisschwankungen auf den Weltmärkten für Kupfer und Aluminium wie folgt beeinflusst werden:

TEUR 2021 2020
Fair Value Risikoposition Rohstoffpreisänderungen - brutto - 39.921 23.165
Fair Value Sicherungsgeschäfte 0 1.868
Fair Value Risikoposition Rohstoffpreisänderungen - netto - 39.921 21.297
Ergebnisauswirkung Preisanstieg 10 % 3.992 -1.575
Ergebnisauswirkung Preisrückgang 10 % -3.992 1.575

In die Berechnung sind sämtliche zum Stichtag vorhandene Derivate für Kupfer und Aluminium sowie das jeweils für das Folgejahr geplante Beschaffungsvolumen eingeflossen.

Kredit- bzw. Forderungsausfallrisiko

Forderungsausfallrisiken auf der Kundenseite wird durch ein konzernweit einheitliches wirksames System begegnet, das ein konsequentes Forderungsmanagement und die Überwachung des Zahlungsverhaltens umfasst. Die Abhängigkeit von einzelnen Kunden ist begrenzt, da mit keinem Kunden mehr als 10,0 % des Wilo-Gesamtumsatzes erwirtschaftet werden.

Der Buchwert der finanziellen Vermögenswerte gibt das maximale Kredit- bzw. Forderungsausfallrisiko wieder.

Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind durch Eigentumsvorbehalte besichert. Der beizulegende Zeitwert der Eigentumsvorbehalte entspricht dem Buchwert der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Der Buchwert der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ohne Wertberichtigungen beträgt 317.217 TEUR (Vorjahr: 303.808 TEUR). Zum 31. Dezember 2021 waren Einzelwertberichtigungen in Höhe von 17.787 TEUR (Vorjahr: 18.064 TEUR) auf überfällige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 33.982 TEUR (Vorjahr: 39.071 TEUR) gebildet.

Bei dem Konzept des "Expected Credit Loss" gemäß IFRS 9 verfolgt Wilo einen zentralen Ansatz. Anhand von Regionen wurden vier unterschiedliche regionale Risikogruppen gebildet. Die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Kreditausfalls wird anhand von tatsächlichen Kreditausfällen der vergangenen drei Jahre für jede Region ermittelt. Hierbei wurde für jede Region mit Hilfe von Zeitbändern untersucht, in welcher Fälligkeitsstufe sich die Forderung bei Kreditausfall befand. Zusätzlich fließen Indikatoren (z.B. Bruttoinlandsprodukt, Branchenausblick) zur Einschätzung der zukünftigen Kreditausfallwahrscheinlichkeit ein. Aus diesen Daten werden pro Region prozentuale Ausfallwahrscheinlichkeiten ermittelt. Insgesamt hat die Wilo Gruppe zum Bilanzstichtag Wertberichtigungen gemäß dem "Expected Credit Loss"-Modell in Höhe von 6.760 TEUR (Vorjahr 6.467 TEUR) vorgenommen. Weitere Informationen werden unter der Angabe "Forderungen aus Lieferungen und Leistungen" (9.4) gegeben.

Daneben besteht ein maximales Ausfallrisiko für finanzielle Vermögenswerte der Bewertungskategorie "Fair Value through OCI (FVOCI EK)" in Höhe von 4.159 TEUR (Vorjahr 1.994 TEUR) und für finanzielle Vermögenswerte der Bewertungskategorie "Fair Value through Profit or Loss (FVTPL)" in Höhe von 329 TEUR (Vorjahr 2.011 TEUR), die ausschließlich aus derivativen Finanzinstrumenten bestehen. Hinsichtlich des weder wertgeminderten noch in Zahlungsverzug befindlichen Bestands an sonstigen finanziellen Vermögenswerten deuten zum Abschlussstichtag keine Anzeichen darauf hin, dass die Schuldner ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen werden. Es wurden wie im Vorjahr zum 31. Dezember 2021 keine Wertminderungen auf sonstige finanzielle Vermögenswerte erfasst.

Mit verschiedenen global agierenden Banken wurden Rahmenverträge für Finanztermingeschäfte geschlossen. Im Rahmen dieser Verträge ist unter anderem vereinbart, dass bei Beträgen in gleicher Währung, die am selben Tag jeweils von den Vertragsparteien zahlbar sind, eine Aufrechnung erfolgt und entsprechend nur der verbleibende Nettobetrag von der einen an die andere Partei gezahlt wird. Darüber hinaus ist festgelegt, dass unter bestimmten Umständen, beispielsweise bei einem Ausfall einer der Parteien, sämtliche noch ausstehende Transaktionen gekündigt werden. In diesem Fall wird eine Aufrechnung sämtlicher noch ausstehender Transaktionen vorgenommen.

Diese Vereinbarungen erfüllen die Kriterien für eine Saldierung der entsprechenden Vermögenswerte und Schulden in der Bilanz grundsätzlich nicht, da aus ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein einklagbarer Rechtsanspruch erwächst, die jeweiligen Vermögenswerte und Schulden gegeneinander aufzurechnen. Dieses Recht besteht nur für den Fall des Eintritts zukünftiger Ereignisse, wie beispielsweise dem Ausfall einer der beiden Vertragsparteien.

Die folgenden finanziellen Vermögenswerte bzw. Schulden werden nicht saldiert in der Bilanz ausgewiesen, da die Kriterien des IAS 32.42 für eine Aufrechnung nicht erfüllt waren. Sie unterliegen aber den oben beschriebenen Vereinbarungen, die bei Eintritt bestimmter zukünftiger Ereignisse eine Aufrechnung erlauben.

31. Dezember 2021 Buchwerte in der Bilanz Vermögenswerte und Schulden ohne Saldierung Nettowerte
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten 1.051 -646 405
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten -1.649 646 -1.003
31. Dezember 2020
Forderungen aus derivativen Finanzinstrumenten 4.078 -440 3.638
Verbindlichkeiten aus derivativen Finanzinstrumenten -440 440 0

1) Vermögenswerte und Schulden mit einem Aufrechnungsrecht, das jedoch nicht die Kriterien zur bilanziellen Saldierung erfüllt.

Liquiditätsrisiko

Die Wilo Gruppe strebt eine kostengünstige und jederzeitige Deckung des Finanzbedarfs für das operative Geschäft der Konzerngesellschaften an. Für diese Zwecke werden unterschiedliche Instrumente des Finanzmarkts eingesetzt. Diese Instrumente umfassen zum einen verbindlich und unverbindlich zugesagte Barkredit-, Aval- und Margenlinien unterschiedlicher nationaler und internationaler renommierter Kreditinstitute in Höhe von über 430 Mio. EUR. Die Barkreditlinien waren in Höhe von 175,6 Mio. EUR (Vorjahr: 36,3 Mio. EUR) und die Aval- und Margenkreditlinien in Höhe von 27,9 Mio. EUR (Vorjahr: 34,5 Mio. EUR) in Anspruch genommen. Zum anderen hat die WILO SE ihren langfristigen Finanzbedarf über die Aufnahme von Schuldscheindarlehen gesichert, die ebenfalls mit finanzstarken und renommierten Finanzpartnern abgeschlossen wurden (siehe Angabe (9.11) des Konzernanhangs).

Aufgrund der bestehenden kurz- und mittelfristigen Kreditlinien mit unterschiedlichen renommierten Banken und Kreditinstituten, der langfristigen Deckung des Finanzbedarfs über die aufgenommenen Schuldscheindarlehen sowie anderer Refinanzierungsmöglichkeiten werden sowohl das Kreditausfall- als auch das Konzentrationsrisiko und somit das Liquiditätsrisiko für die Wilo Gruppe zurzeit als nicht wesentlich angesehen. Es bestehen ferner Cash-Pool- und Finanzierungsvereinbarungen mit Konzerngesellschaften, soweit dies nach lokalen handels- und steuerrechtlichen Vorschriften möglich und sinnvoll ist.

Die folgende Übersicht stellt die vertraglich vereinbarten Fälligkeiten und entsprechenden Zahlungsabflüsse einschließlich geschätzter Zinszahlungen der finanziellen Verbindlichkeiten zum 31. Dezember 2021 und 2020 dar:

Zahlungsabflüsse der finanziellen Verbindlichkeiten zum 31.12.2021

Fälligkeiten
31.12.2021 Buchwert Vereinbarte Zahlungen < 1 Jahr - 1 - 5 Jahre > 5 Jahre
Finanzschulden
langfristig 388.192 -424.812 -7.094 -276.436 -141.282
kurzfristig 25.840 -25.840 -25.840 0 0
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 233.963 -233.963 -233.963 0 0
Verbindlichkeiten aus Leasingverpflichtungen 31.673 -31.673 -12.385 -18.363 -925
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 41.107 -41.107 -36.678 -4.429 0
Derivative Finanzinstrumente 1.649 -1.649 -750 -899 0
Gesamt 722.424 -759.044 -316.710 -300.127 -142.207

Zahlungsabflüsse der finanziellen Verbindlichkeiten zum 31.12.2020

Fälligkeiten
31.12.2020 Buchwert Vereinbarte Zahlungen < 1 Jahr - 1 - 5 Jahre > 5 Jahre
Finanzschulden
langfristig 229.160 -262.052 -4.876 -101.475 -155.701
kurzfristig 117.095 -117.095 -117.095 0 0
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 182.564 -182.564 -182.564 0 0
Verbindlichkeiten aus Leasingverpflichtungen 32.905 -32.905 -12.368 -18.132 -2.405
Sonstige finanzielle Verbindlichkeiten 30.613 -30.613 -26.568 -4.045 0
Derivative Finanzinstrumente 440 -440 -422 -18 0
Gesamt 592.777 -625.669 -343.893 -123.670 -158.106

(13.) Sonstige Angaben

(13.1) Aufstellungs- und Offenlegungserleichterungen

Folgende Konzernunternehmen haben die Aufstellungs- und Offenlegungserleichterungen des § 264 Abs. 3 HGB in Anspruch genommen: WILO-Mitarbeiter-Beteiligungsgesellschaft mbH, Dortmund, WILO Nord Amerika GmbH, Dortmund, WILO IndustrieSysteme GmbH, Chemnitz und WILO Mitarbeiter Invest GmbH, Dortmund.

(13.2) Eventualverbindlichkeiten und sonstige finanzielle Verpflichtungen

Zum 31. Dezember 2021 weist die Gesellschaft Eventualverbindlichkeiten aus Gewährleistungen und Bürgschaften in Höhe von 9.658 TEUR (Vorjahr: 7.498 TEUR) aus. Für die zu Nominalwerten angesetzten Eventualverbindlichkeiten wurden keine Rückstellungen gebildet, weil die Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos als gering eingeschätzt wird.

Die Eventualverbindlichkeiten resultieren aus der operativen Geschäftstätigkeit mit Kunden und Lieferanten der Wilo Gruppe sowie aus Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Bauprojekt Wilopark. Eventualverbindlichkeiten mit einer nominellen Verpflichtung in Höhe von 1.237 TEUR (Vorjahr: 125 TEUR) haben zum 31. Dezember 2021 eine vereinbarte Restlaufzeit von weniger als einem Jahr, während bei nominellen Verpflichtungen in Höhe von 987 TEUR (Vorjahr: 64 TEUR) eine vereinbarte Restlaufzeit von mehr als einem Jahr vertraglich festgelegt ist. Darüber hinaus bestehen unbefristete Eventualverbindlichkeiten mit einer nominellen Verpflichtung in Höhe von 7.434 TEUR (Vorjahr: 7.309 TEUR).

Das Bestellobligo für geplante Investitionen in Sachanlagen zum 31. Dezember 2021 beträgt 35.100 TEUR (Vorjahr: 13.575 TEUR). Für die Eventualverbindlichkeiten sind die Angaben zu Schätzungen der finanziellen Auswirkungen, die Angabe von Unsicherheiten hinsichtlich des Betrags oder der Fälligkeiten von Abflüssen und Angaben zur Möglichkeit von Erstattungen nicht praktikabel.

(13.3) Im Jahresdurchschnitt beschäftigte Mitarbeiter

Die Zahl der Mitarbeiter betrug im Jahresdurchschnitt:

Mitarbeiter 2021 2020
Produktion 4.540 4.444
Vertrieb und Verwaltung 3.660 3.392
Gesamt 8.200 7.836
Inland 2.910 2.670
Ausland 5.290 5.166
Gesamt 8.20 7.836

Die Zahl der Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt ist im Vergleich zum Vorjahr um +4,6 % gestiegen (Vorjahr: +1,1 %).

(13.4) Aufwendungen bei Gesamtkostenverfahren

Der Personalaufwand gemäß § 315e in Verbindung mit § 314 Abs. 1 Nr. 4 HGB des Geschäftsjahres gliedert sich wie folgt:

TEUR 2021 2020
Löhne und Gehälter 368.383 333.630
Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung 79.662 72.252
davon für Altersversorgung 6.879 TEUR (Vorjahr:8.082 TEUR)
Gesamt 448.045 405.882

Im Personalaufwand sind auf Grund der COVID-19-Pandemie gewährte Lohnkostenzuschüsse in Höhe von 156 TEUR saldiert enthalten (Vorjahr 2.594 TEUR).

Die Abschreibungen inklusive der Leasingverhältnisse nach IFRS 16 ergeben sich für das Jahr 2021 wie folgt:

TEUR 2021 2020
Abschreibungen 88.596 79.869

(13.5) Gewinnverwendungsvorschlag

In der Hauptversammlung der WILO SE am 11. April 2022 soll auf Vorschlag des Vorstands beschlossen werden, eine Dividende in Höhe von 1,19 EUR je Stammaktie auszuschütten und den Rest des Bilanzgewinns der WILO SE auf neue Rechnung vorzutragen.

(13.6) Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Seit Ende Februar führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Der Kriegsausbruch stellt ein wertbegründendes Ereignis dar. Entsprechend ergeben sich keine Auswirkungen auf Ansatz und Bewertung der Vermögenswerte und Schulden zum Abschlussstichtag. Die Wilo Gruppe hat Tochtergesellschaften in Russland und in der Ukraine. Wie sich der russische Überfall auf die Ukraine, entsprechende Sanktionsmaßnahmen oder weitere mögliche Eskalationen auf die Entwicklung der Tochtergesellschaften bzw. der Wilo Gruppe insgesamt auswirken werden, ist derzeit noch nicht absehbar.

Der Vorstand der WILO SE hat den Konzernabschluss am 1. März 2022 zur Weitergabe an den Aufsichtsrat freigegeben. Der Aufsichtsrat hat die Aufgabe, den Konzernabschluss zu prüfen und zu erklären, ob er den Konzernabschluss billigt.

(13.7) Angaben über Beziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen

Es bestehen Geschäftsbeziehungen des Wilo Konzerns aus Produktlieferungen und Serviceleistungen mit nicht konsolidierten Tochtergesellschaften, gemeinschaftlich geführten oder assoziierten Unternehmen. Die ausstehenden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegen diese Unternehmen betragen 399 TEUR (Vorjahr: 247 TEUR). Verbindlichkeiten gegenüber diesen Unternehmen bestehen in Höhe von 2.729 TEUR zum Bilanzstichtag (Vorjahr: 2.650 TEUR), wovon auf gemeinschaftlich geführte Unternehmen 2.650 TEUR (Vorjahr: 2.650 TEUR) entfallen. Umsätze und weiterberechnete Dienstleistungen mit diesen Gesellschaften wurden in Höhe von 986 TEUR (Vorjahr: 758 TEUR) getätigt.

Die zum Geschäftsjahresende bestehenden offenen Salden sind unbesichert, unverzinslich und werden durch Zahlungen beglichen.

Mitglieder des Aufsichtsrats beherrschen oder beeinflussen Unternehmen, die Beratungsleistungen für die WILO SE erbringen. Mit diesen Gesellschaften tätigte die WILO SE im Geschäftsjahr 2021 Umsätze in Höhe von insgesamt 1.535 TEUR (Vorjahr: 1.353 TEUR).

Einer der Aktionäre ist Eigentümer einer Heizungs- und Klimatechnik-Installationsfirma, die im handelsüblichen Rahmen Pumpen vom berichtenden Unternehmen bezieht. Andererseits werden die heizungs- und klimatechnischen Anlagen des berichtenden Unternehmens installiert und gewartet. Im Geschäftsjahr 2021 wurde mit der Heizungs- und Klimatechnik-Installationsfirma ein Umsatz in Höhe von 33 TEUR (Vorjahr: 34 TEUR) erzielt. Zum 31. Dezember 2021 bestehen Forderungen in Höhe von 4 TEUR (Vorjahr: 10 TEUR) gegen dieses Unternehmen. Gleichzeitig hat die Wilo Gruppe Lieferungen und Leistungen in Höhe von 5 TEUR (Vorjahr: 64 TEUR) von diesem Unternehmen bezogen. Zum 31. Dezember 2021 bestehen wie im Vorjahr keine Verbindlichkeiten gegenüber diesem Unternehmen.

Des Weiteren bestehen Mietverhältnisse an Grundstücken und Geschäftsgebäuden, die sich direkt oder indirekt im Besitz des Aktionärskreises befinden. Die im Jahr 2021 insgesamt geleisteten Mietzahlungen an den Aktionärskreis betragen 354 TEUR (Vorjahr: 296 TEUR).

Die Wilo-Foundation hält die Mehrheit der Stammaktien an der WILO SE. Es besteht ein Dienstleistungsvertrag für verwaltende Tätigkeiten zwischen der WILO SE und der Foundation. Aus diesem Dienstleistungsvertrag erzielte die WILO SE im Jahr 2021 Erlöse in Höhe von 39 TEUR (Vorjahr: 39 TEUR). Zum 31. Dezember 2021 bestehen in diesem Zusammenhang wie im Vorjahr keine Forderungen gegen die Foundation.

Ein Vorstand hat Dienstleistungen der WILO SE in Anspruch genommen. Im Berichtsjahr belief sich die Summe auf 4 TEUR.

(13.8) Honorare des Abschlussprüfers

Für die erbrachten Dienstleistungen des Konzernabschlussprüfers KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sind im Geschäftsjahr 2021 folgende Honorare als Aufwand erfasst worden:

TEUR 2021 2020
Abschlussprüfungen
davon für das Vorjahr: -46 TEUR (2020: 45 TEUR) 445 550
Sonstige Bestätigungsleistungen
davon für das Vorjahr: 11 TEUR (2020: 0 TEUR) 192 704
Sonstige Leistungen
davon für das Vorjahr: 7 TEUR (2020: 6 TEUR) 52 38
Gesamt 689 1.292

(13.9) Bezüge des Vorstands und des Aufsichtsrats

Die Bezüge des Vorstands sind in folgender Tabelle dargestellt:

TEUR 2021 2020
Summe Bezüge des Vorstands 7.953 3.849
IAS 24.17 (a) 6.552 3.212
IAS 24.17 (b) 1.241 637
IAS 24.17 (c) 160 0

Zum Bilanzstichtag werden 3,3 Mio. EUR (Vorjahr: 0,6 Mio. EUR) als Verbindlichkeit ausgewiesen und erst im folgenden Geschäftsjahr nach Billigung des Konzernabschlusses zur Auszahlung kommen.

Die Gesamtbezüge für die ehemaligen Mitglieder des Vorstands betrugen für das Geschäftsjahr 2021 insgesamt 1,0 Mio. EUR (Vorjahr: 1,0 Mio. EUR). Für ehemalige Organmitglieder, die zum Teil auch aus nahestehenden Personen bestehen, wurde zum Stichtag eine Pensionsrückstellung in Höhe von 8,2 Mio. EUR (Vorjahr: 8,5 Mio. EUR) bilanziert.

Die Bezüge des Aufsichtsrats betrugen 0,5 Mio. EUR (Vorjahr: 0,5 Mio. EUR) im Geschäftsjahr 2021.

(13.10) Organe der Gesellschaft

Aufsichtsrat

Prof. Dr. Norbert Wieselhuber (bis 31. Dezember 2021)

-Vorsitzender-

Geschäftsführer der Dr. Wieselhuber & Partner GmbH Unternehmensberatung

Planegg

Lars Roßner

-Stellvertretender Vorsitzender- (seit 1. Januar 2022 Vorsitzender)

Partner bei Buse Rechtsanwälte Steuerberater PartG mbH

Düsseldorf

Dr. Hinrich Mählmann (seit 1. Januar 2022 stellvertretender Vorsitzender)

Persönlich haftender Gesellschafter und Geschäftsführer der Otto Fuchs KG

Wiehl

Vincent Baudry (seit 15. April 2021)

Europäischer Betriebsrat

Laval, Frankreich

Jean-Francois Germerie (bis 31. Januar 2021)

Europäischer Betriebsrat

Laval, Frankreich

Prof. Dr. Dr. h.c. Michael ten Hompel

Inhaber des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen an der Technischen Universität Dortmund

Geschäftsführender Institutsleiter der Fraunhofer-Gesellschaft für Materialfluss und Logistik IML

Dortmund

Daniela Mohr

Europäischer Betriebsrat

Dortmund

Herr Dr.-Ing. e.h. Jochen Opländer ist Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats.

Vorstand

Oliver Hermes

-Vorsitzender-

Essen

Dr. Patrick Niehr Dortmund

Georg Weber

Düsseldorf

Mathias Weyers

Essen

 

Dortmund, den 1. März 2022

Der Vorstand

Oliver Hermes

Dr. Patrick Niehr

Georg Weber

Mathias Weyers

Anteilsbesitz der WILO SE zum 31. Dezember 2021

(Angabe nach §315e HGB)

Beteiligungsquote in %
ABIONIK Group GmbH, Berlin / Deutschland 100,0
American-Marsh Pumps LLC, Collierville / USA 100,0
Circulating Pumps Ltd., King's Lynn, Norfolk / Großbritannien 100,0
EMU I.D.F. S.A.R.L., Ste. Geneviève-des-Bois / Frankreich *) 50,0
Eurocarbo S.p.A., Corropoli / Italien *) 8,0
Guhong Environmental Engineering Equipment Co.Ltd., Shanghai / China *) 25,0
HydroPoint Data Systems, Inc., Petaluma / USA *) 2,6
Hydroserve GmbH, Leopoldsdorf / Österreich 100,0
LIKU-TECH ENVIRONMENTAL SOLUTIONS INDIA PRIVATE LIMITED, Nolambur (Chennai) / Indien *) 51,0
LIKUSTA Umwelttechnik GmbH, Lich / Deutschland 100,0
MARTIN Systems GmbH, Berlin / Deutschland 100,0
Mating Membrance Technology Co. Ltd., Shanghai / China *) 50,0
PT. WILO Pumps Indonesia, Jakarta / Indonesien 100,0
S.E.S.E.M. S.A.S., Saint-Denis / Frankreich 100,0
Steinhardt Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Taunusstein / Deutschland 100,0
STEMMA S.R.L., Trissino / Italien 100,0
TUMAR bvba, Merelbeke / Belgien 100,0
WILO (Singapore) Pte. Ltd, Singapur / Singapur 100,0
WILO (UK) Ltd., Burton-on-Trent / Großbritannien 100,0
WILO Adriatic d.o.o., Ljubljana / Slowenien 100,0
WILO Australia PTY Ltd, Brisbane City QLD / Australien 100,0
WILO Baltic SIA, Riga / Lettland 100,0
WILO Bel o.o.o., Minsk / Weißrussland 100,0
WILO Beograd d.o.o., Belgrad / Serbien 100,0
WILO Bulgaria EOOD, Sofia / Bulgarien 100,0
WILO Canada Inc, Calgary / Kanada 100,0
WILO Caspian LLC, Baku / Aserbaidschan 100,0
WILO Central Asia TOO, Almaty / Kasachstan 100,0
WILO Chile SpA, Santiago de Chile / Chile 100,0
WILO China Ltd., Beijing / China 100,0
WILO CS s.r.o., Prag / Tschechien 100,0
WILO Danmark A/S, Karlslunde / Dänemark 100,0
WILO Eesti OU, Tallin / Estland *) 100,0
WILO Egypt LLC, Kairo / Ägypten 100,0
WILO Egypt for Import LLC, Kairo / Ägypten 100,0
WILO ELEC China Ltd., Qinhuangdao / China 100,0
WILO EMU Anlagenbau GmbH, Roth / Deutschland 100,0
WILO Engineering Ltd t/a Wilo Ireland, Limerick / Irland 100,0
WILO East Africa Ltd., Nairobi / Kenia 100,0
WILO Finland OY, Espoo / Finnland 100,0
WILO France S.A.S., Chatou / Frankreich 100,0
WILO GVA GmbH, Wülfrath / Deutschland 100,0
WILO Hellas A.B.E.E., Athen / Griechenland 100,0
WILO Hrvatska d.o.o., Zagreb / Kroatien 100,0
WILO Iberica S.A., Alcalä de Henares / Spanien 100,0
WILO Industria, Comercio e Importacao LTDA, City of Sao Paulo / Brasilien 100,0
WILO Industriebeteiligungen GmbH, Dortmund / Deutschland 100,0
WILO Industriesysteme GmbH, Chemnitz / Deutschland 100,0
WILO Intec S.A.S., Aubignv / Frankreich 100,0
WILO Italia s.r.l., Peschiera Borromeo (Mailand) / Italien 100,0
WILO Lebanon S.A.R.L, Beirut / Libanon 100,0
WILO Lietuva UAB, Vilnius / Litauen 100,0
WILO Logistic Nordic AB, Växjö / Schweden 100,0
WILO Magvarország Kft., Törökbálint / Ungarn 100,0
WILO Malaysia Sdn. Bhd., Petaling Jaya / Malaysia 100,0
WILO Maroc S.A.R.L, Casablanca / Marokko 100,0
WILO Mather and Platt Pumps Private Ltd., Pune / Indien 100,0
WILO Mexico Bombas Centrifugas, S.A. de C.V., Querétaro / Mexiko 100,0
WILO Middle East FZE, Dubai / Vereinigte Arabische Emirate 100,0
WILO Middle East LLC i.L., Riad / Saudi-Arabien **) 50,0
WILO Mitarbeiter Invest GmbH, Dortmund / Deutschland 100,0
WILO N.V./S.A., Ganshoren (Brüssel) / Belgien 100,0
WILO Nasos Tizimlari LLC, Tashkent / Usbekistan 100,0
WILO Nederland b.v., Westzaan / Niederlande 100,0
WILO Nord Amerika GmbH, Dortmund / Deutschland 100,0
WILO Nordic AB, Växiö / Schweden 100,0
WILO Norge AS, Oslo / Norwegen 100,0
WILO Polska Sp. z o.o., Lesznowola / Polen 100,0
WILO Pompa Sistemleri San. Ve Tic. A.S., Istanbul / Türkei 100,0
WILO Portugal, Lda, Porto / Portugal 100,0
WILO Pumpen Österreich GmbH, Wiener Neudorf / Österreich 100,0
WILO Pumps Ltd., Busan / Korea 100,0
WILO Pumps Nigeria Ltd., Gbagada / Nigeria 100,0
WILO Pumps Pakistan (Pvt.) Limited, Islamabad / Pakistan *) 100,0
WILO PUMPS SA (PTY) LTD, Johannesburg / Südafrika 100,0
WILO Romania s.r.l., Bukarest / Rumänien 100,0
WILO Rus o.o.o., Moskau / Russland 100,0
WILO Safe Water LLP, Pune / Indien *) 100,0
WILO SALMSON Argentina S.A., Buenos Aires / Argentinien 100,0
WILO Saudi Arabia Ltd., Riyad / Saudi-Arabien *) 100,0
WILO Schweiz AG, Rheinfelden / Schweiz 100,0
WILO Taiwan Company Ltd., Neu-Taipeh / Taiwan 100,0
WILO Tunisia SUARL, Tunis / Tunesien *) 49,0
WILO Ukrainia t.o.w., Kiew / Ukraine 100,0
WILO USA LLC, Rosemont, IL / USA 100,0
WILO Vietnam Co. Ltd., Ho Chi Minh City / Vietnam 100,0
WILO-Mitarbeiter-Beteiligungsgesellschaft mbH, Dortmund / Deutschland 100,0
WILO (Changzhou) Pump Co., Ltd, Changzhou / China 100,0
WRI-TECH Industrial Serv. B.V., Uitgeest / Niederlande 100,0

*) Diese Unternehmen wurden in 2021 nicht in den Konzernabschluss einbezogen
**) Es handelt sich um ein gemeinschaftlich geführtes Unternehmen, welches at-equity bilanziert wird

Konzernlagebericht 2021

1. Das Geschäftsjahr 2021 im Überblick

2. Geschäftsgrundlagen der Wilo Gruppe

2.1. Kunden und Produkte

2.2. Marktsegmente

2.3. Konzernorganisation und -steuerung

2.4. Unternehmensstrategie

2.5. Forschung und Entwicklung

3. Wirtschaftsbericht

3.1. Gesamtwirtschaftliche und branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen

3.2. Ertragslage

3.3. Finanzlage

3.4. Vermögenslage

3.5. Gesamtaussage des Vorstands zur wirtschaftlichen Lage

4. Chancen- und Risikobericht

4.1. Chancen- und Risikopolitik

4.2. Chancenmanagement

4.3. Risikomanagementsystem

4.4. Risikoklassifizierung und Risikobewertung

4.5. Allgemeine Chancen und Risiken

4.6. Branchenspezifische Chancen und Risiken

4.7. Unternehmensspezifische Chancen und Risiken

4.8. Finanzwirtschaftliche Chancen und Risiken

4.9. Gesamteinschätzung

5. Prognosebericht

5.1. Gesamtwirtschaftliche und branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen

5.2. Ausblick für die Wilo Gruppe

1. Das Geschäftsjahr 2021 im Überblick

Wilo blickt auf ein weiteres turbulentes, von der Corona-Pandemie geprägtes Geschäftsjahr zurück. Nachdem zu Anfang des Jahres 2021 die Impfkampagnen weltweit allmählich an Fahrt gewannen, schien ein Ende der Pandemie absehbar. Das Auftreten neuer Virusvarianten und Infektionswellen führte allerdings dazu, dass der gesellschaftliche und wirtschaftliche Alltag wieder zunehmend von Ungewissheit dominiert wurde. Hinzu kamen massive Störungen der Lieferketten, gravierende Materialengpässe und teils exorbitante Kostensteigerungen auf den Rohstoff- und Logistikmärkten. Ungeachtet dieser zahlreichen Herausforderungen ist die Wilo Gruppe 2021 kräftig gewachsen und hat ihre Profitabilität deutlich gesteigert. Wichtige Projekte und Maßnahmen, die die Zukunftsfähigkeit der Wilo Gruppe nachhaltig sichern, wurden initiiert bzw. fortgeführt. Mit zielgerichteten Investitionen und erfolgreichen Unternehmensakquisitionen zur Erweiterung des technologischen Spektrums und der geografischen Präsenz hat Wilo darüber hinaus die Basis für ein fortgesetztes dynamisches und profitables Wachstum verbreitert und nachhaltig gestärkt. Die Wilo Gruppe geht daher voller Zuversicht in das 150. Jahr ihrer Unternehmensgeschichte.

Mit einem Umsatz von 1.651,9 Mio. EUR hat die Wilo Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr eine neue Bestmarke erzielt. Die Umsatzerlöse stiegen kräftig um 13,8 %.

Das EBITDA erreichte mit 181,1 Mio. EUR ebenfalls einen historischen Höchstwert. Gegenüber dem Vorjahr wurde eine kräftige Steigerung von rund 30 % erzielt. Auch das Konzernergebnis konnte deutlich verbessert werden, mit 49,0 Mio. EUR ist es gegenüber dem Vorjahr um nahezu 100 % gestiegen.

Der beständig starke Cashflow bildet eine solide Basis für die hohe Finanzkraft und finanzielle Flexibilität der Wilo Gruppe. Mit 126,7 Mio. EUR blieb er auch 2021 auf einem hohen Niveau.

Wilo hat den Anspruch, sich als digitaler Pionier in der Pumpenindustrie zu etablieren und als Innovationsführer neue Standards zu setzen. Forschung und Entwicklung haben daher traditionell einen hohen Stellenwert. 2021 betrugen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung 71,0 Mio. EUR bzw. 4,3 % vom Umsatz.

Die Wilo Gruppe hat auch 2021 zukunftsweisende und strategisch wichtige Investitionen getätigt. Über 170 Mio. EUR flossen unter anderem in den Neu- und Ausbau von Vertriebs- und Produktionsstandorten, in die Modernisierung und Kapazitätserweiterung von Produktionsanlagen sowie Unternehmenserwerbe. So entstehen in China, Indien und den USA neue, hochmoderne Produktions- und Verwaltungsgebäude. Diese erfüllen nicht nur die Anforderungen an moderne, digitale Fabriken, sondern wurden auch unter dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit konzipiert und werden so künftig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die langfristig ausgerichtete Finanzierungsstruktur und die solide Eigenkapitalbasis ermöglichen es Wilo auch unter unsicheren Rahmenbedingungen externe Wachstumsopportunitäten wahrzunehmen. Mit dem Erwerb der ABIONIK Group ergänzt die Wilo Gruppe ihr Portfolio im Bereich der Wasserbehandlung und baut ihre Kompetenz als Lösungsanbieter aus. Die Übernahme des operativen Geschäfts von QuantumFlo zahlt auf den bewährten Region-for-Region-Ansatz ein und beschleunigt die Marktentwicklung in den USA.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wilo Gruppe sind Basis und treibende Kraft für den wirtschaftlichen Erfolg. Nicht zuletzt dank der vorbildlichen Haltung, der großen Solidarität und des außerordentlichen Engagements aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meistert Wilo die Herausforderungen der Coronakrise außerordentlich gut. Im Jahresdurchschnitt waren weltweit 8.200 Menschen bei Wilo beschäftigt.

2. Geschäftsgrundlagen der Wilo Gruppe

Die Wilo Gruppe ist als Premiumanbieter von Produkten, Systemlösungen und Serviceleistungen für Gebäudetechnik, Wasserwirtschaft und Industrie in allen wichtigen Märkten vertreten

Ein globales Produktions- und Vertriebsnetzwerk mit 8.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit schafft Kundennähe

Gezielte Akquisitionen in Deutschland, den USA, den Niederlanden und den Vereinigten Arabischen Emiraten stärken die Basis für ein fortgesetztes profitables Wachstum

Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten nehmen unverändert einen großen Stellenwert bei Wilo ein und verbleiben auf hohem Niveau

2.1. Kunden und Produkte

Wilo ist ein weltweit tätiger Premiumanbieter von Pumpen und Pumpensystemen, die in der Heizungs-, Kälte- und Klimatechnik, der Wasserversorgung sowie der Abwasserentsorgung eingesetzt werden. Mit ihrem Portfolio aus Produkten, Systemlösungen und Services deckt die Wilo Gruppe als Komplettanbieter das gesamte Bedarfsspektrum ihrer Kunden ab. Die umfangreiche Angebotspalette reicht von Hocheffizienzpumpen, die für den Einsatz in Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie öffentlichen und gewerblichen Gebäuden konzipiert sind, über spezielle Pumpen, Rührwerke und Abwasserbehandlungslösungen für die Wasserwirtschaft, bis hin zu spezifischen Produkten und Lösungen für Industrieanwendungen oder den Hochwasserschutz.

Zentraler Orientierungspunkt für Wilo sind die Kunden mit ihren spezifischen Bedürfnissen und Anforderungen an die Produkte, Anwendungen und Serviceleistungen. Deshalb sind die Unternehmensstrategie wie auch der operative Fokus der 8.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konsequent darauf ausgerichtet. Die traditionell enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit OEM-Partnern, Planern, dem Fachhandel und -handwerk sowie den Generalunternehmern, Investoren und Endnutzern bildet das Fundament des Markterfolgs der Wilo Gruppe. Als Premiumanbieter hat Wilo den Anspruch, Spitzentechnologie und intelligente Lösungen zu entwickeln, die das tägliche Leben der Menschen spürbar einfacher machen. Dafür steht der Claim "Pioneering for You".

Die Wilo Gruppe produziert Pumpen und Pumpensysteme an nunmehr 15 Hauptproduktionsstandorten in Europa, Asien und Amerika. Gemäß der globalen Produktionsstrategie (GPS) bilden diese Produktionsstätten in einem weltweiten Verbund das Wilo-Produktionsnetzwerk im engeren Sinne. Sie werden entsprechend koordiniert und gesteuert.

Zusätzlich verfügt die Wilo Gruppe über weitere kleinere Standorte, z.B. in Deutschland in Sonneberg, Brüsewitz, Lich, Taunusstein, Wülfrath und Chemnitz oder in den USA in Sanford, Florida. Dort werden hoch spezialisierte Produkte wie Wasserversorgungs-, Abwasserbehandlungs- oder Hochwasserschutzsysteme entwickelt und produziert. Darüber hinaus erfolgt an zahlreichen Standorten eine Montage von Produkten für den lokalen Markt.

Die Wilo Gruppe verfügt mit dieser Struktur über ein effizientes, kundennahes Netzwerk aus mehr als 80 Produktions- und Vertriebsgesellschaften in über 50 Ländern. Im Verbund mit einer Vielzahl zusätzlicher Repräsentanzen sowie mit unabhängigen Vertriebs- und Servicepartnern stellt Wilo auf diese Weise sicher, dass die Kundenanforderungen und -bedürfnisse weltweit zu jeder Zeit sowie verlässlich in höchster Qualität erfüllt werden.

2.2. Marktsegmente

Die Wilo Gruppe ist in den fünf Marktsegmenten Building Services Residential, Building Services Commercial, OEM (Original Equipment Manufacturers), Water Management und Industry tätig. Dabei ist das Portfolio aus Produkten, Systemlösungen und Serviceleistungen konsequent auf den spezifischen Bedarf der Kunden in den jeweiligen Marktsegmenten ausgerichtet. Dieser klare Fokus, die traditionell hohe Innovationskraft und die Nähe zum Kunden durch Präsenz vor Ort sind maßgebliche Erfolgsfaktoren des Unternehmens. Durch ihre gezielte Kombination in den jeweiligen Märkten ist die Wilo Gruppe in der Lage, unterschiedliche Trends für jede Region sowie sich verändernde Anforderungen frühzeitig zu identifizieren und sich schnell und flexibel darauf einzustellen.

Building Services Residential & Commercial

Energie- und Ressourceneffizienz gewinnen weltweit aus ökologischen und ökonomischen Gründen spürbar an Bedeutung. Sowohl bei der kommerziellen als auch bei der privaten Nutzung von Gebäuden spielen daher die Aspekte Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gleichermaßen eine stärkere Rolle. Dies erfordert in zunehmendem Maße den Einsatz innovativer Systeme mit optimal aufeinander abgestimmten Komponenten - nicht nur beim Neubau, sondern mit Blick auf schärfere Klimaziele besonders auch bei der Umrüstung und Modernisierung von Gebäuden. Für die Marktsegmente Building Services Residential und Building Services Commercial bietet Wilo die dafür notwendigen energieeffizienten Konzepte. Diese betreffen sowohl die Heizungstechnik und Klimatisierung als auch die Wasserversorgung und Entsorgung des Abwassers. Haupteinsatzbereiche für die Produkte und Systemlösungen der Wilo Gruppe sind neben Ein- und Mehrfamilienhäusern auch öffentliche Gebäude, Industrie- oder Bürogebäude, Krankenhäuser und Hotels.

OEM

Wilo ist ein starker Partner von führenden Erstausrüstern und Herstellern von Heizungskesseln, Wärmepumpen und Klimaanlagen. Pumpen und hydraulische Systeme der Wilo Gruppe bieten ein Maximum an Zuverlässigkeit, Flexibilität und Effizienz. Dabei profitieren die OEM-Kunden von Wilos langjähriger Erfahrung, tiefer Marktkenntnis und hoher Anwendungskompetenz. Für diese Kunden ist die Wilo Gruppe auch Entwicklungspartner und versteht sich als innovativer Vordenker und Impulsgeber. Unter Berücksichtigung der aktuellen und zukünftigen regulatorischen Anforderungen antizipiert Wilo frühzeitig neue globale Marktbedürfnisse und sich beständig verändernde Marktanforderungen. Auf diese Weise kann Wilo maßgeschneiderte, zukunftsorientierte Lösungen entwickeln und anbieten, die ideal auf die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Kunden und Märkte zugeschnitten sind. Wilo verfügt für OEM-Kunden über eine breite Palette an etablierten und markterprobten integrierten Produkten sowie intelligenten, individuell entwickelten Lösungen.

Water Management

Als Folge der hohen Dynamik von Urbanisierung und Klimawandel wie auch der zunehmenden Umweltverschmutzung wird der Rohstoff Wasser weltweit immer häufiger zu einem knappen, kostbaren Gut. Bereits heute ist es in vielen Regionen der Welt ein elementares Problem, die schnell wachsende Bevölkerung in ausreichender Menge mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Darüber hinaus wächst der Wasserbedarf von Landwirtschaft und Industrie weltweit sehr stark. Die sichere und ausreichende Wasseraufbereitung und -versorgung stellen umfassende globale Herausforderungen dar, zumal sich dieses Problem kontinuierlich und mit hohem Tempo verschärft. Als kompetenter Partner der Wasserwirtschaft bietet Wilo professionelle Lösungen für die immer komplexeren Anforderungen der Trinkwassergewinnung und Wasserförderung sowie für den Transport und die Behandlung von Abwasser oder den Hochwasserschutz. Rund um den Globus setzen Wilo-Pumpen und Wilo-Pumpensysteme für die Wasserwirtschaft Maßstäbe in Bezug auf technische Leistung sowie Effizienz und Nachhaltigkeit.

Industry

Wilo entwickelt und produziert Pumpen, die durch ein garantiertes Höchstmaß an Zuverlässigkeit, Flexibilität und Effizienz gekennzeichnet sind. Vor allem im industriellen Einsatz sind dies prozesskritische, entscheidende Parameter für Pumpen und Pumpensysteme. Eine besondere Stärke der Wilo Gruppe im Marktsegment Industry sind die prozessbegleitenden Anwendungen für verschiedene Branchen. Jeder Industriebereich stellt individuelle, oftmals äußerst spezifische Anforderungen an die Pumpen und Peripherie. Um dafür jeweils die reibungslose Installation, einen sicheren Betrieb und eine effiziente Wartung sicherstellen zu können, entwickelt Wilo maßgeschneiderte Konzepte und Lösungen. Weltweit kommen Pumpen und Systemlösungen der Wilo Gruppe etwa bei der Förderung von Kühlwasser in Kraftwerken oder bei der Abwasserbehandlung auf Schiffen zum Einsatz.

Weitere Anwendungsbereiche sind die Kühlung von Rechenzentren, die Wasserhaltung im Bergbau oder die Herstellung von Lebensmitteln.

2.3. Konzernorganisation und -steuerung

Wilo kann auf eine lange, erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken. So feiert die Wilo Gruppe im Jahr 2022 ihr 150-jähriges Bestehen. Aus der 1872 in Dortmund gegründeten "Kupfer- und Messingwarenfabrik Louis Opländer" ging die heutige WILO SE, eine europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea) hervor. Die Gesellschaft hat ihren Sitz weiterhin in Dortmund, Deutschland. Die WILO SE übernimmt als Muttergesellschaft der Wilo Gruppe zentrale Steuerungsaufgaben für den gesamten Konzern und ist darüber hinaus selbst operativ tätig. Mehrheitsaktionärin mit rund 90 % der Anteile an der WILO SE ist die Wilo-Foundation. Das gezeichnete Kapital der WILO SE beträgt 26.980 TEUR.

Zum 31. Dezember 2021 umfasste die Wilo Gruppe neben der WILO SE mehr als 80 Produktions- und Vertriebsgesellschaften weltweit. An ihren Tochtergesellschaften ist die WILO SE in den meisten Fällen direkt mehrheitlich beteiligt.

Im Februar 2021 hat die WILO SE sämtliche Anteile an der ABIONIK Group GmbH in Berlin, Deutschland, erworben. Mit den Produktmarken Martin Systems, Likusta und Steinhardt verfügt die ABIONIK Group über ein innovatives und ausgereiftes Produktportfolio im Bereich der Wasser- und Luftaufbereitung für kommunale, industrielle und maritime Anwendungen sowie für die Regen- und Abwasserbehandlung und den Hochwasserschutz. ABIONIK hat Standorte in Europa, China und Indien. Mit dem Erwerb ergänzt die Wilo Gruppe ihr Portfolio gezielt und baut ihre Kompetenz als Lösungsanbieter für die Wasserwirtschaft weiter aus.

Ebenfalls im Februar 2021 hat die Wilo Middle East FZE das operative Geschäft von PumpsPro in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, übernommen. PumpsPro bietet Service- und Wartungsleistungen sowie Komplettlösungen für Pumpen- und Pumpensysteme.

Im Juli 2021 hat die WILO Nederland BV 100 % der Anteile an der Servicegesellschaft WRI-TECH Industrial Services Holland B.V. in Uitgeest, Niederlande, erworben. WRI-TECH ist ein etablierter Anbieter von Service-, Wartungs- und Reparaturleistungen für Pumpen und Pumpensysteme.

Darüber hinaus hat im Rahmen eines Asset-Deals die WILO USA LLC im Oktober 2021 das operative Geschäft von QuantumFlo, Inc., einem Spezialisten für Druckerhöhungsanlagen und intelligente Pumpensysteme, übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Sanford, Florida/USA, bietet qualitativ hochwertige Produkte und innovative, nutzerfreundliche Softwarelösungen für die Auslegung und Steuerung von Druckerhöhungsanlagen.

Im Rahmen der strategischen Planung zur Umsetzung der Ambition 2025 wurde die funktionale Organisationsstruktur im Jahr 2021 weiterentwickelt, mit dem Ziel, zusätzliches Optimierungspotenzial zu heben. Als übergeordnete Organisations- und Managementeinheiten, nach denen die Wilo Gruppe in der aktuellen Ausrichtung primär gesteuert wird, dienen nunmehr die drei Vertriebsregionen Mature Markets, Emerging Markets und North America sowie die strategischen Business Units OEM und Water Treatment. Diese Einheiten der primären Steuerungsebene stehen jeweils unter der Leitung eines erfahrenen Managers, der direkt an den Vorstand berichtet. Zusätzlich steuert die Wilo Gruppe ihr Geschäft über die Marktsegmente, die die sekundäre Steuerungsebene bilden. Mithilfe beider Ebenen, die im Sinne einer Matrixorganisation ineinandergreifen, können die Vertriebsaktivitäten eng und flexibel an den unterschiedlichen Erfordernissen der jeweiligen Märkte und Regionen ausgerichtet werden.

Folgende Weiterentwicklungen der primären Steuerungsebene wurden im Berichtsjahr umgesetzt: Zum einen wurde die Stärkung der Vertriebsregion North America, die kontinuierlich an Bedeutung für die gesamte Wilo Gruppe gewinnt, als erfolgskritischer Faktor identifiziert. Nach einer intensiven, kritischen Überprüfung der Struktur der Vertriebsregionen auf künftige Anforderungen und Chancen werden deshalb die Vertriebsorganisationen in den USA und Kanada nicht mehr als Teil der Mature Markets, sondern als eigenständige Vertriebsregion North America geführt. Zum anderen hat die Wilo Gruppe mit der Akquisition der ABIONIK Group im Jahr 2021 ihr Portfolio im Bereich der Wasserwirtschaft erweitert und folgt damit konsequent ihrer strategischen Ausrichtung als Lösungsanbieter für die Behandlung von Wasser und Abwasser. Um der gestiegenen Bedeutung und erhöhten Komplexität Rechnung zu tragen, werden sämtliche Aktivitäten der Wilo Gruppe im Bereich der Wasserbehandlung künftig in der Strategic Business Unit Water Treatment gebündelt.

Die fünf spezifischen Marktsegmente bilden weiterhin die sekundäre Steuerungsebene. Die Leitung und Steuerung der Marktsegmente Building Services Residential, Building Services Commercial, Water Management und Industry wird durch Manager der Gruppenfunktion Group Market Segment Management abgedeckt. Aufgrund der Besonderheiten des Geschäfts mit Erstausrüstern ist die Leitung und Steuerung des Marktsegments OEM direkt in der strategischen Business Unit OEM organisiert.

Zusammensetzung der reifen Märkte und Wachstumsmärkte zum 31. Dezember 2021

In der externen Berichterstattung wird wie bisher zwischen reifen und Wachstumsmärkten unterschieden, wobei die Vertriebsregion North America für diese Zwecke unverändert den reifen Märkten zugerechnet wird. Im Geschäftsjahr 2021 wurden 58,3 % der Konzernumsatzerlöse in den reifen Märkten und 41,7 % in den Wachstumsmärkten erzielt.

Die Aufbauorganisation ist ganzheitlich funktional ausgerichtet. Leitung und Steuerung der Wilo Gruppe obliegen dem Vorstand der WILO SE, der aus vier Mitgliedern besteht. Der folgende Geschäftsverteilungsplan bildet die Aufteilung der funktionalen Verantwortlichkeiten im Vorstand ab.

Vorstandsvorsitzender

Chief Executive (CEO)

Oliver Hermes

Government & Public Affairs

Sales Regions Mature & Emerging Markets, North America

Strategic Business Unit OEM

Group Service

Digitization Team

Koordination der Vorstandstätigkeiten

Chief Change Officer (CCO)

Dr. Patrick Niehr

Group Market Segment Management

Group Product Management

Group Marketing

Group Legal & Insurances

Group Human Resources

Strategic Business Unit Water Treatment

Chief Technology Officer (CTO)

Georg Weber

Group Research & Development

Group Procurement & Supply Chain Management

Group Operations

Group Quality

Group Location Management

Chief Financial Officer (CFO)

Mathias Weyers

Group Controlling

Group Finance, Accounting & Taxes

Group Internal Audit & Compliance

Group Information Management

Group Mergers & Acquisitions

Der Aufsichtsrat der WILO SE bestellt, kontrolliert und überwacht den Vorstand. Die Bestellung des Aufsichtsrats, der aus insgesamt sechs ordentlichen Mitgliedern besteht, erfolgt durch die Hauptversammlung. Zwei Mitglieder des Aufsichtsrats sind Arbeitnehmervertreter, die auf Vorschlag des europäischen Betriebsrats der WILO SE bestellt werden. Detaillierte Informationen zur Zusammenarbeit von Vorstand und Aufsichtsrat werden im Geschäftsbericht im Rahmen des Berichts des Aufsichtsrats 1 dargestellt.

Der Vorstand richtet zur Steuerung der Wilo Gruppe den Fokus auf die Entwicklung der Umsatzerlöse und die Ertragskraft. Zur Messung der Ertragskraft wird dabei primär auf das EBITDA (operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) und die EBITDA- Marge in Prozent vom Umsatz abgestellt. Aufgrund des im Rahmen der Ambition 2025 angestrebten beschleunigten Umsatzwachstums aus organischem und externem Wachstum sowie der hohen Investitionen, die erhebliche finanzielle Ressourcen erfordern, wird ergänzend der Verschuldungsgrad (Leverage) als Steuerungskennzahl herangezogen. Der Verschuldungsgrad beschreibt das Verhältnis der konsolidierten Nettoverschuldung (Summe aus Finanzschulden und Leasingverbindlichkeiten abzüglich liquider Mittel) zum konsolidierten EBITDA bereinigt um etwaige Restrukturierungsaufwendungen. Umsatz, EBITDA bzw. EBITDA-Marge sowie der Verschuldungsgrad stellen die zentralen finanziellen Steuerungsgrößen der Wilo Gruppe dar. Daher sind sie für die Zwecke der externen Finanzberichterstattung gemäß DRS 20 Bestandteil der Analyse des Geschäftsverlaufs, der Beurteilung der Lage des Konzerns sowie der Prognoseberichterstattung.

Auf Ebene des Konzerns ist der Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit, also die im Rahmen des operativen Geschäfts erwirtschaftete Liquidität der Wilo Gruppe, eine weitere wichtige finanzielle Steuerungsgröße. Ein nachhaltig positiver Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit sichert die finanzielle Unabhängigkeit und die Liquidität des Unternehmens und ist ein wichtiger Indikator für die Innenfinanzierungskraft. Wesentliche Stellgrößen zur Verbesserung des Cashflows aus operativer Geschäftstätigkeit sind die Steigerung von Umsatz und EBITDA. Ergänzend dazu unterstützt das konsequente Management des operativen Nettoumlaufvermögens (Working Capital) die Entwicklung des operativen Cashflows.

Die Wilo Gruppe hat sich im Rahmen ihrer langfristigen Finanzierungsvereinbarungen zur Einhaltung bestimmter marktüblicher Finanzkennzahlen (Financial Covenants) verpflichtet. Neben dem Verschuldungsgrad betrifft dies vor allem die Eigenkapitalquote sowie den Zinsdeckungsgrad, definiert als das Verhältnis des konsolidierten EBITDA zum konsolidierten Zinsaufwand. Um zu jeder Zeit die Einhaltung der geforderten Mindestwerte sicherzustellen, werden diese Kennzahlen ebenfalls regelmäßig überprüft und an den Vorstand berichtet. Die Wilo Gruppe hat auch im Berichtsjahr 2021 die vereinbarten Finanzkennzahlen erfüllt.

1 Der Bericht des Aufsichtsrats ist nicht Bestandteil des Konzernlageberichts. In Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften hat die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft den Bericht des Aufsichtsrats nicht geprüft und gibt dementsprechend weder ein Prüfungsurteil noch irgendeine andere Form von Prüfungsschlussfolgerung hierzu ab.

Sämtliche steuerungsrelevante Kennzahlen werden aus den Kennzahlen des Konzernabschlusses ermittelt, der auf Basis der International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellt wird.

Neben den beschriebenen finanziellen Steuerungsgrößen und Kennzahlen sind nichtfinanzielle Faktoren, die unter anderem Mitarbeiter, Prozesse entlang der Wertschöpfungskette, Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Engagement betreffen, für den unternehmerischen Erfolg und die Entwicklung der Wilo Gruppe wichtig. Nähere Erläuterungen finden sich im Nachhaltigkeitsbericht der Wilo Gruppe, der unter https://wilo.com/nachhaltigkeitsbericht abrufbar ist. 2

2.4. Unternehmensstrategie

Die Ambition 2025 legt die Unternehmensziele, die Entwicklung und den strategischen Wachstumspfad bis zum Jahr 2025 und darüber hinaus fest.

2 Die Inhalte, die unter dem weiterführenden Link abgerufen werden können, sind nicht Bestandteil des Konzernlageberichts. In Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften hat die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft weder die Querverweise noch die Informationen, auf die sich die Querverweise beziehen, geprüft und gibt dementsprechend weder ein Prüfungsurteil noch irgendeine andere Form von Prüfungsschlussfolgerung hierzu ab.

"Together we accelerate our profitable growth as a worldwide solution provider" fasst die strategischen Hauptziele zusammen und betont den besonderen Stellenwert der internationalen branchen- und industrieübergreifenden Zusammenarbeit mit verschiedenen Interessengruppen. Dafür treibt die Wilo Gruppe ihre bestehende Globalisierungsstrategie mit Nachdruck voran und fördert gezielt die Zusammenarbeit und Vernetzung aller Stakeholder in der gesamten Wertschöpfungskette. Im Zentrum steht Wilos Anspruch, die Weiterentwicklung des Unternehmens von einem Komponentenhersteller hin zu einem digitalen Pionier und integrierten Lösungsanbieter der Pumpenindustrie konsequent fortzusetzen. Dafür intensiviert die Wilo Gruppe die Entwicklung von smarten Produkten, Systemen, Services und Lösungen und forciert mit Nachdruck die digitale Transformation der Unternehmensgruppe.

Diese Strategie des beschleunigten profitablen Wachstums basiert auf sechs klar definierten strategischen Säulen:

Wilo strebt höchste Kundenzufriedenheit an - dies wird durch den Claim "Pioneering for You" unterstrichen.

Wilo befähigt und fördert seine Mitarbeiter - sie bilden das Rückgrat des Unternehmens.

Wilo setzt neue Standards als Innovationsführer - dabei umfassen Innovationen neue Technologien und Materialien, Produkte und Dienstleistungen, Prozesse sowie (digitale) Geschäftsmodelle.

Wilo hat den Anspruch, sich als digitaler Pionier in der Pumpenindustrie zu etablieren - dazu werden die Chancen der digitalen Transformation ergriffen.

Wilo steht für "Business Excellence" in allen Geschäftsprozessen - und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Wilo bleibt ein unabhängiges und verantwortungsbewusstes Unternehmen - dabei setzt das Unternehmen auf eine stabile Organisation und Anteilseignerstruktur.

Wilos Anspruch ist höchste Kundenzufriedenheit.

Wilo fördert engagierte Mitarbeiter.

Wilo setzt als Innovationsführer neue Standards.

Wilo entwickelt sich zum digitalen Pionier der Pumpenindustrie.

Wilo steht für Unternehmensexzellenz.

Wilo bleibt ein unabhängiges und verantwortungsbewusstes Unternehmen.

Zur Erreichung der strategischen Ziele wurden für die fünf Marktsegmente, die als sekundäre Steuerungsebene der Wilo Gruppe fungieren, jeweils grundsätzliche strategische Stoßrichtungen definiert. Zielsetzung im Marktsegment Building Services Residential ist es, Komplettanbieter und bevorzugter Lieferant zu sein. In Building Services Commercial steht der Ausbau der Markt- und Innovationsführerschaft als Lösungsanbieter im Vordergrund. Im Marktsegment OEM festigt Wilo die Position als präferierter Partner mit smarten und integrierten Lösungen. Im Marktsegment Water Management soll die globale Marktpräsenz mit digitalen Lösungen in der Wasserwirtschaft gestärkt werden. Das Marktsegment Industry fokussiert sich auch künftig auf ausgewählte Branchen und Anwendungen.

Unternehmerisch umgesetzt wird die Ambition 2025 über die primäre Steuerungsebene, d.h. über die Vertriebsregionen (Mature & Emerging Markets, North America) sowie die Strategic Business Units (OEM, Water Treatment). Diese Einheiten stehen jeweils unter der Leitung eines erfahrenen Managers, der direkt an den Vorstand berichtet. Zur Unterstützung der Strategieimplementierung wurden konkrete 10-Punkte-Pläne jeweils für die reifen und die Wachstumsmärkte sowie ein 5-Punkte-Plan für die strategische Business Unit OEM erstellt. Diese Pläne bilden klar definierte, aktionsbasierte und projektgesteuerte Maßnahmen ab, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden. In regelmäßigen Sitzungen des Steuerungskreises wird der aktuelle Stand der Umsetzung der jeweiligen Maßnahmen überprüft.

Zur nachhaltigen Sicherung und Beschleunigung des profitablen Wachstums treibt die Wilo Gruppe darüber hinaus Projekte zur Steigerung der Effizienz im Vertrieb und der Produktion voran. Kernelemente dieser umfangreichen gruppenweiten Projekte beinhalten die Analyse und Optimierung wesentlicher Kostenstrukturen und -treiber.

Im Rahmen der strategischen Langfristplanung wurden fünf für das Unternehmen relevante Megatrends definiert. Die Globalisierung, Urbanisierung, Energieknappheit, der Klimawandel sowie Wasserknappheit werden einen großen Einfluss auf das zukünftige Geschäft der Wilo Gruppe haben. Bereits in der aktuellen Entwicklung des Unternehmens sind diese Effekte spürbar. Die Digitale Transformation, die selbst einen wichtigen Megatrend darstellt, nimmt eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der zahlreichen Herausforderungen, die die genannten Megatrends für das Unternehmen und die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik mit sich bringen, ein und unterstützt bei der gezielten und effizienten Umsetzung von Lösungsansätzen.

DIGITALE TRANSFORMATION

Globalisierung 2.0

Urbanisierung

Energieknappheit

Klimawandel

Wasserknappheit

Im Rahmen des Corporate-Foresight-Prozesses werden neben den Risiken auch Chancen aus den erwarteten zukünftigen Entwicklungen mit Bezug auf die globalen Megatrends abgeleitet und analysiert. Auf diesem Weg finden die Ergebnisse systematisch Berücksichtigung bei der Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie. Darüber hinaus unterstützt dieser Prozess die Weiterentwicklung bestehender sowie die Erschließung neuer Geschäfts- und Wachstumsfelder. Dabei richtet die Wilo Gruppe ihren Blick unter anderem auf die Bereiche Wassertechnologie und regenerative Energien sowie speziell auf Wasserstofftechnologien und -systeme.

Die Corona-Pandemie hat die Risiken der aktuellen Weltwirtschaftsordnung mit ihren eng verknüpften Wertschöpfungsketten sehr deutlich zu Tage treten lassen und den Trend zur Regionalisierung und Relokalisierung von Produktionsnetzwerken weiter angeheizt.

Protektionistische Tendenzen sowie Abschottungs- und Autarkiebestrebungen einzelner Länder und Regionen haben sich so im Zuge der Pandemie nochmals verstärkt und die fortschreitende Entflechtung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen (Decoupling) deutlich zu Tage treten lassen. Die Wilo Gruppe ist mit ihrem langjährig etablierten Region- for-Region-Ansatz hervorragend aufgestellt, diesen Herausforderungen zu begegnen und in Krisenzeiten das Risiko von größeren Verwerfungen, Betriebs- oder Lieferausfällen zu minimieren. Dieser Ansatz sieht vor, in den einzelnen Regionen einerseits so viel Dezentralität wie möglich und andererseits so viel Zentralität wie erforderlich zuzulassen, um effizient und kundenorientiert vor Ort für lokale und regionale Märkte zu produzieren. Der Vorstand hatte bereits 2020 beschlossen, die schon vor Ausbruch der Pandemie initiierte weitere Lokalisierung zu intensivieren. Dazu wurden auch die bestehenden Make-or-Buy-Strategien einer kritischen Überprüfung unterzogen und dabei die für Wilo zukünftig sinnvolle Wertschöpfungstiefe in einzelnen Regionen und Ländern neu definiert. Für kritische Komponenten wurden In-Sourcing-Aktivitäten tendenziell verstärkt. In diesem Zusammenhang wurden die Wertschöpfungsketten kritisch untersucht und die Fertigungstiefe in ausgewählten Bereichen bereits erhöht. Weitere Elemente der Risikominimierung sind das Multiple-Sourcing, um die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu reduzieren, und die Neudefinition erforderlicher Sicherheitsbestände in der Bevorratung. Mit der Einrichtung eines neuen Headquarters für die Vertriebsregion Emerging Markets in Peking sowie dem Bau von neuen, modernen Produktionsstätten in China, Indien und den USA setzt Wilo diesen Ansatz konsequent fort. Mittelfristig wird auch in den USA ein neues Headquarter entstehen, um der zunehmenden Bedeutung der gesamten Region Americas für die Wilo Gruppe Rechnung zu tragen.

Die übergeordnete Vision und Mission sowie die Unternehmenswerte bilden den Rahmen für die Ambition 2025. Die Vision ist das Leitbild, das die Wilo Gruppe erreichen will, und eine selbstbewusste Aussage, mit der Wilo eine klare Position in einer sich ständig wandelnden Welt einnimmt.

Basierend auf dieser Vision legt die Mission den wesentlichen Zweck bzw. den Auftrag fest, den Wilo verfolgt. Ferner ist sie die Handlungsanweisung, mit der den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen begegnet wird. Die Wilo Gruppe will mit ihren Produkten sowie den passenden Systemlösungen und Dienstleistungen das Leben der Menschen überall auf der Welt vereinfachen. Integrität, Fairness, Respekt, Leidenschaft und Verantwortung sind dabei die unumstößlichen Werte, nach und mit denen bei Wilo gearbeitet und gelebt wird. Sie bilden die gemeinsame Basis, zu der sich jeder Einzelne im Unternehmen bekennt - unabhängig von Position, Aufgabe und Verantwortungsbereich. Traditionell wird der nachhaltige Erfolg der Wilo Gruppe in erheblichem Maße durch diese gemeinsame Wertevorstellung getragen.

Die Ambition 2025 bildet auch die Basis für die Nachhaltigkeitsstrategie der Wilo Gruppe. Kern dieser Strategie ist es, mehr Menschen mit sauberem Wasser zu versorgen bei einem zugleich reduzierten ökologischen Fußabdruck. Innerhalb der vier strategischen Handlungsfelder "Wasser", "Energie & Emissionen", "Material & Abfall", "Mitarbeiter & Gesellschaft" wurden insgesamt 17 strategische Ziele formuliert. Diese Ziele sind in die Funktionalstrategien der Fachbereiche integriert und damit Bestandteil der regulären Berichterstattung und Unternehmensführung.

Nähere Erläuterungen finden sich im Nachhaltigkeitsbericht der Wilo Gruppe, der unter https://wilo.com/nachhaltigkeitsbericht abrufbar ist. 3

2.5. Forschung und Entwicklung

Strategie und Ausrichtung

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind als fester Bestandteil in die Ambition 2025 und die Unternehmensziele eingebunden, sodass der übergeordnete F&E-Rahmen entsprechend der Unternehmensstrategie unmittelbar festgelegt ist. Oberstes Ziel bleibt es, die führende Position der Wilo Gruppe in Bezug auf Technologie, Innovation und Qualität weiter auszubauen. Dafür wurden mithilfe des sogenannten Corporate-Foresight-Prozesses aus den für Wilo relevanten Megatrends konkret erkennbare Chancen und Risiken abgeleitet. Darauf aufbauend wurden folgende strategische Handlungsfelder für den Bereich Forschung und Entwicklung definiert: Energie- und Ressourceneffizienz, Systemtechnik und Lösungskompetenz sowie digitale Technologien.

Bei der Bearbeitung der strategischen Handlungsfelder kooperiert Wilo zum Teil eng mit externen Partnern, anderen Industrieunternehmen und arbeitet mit Hochschulen und innovativen Start-up-Unternehmen zusammen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bereicherung und Erweiterung des internen Know-hows durch externe Expertise. Zu diesem Zweck hat die Wilo Gruppe ein weltweites Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk etabliert, mit dessen Unterstützung die vielfältigen Projekte durchgeführt werden. Für anwendungsnahe Grundlagenthemen werden auch öffentliche Förderungen genutzt. Im Zuge der Digitalisierung setzt Wilo außerdem verstärkt Entwicklungsschwerpunkte bei neuen Geschäftsmodellen und ergänzenden Dienstleistungen.

Unter dem Leitsatz "Green Solutions for a better climate" tragen innovative und energieeffiziente Produkte, Systeme und Lösungen der Wilo Gruppe zu einem nachhaltigen Mehrwert für die Umwelt bei. Auf Basis der aus der Ambition 2025 abgeleiteten ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie wurden die Themen Klima, Energieeinsparung und Nachhaltigkeit in der Produktentwicklung im Berichtsjahr 2021 weiter forciert. Eines der im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie formulierten Ziele ist es, durch den Einsatz von hocheffizienten und umweltfreundlichen Technologien in Wilo-Produkten den CO 2 -Ausstoß signifikant zu verringern und deutliche Energieeinsparungen von rund 1,8 TWh jährlich zu erzielen. Im Jahr 2021 konnte dieses Ziel mit den Wilo Hocheffizienzpumpen sogar übertroffen und weltweit eine Energieeinsparung von 2,1 TWh erzielt werden. Dieser Wert ergibt sich aus der Stromeinsparung von Hocheffizienzpumpen gegenüber den entsprechenden ungeregelten Vorgängermodellen.

3 Die Inhalte, die unter dem weiterführenden Link abgerufen werden können, sind nicht Bestandteil des Konzernlageberichts. In Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften hat die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft weder die Querverweise noch die Informationen, auf die sich die Querverweise beziehen, geprüft und gibt dementsprechend weder ein Prüfungsurteil noch irgendeine andere Form von Prüfungsschlussfolgerung hierzu ab.

Sämtliche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten verantwortet und steuert die zentrale Forschungs- und Entwicklungsorganisation. Klassische Entwicklungsfelder wie Motoren, Hydraulik, Mikroelektronik und Software werden hier durch dedizierte zentrale Entwicklerteams bearbeitet. So soll sichergestellt werden, dass die Herausforderungen, die sich unter anderem auch durch die digitale Transformation von Produkten und Prozessen in allen Unternehmensbereichen ergeben, gebündelt und effizient bearbeitet werden können. Die Produkt-Serienentwicklung ist ebenfalls zentral koordiniert, erfolgt aber grundsätzlich dezentral an den verschiedenen Standorten der Wilo Gruppe. Diese zweigliedrige Organisationsform ermöglicht neben einer agilen Arbeitsweise im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung auch eine weltweite, bereichs- und fachübergreifende Zusammenarbeit mit bestmöglichem Wissenstransfer. Ein besonderes Augenmerk der Produktentwicklung liegt dabei auf den Wachstumsmärkten im asiatischen Raum.

Ergebnisse

Das mit Unterstützung externer Partner entwickelte globale Plattformkonzept mit Baukastensystematik wurde im Berichtsjahr kontinuierlich weiter ausgebaut. Mit dem Plattformkonzept werden die Ergebnisse und Entwicklungskomponenten aus den unterschiedlichen Projekten sowohl bereichs- als auch projektübergreifend genutzt. Ziel ist es, einen globalen, nachhaltigen Technologie- und Wissenstransfer innerhalb der Wilo Gruppe zu gewährleisten. Durch diesen Ansatz können die Entwicklungskosten dauerhaft gesenkt und die Markteinführungszeit signifikant verkürzt werden. Außerdem lag 2021 ein besonderes Augenmerk auf dem Gebiet des Multi-Project-Managements. Hierfür konnten im Berichtsjahr zahlreiche strukturelle Maßnahmen umgesetzt und damit weitere, signifikante Prozessoptimierungen realisiert werden.

Die Wasserversorgung für Heizungs-, Klima- und Kälteanwendungen in großen Gebäuden ist hochkomplex und muss gleichzeitig dem Anspruch kompromissloser Betriebssicherheit genügen. Für diese Einsatzzwecke hat Wilo 2021 die hocheffiziente, smarte Trockenläuferpumpe Wilo-Stratos GIGA 2.0-I auf den Markt gebracht, die für eine Vielzahl von Anwendungen geeignet ist und aufgrund ihrer Software-Update-Fähigkeit eine hohe Flexibilität auch in Bezug auf künftige Anforderungen aufweist. Die smarte Trockenläuferpumpe bietet viele Schnittstellen für Multipumpensteuerung, Einbindung in die Gebäudeautomation, Betriebsdatenerfassung und Optionen für mobile Zugriffe via Wilo-Smart Connect. Die neuartige Antriebstechnologie dieser Pumpe ermöglicht in Verbindung mit bewährter Pumpenhydraulik höchste Zuverlässigkeit bei der Förderung von Heizungswasser, Kaltwasser und Wasser-Glykol-Gemischen ohne abrasive Stoffe in Heizungs-, Klima- und Kühlsystemen.

Im OEM-Bereich hat Wilo im Berichtsjahr 2021 mit der Baureihe Wilo-Para MAXO eine weitere hocheffiziente Nassläufer-Umwälzpumpe mit hohem Durchfluss für Heizungs- und Solaranwendungen auf den Markt gebracht. Sie bietet einen sehr hohen Komfort bei der elektrischen Installation, Inbetriebnahme, Einstellung und Diagnose. In der Ausführung Wilo- Para MAXO R ist die Umwälzpumpe in Wärmepumpensystemen aller Art sowie für die Kühlung und geothermische Anwendungen einsetzbar. Aufgrund ihrer speziellen Konstruktion ist sie für den Einsatz von Propan als Kältemittelgas geeignet, das im Vergleich zu den üblicherweise verwendeten Gasen ein wesentlich geringeres Treibhausgaspotenzial besitzt. Zudem ist die Pumpe äußerst energieeffizient und erweitert damit das Portfolio der Klimaschutzprodukte für das OEM-Segment.

Mit der Wilo-Medana CH1-L wurde 2021 eine verbesserte horizontale, mehrstufige Pumpenbaureihe zur effizienten Systemintegration in den Markt eingeführt. Sie eignet sich sowohl für Trinkwasseranwendungen als auch für den Einsatz in Umgebungstemperaturen von bis zu 50° Celsius.

Mit der Markteinführung des Wilo-Monitors wurde 2021 zudem ein weiterer Meilenstein im Bereich der Produkt-Digitalisierung erreicht. Über eine Vernetzung von Wilo-Pumpen und Pumpensystemen mit der Wilo-Smart Cloud werden eine kundenfreundliche, bequeme und ortsunabhängige Fernüberwachung sowie eine Fernmeldung von Fehlern und Warnungen in Echtzeit ermöglicht.

Mitarbeiter

Bei einem etwas niedrigeren Personalbestand ist die Mitarbeiterstruktur im Bereich Forschung und Entwicklung 2021 im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben. Die bedarfsgerechte Gewinnung von qualifizierten Nachwuchskräften aus den technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen stellt eine zunehmende Herausforderung dar, auch international. Aus diesem Grund strebt die Wilo Gruppe mit umfangreichen Maßnahmen in der Personalarbeit an, bei potenziellen Bewerbern als der Employer of Choice wahrgenommen zu werden. Spezielle Talentförderungsprogramme, eine Vielzahl an inner- und überbetrieblichen Weiterbildungs- und Mentoring-Programmen sowie die vermehrte Zusammenarbeit mit Start-up-Unternehmen sind Beispiele für entsprechende zielgerichtete Maßnahmen. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei vermehrt auch auf den asiatischen Raum gerichtet. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass auch zukünftig hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich gewonnen und an Wilo gebunden werden können.

Patente und Lizenzen

Mit ihrer Patentstrategie verfolgt die Wilo Gruppe das Ziel, innovative Alleinstellungsmerkmale durch Patente und andere Schutzrechte gegen den Wettbewerb abzusichern. Nahezu die Hälfte des konzernweiten Umsatzes entfällt auf Produkte mit mindestens einer patentierten oder zum Patent angemeldeten technischen Lösung. Die so geschützten Produkte, Verfahren und Lösungen können ausschließlich durch Wilo genutzt werden und unterstützen damit das profitable Wachstum des Unternehmens. Neben der hohen Nutzungsquote - d.h. dem Verhältnis von Umsatz mit patentgeschützten Produkten zum Gesamtumsatz - sprechen auch die seit Jahren signifikant überdurchschnittlichen Erteilungsquoten (Anzahl erfolgreich erteilter Patente) von mehr als 80 % der Patentanmeldungen für die besondere Qualität des Wilo Patentportfolios. Die Anmeldungen und der Patentbestand konnten 2021 im Vergleich zum Vorjahr weiter erhöht werden.

Investitionen und Aufwendungen

Die Investitionsschwerpunkte im Bereich Forschung und Entwicklung lagen im Berichtsjahr 2021 erneut im weiteren Ausbau der Labor-Infrastruktur und Automatisierung hin zu einem globalen Netzwerk mit gemeinsamer Infrastruktur und weltweit verketteten Prozessen.

Die Gesamtaufwendungen für Forschung und Entwicklung einschließlich aktivierter Entwicklungskosten beliefen sich im Berichtsjahr 2021 auf 71,0 Mio. EUR (Vorjahr: 68,6 Mio. EUR). Mit einer Quote von 4,3 % vom Umsatz blieben sie auf einem hohen Niveau. Entwicklungskosten (einschließlich Fremdkapitalzinsen) wurden in Höhe von 16,1 Mio. EUR (Vorjahr: 17,3 Mio. EUR) aktiviert. In Höhe von 55,8 Mio. EUR (Vorjahr: 52,0 Mio. EUR) wurden Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen ergebniswirksam erfasst. Die Abschreibungen auf aktivierte Entwicklungskosten betrugen im Berichtsjahr 6,2 Mio. EUR (Vorjahr: 4,8 Mio. EUR).

* inklusive aktivierter Entwicklungskosten

3. Wirtschaftsbericht

Weltwirtschaft und Bauindustrie 2021 trotz Gegenwind auf Erholungskurs

Profitabler Wachstumskurs mit einem kräftigen Umsatzwachstum von 13,8 % fortgesetzt

Deutliche Verbesserung der Profitabilität, operativer Cashflow bleibt auf hohem Niveau

Besondere Herausforderungen durch erhebliche Störungen in den globalen Wertschöpfungsketten und starke Verwerfungen auf den Beschaffungsmärkten

3.1. Gesamtwirtschaftliche und branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Weltwirtschaft: Die Pandemie und globale Lieferengpässe haben eine lebhaftere Erholung 2021 verhindert

Die Corona-Pandemie hat die Weltwirtschaft auch im Jahr 2021 spürbar beeinflusst, wobei die Infektionswellen und damit staatliche Eindämmungsmaßnahmen regional weniger synchron verliefen als im Vorjahr. Die zunächst kräftige Erholung der globalen Wirtschaft geriet ab der Jahresmitte ins Stocken. Zum einen stiegen im Sommer die Infektionszahlen in Asien. Zum anderen kam es zu massiven Störungen in den globalen Wertschöpfungsketten. Gravierende Lieferengpässe - weit über die mangelnde Verfügbarkeit von Mikrochips hinaus - gekoppelt mit sprunghaft höheren Kosten für wichtige Rohstoffe, Vorprodukte und den Transport dämpften weltweit den Aufschwung der Industrieproduktion. In diesem globalen Konjunkturumfeld und als Folge stark gestiegener Inflationsraten hat sich die Geldpolitik 2021 unterschiedlich entwickelt. Während die US-Notenbank FED die Zinswende in den USA vorbereitet hat, blieb die Europäische Zentralbank (EZB) für den Euroraum bei ihrem extrem expansiven Kurs. Auch Großbritannien, Norwegen, Südkorea und viele Schwellenländer haben ihre Leitzinsen zum Teil deutlich angehoben. Per saldo ist die Weltwirtschaft nach Einschätzung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW, Kiel) 2021 trotz der dämpfenden Effekte um 5,7 % gewachsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht von einem Plus von 5,9 % aus, nach einem Rückgang um 3,1 % im Vorjahr. In den Industrieländern konnte die Wirtschaftsleistung 2021 um 5,0 % gesteigert werden (Vorjahr: -4,5 %), in den Schwellen- und Entwicklungsländern um 6,5 % (Vorjahr: -2,0 %).

Im Folgenden werden die gesamt- und branchenwirtschaftlichen Entwicklungen des Jahres 2021 in den für die Wilo Gruppe relevanten Regionen dargestellt. Neben der allgemeinen volkswirtschaftlichen Entwicklung einzelner Staaten und Regionen wird die wirtschaftliche Entwicklung der Wilo Gruppe im besonderen Maße durch die Bau- und Sanitär- sowie die Wasser- bzw. Abwasserwirtschaft beeinflusst.

Reife Märkte - Bauindustrie in Europa und den USA trotz Pandemie und zeitweiser Lieferengpässe 2021 auf Wachstumskurs

EUROPA. Nachdem die europäische Wirtschaft im ersten Quartal unter dem Druck strenger Lockdowns geschrumpft war, setzte sich im Frühjahr und Sommer mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen eine breite wirtschaftliche Erholung durch. Neben lebhaften Exporten zog insbesondere der private Konsum dank einer aufgestauten Nachfrage und hohen Kaufkraft kräftig an. Auch die Industriekonjunktur geriet wieder in Schwung, wobei unerwartet weitreichende Lieferengpässe die Produktionsleistung und die Investitionstätigkeit im weiteren Jahresverlauf spürbar belastet haben. Nach Berechnungen des Statistikamts Eurostat ist die Wirtschaft im Euroraum 2021 um 5,2 % gewachsen (Vorjahr: -6,4 %). Dabei sind alle Länder auf einen Erholungskurs zurückgekehrt. Sowohl Italien, Spanien und Frankreich als auch Portugal und Österreich haben sich kräftig belebt. Der Aufschwung in Skandinavien und Osteuropa blieb allerdings moderater als im Durchschnitt des Euroraums. Die Schweiz ist 2021 robust gewachsen und auch Großbritanniens Wirtschaft konnte sich weiter vom tiefen Einbruch im Vorjahr erholen.

Auch Deutschlands Wirtschaft profitierte 2021 von den Lockerungen der Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie, sodass sich der aufgestaute private Konsum kräftig erholen konnte. Die Industriekonjunktur wurde dagegen durch die Lieferkettenprobleme und und massiv gestiegene Vorprodukt- und Transportkosten ab dem Sommer merklich abgebremst. Darunter litten die Ausrüstungsinvestitionen. Mit der vierten Infektionswelle und den neuen Maßnahmen zu ihrer Eindämmung geriet der Aufschwung Ende 2021 auch konsumseitig ins Stocken. Laut dem Statistischen Bundesamt ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland 2021 in Summe nur um 2,7 % gestiegen (Vorjahr: -4,6 %). Der Aufschwung war somit schwächer als noch vor Jahresfrist erhofft.

Europas Baukonjunktur hat sich in der Pandemie bisher besser entwickelt als erwartet. Nach dem Branchennetzwerk Euroconstruct (u.a. Ifo-Institut) ist die reale Bauproduktion 2021 in den 19 wichtigsten europäischen Ländern nach vorläufigen Berechnungen um 5,6 % auf ein Niveau von 1,74 Billionen EUR gestiegen (Vorjahr: -4,7 %). Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Wohnungsbau, wobei auch der sonstige Hochbau und der Tiefbau sich spürbar erholt haben. Allerdings verlief die Entwicklung regional uneinheitlich. So war die Erholung der Bauproduktion in Italien und Belgien mit zweistelligen Zuwächsen sowie auch in Frankreich und Spanien mit jeweils gut 6 % nach den letztjährigen Rückgängen besonders stark. Skandinaviens Märkte setzten ihren robusten Aufschwung fort. Österreichs Bauproduktion erholte sich um 5,4 %. Dagegen war das Wachstum in der Schweiz mit 1,5 % und in den Niederlanden mit 0,8 % sehr verhalten. In Großbritannien hat sich die Bauproduktion wiederum kraftvoll erholt. Hier betrug das Wachstum 13,4 %. In Summe ist die reale Bauproduktion in Westeuropa um 5,9 % gewachsen. In Osteuropa lag das Plus bei nur 2,0 %, wobei die Branchenkonjunktur in Ungarn mit einem Wachstum von 3,3 % und Polen mit 3,0 % solide positiv war.

Verzögerungen durch Lieferengpässe, deutliche Kostensteigerungen für Baumaterial und der Fachkräftemangel haben sich zwar auch in der deutschen Bauwirtschaft belastend ausgewirkt, dennoch hat sich die Branche 2021 dank einer lebhaften Nachfrage robust entwickelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Bauinvestitionen real um 0,5 % gestiegen. Das breit definierte nominale Bauvolumen ist nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) um 10,1 % gewachsen, vor allem infolge starker Preissteigerungen von 8,5 %. Beim Neubau von Wohnungen stieg das Bauvolumen um 10,5 % auf 87,8 Mrd. EUR (Vorjahr: 5,7 %). Bei sonstigen Gebäuden (Industrie, Gewerbe, öffentlich) erreichte der Zuwachs 7,0 % auf 49,3 Mrd. EUR (Vorjahr: 3,1 %). Mit rund zwei Dritteln des gesamten Bauvolumens bei Gebäuden entfällt der Löwenanteil aber nicht auf den Neubau, sondern auf Baumaßnahmen an Bestandsgebäuden, vor allem Aus- bzw. Umbauten, Instandsetzung und Modernisierung. Auch diese Baumaßnahmen konnten 2021 zulegen, bei Wohngebäuden um 11,8 % auf 196,6 Mrd. EUR (Vorjahr: 4,6 %), bei Nichtwohngebäuden um 9,4 % auf 70,4 Mrd. EUR (Vorjahr: 0,8 %).

Gestützt durch die auf hohem Niveau befindlichen Bauaktivitäten und im Sog einer lebhaften Modernisierungsnachfrage hat sich die Sanitärwirtschaft in Deutschland 2021 erneut sehr positiv entwickelt. Gemäß dem Statistischen Bundesamt ist der Umsatz des Ausbaugewerbes mit der Installation von Gas-, Wasser-, Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen in den ersten drei Quartalen 2021 um 6,5 % gewachsen (Vorjahr ganzjährig: 7,0 %). Dabei dürften mit Blick auf neue technische Grenzwerte Vorzieheffekte und vermehrt auch gezielte Investitionen in klimafreundlichere Heizungsanlagen eine Rolle gespielt haben. Nach vorläufigen Angaben der Fachverbände hat die deutsche Heizungswirtschaft den Inlandsumsatz 2021 nochmals beschleunigt um 10,6 % auf 35,5 Mrd. EUR gesteigert (Vorjahr: 8,4 %).

USA. Die Industrieproduktion ist 2021 nach zwei schwachen Jahren deutlich gestiegen und die Kapazitätsauslastung hat sich verbessert. Trotz einer vorübergehenden Delle im dritten Quartal hat sich die Konjunktur kräftig erholt. Dabei haben insbesondere der private Konsum und die Investitionen den Aufschwung getrieben. Nach ersten offiziellen Daten ist die US- Wirtschaft 2021 voraussichtlich um 5,7 % gewachsen (Vorjahr: -3,4 %).

Der positive Trend in der US-Bauwirtschaft hat sich fortgesetzt und die realen Bauinvestitionen sind gestützt durch den kräftigen Aufschwung im Wohnungsbau überproportional gewachsen. Gemessen an den nominalen Ausgaben belief sich der Anstieg der Bauproduktion in den USA auf 8,2 %. Im privaten Wohnungsbau erreichte der Zuwachs sogar 23,2 %, davon bei privaten Mehrfamilienhäusern 15,6 %. Der Gewerbebau lag leicht im Plus, in Bürogebäude wurde allerdings weniger investiert als im Vorjahr. Zudem war der öffentliche Bau um 4,2 % rückläufig. Im Bereich der Wasserversorgung sind die öffentlichen Bauausgaben 2021 leicht um 1,2 % gestiegen, im breit gefassten Sektor Abwasser/Müllentsorgung um 4,5 %.

Wachstumsmärkte - Bauwirtschaft 2021 fast ausnahmslos mit viel Rückenwind, hohe Investitionen in Wohnungen und Infrastruktur

CHINA. In China litt die Wirtschaft 2021 unter immer neuen, regional begrenzten Lockdowns als Mittel der sehr strikten Null-Covid-Politik. Zudem belasteten die landesweite Krise in der kohlebasierten Energieversorgung und die finanziellen Schwierigkeiten im Immobiliensektor das Wirtschaftswachstum. Ab dem Herbst ist die chinesische Industrieproduktion mit gut 3 % nur noch moderat gewachsen, wobei die Stahlproduktion ganzjährig sogar geschrumpft ist. Nach einem basisbedingt kraftvollen Jahresauftakt hat das Wirtschaftswachstum im Verlauf des Jahres 2021 immer mehr an Dynamik eingebüßt. Laut den Angaben des Statistikamts NBS ist das BIP in China 2021 trotzdem um 8,1 % gewachsen (Vorjahr revidiert: 2,2 %).

Die Bauwirtschaft ist eine bedeutende Säule der Konjunktur in China. Die hohe Dynamik in den urbanen Megazentren ist von einem immensen Bedarf an Wohnraum, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäuden sowie moderner Infrastruktur geprägt. Dies schließt die Versorgung mit Energie und Trinkwasser sowie die Entsorgung von Abfall und Abwasser mit ein. Die Gebäudeinvestitionen sind 2021 trotz der Finanzkrise im Immobiliensektor (u.a. Evergrande) nominal um 4,4 % (Vorjahr: 7,0 %) gestiegen, wobei das Wachstum im dominierenden Wohnungsbausegment 6,4 % betrug (Vorjahr: 7,6 %). Zugleich hat China die Anlageinvestitionen in die Wasserwirtschaft um 1,3 % weiter gesteigert.

SÜDKOREA. Die südkoreanische Wirtschaft hat sich 2021 auf breiter Basis erholt. Die Halbleiter-, Pharma- und Stahlindustrie, aber auch der Maschinen- und Schiffbau profitierten von einer belebten internationalen Nachfrage. Außerdem zog der private Konsum mit zunehmendem Impffortschritt und Aufhebung von Corona-Restriktionen spürbar an. Die Notenbank (Bank of Korea) hat die Leitzinsen 2021 in zwei moderaten Schritten auf 1,0 % angehoben. Gemäß ihrer aktuellen Einschätzung ist die Wirtschaft 2021 um 4,0 % gewachsen (Vorjahr: -0,9 %).

Allerdings blieb die Bauwirtschaft im ersten Halbjahr trotz einer verbesserten Auftragslage pandemiebedingt unter Druck und konnte sich erst im weiteren Verlauf des Jahres sukzessive stabilisieren. Ganzjährig dürften die Bauinvestitionen laut der Bank of Korea 2021 mit real -0,7 % nochmals leicht rückläufig gewesen sein (Vorjahr: -0,4 %).

INDIEN. Nach einer schweren Pandemie-Welle im Frühjahr hat sich Indiens Konjunktur 2021 im Jahresverlauf spürbar erholt. Die Regierung hat die Wirtschaft teilweise mit finanziellen Anreizen stabilisiert. Davon hat vor allem der Privatkonsum profitiert. Die Industrieproduktion litt jedoch zum Teil unter steigenden Rohstoffkosten sowie Lieferengpässen, sodass die Kapazitätsauslastung in der verarbeitenden Industrie historisch niedrig war. So lag die Auslastung im August beispielsweise nur bei 60 %. Die Investitionstätigkeit blieb daher trotz eines Förderprogramms verhalten. Dennoch schätzt der IWF, dass sich Indiens Wirtschaft von dem massiven Einbruch im Vorjahr kraftvoll erholt hat und ganzjährig um 9,0 % expandiert ist (Vorjahr: -7,3 %).

Indiens kräftiger Konjunkturaufschwung wird maßgeblich auch durch den Bausektor getragen. Ein wichtiger Faktor sind die Investitionen in die Infrastruktur. Ferner geben die Urbanisierung und staatliche Wohnungsbauprogramme der indischen Bauwirtschaft langfristig strukturellen Auftrieb. Trotz neuer Rückschläge und Einschränkungen durch die Pandemie hat sich die Baubranche spürbar vom tiefen Einbruch von rund 9 % im Vorjahr erholt. Zwar fehlte dem Bau von Büro- und Einzelhandelsgebäuden noch Auftrieb, die staatlichen Investitionsprogramme in die Wasserwirtschaft sowie im sozialen Wohnungsbau wurden aber fortgesetzt. Bereits im ersten Halbjahr 2021 sind die Wohnungsbaubeginne um 71 % gestiegen und die Verkäufe legten um 67 % zu.

SÜDOSTASIEN. In den bedeutendsten Ländern der Region (ASEAN-5 und Singapur) hat sich die Wirtschaft 2021 infolge der internationalen Konjunkturbelebung ebenfalls erholt. Jedoch blieb das Wachstum aufgrund neuer Pandemiewellen vergleichsweise moderat. Nach Einschätzung des IWF sind die ASEAN-5-Länder in Summe lediglich um 3,1 % gewachsen, nachdem im Vorjahr ein Rückgang von 3,4 % zu verzeichnen war. Die Erholung in Thailand blieb aufgrund der hohen Bedeutung des Tourismussektors unter dem Einfluss der Pandemie sehr verhalten. Vietnams Wirtschaft ist dagegen erneut innerhalb der ASEAN-5-Staaten am schnellsten gewachsen. In Singapur war die Erholung 2021 ebenfalls besonders kraftvoll.

In diesem Umfeld hat sich die Bauwirtschaft in Südostasien 2021 spürbar erholt, obwohl es teilweise zu Projektverzögerungen kam, u.a. beim Bau der neuen Hauptstadt in Indonesien. Zum Aufschwung der Bauwirtschaft haben insbesondere verstärkte Infrastrukturinvestitionen beigetragen. So haben die Philippinen ihr Baubudget für 2021 um 50 % aufgestockt. Ein weiterer Treiber war der Wohnungsbau, vor allem in Malaysia und auf den Philippinen. In beiden Ländern dürfte die Bauwirtschaft 2021 nach dem Einbruch im Jahr zuvor um etwa 13 % gewachsen sein. Laut Global Data hat die Bauwirtschaft in Vietnam ihren stetigen Expansionskurs auch im Jahr 2021 mit einem Zuwachs von 8,2 % fortgesetzt. Dagegen blieb die Entwicklung in Indonesien moderat.

RUSSLAND. Die Wirtschaft in Russland hat sich 2021 kraftvoll erholt. Haupttreiber des lebhaften Aufschwungs war der private Konsum, der von einem boomenden Arbeitsmarkt und von Einmalzahlungen des Staates profitierte. Zudem hat sich die Investitionstätigkeit deutlich belebt. Die Industrieproduktion stieg, wobei ein pandemiebedingter Mangel an Arbeitskräften das Wachstumspotenzial spürbar limitierte. Angesicht der deutlich höheren Inflation hat die Notenbank die Leitzinsen 2021 in sieben Schritten auf 8,5 % angehoben und damit den Außenwert des Rubels gestärkt. Der IWF schätzt, dass Russlands Wirtschaft 2021 um 4,5 % gewachsen ist (Vorjahr: -2,7 %).

Trotz des Arbeitskräftemangels, der daraus resultierenden Verzögerungen von Bauprojekten und der Kostenexplosion bei Baumaterialien erlebt die Bauwirtschaft in Russland seit dem zweiten Quartal 2021 einen Aufschwung. Öffentliche Großprojekte für die Infrastruktur und der Wohnungsbau waren Haupttreiber des Branchenwachstums. Die Investitionen in Immobilien erreichten nach Angaben des Beratungsunternehmens CBRE unterjährig neue Höchststände. Nach Daten des Statistikamts Rosstat ist der Wohnungsbau 2021 - gemessen an der im Bau befindlichen Fläche - um 12,7 % gewachsen. Unterstützt wird der Nachfrageboom durch eine massive Vergabe von vergünstigten Hypothekenkrediten. Nach Angaben der Notenbank ist das Volumen aller Hypothekenkredite an Privathaushalte im Vergleich zum Vorjahr um gut 20 % gestiegen. Im Marktsegment der Klima- und Heizungsanlagen waren die Einflüsse 2021 pandemiebedingt noch gegenläufig. Einem höheren Bedarf an Klimaanlagen in Krankenhäusern, Pharma- und IT-Firmen stand ein Rückgang bei Einkaufs-, Freizeit- und Sportzentren gegenüber. Der Heizungsbau hat 2021 noch nicht vom neuen Wohnungsbauboom profitiert, da die Installationen typischerweise erst zum Ende der Bauphase erfolgen.

TÜRKEI. Dank höherer Exporte und einer lebhaften Konsumkonjunktur ist die türkische Wirtschaft Anfang 2021 spürbar gewachsen. Parallel zum Impffortschritt, den Lockerungen der Pandemiemaßnahmen sowie einer Erholung des Tourismus hat sich die Binnennachfrage im Jahresverlauf belebt. Der Industriesektor wurde bei positiver Grundtendenz allerdings aufgrund der globalen Lieferengpässe zum Teil merklich belastet. Ende 2021 rutschte die Türkei in eine schwere hausgemachte Krise. Auslöser war der wiederholte, massive politische Druck auf die Notenbank, die Leitzinsen zu senken. Als Folge eines substanziellen Vertrauensverlustes kollabierte der Kurs der türkischen Lira und die Verbraucherpreise explodierten. Im Dezember lag die Inflationsrate bei rund 36 %. Die Weltbank geht davon aus, dass die türkische Wirtschaft 2021 per saldo trotzdem noch um 9,5 % gewachsen ist (Vorjahr: 1,8 %).

Auch die türkische Bauwirtschaft hat sich im Zuge der allgemeinen Konjunkturerholung im ersten Halbjahr 2021 weiter belebt, allerdings nur relativ moderat. Im Vorjahr wurde der Hochbau, vor allem der Wohnungsbau, noch sehr stark von günstigen Krediten getrieben.

Dieser Effekt drehte sich 2021 infolge der höheren Zinsen und gestiegenen Baukosten um, sodass sich die Entwicklung am Wohnimmobilienmarkt abgekühlt hat. Zwar haben die Baugenehmigungen zugelegt, sie bewegen sich jedoch weiterhin deutlich unter den Niveaus der starken Baujahre 2012-2017. Laut einer Vorabschätzung des Branchenverbands IMSAD könnte die Baubranche 2021 um 3,0 % gewachsen sein (Vorjahr: -3,5 %).

NAHER OSTEN & AFRIKA. In der gesamten Region hat sich die Konjunktur 2021 trotz der Pandemie erholt, begünstigt durch deutlich höhere Rohstoffpreise und die weltweite Belebung der Nachfrage. Nach Einschätzung der Weltbank ist die Wirtschaft in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas um 3,1 % gewachsen (Vorjahr: -4,0 %). Ölexportierende Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Algerien haben sich robust erholt. Bei den öleinführenden Ländern war die wirtschaftliche Erholung in Marokko mit einem Plus von 5,3 % besonders hoch. Dagegen litt Tunesien unter der dortigen Staatskrise. Im wirtschaftlich für die gesamte Region bedeutenden Ägypten, das trotz Corona selbst im Vorjahr gewachsen war, setzte sich der Aufschwung 2021 mit einem Anstieg von 3,3 % fort. Auch die Region Sub-Sahara zeigte eine Konjunkturerholung. In Nigeria betrug das Wachstum 2,4 % (Vorjahr: -1,8 %). Südafrika hat sich trotz aufkeimender sozialer Unruhen infolge einer breiten Belebung im Bergbau, der Industrie und den Dienstleistungen erholt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist laut Weltbank um 4,6 % gestiegen, nachdem im Vorjahr ein Rückgang von 6,4 % zu verzeichnen war.

Im Sog der konjunkturellen Belebung hat sich auch die Bauwirtschaft mit Ausnahme von Tunesien in den meisten Ländern der Region 2021 erholt. Stützen waren erneut Investitionen in die Infrastruktur und in einzelnen Ländern auch wieder der Wohnungsbau. In Ägypten ist die Bauwirtschaft 2021 erneut als eine wesentliche Säule der Konjunktur besonders kraftvoll gewachsen. Laut Schätzung der Ratingagentur Fitch dürfte das Wachstum bei 10 % gelegen haben (Vorjahr: 5,5 %). Als Initiative gegen die Wasserknappheit investiert Ägypten darüber hinaus bis 2037 etwa 50 Mrd. USD in die Wasserwirtschaft.

LATEINAMERIKA. Die Wirtschaft in der Region hat sich kräftig erholt, begünstigt vor allem durch den Impffortschritt, höhere Preise für Rohstoffe und die positive Entwicklung auf den Ausfuhrmärkten. Lebhafte Investitionen, höhere Exporte und der Privatkonsum haben den Aufschwung getragen. Aufgrund der anziehenden Inflation haben fast alle Notenbanken der Region die Zinsen angehoben. Nach Einschätzung der Weltbank ist die Wirtschaftsleistung in Lateinamerika 2021 insgesamt um 6,7 % gestiegen (Vorjahr: -6,4 %). In Mexiko und Brasilien war der Aufschwung mit 5,7 % bzw. 4,9 % robust. Argentinien , Peru und Chile erlebten mit zweistelligen Wachstumsraten von rund 10-13 % eine besonders dynamische wirtschaftliche Erholung.

3.2. Ertragslage

Umsatzentwicklung

Die Wilo Gruppe hat im Geschäftsjahr 2021 ungeachtet des widrigen, von großen Unsicherheiten, geprägten Umfelds ihren profitablen Wachstumskurs erfolgreich fortgesetzt. Trotz erheblicher Störungen in den weltweiten Lieferketten und negativer Einflüsse durch die andauernde Corona-Pandemie stiegen die Umsatzerlöse kräftig um 13,8 % oder 200,4 Mio. EUR auf 1.651,9 Mio. EUR. Währungsbereinigt wurde sogar ein Umsatzwachstum von 15,1 % erzielt. Das organische, d.h. das währungs- und akquisitionsbereinigte Umsatzwachstum betrug 12,8 %. Dieses starke Wachstum ist umso bemerkenswerter, als dass im ersten Jahr der Pandemie 2020 die Umsätze währungsbereinigt sogar leicht gestiegen sind und somit die Ausgangsbasis für 2021 anspruchsvoll war. Im Berichtsjahr wurde das Wachstum daher kaum durch Nachholeffekte getrieben, sondern durch Markterfolge und starkes, laufendes Geschäft.

In den einzelnen Vertriebsregionen stellte sich die Umsatzentwicklung für die Geschäftsjahre 2021 und 2020 wie folgt dar:

Mio. EUR 2021 2020 Veränderung Veränderung währungsbereinigt
Reife Märkte 963,3 853,9 12,8 % 13,0 %
Wachstumsmärkte 688,6 597,6 15,2 % 18,0 %
Gesamt 1.651,9 1.451,5 13,8 % 15,1 %

Die reifen Märkte und Wachstumsmärkte umfassten zum 31. Dezember 2021 die folgenden Länder:

Reife Märkte: alle europäischen Staaten, USA und Kanada

Wachstumsmärkte: China, Indien, Südkorea, südostasiatische Staaten, Australien und Ozeanien, Russland, Weißrussland, kaukasische Staaten, Türkei, Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, afrikanische Staaten, Lateinamerika

Reife Märkte. In den reifen Märkten konnten die Umsatzerlöse um 12,8 % oder 109,4 Mio. EUR auf 963,3 Mio. EUR gesteigert werden.

In Deutschland, dem größten Einzelmarkt der Wilo Gruppe, wurde 2021 eine kräftige Umsatzsteigerung von 8,4 % im Vorjahresvergleich erzielt. Deutliches Wachstum konnte insbesondere in den Marktsegmenten OEM und Building Services Residential erwirtschaftet werden. Diese äußerst positive Entwicklung unterstreicht die starke Marktstellung der Wilo Gruppe in ihrem Heimatmarkt. Staatliche Förderprogramme zur energetischen Sanierung von Wohneigentum und ein verändertes Ausgabeverhalten der Privathaushalte sorgten zusätzlich für Impulse. Darüber hinaus dürfte in Anbetracht der angespannten Lieferketten ein gewisser Aufbau von Sicherheitsbeständen durch einige Kunden ebenfalls das Wachstum gefördert haben. Ebenso trug die erstmalige Einbeziehung der ABIONIK Group zur äußerst positiven Geschäftsentwicklung in Deutschland bei.

In Frankreich konnten die Umsatzerlöse um 11,0 % gesteigert werden. Höhere Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden in Verbindung mit entsprechenden staatlichen Förderungen haben vor allem den Absatz von kleinen Zirkulationspumpen sowie OEM-Produkten unterstützt. Der verstärkte Fokus auf spezielle Anwendungen für den industriellen Einsatz - insbesondere zur Kühlung - sorgte darüber hinaus für Zuwächse im Marktsegment Industry. Auch das Servicegeschäft entwickelte sich äußerst positiv.

In den südeuropäischen Ländern war ein deutlicher Umsatzanstieg von 21,9 % zu verzeichnen. Alle Länder dieser Vertriebsregion haben dazu beigetragen. Viele Projekte im Tourismussektor, die im Vorjahr verschoben wurden, wurden in Anbetracht der Öffnungsperspektiven für den Sommer 2021 realisiert. Gleiches gilt für Projekte im Marktsegment Water Management, die infolge der sukzessiven Lockerungen nachgeholt wurden. In Italien, wo die Umsatzerlöse um 20,4 % gesteigert werden konnten, waren starke Zuwächse vor allem aufgrund einer erfolgreichen Kaltwasser-Kampagne und eines starken Projektgeschäfts zu verzeichnen. Ebenso trugen kräftige Zuwächse im OEM-Geschäft zu dieser äußert positiven Entwicklung bei.

Die Umsatzerlöse in Osteuropa sind um 10,2 % gewachsen. Lebhafte Zuwächse insbesondere in Österreich, dem größten Markt in der Region, der Slowakei, Ungarn, der Ukraine und Bulgarien standen den Umsatzrückgängen in Polen und einer nur verhaltenen Umsatzentwicklung in Rumänien gegenüber. Dabei hat vor allem das Marktsegment OEM zu dieser positiven Entwicklung beigetragen. Darüber hinaus konnten 2021 viele infolge der Corona-Pandemie zuvor verschobene Projekte und Wartungsaufträge sukzessive realisiert werden. Industriekunden hatten in besonderem Maße unter den staatlich verordneten Corona-Schutzmaßnahmen gelitten, die unter anderem Fabrikschließungen beinhalteten. Mit der zunehmenden Lockerung dieser Restriktionen hat auch das Geschäft im Industriesegment spürbar angezogen.

In den Beneluxstaaten konnten die Umsatzerlöse insgesamt um rund 20 % gegenüber dem Vorjahreswert gesteigert werden. Wachstumstreiber in den Niederlanden war insbesondere das OEM-Geschäft. Darüber hinaus unterstützte ein starkes Projektgeschäft im Marktsegment Water Management das Wachstum. Ebenso waren kräftige Anstiege beim Servicegeschäft sowohl in Belgien als auch in den Niederlanden zu verzeichnen. Dazu haben auch die Neuausrichtung sowie die Akquisition von WRI-TECH beigetragen.

In den nordischen Ländern stiegen die Umsatzerlöse um mehr als 16 % gegenüber dem Vorjahresniveau. Besonders deutliche Zuwächse konnten dabei in Schweden erzielt werden. Hier wurde die positive Umsatzentwicklung insbesondere durch das Marktsegment Building Services Residential infolge eines guten Großhändlergeschäfts mit kleinen bis mittelgroßen Installationsbetrieben getrieben, die wieder vermehrt Projekte durchführten. Zudem sorgte das OEM-Geschäft hier für kräftige Zuwächse. Auch in den übrigen nordischen Ländern wurde eine positive Geschäftsentwicklung verzeichnet.

Im Baltikum setzte ebenfalls eine deutliche Erholung ein, hier wurde ein Umsatzwachstum von über 20 % gegenüber dem Vorjahreswert erzielt. Vor allem in Lettland konnten die Umsatzerlöse nach den Lockdowns und im Zuge von verbesserten Konjunkturaussichten kräftig gesteigert werden. Auch in Litauen wurden nach einer vermehrten Wiederaufnahme von Bauprojekten Zuwächse erzielt.

Die Umsatzerlöse in Großbritannien stiegen infolge einer Erholung des Industry-Geschäfts und durch Zuwächse im Marktsegment Building Services Commercial und OEM um rund 7 %.

Dagegen bewegten sich die Umsatzerlöse in Irland leicht unter dem Vorjahresniveau. Die Geschäftstätigkeit in Irland wurde maßgeblich durch umfangreiche Lockdowns, die zur Stilllegung von Baustellen bis Anfang Mai führten, beeinträchtigt.

Auf dem nordamerikanischen Markt konnten die Umsatzerlöse deutlich um 17,4 % gesteigert werden. Währungsbereinigt betrug die Umsatzsteigerung sogar 20,6 %. Mit der zunehmenden Durchimpfung der Bevölkerung und sukzessiven Lockerungen zog die Konjunktur in den USA wieder an, was sich spürbar positiv auf die Geschäftsentwicklung auswirkte. Nach der erfolgreichen Neuausrichtung des Geschäfts von American-Marsh Pumps konnte eine deutliche Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr erzielt werden. Auch das OEM-Geschäft, das im Vorjahr besonders unter den Auswirkungen der Pandemie gelitten hatte, belebte sich kräftig. In Kanada lagen die Umsatzerlöse aufgrund eines starken Projektgeschäfts deutlich über dem Vorjahreswert. Mit dem Erwerb von QuantumFlo - einem Spezialisten für Druckerhöhungsanlagen und intelligente Pumpensysteme - hat die Wilo Gruppe zum Ende des dritten Quartals 2021 ihr Portfolio an lokalen Produkten ergänzt und die Kundenbasis zur Beschleunigung der Marktentwicklung in den USA verbreitert.

Wachstumsmärkte. In den Wachstumsmärkten betrug das Umsatzwachstum 15,2 %. Die Umsatzerlöse stiegen um 91,0 Mio. EUR auf 688,6 Mio. EUR. Währungsbereinigt betrug das Umsatzwachstum sogar 18,0 %

In China sind die Umsatzerlöse kräftig um 29,0 % gestiegen. Wachstumstreiber war neben dem OEM-Geschäft das Gebäudetechniksegment. Nach der Lockerung von Corona- Restriktionen hat das Projektgeschäft wieder angezogen und verschobene Aufträge konnten realisiert werden. So wurden unter anderem Rechenzentren der in China immer zahlreicher werdenden Internet-Unternehmen mit Pumpen zur Kühlung ausgestattet. Ferner sorgten eine Ausweitung des Distributoren-Netzwerkes sowie die zunehmende Nutzung von E-Commerce Vertriebskanälen für positive Impulse.

Auf dem südkoreanischen Markt hat Wilo ein Umsatzwachstum von 8,9 % erwirtschaftet. Zielgerichtete Verkaufsförderungsaktionen, die Gewinnung von neuen Distributoren sowie ein starkes Projektgeschäft trugen maßgeblich zur Ausweitung der Geschäftstätigkeit bei. Auch im Servicebereich sowie im OEM-Geschäft konnten deutliche Zuwächse erzielt werden.

In Indien konnten die Umsatzerlöse trotz der extrem starken zweiten Pandemie-Welle, die im März einsetzte, ganzjährig um 7,9 % gesteigert werden. Infolge einer Optimierung des Produktportfolios wurden im Bereich der Gebäudetechnik besonders starke Zuwächse erzielt.

Wilo hat unter anderem Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen mit Produkten ausgestattet. Die indische Vertriebsorganisation wurde in den vergangenen Jahren mit dem Ziel einer stärkeren Diversifikation zwischen den Marktsegmenten weiter ausgebaut, unter anderem durch eine Erweiterung des Händlernetzwerks. Damit hatte Wilo in Indien die Basis für ein beschleunigtes Wachstum in den Bereichen der Gebäudetechnik und Water Management nachhaltig gestärkt. Diese Maßnahmen haben sich im Berichtsjahr positiv ausgewirkt.

In Südostasien und Ozeanien wurde ein kräftiges Wachstum der Umsatzerlöse von 21,6 % erzielt. Starke Zuwächse in Indonesien, Vietnam und Singapur konnten Umsatzeinbußen in Australien und Malaysia deutlich überkompensieren. Das Wachstum wurde insbesondere durch ein starkes Projektgeschäft im Marktsegment Building Services Commercial sowie ein großes Projekt im Bereich der Entwässerung im Bergbau getrieben.

Im eurasischen Raum haben die Umsatzerlöse um 6,3 % zugelegt. Währungsbereinigt betrug die Umsatzsteigerung sogar 11,5 %. Wachstumstreiber waren im Wesentlichen Russland und Belarus. Gestützt wurde das Wachstum durch große Infrastrukturprojekte. Nach Lockerung von staatlich auferlegten Restriktionen wurden auch wieder vermehrt Industrieprojekte durchgeführt. Darüber hinaus war eine wachsende Nachfrage nach lokalen Produkten zu verzeichnen. Mit der Produktionsstätte in Noginsk nahe Moskau ist die Wilo Gruppe in der Lage, den lokalen Markt effizient und anforderungsorientiert zu bedienen und profitiert zugleich von den zunehmenden Lokalisierungstendenzen.

In der Türkei betrug das Umsatzwachstum 3,5 %, währungsbereinigt konnten die Erlöse um über 30 % gesteigert werden. Die ab dem vierten Quartal zunehmend angespannte politische und wirtschaftliche Situation dämpfte ebenso wie die massive Abwertung der türkischen Lira die Geschäftsentwicklung in Konzernwährung. So war infolge steigender Finanzierungskosten und Materialpreise ein deutlicher Rückgang im Bausektor und bei staatlichen Infrastrukturprojekten zu verzeichnen. Wachstum wurde im Wesentlichen im Marktsegment Water Management erzielt, wo ein Großprojekt im Bereich der Abwasserbehandlung fakturiert wurde. Ebenfalls positiv entwickelte sich das Marktsegment Building Services Residential, wo mit den großen Distributoren Zuwächse erzielt wurden. Die Geschäftsentwicklung im OEM-Segment war hingegen rückläufig.

Im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika konnte ein deutlicher Anstieg der Umsatzerlöse um 23,5 % erzielt werden. Wachstumstreiber war insbesondere Ägypten, wo ein großes Projekt im Marktsegment Water Management gewonnen wurde. Für das sogenannte Toshka-Projekt - in dessen Rahmen ein System von Kanälen zur Bewässerung der westlichen Wüste Ägyptens gebaut wird - liefert Wilo die entsprechenden Pumpen. In Marokko wurden infolge eines starken Projektgeschäfts im Marktsegment Building Services Commercial sowie einiger Infrastrukturprojekte im Marktsegment Water Management ebenfalls deutliche Umsatzsteigerungen erzielt. Auch in Saudi-Arabien konnte ein kräftiges Wachstum verzeichnet werden. Hier trug das Marktsegment Water Management infolge eines großen Infrastrukturprojekts maßgeblich zur äußerst positiven Geschäftsentwicklung bei.

In Zentral- und Südafrika gingen die Umsatzerlöse um 2,1 % zurück. Das Geschäft der Wilo Gruppe in dieser Region ist wesentlich vom Projektgeschäft geprägt. Es unterliegt dementsprechend stärkeren Schwankungen und wurde durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie überdurchschnittlich stark beeinträchtigt. Darüber hinaus kam es infolge von Hemmnissen im Zahlungsverkehr zu Projektverschiebungen.

In den lateinamerikanischen Ländern konnten die Umsatzerlöse kräftig um 47,3 % gesteigert werden. Das Umsatzwachstum in Argentinien, das durch ein gutes Projektgeschäft im Marktsegment Building Services Commercial getrieben wurde, sowie weitere Zuwächse durch Industrieprojekte in Panama, Water Management-Projekte in Peru und Mexiko sowie Projekte im Bereich der Gebäudetechnik in Chile haben die Umsatzrückgänge in Brasilien deutlich überkompensiert. Brasilien war 2021 erheblich durch die Corona-Pandemie betroffen.

Ergebnisentwicklung

Mio. EUR 2021 2020 Veränderung
Umsatzerlöse 1.651,9 1.451,5 13,8 %
Bruttoergebnis vom Umsatz 529,6 474,2 11,7 %
Bruttoergebnismarge 32,1 % 32,7 % -1,8 %
Operatives Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) 181,1 141,2 28,3 %
EBITDA in Prozent vom Umsatz (EBITDA-Marge) 11,0 % 9,7 % 13,4 %
Abschreibungen 88,6 79,9 10,9 %
Operatives Ergebnis (EBIT) 92,5 61,4 50,7 %
EBIT in Prozent vom Umsatz (EBIT-Marge) 5,6 % 4,2 % 33,3 %
Finanzergebnis -8,6 -8,0 -7,5 %
Konzernergebnis vor Ertragsteuern 83,9 53,4 57,1 %
Konzernergebnis 49,0 24,9 96,8 %

Das Bruttoergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahreswert im Wesentlichen umsatzgetrieben um 55,4 Mio. EUR auf 529,6 Mio. EUR. Allerdings verringerte sich die Bruttoergebnismarge um 0,6 Prozentpunkte auf 32,1 %. Ursächlich waren insbesondere höhere Herstellungskosten infolge von massiv gestiegenen Material- und Frachtkosten, die nicht vollständig über Preiserhöhungen an den Markt weitergegeben werden konnten. Darüber hinaus war sowohl im OEM-Geschäft als auch in den Wachstumsmärkten - wo eine jeweils im Vergleich zum Konzerndurchschnitt niedrigere Marge erzielt wird - ein überproportionales Wachstum zu verzeichnen.

Die Vertriebs- und Verwaltungskosten stiegen im Vorjahresvergleich um 13,3 % bzw. 45,4 Mio. EUR auf 387,6 Mio. EUR. Ursächlich für den Anstieg waren unter anderem höhere Personalkosten infolge eines gestiegenen Personalbestands sowie regulärer Gehaltserhöhungen. Zum einen erhöhte sich die Mitarbeiterzahl aufgrund der im Berichtsjahr durchgeführten Unternehmensakquisitionen, zum anderen wurden insbesondere die Vertriebs- und Servicestrukturen weltweit verstärkt, um zukünftig vom zu erwartenden Wachstum in den jeweiligen Regionen noch besser partizipieren zu können. Ebenso wurden 2021 offene Stellen in den Verwaltungs- und Supportfunktionen weltweit wieder sukzessive besetzt, nachdem diese im Vorjahr aufgrund der strikten Kostenvorgaben infolge der Unsicherheiten in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zunächst unbesetzt geblieben waren. Darüber hinaus sind die Kosten für Ausgangsfrachten umsatzbedingt sowie infolge der massiven Preissteigerungen im Logistiksektor gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Ferner ergaben sich Einmaleffekte aus Personalmaßnahmen sowie Abschreibungen auf nicht mehr genutzte Gebäude.

Die Wilo Gruppe setzt als kundenorientierter Premiumanbieter auf zukunftsweisende, innovative Produkte und Technologien. Forschung und Entwicklung nehmen daher eine zentrale Rolle bei Wilo ein. Auch im Berichtsjahr hat die Wilo Gruppe ihre Aktivitäten hier unvermindert und mit hoher Intensität fortgesetzt. Die gesamten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, d.h. sämtliche Forschungs- und Entwicklungskosten einschließlich der aktivierten Entwicklungskosten, betrugen im Berichtsjahr 71,0 Mio. EUR (Vorjahr: 68,6 Mio. EUR). Mit 4,3 % vom Umsatz (Vorjahr: 4,7 %) blieben sie auf einem hohen Niveau. Die ergebniswirksam erfassten Forschungs- und nicht aktivierten Entwicklungskosten betrugen 55,8 Mio. EUR (Vorjahr: 52,0 Mio. EUR). Dies entspricht einem Anstieg um 7,3 %.

Das sonstige betriebliche Ergebnis verbesserte sich kräftig von minus 18,6 Mio. EUR auf plus 6,3 Mio. EUR. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Wilo Gruppe im Vorjahr Restrukturierungsmaßnahmen zur weiteren Senkung der Kostenbasis initiiert hatte, die in Höhe von 17,7 Mio. EUR das sonstige betriebliche Ergebnis belasteten. Darüber hinaus verbesserte sich das Währungsergebnis aus der operativen Geschäftstätigkeit um 5,0 Mio. EUR von minus 3,7 Mio. EUR auf plus 1,3 Mio. EUR.

Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ist somit deutlich um 39,9 Mio. EUR oder 28,3 % auf 181,1 Mio. EUR gestiegen. Die EBITDA-Marge (Relation von EBITDA zum Umsatz) verbesserte sich von 9,7 % im Vorjahr auf 11,0 %.

Das Finanzergebnis der Wilo Gruppe verschlechterte sich leicht um 0,6 Mio. EUR von minus 8,0 Mio. EUR im Vorjahr auf minus 8,6 Mio. EUR im Berichtsjahr. Während sich das Zinsergebnis um 1,4 Mio. EUR auf minus 6,4 Mio. EUR verbessert hat, verschlechterte sich das Ergebnis aus dem Verbrauch und der Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten um 3,3 Mio. EUR. Die Verbesserung des Zinsergebnisses war im Wesentlichen auf eine Reduzierung des durchschnittlichen Zinssatzes des Kreditportfolios nach der planmäßigen Ablösung einer Schuldverschreibung im Februar 2021 zurückzuführen.

Die Steuern vom Einkommen und vom Ertrag betrugen 34,9 Mio. EUR (Vorjahr: 28,5 Mio. EUR). Der laufende Steueraufwand stieg nur leicht von 28,1 Mio. EUR auf 28,9 Mio. EUR. Der latente Steueraufwand erhöhte sich um 5,6 Mio. EUR auf 6,0 Mio. EUR. Dies war im Wesentlichen auf die Auflösung aktiver latenter Steuern, die im Zusammenhang mit im Vorjahr gebildeten Restrukturierungsrückstellungen stehen, zurückzuführen.

Das Konzernergebnis verbesserte sich kräftig um 24,1 Mio. EUR auf 49,0 Mio. EUR und hat sich damit nahezu verdoppelt. Die Umsatzrentabilität, also das Verhältnis von Konzernergebnis zu den Umsatzerlösen der Wilo Gruppe, erhöhte sich entsprechend von 1,7 % im Vorjahr auf 3,0 % im Berichtsjahr.

3.3. Finanzlage

Investitionen

Die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen (ohne Unternehmensakquisitionen und Leasing) sind 2021 gegenüber dem Vorjahr um 13,5 Mio. EUR auf 133,5 Mio. EUR gestiegen. Entsprechend dem strategischen Ziel eines langfristig profitablen Wachstums standen im Berichtsjahr die Weiterentwicklung von Kapazitäten und Strukturen für Produktion und Vertrieb weltweit sowie die Implementierung neuer Technologien im Vordergrund.

* ohne Unternehmensakquisitionen und Leasing

Die Investitionen betrafen auch im Berichtsjahr vor allem das strategische Standortentwicklungsprojekt in Dortmund bzw. die Modernisierung und Anpassung der dortigen Produktionskapazitäten. Insgesamt wurden hier 2021 über 40 Mio. EUR investiert. Im Rahmen der Neugestaltung des Wilo-Hauptsitzes - dem Wilopark - wurde hier eine hochmoderne, intelligente Fertigungsstätte, in der wesentliche Elemente der Vision Industrie 4.0 realisiert wurden, errichtet. Diese wurde bereits 2019 fertiggestellt und die Produktion planmäßig aufgenommen. 2020 wurde der Pioneer Cube bezogen, ein modernes Bürogebäude, in dem rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hauptverwaltung Platz finden. Die Baumaßnahmen wurden im Berichtsjahr planmäßig weitergeführt. Dabei wurden die alten Produktions- und Verwaltungsgebäude abgerissen und mit den bauvorbereitenden Maßnahmen für den weiteren Ausbau des Wiloparks begonnen. Unter anderem wird hier der sogenannte Networking Cube errichtet - ein neues Zentrum für Kunden, Trainings, Veranstaltungen und Seminare. Darüber hinaus entsteht mit dem Innovation Cube ein hochmoderner Gebäudekomplex, in dem die Forschungs- und Entwicklungsabteilung inklusive eines Testlabors ab Ende 2023 beheimatet sein werden.

Im Hinblick auf die aktuellen und künftigen Veränderungen des Produktportfolios, die wachsende Marktnachfrage sowie zur weiteren Steigerung der Kosteneffizienz hat die Wilo Gruppe außerdem in entsprechende Produktionskapazitäten investiert. Unter anderem wurde die Smart Factory in Dortmund mit einer kapazitätserweiternden, automatisierten THT-Bestückung für die Elektronikfertigung ausgestattet. Mit dieser "Through Hole Technology" werden Bauteile mit einer Leiterplatte verbunden. Im Zuge der verstärkten vertikalen Integration wurde darüber hinaus eine Anlage zur automatisierten Teilefertigung für die Motoren-Produktion angeschafft. Diese Anlagen zeichnen sich dank einer überlegenen Fertigungstechnologie durch einen hohen Automatisierungsgrad und Effizienzgewinne aus. Außerdem wurden in Noginsk in Russland im Rahmen der Lokalisierungsaktivitäten die Voraussetzungen zur Inhouse-Fertigung von Pumpengehäusen geschaffen und so die Wertschöpfung vor Ort weiter vertieft.

Weitere substanzielle Investitionen flossen in den Neu- und Ausbau von Vertriebs- und Produktionsstandorten weltweit. In Cedarburg, USA, in Changzhou, China sowie in Kesurdi, Indien entstehen neue, hochmoderne Produktions- und Verwaltungsgebäude. Damit schafft die Wilo Gruppe gezielt Voraussetzungen, um an dem großen Wachstumspotenzial dieser Märkte zu partizipieren. Die neuen smarten Produktionsstätten werden nicht nur die Anforderungen an moderne, digitale Fabriken erfüllen, sondern sie wurden auch unter dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit als Green Building konzipiert und werden so künftig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Arbeiten in Cedarburg in den USA sind nahezu abgeschlossen. Die neuen Gebäude werden sukzessive bezogen und die Produktion aufgenommen. In Indien und China werden die Baumaßnahmen voraussichtlich im Laufe des Jahres 2022 bzw. im ersten Quartal 2023 abgeschlossen sein.

Entwicklungskosten einschließlich Fremdkapitalzinsen wurden in Höhe von 16,1 Mio. EUR aktiviert (Vorjahr: 17,3 Mio. EUR). Darüber hinaus entfiel erneut ein großer Teil der Investitionen auf den Ausbau der IT-Infrastruktur im Zuge der digitalen Transformation der Wilo Gruppe.

Weitere Angaben zum Bestellobligo für geplante Investitionen in Sachanlagen werden im Anhang unter (13.2) "Eventualverbindlichkeiten und sonstige finanzielle Verpflichtungen" gemacht.

Die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen (ohne Unternehmensakquisitionen und Leasing) der Geschäftsjahre 2021 und 2020 teilten sich wie folgt auf:

Mio. EUR 2021 2020 Veränderung
Investitionen in immaterielle Vermögenswerte 25,2 22,8 2,4
Grundstücke und Bauten 16,6 51,2 -34,6
Technische Anlagen und Maschinen 15,4 10,2 5,2
Betriebs- und Geschäftsausstattung 17,5 20,3 -2,8
Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau 58,8 15,5 43,3
Sachanlageinvestitionen 108,3 97,2 11,1
Gesamt 133,5 120,0 13,5

Im Rahmen der M&A-Aktivitäten hat die Wilo Gruppe sämtliche Anteile an der ABIONIK Group mit Sitz in Deutschland und an der WRI-TECH BV in den Niederlanden erworben. Darüber hinaus wurden mittels zweier Asset Deals jeweils das operative Geschäft von QuantumFlo in den USA, und von PumpsPro in den Vereinigten Arabischen Emiraten übernommen. Einschließlich der Unternehmensakquisitionen betrugen die Investitionen im abgelaufenen Geschäftsjahr 172,3 Mio. EUR.

Cashflow und Liquidität

Im Geschäftsjahr 2021 verringerte sich der positive Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit um 34,8 Mio. EUR, blieb aber mit 126,7 Mio. EUR auf hohem Niveau. Ausschlaggebend war im Wesentlichen der Anstieg des Working Capitals um währungsbereinigt 33,6 Mio. EUR. Die Vorräte erhöhten sich umsatzbedingt und infolge des Aufbaus von Sicherheitsbeständen, um den anhaltenden Einschränkungen und Engpässen in den Lieferketten zu begegnen, um 70,2 Mio. EUR. Infolge der höheren Bevorratung stiegen zwar auch die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen kräftig um 41,9 Mio. EUR, allerdings nicht im selben Maße wie die Vorräte.

Im Rahmen der Investitionstätigkeit stieg die Mittelverwendung im Berichtsjahr um 51,9 Mio. EUR auf 168,4 Mio. EUR. Die Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen lagen mit 108,3 Mio. EUR um 11,1 Mio. EUR über dem Vorjahreswert. Die Baumaßnahmen für den Wilopark in Dortmund sowie für die neuen Produktions- und Verwaltungsgebäude in China, Indien und den USA sind 2021 weiter vorangeschritten. Darüber hinaus wurde in die Erweiterung und Modernisierung von Produktionskapazitäten investiert. Im Zuge der verschiedenen Unternehmensakquisitionen flössen im abgelaufenen Geschäftsjahr Zahlungsmittel in Höhe von 38,8 Mio. EUR ab.

Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit betrug 32,9 Mio. EUR. Im Geschäftsjahr 2021 wurde eine Schuldverschreibung in Höhe von 75,0 Mio. EUR abgelöst. Gegenläufig wirkte sich die um 110,0 Mio. EUR höhere Inanspruchnahme der Kreditlinie des Konsortialkredits aus. Aus dem Verkauf eigener Anteile resultierte ein Zahlungsmittelzufluss in Höhe von 15,1 Mio. EUR. Infolge der Dividendenzahlung an die Aktionäre der WILO SE flossen Zahlungsmittel in Höhe von 8,1 Mio. EUR (Vorjahr: 15,9 Mio. EUR) ab. Ferner minderten die Auszahlungen für die Tilgung von Leasingverbindlichkeiten sowie die entsprechenden Zinszahlungen den Cashflow aus Finanzierungstätigkeit um 16,5 Mio. EUR (Vorjahr: 16,8 Mio. EUR).

Die einzelnen Cashflows stellten sich in den Geschäftsjahren 2021 und 2020 wie folgt dar:

Mio. EUR 2021 2020 Veränderung
Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit 126,7 161,5 -34,8
Cashflow aus Investitionstätigkeit -168,4 -116,4 -52,0
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit 32,9 -13,7 46,6
Zahlungswirksame Veränderung der Liquidität -8,8 31,4 -40,2
Zahlungsmittel am Ende des Geschäftsjahres 189,9 189,0 0,9
Free Cashflow -49,3 35,6 -84,9

Infolge der gestiegenen Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen sowie der Kaufpreiszahlungen im Rahmen der verschiedenen Unternehmenserwerbe generierte die Wilo Gruppe einen negativen Free Cashflow in Höhe von minus 49,3 Mio. EUR. Dieser ermittelt sich als Differenz zwischen den Cashflows aus operativer Geschäftstätigkeit und aus Investitionstätigkeit und berücksichtigt Zinsein- und Zinsauszahlungen. Bereinigt um die Auszahlungen für Unternehmensakquisitionen ergab sich ein Free Cashflow in Höhe von minus 10,5 Mio. EUR.

Unter Berücksichtigung von per saldo positiven Effekten aus der Währungsumrechnung in Höhe von 9,5 Mio. EUR sowie der konsolidierungskreisbedingten Veränderungen in Höhe von 0,2 Mio. EUR erhöhte sich der Bestand an liquiden Mitteln per 31. Dezember 2021 leicht um 0,9 Mio. EUR auf 189,9 Mio. EUR.

Finanzmanagement

Ziel des Finanzmanagements ist es, die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens zu wahren, jederzeit Liquidität sicherzustellen sowie die operative Geschäftstätigkeit der Wilo Gruppe zu unterstützen. Neben dem operativen Cashflow steht der Wilo Gruppe dafür ein ausreichender Finanzierungsrahmen von international aufgestellten Kreditinstituten zur Verfügung, der aus kurz- und mittelfristigen Barkreditlinien sowie Aval- und Margenlinien mit einem Umfang von rund 430 Mio. EUR besteht. Darin enthalten ist ein Konsortialkredit mit einer Kreditlinie von 300,0 Mio. EUR und einer Laufzeit bis 2024. Zum 31. Dezember 2021 wurden insgesamt Barkreditlinien in Höhe von 175,6 Mio. EUR (Vorjahr: 36,3 Mio. EUR) in Anspruch genommen, davon 140,0 Mio. EUR (Vorjahr: 30,0 Mio. EUR) im Rahmen des Konsortialkredits. In Höhe von 27,9 Mio. EUR (Vorjahr: 34,5 Mio. EUR) wurden Aval- und Margenlinien beansprucht.

Die Finanzschulden der Wilo Gruppe sind zum 31. Dezember 2021 um 67,8 Mio. EUR auf 414,0 Mio. EUR gestiegen.

Die Finanzschulden bestehen im Wesentlichen aus Schuldverschreibungen in Höhe von 37,0 Mio. EUR und 30,0 Mio. USD. Diese Schuldverschreibungen wurden in den Jahren 2013 und 2017 als US-Privatplatzierungen mit einer Laufzeit von jeweils zehn Jahren von der WILO SE begeben. Darüber hinaus wurde eine weitere Schuldverschreibung - ebenfalls im Rahmen einer US-Privatplatzierung - in Höhe von 90,0 Mio. EUR mit Endfälligkeit im Jahr 2035 begeben. Ferner besteht ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 50,0 Mio. EUR mit einer Laufzeit von zehn Jahren, das im Jahr 2017 aufgenommen wurde. Die Tilgung dieses Darlehens erfolgt ratierlich ab 2022. Ein weiteres Schuldscheindarlehen in Höhe von 15,0 Mio. EUR wurde 2020 mit einer Laufzeit bis 2030 sowie ratierlicher Tilgung aufgenommen. Im Jahr 2017 wurde darüber hinaus zur Finanzierung der Bauvorhaben am Standort Dortmund für das Verwaltungsgebäude ein KfW-Förderdarlehen über 19,5 Mio. EUR mit einer Laufzeit von ebenfalls zehn Jahren abgeschlossen. Die Darlehenssumme wurde seit dem Jahr 2018 nach Baufortschritt abgerufen. Die Tilgung erfolgt ratierlich seit Ablauf von zwei tilgungsfreien Jahren. Zum 31. Dezember 2021 valutierte das KfW-Förderdarlehen mit 14,6 Mio. EUR (Vorjahr: 17,1 Mio. EUR).

Die Wilo Gruppe betreibt ein aktives Portfolio-Management in Bezug auf die Herkunft, Art und Fristigkeit des Fremdkapitals. Im Vordergrund der Finanzierungspolitik stehen dabei sowohl Rendite- als auch Sicherheitsziele.

Die WILO SE geht aus heutiger Sicht davon aus, die Tranchen der Schuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen, sonstige Darlehensverbindlichkeiten sowie Kontokorrentverbindlichkeiten fristgerecht aus dem geplanten operativen Cashflow und gegebenenfalls durch Refinanzierungsmaßnahmen bedienen zu können. Sie hat keine Erkenntnisse darüber, dass die Volatilität und Eintrübung des weltweiten Konjunktur- und Finanzmarktumfelds wesentliche negative Auswirkungen auf die Finanzierungstätigkeit der Wilo Gruppe haben könnte. Zum 31. Dezember 2021 betrug der Bestand an liquiden Mitteln 189,9 Mio. EUR (Vorjahr: 189,0 Mio. EUR). Der Verschuldungsgrad der Wilo Gruppe als Verhältnis von Nettofinanzposition (Summe aus Finanzschulden und Leasingverbindlichkeiten abzüglich liquider Mittel) zum konsolidierten EBITDA (bereinigt um Aufwendungen für Restrukturierung) stieg im Wesentlichen infolge der höheren Finanzschulden von 1,20 am Vorjahresende auf 1,40 zum 31. Dezember 2021.

Detailliertere Erläuterungen zur Finanzierungsstruktur sind unter der Angabe (9.11) des Konzernanhangs aufgeführt.

3.4. Vermögenslage

Die Bilanzsumme der Wilo Gruppe ist zum 31. Dezember 2021 im Vorjahresvergleich deutlich um 14,3 % bzw. 232,5 Mio. EUR auf 1.855,9 Mio. EUR gestiegen. Dabei erhöhten sich die langfristigen Vermögenswerte um 13,6 % bzw. 121,6 Mio. EUR auf 1.014,1 Mio. EUR. Dieser Anstieg ist vor allem auf die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen in Höhe von 133,5 Mio. EUR zurückzuführen. Dabei beliefen sich die Investitionen in Sachanlagen auf 108,3 Mio. EUR. Sie betrafen im Wesentlichen die Standortentwicklungen in Dortmund, China, Indien und den USA sowie neue Fertigungstechnologien. Darüber hinaus investierte die Wilo Gruppe 25,2 Mio. EUR in immaterielle Vermögenswerte. Davon entfielen 15,2 Mio. EUR auf aktivierte Entwicklungskosten zuzüglich aktivierter Fremdkapitalzinsen in Höhe von 0,9 Mio. EUR. Aus dem Erwerb sämtlicher Anteile an der ABIONIK Group und der Übernahme des operativen Geschäfts von QuantumFlo resultierte im Berichtsjahr ein derivativer Geschäfts- oder Firmenwert in Höhe von 39,5 Mio. EUR. Ferner wurden im Berichtsjahr Nutzungsrechte aus Leasingverhältnissen in Höhe von 16,8 Mio. EUR erfasst.

Die planmäßigen Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen beliefen sich im Berichtsjahr auf 88,6 Mio. EUR. Außerdem ergaben sich positive Währungseffekte aus der Bewertung von originär in Fremdwährung gehaltenen immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen in Höhe von 11,0 Mio. EUR. Insgesamt erhöhten sich die immateriellen Vermögenswerte und Sachanlagen somit um 120,6 Mio. EUR.

Der Buchwert der kurzfristigen Vermögenswerte stieg ebenfalls deutlich um 15,2 % oder 110,9 Mio. EUR auf 841,8 Mio. EUR. Hauptursache war der Anstieg im Vorratsbestand um 86,1 Mio. EUR auf 322,0 Mio. EUR, der im Wesentlichen auf die deutlich höheren Umsatzerlöse zurückzuführen ist. Darüber hinaus wurden gezielt Sicherheitsreserven aufgebaut, um Einschränkungen und Engpässen infolge der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Ebenso wurden zur Vorbereitung des Umzugs der US-Produktion in die neue Fabrik in Cedarburg sowie im Vorgriff auf zu erwartende Produktionseinschränkungen während der olympischen Spiele in China die Bestände an fertigen Erzeugnissen aufgestockt. Zusätzlich entfielen 12,2 Mio. EUR auf die erstmalige Einbeziehung der im Berichtsjahr akquirierten Gesellschaften.

Die kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen stiegen nur leicht umsatzbedingt um 4,3 % bzw. 11,6 Mio. EUR auf 284,1 Mio. EUR. Das Working Capital, definiert als kurz- und langfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen zuzüglich des Vorratsbestands und abzüglich kurz- und langfristiger Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, stieg um insgesamt 13,3 % auf 381,2 Mio. EUR. Die sonstigen kurzfristigen Forderungen erhöhten sich um 12,3 Mio. EUR, was im Wesentlichen auf einen Anstieg der geleisteten Anzahlungen auf Bestellungen sowie Steuererstattungsansprüche zurückzuführen war. Der Bestand an liquiden Mitteln lag zum 31. Dezember 2021 bei 189,9 Mio. EUR und war damit um 0,9 Mio. EUR höher als am Ende des Vorjahres.

Das Eigenkapital der Wilo Gruppe stieg zum 31. Dezember 2021 im Vergleich zum Vorjahresende um 9,4 % bzw. 71,9 Mio. EUR auf 836,8 Mio. EUR. Ausschlaggebend war im Wesentlichen das Konzernergebnis in Höhe von 49,0 Mio. EUR. Darüber hinaus hat die WILO SE im Dezember 2021 eigene Anteile in Höhe von 15,1 Mio. EUR veräußert. Ebenfalls eigenkapitalerhöhend wirkten die positiven Effekte aus der Umrechnung von Fremdwährungsabschlüssen der Tochtergesellschaften in die Konzernwährung in Höhe von 13,9 Mio. EUR. Die an die Anteilseigner ausgeschüttete Dividende minderte das Eigenkapital um 8,1 Mio. EUR. Aufgrund der relativ stärker gestiegenen Verbindlichkeiten sank die Eigenkapitalquote leicht von 47,1 % auf 45,1 %.

Die langfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von 527,6 Mio. EUR setzten sich zum 31. Dezember 2021 hauptsächlich aus Finanzschulden in Höhe von 388,2 Mio. EUR sowie Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen und pensionsähnlichen Verpflichtungen in Höhe von 90,8 Mio. EUR zusammen. Dabei sind die langfristigen Finanzschulden im Berichtsjahr um 159,0 Mio. EUR gestiegen. Ursächlich hierfür war im Wesentlichen die höhere Inanspruchnahme des Konsortialkredits, unter anderem zur Finanzierung der im Geschäftsjahr getätigten Unternehmensakquisitionen und zur Refinanzierung der im Februar 2021 abgelösten Schuldverschreibung. Darüber hinaus wurden im Rahmen des Erwerbs der ABIONIK Group Finanzverbindlichkeiten in Höhe von rund 20 Mio. EUR übernommen. Die latenten Steuerschulden erhöhten sich leicht um 1,6 Mio. EUR auf 13,9 Mio. EUR. Dies war in überwiegendem Maße bedingt durch aktivierte Entwicklungskosten, auf die entsprechende passive Steuerlatenzen gebildet wurden.

Der Buchwert der kurzfristigen Verbindlichkeiten erhöhte sich zum 31. Dezember 2021 im Vergleich zum Vorjahreswert um 3,5 Mio. EUR auf 491,5 Mio. EUR. Dabei verringerten sich die kurzfristigen Finanzschulden vor allem infolge der planmäßigen Ablösung einer Schuldverschreibung in Höhe von 75,0 Mio. EUR um 91,3 Mio. EUR auf 25,8 Mio. EUR. Die kurzfristigen sonstigen Verbindlichkeiten sind hingegen um 32,7 Mio. EUR gestiegen. Dies war im Wesentlichen auf eine Erhöhung der erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen um 21,1 Mio. EUR sowie eine Erhöhung der Verbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitern in Höhe von 7,9 Mio. EUR zurückzuführen.

Die Vermögenslage der Wilo Gruppe stellte sich zum 31. Dezember 2021 und 2020 wie folgt dar:

Mio. EUR 2021 % 2020 %
Langfristige Vermögenswerte 1.014,1 54,6 892,5 55,0
Vorräte 322,0 17,4 235,9 14,5
Kurzfristige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 284,1 15,3 272,5 16,8
Zahlungsmittel 189,9 10,2 189,0 11,6
Übrige kurzfristige Vermögenswerte 45,8 2,5 33,5 2,1
Gesamtvermögen 1.855,9 100,0 1.623,4 100,0
Mio. EUR 2021 % 2020 %
Eigenkapital 836,8 45,1 764,9 47,1
Langfristige Verbindlichkeiten 527,6 28,4 370,5 22,8
Kurzfristige Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 233,5 12,6 178,8 11,0
Übrige kurzfristige Verbindlichkeiten 258,0 13,9 309,2 19,1
Gesamtkapital 1.855,9 100,0 1.623,4 100,0

3.5. Gesamtaussage des Vorstands zur wirtschaftlichen Lage

Das Geschäftsjahr 2021 war erneut durch die Corona-Pandemie mit neuen Virusvarianten und Infektionswellen geprägt. Zusätzlich belasteten massive Verwerfungen innerhalb der global vernetzten Wertschöpfungs- und Lieferketten sowie schnell und stark steigende Kosten etwa für Energie und Transportleistungen das Wirtschaftsgeschehen weltweit. Damit war 2021 ein Jahr mit außerordentlichen Herausforderungen, die große Kraftanstrengungen erforderten. In diesem Umfeld hat Wilo spezifische Maßnahmen erfolgreich fortgeführt bzw. gezielt neue umgesetzt. Dazu zählte das bereits im Vorjahr etablierte und auf die jeweilige Situation vor Ort angepasste Pandemie-Management. Des Weiteren hat Wilo angesichts drohender Materialengpässe zur Sicherung der Produktion unter anderem die Lagerhaltung angepasst und dort, wo es sinnvoll ist, In-Sourcing-Aktivitäten vorangetrieben. Bei allen Maßnahmen hatte stets die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und anderer Geschäftspartner Priorität. Gleichzeitig galt es, die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für Wilo zu minimieren. Die enormen Anstrengungen waren erfolgreich. In einem volatilen und von zunehmender Unsicherheit geprägten Umfeld ist es der Wilo Gruppe gelungen, kräftig zu wachsen und ihr Ergebnis deutlich zu steigern. Wichtige Parameter der Unternehmensstrategie Ambition 2025 wie Flexibilität, schnelle Handlungsfähigkeit, Verankerung vor Ort und Risikoausgleich waren die wesentlichen Voraussetzungen für diesen Erfolg. Darüber hinaus hat sich bewährt, dass die Wilo Gruppe über eine starke Bilanz und hohe Finanzierungskraft verfügt. So konnten sowohl diese kurzfristigen Anstrengungen umgesetzt als auch die langfristigen Weichenstellungen für die Zukunft mit Investitionen und Entwicklungsleistungen auf hohem Niveau fortgeführt werden.

Wilo hat den Kurs des profitablen Wachstums 2021 erfolgreich fortgesetzt. So sind die Umsatzerlöse um nahezu 14 % auf über 1,65 Mrd. EUR gewachsen. Das organische Umsatzwachstum, d.h. das Wachstum ohne Währungs- und Erstkonsolidierungseffekte, betrug rund 13 %, womit das zu Beginn des Jahres formulierte Ziel von bis zu 4,5 % deutlich übertroffen wurde. Dieses hervorragende Ergebnis ist nicht zuletzt auf die starke globale Markenposition der Wilo Gruppe, eine ausgezeichnete Kundenbindung und -loyalität sowie auf das vorausschauende und flexible Handeln des Managements zurückzuführen. Der Vorstand hatte bewusst schon zu Anfang der Coronakrise, als viele Industrien ihre Kapazitäten reduziert und auf Kurzarbeit gesetzt haben, die Kapazitäten hochgefahren und Lieferketten abgesichert, um die bestehenden und die zu erwartenden Kundenbedarfe bedienen zu können. Dieses vorausschauende Handeln wurde durch die Kunden honoriert. Darüber hinaus zeigte sich die Baubranche, die die wirtschaftliche Entwicklung der Wilo Gruppe in besonderem Maße beeinflusst, als äußerst krisenresistent. Zusätzlich fördern weltweit immer strengere Auflagen zum Klimaschutz und Vorschriften zur CO 2 -Reduktion sowie entsprechende staatliche Förderungen die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten. Wilo versteht sich als Klimaschutz-Unternehmen und hat den Anspruch, mit innovativen und energieeffizienten Produkten, Systemen und Lösungen zu einem nachhaltigen Mehrwert für die Umwelt beizutragen. Mit ihrem breiten Portfolio an Hocheffizienzpumpen ist die Wilo Gruppe optimal aufgestellt, um die jeweiligen Märkte schnell und umfassend zu bedienen.

Die im Berichtsjahr erstmals in großem Umfang aufgetretene Knappheit bei Komponenten, Rohstoffen und Frachtkapazitäten sowie als Folge die entsprechend deutlichen Preissteigerungen haben im Jahresverlauf allerdings auch die Geschäftsentwicklung der Wilo Gruppe zunehmend belastet. In unterschiedlicher Ausprägung waren und sind nahezu alle Komponenten betroffen. Trotz umfangreicher Maßnahmen zur Sicherung und Stabilisierung der Lieferketten konnten infolge der extremen Verwerfungen auf den Märkten sowie der massiven Engpässe im Logistiksektor Störungen im Produktionsablauf und Lieferverzögerungen nicht verhindert werden.

Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) übertraf dennoch sowohl das Vorjahres- als auch das Vorkrisenniveau und erreichte mit über 181 Mio. EUR eine neue Bestmarke. Dazu hat im Wesentlichen das hohe Umsatzwachstum beigetragen. Die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 11,0 %. EBITDA und EBITDA-Marge sind somit entsprechend der Erwartungen des Vorstands deutlich gestiegen und bewegen sich im vorgegebenen Zielkorridor. Den positiven Effekten aus dem höheren Umsatzvolumen stand allerdings der beschriebene massive und in diesem Ausmaß unvorhersehbare Anstieg der Material- und Frachtkosten entgegen. So wurde ein noch stärkerer Anstieg von EBITDA und EBITDA-Marge über die Erwartungen hinaus verhindert.

Der Verschuldungsgrad der Wilo Gruppe stieg auf 1,40. Aufgrund der höheren Aufnahme von Finanzschulden - unter anderem infolge der Wahrnehmung von externen Opportunitäten wie dem Erwerb der ABIONIK Group und QuantumFlo - erhöhte sich der Leverage etwas stärker als erwartet. Er liegt aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau und deutlich unterhalb der im Rahmen der Finanzierungen vereinbarten Grenzen.

Bei allen Herausforderungen durch die Konjunktur und den Wettbewerb sowie durch die Umbrüche innerhalb der global vernetzten Wirtschaft und die Sonderbelastungen der Pandemie stehen neben dem wirtschaftlichen Erfolg unverändert vor allem Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Wilo im Vordergrund. Die Go-Ahead Task Force, ein durch den Vorstand eingesetztes Team aus erfahrenen Managerinnen und Managern, hat auch 2021 sämtliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona- Pandemie koordiniert und bei Bedarf schnell und flexibel weiterentwickelt. So wurde für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den deutschen Standorten die Möglichkeit geschaffen, freiwillige Selbsttests durchzuführen. In Dortmund wurde dazu eigens ein Testzentrum eingerichtet und hausintern eine individuelle, effiziente Softwarelösung zur Unterstützung der Testdurchführung und -auswertung entwickelt. Darüber hinaus hat Wilo nicht nur an den deutschen Standorten Impfkampagnen durchgeführt. Auch in Russland, China und Südkorea wurden für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Impfangebote im Betrieb organisiert. In Indien wurde im Rahmen einer Kooperation mit lokalen Krankenhäusern die Impfung der Belegschaft ermöglicht.

Trotz gestiegener Unsicherheit hat die Wilo Gruppe 2021 erneut kräftig in die zukunftsorientierte Erweiterung von Produktionskapazitäten, den Ausbau der Vertriebsinfrastruktur und den Erwerb von Unternehmen in unterschiedlichen Ländern investiert. Einschließlich Unternehmenserwerben betrugen die Investitionen über 170 Mio. EUR. So entstehen in den USA, in China und Indien hochmoderne Produktions- und Verwaltungsgebäude, die höchsten Industrie- und Umweltstandards genügen werden. Die langfristig ausgerichtete Finanzierungsstruktur, die hohe Eigenkapitalquote, der hohe Bestand an frei verfügbaren liquiden Mitteln und Kreditlinien sowie die hohe Schuldentragfähigkeit ermöglichen es der Wilo Gruppe, aus einer Position der Stärke heraus zu agieren. Dies bildet eine solide Basis, auch um externe Wachstumsopportunitäten zielstrebig zu verfolgen. Der Erwerb der ABIONIK Group zahlt konsequent auf Wilos strategische Ausrichtung als Lösungsanbieter in Bezug auf die Behandlung von Wasser und Abwasser ein. Mit dem Erwerb von QuantumFlo verstärkt die Wilo Gruppe ganz im Sinne ihres Region-for-Region-Ansatzes ihre Präsenz in den USA. Zukünftig können spezifische lokale Kundenbedürfnisse noch gezielter mit vor Ort hergestellten Produkten bedient werden. Zudem erweitert Wilo mit diesem Erwerb die Kundenbasis zur Beschleunigung der Marktentwicklung in den USA. Die Übernahme von PumpsPro in den Vereinigten Arabischen Emiraten und WRI-TECH in den Niederlanden unterstützt die Ausweitung des Servicegeschäfts in den jeweiligen Märkten.

Im Zuge der Integration der ABIONIK Group wurde 2021 unter anderem die funktionale Organisationsstruktur der Wilo Gruppe weiterentwickelt. In diesem Rahmen wurde die primäre Steuerungsebene um die strategische Business Unit Water Treatment ergänzt. In dieser Einheit werden nun alle Aktivitäten der Wilo Gruppe im Bereich der Wasser- und Abluftbehandlung gebündelt und unter einheitlicher Leitung gesteuert. Damit wird der erhöhten Komplexität dieses Kerngeschäfts Rechnung getragen und zusätzliches Optimierungspotenzial gehoben. Darüber hinaus wurde das Geschäft in Nordamerika durch die Errichtung der neuen Fertigungsstätte sowie den Erwerb von QuantumFlo weiter gestärkt. Aufgrund der gewachsenen Bedeutung dieser Region für die ganze Wilo Gruppe werden die USA und Kanada nicht mehr als Teil der Mature Markets, sondern als eigenständige Vertriebsregion North America geführt. Mittelfristig soll in den USA ein weiteres globales Headquarter für die gesamte Americas-Region aufgebaut werden. Mit dieser gezielten Stärkung und dem Ausbau der regionalen Präsenz handelt die Wilo Gruppe entsprechend ihrem etablierten Region-for-Region-Ansatz und begegnet den Herausforderungen des zunehmenden Decouplings der Weltwirtschaft.

Unter Berücksichtigung der besonderen Umstände der anhaltenden Corona-Pandemie sowie der spezifischen Faktoren für das Geschäft der Wilo Gruppe beurteilt der Vorstand den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage in Bezug auf das erzielte kräftige Wachstum, das deutlich gestiegene EBITDA bzw. Konzernergebnis, die verbesserte Profitabilität, die hohe Marktpräsenz und Innovationskraft sowie die solide Finanzierungsstruktur des Unternehmens als außerordentlich positiv.

Zusammenfassend schätzt der Vorstand die wirtschaftliche Lage der Wilo Gruppe unverändert als stabil und nachhaltig ein. Diese Einschätzung beruht auf den Ergebnissen des Konzernabschlusses und des Einzelabschlusses 2021 der WILO SE und berücksichtigt den Geschäftsverlauf bis zum Zeitpunkt der Aufstellung des Konzernlageberichts 2021. Die Geschäftsentwicklung zu Beginn des Jahres 2022 entspricht zum Zeitpunkt der Aufstellung dieses Konzernlageberichts den Erwartungen des Vorstands.

Wilo hat sich im Geschäftsjahr 2021 erneut als resilient und krisenfest gezeigt. Die klare strategische Ausrichtung, das schnelle und umsichtige Krisenmanagement sowie das hohe Engagement des gesamten Wilo-Teams waren die maßgeblichen Erfolgsfaktoren. Der Vorstand geht daher mit Zuversicht in das 150. Jahr der Unternehmensgeschichte.

4. Chancen- und Risikobericht

Transparenz und Sicherheit durch integriertes Risikomanagementsystem

Systematische Identifikation und Realisation von operativen und strategischen Chancen im Rahmen des Chancenmanagements

Gegenüber dem Vorjahr veränderte Gesamtrisikosituation in Bezug auf Beschaffungs- und IT-Risiken

Keine bestandsgefährdenden Risiken identifiziert

4.1. Chancen- und Risikopolitik

Die obersten Ziele der Unternehmensstrategie und Geschäftspolitik der Wilo Gruppe sind es, die Unabhängigkeit des Unternehmens zu sichern, profitabel zu wachsen und den Unternehmenswert langfristig zu steigern. Als ein weltweit operierendes Unternehmen ist die Wilo Gruppe dabei vielfältigen Risiken ausgesetzt. Zugleich eröffnen sich durch die globale Ausrichtung aber auch zahlreiche Chancen. Unternehmerisches Handeln erfordert insofern eine sorgfältige Überwachung aller relevanten Chancen und Risiken. Der Vorstand trifft seine strategischen und operativen Entscheidungen grundsätzlich auf Basis einer systematischen Analyse und Bewertung aller identifizierten Chancen und Risiken in Bezug auf die Ertrags-, Finanz- und Liquiditätslage der Wilo Gruppe sowie in Bezug auf die zukünftige Entwicklung. Bestandsgefährdende, unangemessen hohe oder unüberschaubare Risiken werden grundsätzlich nicht eingegangen.

Das in der gesamten Wilo Gruppe etablierte, umfassende und systematische Risikomanagementsystem und das vorausschauende Verfahren zum Management der Chancen sind daher feste Bestandteile der Unternehmenssteuerung.

4.2. Chancenmanagement

Eine systematische Identifikation und Realisierung von operativen und strategischen Chancen ist für die Förderung und Sicherstellung des im Rahmen der Unternehmensstrategie angestrebten profitablen Wachstums unerlässlich. Das Chancenmanagement ist nicht unmittelbar in das Risikomanagementsystem integriert, insofern werden Chancen nicht nach Maßgabe der durch das Risikomanagement vorgegebenen Methodik bewertet.

Operative Chancen bewertet und identifiziert die Wilo Gruppe vielmehr direkt in den Regionen, Marktsegmenten und Zentralfunktionen. Dort werden die jeweiligen Märkte beobachtet und analysiert. Auf diese Weise können frühzeitig Trends und neue Entwicklungen erkannt und potenzielle Chancen daraus abgeleitet werden. Im Rahmen des Planungsprozesses werden sie detailliert bewertet. Mithilfe von Szenariorechnungen fließen die Chancen unmittelbar in die Mittelfristplanung ein. Die Koordination und Ressourcenallokation erfolgen auf Konzernebene.

Chancen von übergeordneter strategischer Bedeutung, die sich aus Akquisitionen oder Kooperationen ergeben können, werden ebenso wie Strategieanpassungen auf der Ebene des Vorstands analysiert, bewertet und umgesetzt. Der Corporate-Foresight-Prozess dient dazu, sowohl Risiken als auch Chancen, die sich aus den relevanten globalen Megatrends und den damit zukünftig verbundenen Implikationen für die Wilo Gruppe ergeben können, abzuleiten und zu analysieren. Entsprechende Chancen werden somit systematisch im Rahmen der Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie berücksichtigt.

4.3. Risikomanagementsystem

Die Wilo Gruppe verfügt über ein modernes, integriertes und weltweit verfügbares Risikomanagementsystem. Es sichert die frühzeitige Erkennung von Unternehmensrisiken und gewährleistet, dass wirkungsvolle Gegenmaßnahmen frühzeitig eingeleitet werden. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Systems ist die Kontrolle der eingeleiteten Maßnahmen und deren konsequenter Umsetzung. Nach der Identifizierung von Risiken werden diese bewertet, so weit wie möglich gesteuert und fortlaufend überwacht. Das Risikomanagementsystem wird in regelmäßigen Abständen von der Internen Revision auf Basis des Prüfungsstandards Nr. 2 des Deutschen Instituts für Interne Revision (DIIR) geprüft.

Das Risikomanagement der Wilo Gruppe ist dezentral organisiert. Für die Erfassung und Berichterstattung der Risiken sind gruppenweit die Manager der zweiten Führungsebene, die als Risikomanagementbeauftragte fungieren, verantwortlich. Sie arbeiten dazu eng mit dem Group Risk Manager zusammen und werden durch das Controlling unterstützt. Checklisten und eine Kategorisierung der Risiken gewährleisten in der gesamten Wilo Gruppe eine einheitliche Risikoeinschätzung und Vergleichbarkeit in der Vorgehensweise. Eine anforderungsgerechte Software stellt dafür die relevante Kommunikations- und Informationsplattform bereit.

Die Gesamtverantwortung für das Risikomanagement trägt der Vorstand, der auch die Risikostrategie für die Wilo Gruppe festlegt. Über einheitliche Richtlinien und Prozesse wird die Risikostrategie konzernweit umgesetzt.

Integrale Bestandteile des Risikomanagementsystems sind:

Risikomanagementrichtlinie

Risikoatlas

Risikomanagementbeauftragte in den Regionen und Zentralfunktionen

Group Risk Manager

regelmäßige Risikoberichterstattung

Ad-hoc-Risikoberichterstattung

In der Risikomanagementrichtlinie der Wilo Gruppe sind die Grundsätze für die Behandlung von Risiken festgelegt. Sie regelt außerdem die Anforderungen an die Risikoberichterstattung, die Vorgehensweise bei der Bewertung der Risiken und verbindliche Meldegrenzen. Zudem definiert die Richtlinie die Aufgaben und Befugnisse aller Beteiligten des Risikomanagementprozesses.

Der Risikoatlas gibt einheitlich anzuwendende Kategorien für die Strukturierung der Risikoidentifizierung vor. Der Risikoatlas wird fortlaufend auf Vollständigkeit überprüft und bei Bedarf entsprechend angepasst. Damit ist gewährleistet, dass zu jeder Zeit alle relevanten Risikofelder erfasst sind.

Die jeweiligen Risikomanagementbeauftragten der Wilo Gruppe stellen die Erfassung und Kontrolle der Risiken in den von ihnen verantworteten Unternehmensbereichen sicher. Somit werden die Risiken für die einzelnen Vertriebsregionen und Zentralfunktionen spezifisch identifiziert und berichtet. Der Group Risk Manager koordiniert diesen dezentralen Risikomanagementprozess und berichtet regelmäßig quartalsweise und bei Bedarf auch als Ad-hoc-Meldung an den Vorstand der WILO SE.

Unter Berücksichtigung der jeweiligen Datenschutzregeln und ausschließlich für interne Zwecke wertet Wilo zur Risikoidentifikation Informationen über Kunden und Lieferanten aus. Darüber hinaus werden Markt- und Wettbewerbsanalysen erstellt und Risiken aus dem politischen und gesamtwirtschaftlichen Umfeld beobachtet und ausgewertet.

Die Bewertung der identifizierten Risiken erfolgt anhand einer einheitlichen Methodik, die durch die Risikomanagementrichtlinie vorgegeben ist. Für jedes identifizierte Risiko werden die spezifische Eintrittswahrscheinlichkeit (für die nächsten zwölf Monate) sowie das Brutto- und das Nettorisiko ermittelt. Nettorisiken beinhalten bereits geeignete risikovorbeugende oder -begrenzende Maßnahmen. Diese Maßnahmen haben das Ziel, das Schadenspotenzial und/oder die Eintrittswahrscheinlichkeit zu verringern. Sofern möglich und wirtschaftlich sinnvoll, werden in der Wilo Gruppe Risiken durch den Abschluss von Versicherungen oder bei finanzwirtschaftlichen Risiken durch den Einsatz geeigneter derivativer Finanzinstrumente begrenzt. In der Risikomanagementrichtlinie sind außerdem Meldegrenzen verbindlich festgelegt. Danach müssen die Risikomanagementbeauftragten unabhängig von der Eintrittswahrscheinlichkeit jedes Risiko melden, bei dem das Nettoschadenspotenzial einen definierten Wert übersteigt.

Das Risikomanagementsystem stellt die aus den Unternehmensbereichen gemeldeten Risiken auf Konzernebene aggregiert zur Verfügung. Der Vorstand erhält quartalsweise sowie, falls im Einzelfall erforderlich, auch unregelmäßig und unverzüglich Berichte über die Ergebnisse der Risikoanalysen. Darüber hinaus wird der Aufsichtsrat bzw. der von ihm beauftragte Prüfungsausschuss (Audit Committee) umfassend und kontinuierlich über den Stand und die Entwicklung des Risikomanagementsystems informiert.

Mit diesem Steuerungssystem wird das grundsätzliche Ziel verfolgt, das Gesamtrisiko für die Wilo Gruppe transparent und in einem unternehmerisch akzeptablen Rahmen zu halten.

4.4. Risikoklassifizierung und Risikobewertung

In den folgenden Abschnitten werden die für die Wilo Gruppe wesentlichen Risiken beschrieben. Zur Ermittlung der jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeit und des potenziellen Schadensausmaßes von Risiken werden nach dem Prinzip der Nettobetrachtung geeignete Gegenmaßnahmen, Absicherungen und die gegebenen Rahmenbedingungen bereits berücksichtigt.

Die Risiken, deren Eintrittswahrscheinlichkeiten und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) werden wie folgt bewertet und klassifiziert:

Eintrittswahrscheinlichkeiten
unwahrscheinlich < 20 %
möglich > 20 % ≤ 50 %
wahrscheinlich > 50 %

Liegt die Eintrittswahrscheinlichkeit eines potenziellen Risikos im Bereich von mehr als 20 % und bis zu 50 %, wird das entsprechende Risiko als möglich eingestuft. Ein potenzielles Risiko gilt als wahrscheinlich, wenn die Möglichkeit des tatsächlichen Risikoeintritts bei über 50 % liegt und als unwahrscheinlich, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit maximal 20 % beträgt.

Mögliche negative EBITDA-Auswirkungen
niedrig ≤ 10 %
mittel > 10 % < 50 %
hoch - 50 %

Die ableitbaren finanziellen Auswirkungen auf das EBITDA werden im Falle eines unterstellten Risikoeintritts anhand der erwarteten prozentualen Verschlechterung des EBITDA in den drei Kategorien niedrig, mittel und hoch unterschieden. Als mittlere Ergebnisbeeinträchtigung gilt dabei eine EBITDA-Verschlechterung von über 10 % und bis maximal 50 %. Somit entspricht eine denkbare, aber als niedrig eingeschätzte Ergebnisbelastung einem geschätzten negativen Effekt auf das EBITDA von bis zu 10 %. Eine hohe finanzielle Auswirkung gilt bei einem erwarteten negativen Effekt von mehr als 50 %.

Übersicht über die Unternehmensrisiken

Eintrittswahrscheinlichkeiten Mögliche negative EBITDA-Auswirkungen
Allgemeine Risiken
Wirtschaftliches Umfeld möglich mittel
Außergewöhnliche externe Störfälle möglich mittel
Rechtliches und regulatorisches Umfeld möglich mittel
Branchenspezifische Risiken
Wettbewerb möglich mittel
Unternehmensspezifische Risiken
Forschung & Entwicklung möglich niedrig
Beschaffung & Produktion möglich mittel
Personal möglich niedrig
Informationstechnologie möglich mittel
Akquisitionen und strategische Partnerschaften möglich mittel
Finanzwirtschaftliche Risiken
Währungskurse wahrscheinlich niedrig
Zinsen * möglich keine
Rohstoffe möglich niedrig
Forderungsausfälle möglich niedrig
Finanzierung und Liquidität unwahrscheinlich niedrig

* Die möglichen Auswirkungen des Zinsrisikos betreffen das Finanzergebnis und werden als niedrig eingestuft. Detailliertere Informationen werden unter dem Abschnitt 4.8 des Konzernlageberichts gegeben.

Das in der Tabelle "Übersicht über die Unternehmensrisiken" zusammengefasste Risikoprofil der Wilo Gruppe hat sich im Vergleich zum Vorjahr in Bezug auf die übergeordnete Klassifizierung der Risiken insofern verändert, als dass Risiken in Bezug auf "Beschaffung & Produktion" bzw. "Informationstechnologie" nun nicht mehr als unwahrscheinlich, sondern als grundsätzlich möglich eingestuft werden. Die massiven Verwerfungen auf den Beschaffungsmärkten und im Logistiksektor bzw. zunehmende Cyberkriminalität erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Wilo Gruppe bzw. einer ihrer Lieferanten oder Dienstleister von einer entsprechenden Beeinträchtigung betroffen sein könnte.

4.5. Allgemeine Chancen und Risiken

Wirtschaftliches Umfeld

Konjunktur- und Marktrisiken können als Folge allgemeiner konjunktureller, politischer oder gesellschaftlicher Einflüsse entstehen. Branchenwirtschaftlich sind die speziellen Entwicklungen des Bausektors und der Sanitärwirtschaft sowie der Wasser- und Abwasserwirtschaft in den jeweiligen Ländern und Regionen von besonderer Bedeutung. Die Wilo Gruppe ist in erheblichem Maße von diesen Entwicklungen abhängig. Die starke internationale Präsenz der Wilo Gruppe ermöglicht allerdings auch einen tendenziellen Risikoausgleich zwischen den Aktivitäten in einzelnen Regionen.

Konjunkturentwicklungen und -erwartungen werden von der Wilo Gruppe aufgrund ihrer Unsicherheiten und Risiken sowohl gesamtwirtschaftlich und politisch als auch mit Blick auf die Branchenentwicklungen der Kunden aufmerksam beobachtet und fortlaufend analysiert. Falls erforderlich können deshalb entsprechende Gegenmaßnahmen schon frühzeitig getroffen werden, um die derzeitige bzw. zukünftige wirtschaftliche Situation der Wilo Gruppe bestmöglich abzusichern. Besondere Berücksichtigung finden in diesem Zusammenhang spezifische Länderrisiken, zu deren Minimierung gezielte Gegenmaßnahmen definiert werden. Wenngleich die Rahmenbedingungen auf den Weltmärkten weiterhin zum Teil äußerst unsicher und die Zukunftserwartungen somit risikobehaftet sind, bieten ausgewählte Märkte in Asien, Lateinamerika und Afrika sehr gute Wachstumschancen. Diese bevölkerungs- und wachstumsstarken Märkte bergen allerdings auch erhöhte Risiken. Durch gezielte organisatorische Maßnahmen, den Auf- und Ausbau von lokalen Produktionskapazitäten, deren optimierte Nutzung sowie durch die Realisierung von Synergien verringert die Wilo Gruppe deren Risikopotenzial jedoch erheblich.

In den ersten Monaten des Jahres 2021 blieb die Weltwirtschaft trotz neuerlicher pandemiebedingter Beeinträchtigungen aufwärtsgerichtet und die Auswirkungen der Pandemie waren weitgehend auf die Dienstleistungsbereiche beschränkt. Industrieproduktion und Welthandel expandierten weiter kräftig. Allerdings kühlte sich die Konjunktur ab Jahresmitte merklich ab. Lieferengpässe in Verbindung mit starken Preisanstiegen für Rohstoffe, Vorleistungsgüter und Transportleistungen wie auch sprunghaft höhere Energiekosten dämpften weltweit den Aufschwung der Industrieproduktion. Für 2022 rechnen Wirtschaftsforscher parallel zur allmählichen Eindämmung der Pandemie mit einer sukzessiven Belebung der Weltwirtschaft. Allerdings unterliegen die Prognosen aktuell besonders hohen Risiken. Neben den pandemiebedingten Unsicherheiten bleiben die Belastungen aus andauernden Lieferengpässen und hoher Inflation bestimmend. Diese könnten die Wirtschaft deutlich stärker als derzeit unterstellt beeinträchtigen. Außerdem können infolge der möglichen Zinswende größere Verwerfungen auf den Devisen- und Kapitalmärkten nicht ausgeschlossen werden. Ferner sind die geopolitischen Risiken zuletzt deutlich gestiegen. Eine weitere Eskalation militärischer Konflikte, insbesondere in der Ukraine, stellt mit ihren potenziell unabsehbar schweren Folgen ein wesentliches Risiko für 2022 dar. Die Wilo Gruppe überwacht diese Entwicklungen aufmerksam und wird bei Bedarf zeitnah unternehmerische Entscheidungen gezielt anpassen, um so die finanziellen Risiken auf die Unternehmensgruppe einzugrenzen und die Chancen neu zu bewerten. Insgesamt bewertet die Wilo Gruppe mögliche negative Auswirkungen des wirtschaftlichen Umfelds auf die Ertragslage des Unternehmens als moderat (mittlere Ergebnisauswirkung gemäß Risikoklassifizierung).

Außergewöhnliche externe Störfälle

Als weltweit agierende Unternehmensgruppe ist Wilo unterschiedlichen externen Risiken ausgesetzt. Naturkatastrophen, Terroranschläge, Epidemien, Feuer oder politische Unruhen können die Geschäftstätigkeit am betroffenen Standort potenziell beeinträchtigen. Die Wilo Gruppe klassifiziert die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher außergewöhnlicher Störfälle insgesamt als möglich ein.

Die Coronavirus-Pandemie mit ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen stellt auch die Wilo Gruppe unverändert vor große Herausforderungen. Die Risiken in Bezug auf die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie auf Lieferketten, Produktion und Vertrieb konnten auch 2021 durch gezielte Maßnahmen begrenzt werden. Das bereits im Vorjahr speziell für das Management von Pandemieeffekten etablierte interdisziplinäre Team von erfahrenen Managern, die sogenannte Go-Ahead Task Force, hat die erforderlichen Maßnahmen koordiniert und implementiert. Um Ansteckungsrisken zu minimieren wurde, wo die Tätigkeit es zulässt, verstärkt Telearbeit genutzt. Produktionsausfälle infolge von behördlich angeordneten Werksschließungen konnten weitestgehend vermieden werden, unter anderem durch umfangreiche und sorgfältig ausgearbeitete Hygienekonzepte zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darüber hinaus wurde Wilo in vielen Ländern als System relevanter Produzent klassifiziert. Kritische Lieferketten konnten in enger Zusammenarbeit mit Lieferanten sowie zum Teil unter Inkaufnahme erhöhter Logistikkosten weitestgehend aufrechterhalten werden. Allerdings gelang es im Jahresverlauf aufgrund der enormen Verwerfungen auf den Beschaffungs- und Logistikmärkten nicht immer, Verzögerungen, Lieferstaus und daraus resultierende Ineffizienzen zu vermeiden.

Auch im Hinblick auf geopolitische Krisen in einzelnen Ländern und Regionen sowie die relevanten prognostizierten Risiken für das Geschäft der Wilo Gruppe wurden mögliche Auswirkungen proaktiv durch gezielte Maßnahmen minimiert. Im Falle einer weiteren Eskalation werden zusätzliche risikobegrenzende Schritte umgesetzt. Soweit möglich und sinnvoll, ist die Wilo Gruppe zudem adäquat gegen Betriebsausfälle und Sachschäden versichert. Um potenzielle negative Auswirkungen zu minimieren, hat Wilo darüber hinaus entsprechende Notfallpläne und vorbeugende Maßnahmen entwickelt und implementiert. Die Wilo Gruppe schätzt den Ergebniseffekt durch außergewöhnliche externe Störfälle als moderat ein (mittlere Ergebnisauswirkung gemäß Risikoklassifizierung).

Rechtliches und regulatorisches Umfeld

Wesentliche Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen und des regulatorischen Umfelds (z.B. Handelsbeschränkungen, Steuergesetzgebung, Produktqualitäts-, Energieeffizienz- und Sicherheitsstandards) können sich sowohl negativ als auch positiv auf die Geschäftstätigkeit der Wilo Gruppe auswirken.

Einerseits können Handelsbeschränkungen die Beschaffung von Rohstoffen erschweren bzw. verteuern und den Vertrieb von Produkten in bestimmten Märkten oder Regionen einschränken. In den letzten Jahren haben protektionistische Tendenzen weltweit zugenommen. Zudem ist eine generelle Abkehr von Freihandel und Globalisierung zu beobachten. Darüber hinaus können strengere Anforderungen an Produktqualitäts- oder Sicherheitsstandards zu höheren Herstellungskosten führen oder einen erhöhten Forschungs und Entwicklungsaufwand bedingen. Andererseits können aus Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen und des regulatorischen Umfelds auch Chancen erwachsen. So kann etwa die Einführung oder Verschärfung von Energieeffizienzrichtlinien die Nachfrage nach energieeffizienten Produkten stimulieren.

Die Wilo Gruppe ist mit ihrem breiten Portfolio an Hocheffizienzpumpen optimal aufgestellt, um die jeweiligen Märkte schnell und umfassend zu bedienen. In sämtlichen wichtigen Märkten werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und das regulatorische Umfeld fortlaufend beobachtet. So können potenzielle Problembereiche oder Chancen frühzeitig erkannt und die Geschäftsaktivitäten entsprechend schnell angepasst werden. Das Auftreten von Risiken aus dem rechtlichen oder regulatorischen Umfeld ist möglich. Die Auswirkungen auf die Ertragslage der Wilo Gruppe werden als moderat eingeschätzt (mittlere Ergebnisauswirkung gemäß Risikoklassifizierung).

Urbanisierung

Das rasante Wachstum der Weltbevölkerung ist ungebrochen, vor allem in Asien und Afrika explodiert die Bevölkerungszahl. Die Vereinten Nationen (UN) gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 von aktuell 7,9 Milliarden auf fast 10 Milliarden Menschen zunimmt. Zugleich steigt überall auf der Welt der Anteil der Bevölkerung in urbanen Ballungsräumen rapide. Gegenwärtig lebt über die Hälfte der Menschen in Städten. Nach Schätzungen der UN werden es 2050 voraussichtlich gut zwei Drittel sein. Neben den schon heute existierenden Städten und Metropolregionen, die kontinuierlich wachsen, entstehen in kurzer Zeit ganz neue Großstädte, überwiegend in den asiatischen Schwellenländern. Die aktuelle Coronavirus-Pandemie hat zwar kurzfristig das Potenzial, diese Bewegung zu verlangsamen, wird sie aber nicht dauerhaft abschwächen. Städte werden auch zukünftig Orte von Wachstum und Innovation sein und damit auch bevorzugte Zielgebiete von internationaler und nationaler Migration.

Mit der massiven Verstädterung vor allem in den Schwellenländern, verbunden mit dem anhaltenden starken Bevölkerungswachstum, entstehen auch zahlreiche ökologische, ökonomische und soziale Herausforderungen. Eine nachhaltige und intelligente urbane Entwicklung der betroffenen Regionen ist daher unerlässlich. Analog gilt dies auch für die wachsenden etablierten Ballungsräume in Industrieländern, die ihre städtischen Strukturen und öffentlichen Netze verstärkt mit Blick auf den Umwelt- und Klimaschutz modernisieren und umgestalten. Weltweit werden sogenannte Smart Cities und Smart Urban Areas geplant. Um diese Städte effizienter, ressourcenschonender und sozialer zu gestalten, werden vernetzte digitale Infrastrukturen aufgebaut. Aus dem Megatrend der Urbanisierung, besonders in der Ausprägung der Smart Urban Areas, ergeben sich nennenswerte langfristige Wachstumspotenziale für die Marktsegmente Building Services Residential und Commercial sowie Water Management.

Wasserknappheit

Wasser ist in vielen Regionen der Welt eine knappe Ressource. Nach Schätzungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und UNICEF fehlt gegenwärtig rund 785 Millionen Menschen der Zugang zu einer elementaren Trinkwasserversorgung. Mehr als 2 Milliarden Menschen leben ohne angemessene sanitäre Grundversorgung. Vor allem in den schnell wachsenden Megastädten der Schwellenländer stellen die Wasserver- und Abwasserentsorgung ein substanzielles Problem dar. So führt die Übernutzung der Grundwasserreserven dort vielfach zu einem Absinken des Grundwasserspiegels. Gleichzeitig versickern infolge veralteter und maroder Leitungssysteme ungenutzt riesige Mengen an Trinkwasser. Zukünftig wird es daher umso wichtiger sein, die vorhandenen Ressourcen effizient zu nutzen und intelligente Technologien zur Wassergewinnung und -aufbereitung einzusetzen. Wilo hat sich mit den Produkten und Systemlösungen aus dem Marktsegment Water Management auf diesen Megatrend ausgerichtet und bietet professionelle Lösungen für die komplexen Anforderungen an die Trinkwassergewinnung, Wasserförderung, den Abwassertransport sowie die Abwasserbehandlung. Mit der Integration der ABIONIK Group stärkt Wilo die Position als Lösungsanbieter und erweitert gezielt das Portfolio im Bereich der Wasseraufbereitung, um an den attraktiven Wachstumschancen dieses Megatrends verstärkt zu partizipieren.

Klimawandel & Energieknappheit

Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist anhand der globalen Erderwärmung und Häufung von Wetterextremen immer stärker sicht- und spürbar. Die Polkappen und Berggletscher etwa in den Alpen schmelzen weiter ab, der Meeresspiegel steigt, Dürren und Unwetter häufen sich - auch in gemäßigten Klimazonen. Dies sind nur einige der erwarteten und bereits jetzt relevanten Auswirkungen des Klimawandels. Weltweit sind drastische Maßnahmen erforderlich, um den Klimawandel und seine Folgen zu stoppen oder mindestens zu begrenzen. Mittlerweile werden deshalb in fast allen Ländern der Welt neue Maßnahmenpakete zur Reduzierung von Treibhausgasen aufgelegt. Sie betreffen vor allem die Sektoren Transport und Verkehr sowie Energie. Neben dem vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien werden die Entwicklung und die Nutzung von energieeffizienteren Verfahren und Technologien vorangetrieben. Zugleich lösen der im langfristigen Trend zunehmende Welthandel, die im Zuge der Urbanisierung rapide wachsenden Städte und die dynamische Wirtschaftsentwicklung der Schwellenländer einen massiv wachsenden Energiebedarf aus. Außerdem bleibt die Nachfrage in den Industrieländern hoch. Dem globalen Wettbewerb um Rohstoffe steht die Endlichkeit fossiler Ressourcen wie Öl, Kohle und Gas gegenüber. Insofern besteht aus ökologischen und sozialen sowie auch aus ökonomischen Gründen die Notwendigkeit zur Nutzung von erneuerbaren Energien bzw. zur Realisierung von nachhaltigen Energieeinsparungen.

Die Megatrends Klimawandel und Energieknappheit bieten daher substanzielle Wachstumschancen für alle fünf Marktsegmente der Wilo Gruppe in sämtlichen Regionen, in denen das Unternehmen präsent ist. Vor allem in den urbanen Ballungsräumen eröffnen sich zahlreiche Chancen. Steigende Bevölkerungszahlen, strenger werdende Umweltstandards und höhere Anforderungen an Energie- und Ressourceneffizienz stellen die Stadtplaner vor neue Herausforderungen. Mittlerweile entstehen deshalb überall auf der Welt innovative städtische Infrastrukturen auf Basis von smarten Systemen und digitalen Lösungen. Die Verschärfung von gesetzlich verankerten Mindeststandards wird die Nachfrage nach zukunftsorientierten, ressourcensparenden Produkten und Systemlösungen weiter stimulieren. Schon heute ermöglichen Wilo-Produkte den Kunden eine verbesserte Energieeffizienz während der gesamten Betriebsphase. Hocheffizienzpumpen senken den Stromverbrauch um bis zu 80 % gegenüber älteren, ungeregelten Pumpen. Anspruch der Wilo Gruppe ist es, die Zukunft als Innovationsführer und digitaler Pionier zu prägen und sich entsprechend der Unternehmensvision zum führenden Systemanbieter mit maßgeschneiderten, intelligenten und ressourceneffizienten Lösungen zu entwickeln. Auf diese Weise trägt Wilo dazu bei, die CO 2 -Belastung der Umwelt durch einen geringeren Energieverbrauch zu reduzieren.

Digitalisierung

Die digitale Transformation der Gesellschaft, des Handels und der Industrie ist allgegenwärtig. Nahezu jeder Bereich ist von tiefgreifenden Veränderungen durch die Etablierung neuer Technologien berührt. So halten moderne Informations- und Kommunikationstechnologien beschleunigt Einzug in sämtliche Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Neue digitale Technologien verändern immer stärker klassische Produktions- und Geschäftsprozesse. Komplette Wertschöpfungsketten von Unternehmen werden vom digitalen Wandel erfasst (Internet der Dinge, Industrie 4.0) und etablierte Geschäftsmodelle infrage gestellt. Im Gegenzug entstehen neue innovative Geschäftsmodelle und Unternehmen. Für die Wilo Gruppe ergeben sich aus der Digitalisierung zahlreiche Chancen. Zum einen sind mit einer entsprechenden Optimierung der bestehenden eigenen Geschäftsprozesse erhebliche Effizienz- und Produktivitätssteigerungen möglich. Zum anderen entstehen auch für die Pumpenindustrie Möglichkeiten für neue innovative Geschäftsmodelle. Diese Potenziale hebt die Wilo Gruppe etwa mit smarten Produkten und Systemlösungen. Die Digitalisierung der Wilo Gruppe selbst und die Wahrnehmung der Chancen, die sich hieraus ergeben, erfordern eine grundlegende und nachhaltige Neuausrichtung von Wertschöpfung und Geschäftsprozessen. Dazu hat Wilo als festen Baustein der Unternehmensstrategie eine Digitalisierungsstrategie festgelegt. Eine interdisziplinäre Expertengruppe, die speziell dafür im Unternehmen aufgebaut wurde, treibt die digitale Transformation der Wilo Gruppe strategisch zielgerichtet voran.

Wilo erwartet, dass die Digitalisierung des Unternehmens die Geschäftsaktivitäten mittel- bis langfristig positiv beeinflussen wird. Als besonderes Geschäftspotenzial wurden in diesem Zusammenhang die weltweit entstehenden Smart Urban Areas identifiziert. Hier erschließt die Wilo Gruppe konsequent neue Geschäftsfelder.

4.6. Branchenspezifische Chancen und Risiken

Wettbewerb

Die Wettbewerbsrisiken haben sich im Vergleich zum Vorjahr größtenteils nicht verändert. Zwar sind mit dem zunehmenden Preiswettbewerb Unwägbarkeiten verbunden, diesen Risiken begegnet die Wilo Gruppe aber insbesondere mit dem vermehrten Einsatz von Produktlinien mit Alleinstellungsmerkmalen. Die Wilo Gruppe sichert ihre hohe Wettbewerbsfähigkeit zudem durch den technologischen Vorsprung, vor allem im Bereich der Energieeffizienz und Digitalisierung, sowie durch eine herausragende Produktqualität und das engmaschige globale Wilo-Servicenetz. Der Eintritt von Wettbewerbsrisiken ist möglich. Von der Unternehmensplanung abweichende Ergebniseffekte für die Wilo Gruppe, die aus dem Wettbewerbsumfeld entstehen können, schätzt Wilo als moderat ein (mittlere Ergebnisauswirkung gemäß Risikoklassifizierung).

Technologischer Fortschritt im Gebäudemanagement

Das Thema Smart Living findet bei Herstellern und Verbrauchern immer stärker Beachtung. In sogenannten Smart Homes werden alltägliche Geräte und Systeme des privaten Wohnbereichs elektronisch vernetzt. Damit soll höhere Energieeffizienz mit zugleich mehr Komfort, Wirtschaftlichkeit, Flexibilität und Sicherheit kombiniert werden. Die Steuerung und der Zugriff auf die Geräte und Systeme können zentral und aus der Entfernung erfolgen. Smart Homes, wie auch Büro- und Wirtschaftsgebäude mit einer entsprechenden smarten Technologie, bieten attraktive Wachstumschancen für die Marktsegmente Building Services Residential und Building Services Commercial. Wilo verfügt auf diesem Gebiet über eine weitreichende System- und Lösungskompetenz. Die sich hieraus ergebenden Chancen können die Geschäftsaktivitäten der Wilo Gruppe mittel- bis langfristig positiv beeinflussen.

4.7. Unternehmensspezifische Chancen und Risiken

Forschung und Entwicklung

Wilo richtet sich konsequent am technologischen Fortschritt aus. Zur Stärkung der eigenen Marktposition und um das künftige profitable Wachstum abzusichern, investiert das Unternehmen kontinuierlich und mit hohem Engagement in die Entwicklung neuer Technologien und Produkte. 2021 betrugen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung einschließlich der aktivierten Entwicklungskosten 4,3 % des Konzernumsatzes. Um die Chancen neuer Technologien frühzeitig identifizieren zu können, betreibt Wilo regelmäßiges Technologie-Screening und pflegt einen kontinuierlichen Austausch mit Hochschulen und Forschungsinstituten. Das Risiko, Kundenbedürfnisse im Entwicklungsprozess nicht angemessen zu berücksichtigen, begrenzt die Wilo Gruppe durch Kundenbefragungen, Trendanalysen und gezielte Markttests.

Sämtliche Entwicklungsaktivitäten werden kontinuierlich auf Wirksamkeit und Zielkonformität überprüft. So werden qualitative, zeitliche und finanzielle Risiken in den Entwicklungsprojekten minimiert. Kundenanforderungen werden durch professionelles Projektmanagement und regelmäßige Abweichungsanalysen stets im Blick behalten. Dazu gelten konzernweite verbindliche Standards und Richtlinien. Das Auftreten von Risiken aus der Forschung und Entwicklung ist zwar möglich, die Auswirkungen auf das EBITDA der Wilo Gruppe werden allerdings als niedrig eingeschätzt.

Beschaffung & Produktion

Der wirtschaftliche Erfolg der Wilo Gruppe hängt nicht zuletzt von einer zuverlässigen und effizienten Versorgung mit Materialien, Komponenten und Bauteilen ab. Lieferengpässe und Kapazitätseinschränkungen können zu Produktionsausfällen sowie Lieferverzögerungen gegenüber dem Kunden führen und zusätzliche Kosten verursachen. Ebenso können unerwartet starke Preisanstiege für Komponenten, Rohmaterialien oder Transportdienstleistungen aufgrund von Marktengpässen oder sonstigen Gründen die Profitabilität der Wilo Gruppe negativ beeinflussen. Beschaffungsrisiken begegnet Wilo durch ein integriertes Beschaffungs- und Lieferantenmanagement. Der Gefahr von Lieferengpässen wird vorrangig durch die Verfügbarkeit von Second-Source-Lieferanten vorgebeugt.

Vor dem Hintergrund der andauernden Corona-Pandemie und der im Laufe des Berichtsjahres verschärften Krise auf den Beschaffungsmärkten und in der Logistik - die auch zum Jahreswechsel noch nicht überwunden ist - schätzt die Wilo Gruppe das Risiko, dass es künftig zu Abrissen in der Lieferkette und dadurch ausgelöst zu Produktionseinschränkungen oder Produktionsausfällen kommt, als grundsätzlich möglich ein.

Bereits 2020 hatte der Vorstand beschlossen, die bestehenden Make-or-Buy-Strategien einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. In diesem Rahmen wurde die für Wilo zukünftig sinnvolle Wertschöpfungstiefe in einzelnen Regionen und Ländern neu definiert. Kritische Komponenten werden zukünftig verstärkt selbst produziert. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten soll durch ein verstärktes Multiple-Sourcing noch weiter reduziert werden.

Darüber hinaus hat die Wilo Gruppe im Berichtsjahr das Management von Risiken in der Supply Chain weiter professionalisiert. So wurde zur Verbesserung der Risikotransparenz und der sich daraus ableitenden frühestmöglichen Initiierung von Gegenmaßnahmen die Implementierung einer softwaregestützten, ganzheitlichen Lösung gestartet. Dieses Tool ermöglicht es, unter anderem automatisiert und in Echtzeit relevante Entwicklungen in der Lieferkette zu identifizieren. Unterstützt durch moderne KI-Technologien wird der Einflussbereich der Schadenereignisse auf die unterschiedlichen Elemente der Supply Chain sichtbar gemacht und somit die schnelle Ergreifung zielgerichteter Gegenmaßnahmen ermöglicht.

Das Risiko von Qualitätseinbußen mindert das Unternehmen durch die gruppenweit einheitlichen Produktionsstandards des Wilo-Produktionssystems (WPS) und durch das umfassende Qualitätsmanagement. Es wird als unwahrscheinlich eingeschätzt. Produktionsausfallrisiken werden durch den Einsatz moderner Fertigungsanlagen und professioneller Steuerungssysteme eng begrenzt.

Der Abschluss geeigneter Versicherungen trägt darüber hinaus zur Reduzierung der wirtschaftlichen Folgen der genannten Geschäftsrisiken bei. Sollten dennoch entsprechende Risiken eintreten, könnte damit nach Einschätzung des Unternehmens ein mittlerer Ergebniseffekt für die Wilo Gruppe verbunden sein.

Personal

Eine Grundvoraussetzung für den Erfolg der Wilo Gruppe sind die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Kompetenz, ihrem Engagement und ihrer Motivation. Mit dem Verlust von qualifiziertem Personal in strategischen Positionen kann unternehmensspezifisches Wissen verloren gehen. Außerdem können dadurch Kapazitätsengpässe oder Produktivitätseinbußen auftreten. Diesem Risiko begegnet die Wilo Gruppe unter anderem mit einem abgestimmten Demografie-Management. Dessen Kernelemente sind eine aktive Nachfolgeplanung und die Entwicklung von Nachwuchskräften im Rahmen eines gruppenweiten Talent-Managements. Der Eintritt von Personalrisiken ist generell möglich. Die Auswirkungen auf die Ertragslage werden jedoch als niedrig eingeschätzt.

Informationstechnologie

Alle für die Wilo Gruppe wichtigen Geschäftsabläufe sind in leistungsfähige IT-Systeme integriert. Der Ausfall von bedeutenden Systemen oder größere Datenverluste könnten im Extremfall zu Geschäftsunterbrechungen führen. Die zunehmende Bedrohung durch Cyberkriminalität entlang der gesamten Wertschöpfungskette betrifft insbesondere die Versorgungssicherheit der Wilo Gruppe und erfordert den stetigen Schutz von unternehmensinternen Daten.

Diesen IT-Risiken beugt Wilo durch die tägliche Sicherung der kritischen Unternehmensdaten und umfangreiche präventive Maßnahmen vor. Vor allem die Unternehmensdatenbank zur Unterstützung der Produktion, Materialwirtschaft, Auftragsabwicklung, Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung erfüllt höchste Sicherheitsstandards. Kritische Unternehmensapplikationen betreibt die Wilo Gruppe in zwei zertifizierten und sehr leistungsstarken Rechenzentren, die räumlich voneinander getrennt sind, bzw. bei externen zertifizierten Anbietern. Für Katastrophenfälle existieren abgestimmte Prozesse und Wiederanlaufpläne. Systemausfallzeiten werden zusätzlich durch den gezielten Einsatz eines eigenen Supportteams und externer Dienstleister minimiert. In Bezug auf Cyberkriminalität bringt die Wilo Gruppe sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen zum Einsatz, um Sicherheitslücken zu identifizieren und Angriffe abzublocken. Schulungen und interne Meldungen über aktuelle Angriffe sollen das Bewusstsein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang mit sensiblen Benutzerdaten schärfen.

Unter Berücksichtigung dieser Maßnahmen ist der Eintritt von IT-Risiken zwar grundsätzlich möglich, die Ergebniseffekte sind aber auf ein mittleres Maß begrenzt.

Akquisitionen und strategische Partnerschaften

Im Rahmen der Unternehmensstrategie nutzt die Wilo Gruppe zur Erweiterung des technologischen Spektrums und der geografischen Präsenz auch die Realisierung von externen Wachstumsopportunitäten. Die Chancen, die sich aus Akquisitionen und strategischen Partnerschaften ergeben, sind vielfältig. Sie bieten zusätzliche Potenziale für Wachstum und Effizienz und können Zugang zu neuen Vertriebskanälen und Märkten eröffnen. Ein Unternehmenserwerb wird allerdings nur dann in Betracht gezogen, wenn er sowohl unter strategischen als auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als vorteilhaft bewertet wird. Strategische Partnerschaften geht die Wilo Gruppe überwiegend im Bereich Forschung und Entwicklung ein, um gemeinsame Technologieprojekte voranzutreiben. Hier arbeitet das Unternehmen mit namhaften Universitäten und Forschungsinstituten zusammen.

Neben den Chancen, die sich unter anderem aus den zu erwartenden Synergien ergeben, sind mit Unternehmensakquisitionen immer auch Risiken verbunden. Vor jeder Investitionsentscheidung werden deshalb eine sorgfältige Unternehmensbewertung und eine Analyse der kommerziellen, technischen, rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Rahmenbedingungen durchgeführt (Due Diligence). Ziel ist es, die mit der Akquisition verbundenen Risiken aufzudecken, zu quantifizieren und entsprechend zu begrenzen. Für jede Akquisition werden darüber hinaus eine individuelle Strategie zur Integration in die Wilo Gruppe entwickelt sowie entsprechende Maßnahmen geplant und umgesetzt.

Selbst bei sorgfältigster Prüfung können allerdings nach einer erfolgten Akquisition Risiken auftreten, die im Rahmen der Due Diligence nicht erkannt, als nicht wesentlich erachtet oder nicht zutreffend quantifiziert wurden. Außerdem können die identifizierten Vorteile und Synergien nicht oder nicht im erwarteten Maße bzw. Zeitrahmen eintreten. Darüber hinaus könnte ein unerwartet schwieriger und kostenintensiver Integrationsprozess die Realisierung der geplanten Ziele und Synergien gefährden. Sollte sich das Geschäft nachhaltig schlechter entwickeln als erwartet, könnten einerseits Wertminderungen auf Geschäfts- oder Firmenwerte erforderlich werden. Andererseits könnten sich auch Ergebnisbelastungen ergeben, die unmittelbar aus der schlechteren operativen Entwicklung des akquirierten Geschäfts und den möglicherweise erforderlichen Gegenmaßnahmen resultieren.

Das Auftreten von Risiken aus Akquisitionen und strategischen Partnerschaften ist generell möglich. Die damit verbundenen Ergebniswirkungen werden von der Wilo Gruppe als moderat (mittlere Ergebnisauswirkung gemäß Risikoklassifizierung) eingestuft.

4.8. Finanzwirtschaftliche Chancen und Risiken

Währungskurse

Aufgrund der globalen Präsenz der Wilo Gruppe hat das Management von Währungskursveränderungen eine hohe Bedeutung. Währungskursrisiken resultieren für das Unternehmen im Wesentlichen aus der operativen Geschäftstätigkeit und den Finanzierungsmaßnahmen. Währungskursrisiken, die sich überwiegend aus Lieferungen und Leistungen an Konzerngesellschaften ergeben, begrenzt Wilo sowohl durch gegenläufige Geschäfte in derselben Währung als auch durch den Einsatz von derivativen Finanzgeschäften.

Ein Eintritt von Währungskursrisiken aus operativen Tätigkeiten der Konzernunternehmen mit externen Kunden und Lieferanten ist wahrscheinlich. Die damit verbundenen Auswirkungen auf das Ergebnis schätzt die Wilo Gruppe jedoch als niedrig ein. Diese Aktivitäten werden überwiegend in ihrer lokalen Währung abgewickelt.

Währungskursrisiken aus Finanzierungsmaßnahmen ergeben sich hauptsächlich gegenüber externen Kreditgebern aus finanziellen Verbindlichkeiten in Fremdwährung. Außerdem werden Konzerngesellschaften zur Finanzierung Fremdwährungsdarlehen gewährt. Derartige Währungskursrisiken reduziert Wilo durch den Einsatz von derivativen Finanzgeschäften.

Zur Aufstellung des Konzernabschlusses werden die Jahresabschlüsse der Tochterunternehmen, die ihren Sitz außerhalb des Euroraumes haben bzw. deren funktionale Währung nicht der Euro ist, in die Berichtswährung Euro umgerechnet. Änderungen des durchschnittlichen Wechselkurses einer Währung können daher durch die Umrechnung sowohl den Umsatz als auch den Ertrag rechnerisch beeinflussen. Mit diesem Translationsrisiko sind aber keine Auswirkungen auf die Zahlungsströme in lokaler Währung verbunden.

Zusammenfassend wird der Eintritt von Währungskursrisiken als wahrscheinlich angesehen, die damit verbundenen Ergebnisauswirkungen schätzt die Wilo Gruppe jedoch als niedrig ein. Weitere Angaben zu Währungsrisiken gemäß IFRS 7 sowie eine entsprechende Sensitivitätsanalyse werden im Kapitel (12.) "Risikomanagement und derivative Finanzinstrumente" des Konzernanhangs dargestellt.

Zinsen

Ein Zinsrisiko ergibt sich hauptsächlich aus variabel verzinslichen Finanzschulden und der Anlage von flüssigen Mitteln. Zinsrisiken entstehen dabei sowohl aus dem Anstieg als auch aus der Absenkung der Zinskurve. Gegen negative Wertveränderungen aus unerwarteten Zinsbewegungen sichert sich die Wilo Gruppe fallweise durch derivative Finanzinstrumente ab. Der Eintritt von Zinsrisiken wird als möglich, die Auswirkung auf das Finanzergebnis aber als niedrig eingeschätzt, da der überwiegende Teil der Finanzschulden langfristig festverzinslich ist.

Andererseits können sich im Hinblick auf die Anlage von flüssigen Mitteln günstige Zinsentwicklungen positiv auf das Zinsergebnis auswirken. Der Bereich Group Treasury der Wilo Gruppe beobachtet und analysiert die Entwicklungen auf den Finanzmärkten, um die Balance zwischen Liquiditätshaltung und Anlage der flüssigen Mittel in Termingeldern oder Fremdkapitaltiteln höchster Bonität mit einem maximalen Zeithorizont von bis zu zwei Jahren zu optimieren.

Weitere Angaben zu Zinsrisiken gemäß IFRS 7 werden im Kapitel (12.) "Risikomanagement und derivative Finanzinstrumente" des Konzernanhangs dargestellt.

Rohstoffe

Rohstoffpreisrisiken bestehen für die Wilo Gruppe hauptsächlich durch Preisschwankungen auf den Weltmärkten für Kupfer, Aluminium und Edelstahl sowie deren Legierungen. Um Preisrisiken in Bezug auf Kupfer zu minimieren, schließt die Wilo Gruppe seit Beginn des Berichtsjahres 2021 keine Rohstoffderivate mehr ab, sondern geht langfristige Abnahmeverpflichtungen ein. Dabei werden Abnahmemenge und Preis bis maximal zwölf Monate im Voraus fixiert. So kann eine hohe Versorgungssicherheit gewährleistet und Preisschwankungen entgegengewirkt werden.

Um die Ergebniseinflüsse aus der Veränderung des Kupferpreises für die Wilo Gruppe zu minimieren, wurde ein hoher Anteil des Beschaffungsvolumens von Kupfer für das Geschäftsjahr 2022 bereits preislich fixiert. Wilo verzichtet dagegen beim Beschaffungsvolumen für Aluminium und Edelstähle und deren Legierungen bewusst auf eine preisliche Absicherung, da die angebotenen Finanz- und sonstigen Sicherungsinstrumente nicht geeignet sind, das Preisveränderungsrisiko aus diesen spezifischen Rohstoffen effizient zu minimieren.

Rohstoffpreisrisiken sind möglich, die damit verbundenen Ergebnisauswirkungen schätzt die Wilo Gruppe aber als niedrig ein. Weitere Angaben zu Rohstoffpreisrisiken gemäß IFRS 7 sowie eine entsprechende Sensitivitätsanalyse werden im Kapitel (12.) "Risikomanagement und derivative Finanzinstrumente" des Konzernanhangs dargestellt.

Forderungsausfälle

Forderungsausfallrisiken auf der Kundenseite wird durch ein konzernweit einheitliches, wirksames System begegnet. Es umfasst ein konsequentes Forderungsmanagement und die Überwachung des Zahlungsverhaltens. Da mit keinem Kunden mehr als 10 % des Konzernumsatzes erwirtschaftet werden, ist die Abhängigkeit von einzelnen Kunden begrenzt. Die Wilo Gruppe hat im Berichtsjahr keine wesentlichen negativen Einflüsse aus dem Zahlungsverhalten ihrer Kunden verspürt. Mögliche Ergebniseffekte aus Forderungsausfällen werden aus heutiger Sicht für 2022 ebenfalls als niedrig eingeschätzt. Die Wilo Gruppe überwacht die weiteren Entwicklungen fortlaufend und eng und wird sofern erforderlich entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.

Darüber hinaus besteht das Risiko, dass Kreditinstitute ausfallen, mit denen Anlagegeschäfte getätigt werden, bei denen Kreditlinien bestehen oder mit denen Sicherungsgeschäfte abgeschlossen wurden. Ein potenzieller Ausfall dieser Partner würde sich negativ auf die Ertrags- und Finanzlage der Wilo Gruppe auswirken. Insgesamt ist ein Eintritt dieses Risikos jedoch als unwahrscheinlich einzuschätzen, da Wilo solche Geschäfte nur mit bonitätsmäßig guten bis sehr guten Banken abschließt. Der Bereich Group Treasury beobachtet und bewertet fortlaufend die Bonitätsentwicklung dieser Banken und ergreift bei Bedarf adäquate Maßnahmen, um das Kontrahentenrisiko zu reduzieren.

Finanzierung und Liquidität

Liquiditätsrisiken ergeben sich aus einem eventuellen Mangel an liquiden Mitteln, um fällige Verbindlichkeiten in voller Höhe und der vereinbarten Währung fristgerecht begleichen zu können. Bei Liquiditätsengpässen und Verwerfungen auf den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten besteht außerdem das Risiko, ungünstige Finanzierungskonditionen akzeptieren zu müssen. Zur Minimierung von Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken strebt die Wilo Gruppe eine langfristige, kostengünstige und jederzeitige Deckung des Liquiditäts- und Kapitalbedarfs an. Dazu werden unterschiedliche Finanzierungsinstrumente eingesetzt. Das Liquiditätsmanagement liefert so einen wichtigen Wertbeitrag zum profitablen Wachstum der Wilo Gruppe.

Die Finanzierungsinstrumente umfassen verbindlich zugesagte Barkreditlinien sowie Aval- und Margenlinien der Mutter- und Tochtergesellschaften von rund 430 Mio. EUR mit international aufgestellten Kreditinstituten guter bis sehr guter Bonität. Zum 31. Dezember 2021 waren die Barkreditlinien in einer Höhe von 175,6 Mio. EUR und die Aval- und Margenlinien in Höhe von 27,9 Mio. EUR in Anspruch genommen. Des Weiteren bestanden zum 31. Dezember 2021 Schuldscheindarlehen in Höhe von 62,8 Mio. EUR und Schuldverschreibungen in Höhe von 153,5 Mio. EUR, die im Rahmen von US-Privatplatzierungen begeben wurden, sowie ein KfW-Förderdarlehen, das zum 31. Dezember 2021 in Höhe von 14,6 Mio. EUR valutierte.

Der Verschuldungsgrad der Wilo Gruppe, d.h. das Verhältnis von Nettofinanzposition (Summe aus Finanzschulden und Leasingverbindlichkeiten abzüglich liquider Mittel) zum konsolidierten EBITDA (bereinigt um Restrukturierungsaufwendungen), erhöhte sich von 1,20 am Vorjahresende auf 1,40 zum 31. Dezember 2021.

Um eine bedarfsgerechte und fristenkongruente Bereitstellung sowie gruppenintern optimale Allokation liquider Mittel zu erreichen, stellt die Wilo Gruppe entsprechende Liquiditäts- und Finanzpläne auf. Sie basieren auf der Budget- und der strategischen Fünfjahresplanung sowie der unterjährigen Prognose. Zusätzlich wird monatlich für jede Konzerngesellschaft eine rollierende Dreimonatsliquiditätsplanung erstellt. Die der Wilo Gruppe unmittelbar zur Verfügung stehenden liquiden Mittel einschließlich der zugesagten Barkreditlinien lagen im Jahresverlauf 2021 zu jeder Zeit oberhalb der vom Vorstand der WILO SE vorgegebenen Mindestreserve von 100,0 Mio. EUR.

Die Wilo Gruppe verwendet Cash-Pool-, Netting- und Darlehensvereinbarungen, soweit dies nach lokalen handels- und steuerrechtlichen Vorschriften möglich und sinnvoll ist. Auf Konzernebene werden sämtliche Finanzgeschäfte mit einer zentralen Treasury-Software erfasst und von der WILO SE überwacht. Dies ermöglicht einen Risikoausgleich zwischen den Einzelgesellschaften.

Im Rahmen ihrer langfristigen Finanzierungsverträge hat sich die Wilo Gruppe dazu verpflichtet, bestimmte marktübliche Finanzkennzahlen (Financial Covenants) einzuhalten. Sollten in Bezug auf die Kennzahlen bestimmte Mindestwerte unterschritten werden, wären die Kreditgeber unter anderem dazu berechtigt, eine vorzeitige Rückzahlung zu verlangen. Potenziell hätte eine Nichteinhaltung der vereinbarten Mindestwerte damit hohe finanzielle Auswirkungen. Diese Kennzahlen werden regelmäßig überprüft, geplant und an den Vorstand der WILO SE berichtet, damit die geforderten Mindestwerte zu jeder Zeit eingehalten und bei Bedarf frühzeitig geeignete Maßnahmen eingeleitet werden können. Aufgrund der hohen Eigenkapitalausstattung und Profitabilität geht die Wilo Gruppe unverändert davon aus, die geforderten Mindestwerte während der Laufzeit der bestehenden Finanzierungen einhalten zu können.

Die Wilo Gruppe hält den Eintritt von Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken aufgrund der verfügbaren liquiden Mittel und Kreditlinien, der Finanzierungsstruktur sowie des Geschäftsmodells für unwahrscheinlich. Die finanziellen Auswirkungen auf den Konzern werden als niedrig eingeschätzt. Detailliertere Erläuterungen zum Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten werden unter den Angaben (11.) und (12.) des Konzernanhangs gegeben.

4.9. Gesamteinschätzung

Die derzeitige Risikosituation der Wilo Gruppe hat sich im Vergleich zum Vorjahr insofern verändert, als dass die Beschaffungsrisiken und die Risiken in Zusammenhang mit der IT- Sicherheit gestiegen sind. Das integrierte Risikomanagementsystem gewährleistet jederzeit die Steuerung aller identifizierten Risiken. Nach Einschätzung des Vorstands sind Risiken oder Risikokombinationen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden könnten, aus heutiger Sicht nicht erkennbar. In Kombination mit den überwiegend mittel- und langfristig attraktiven Chancen verfügt die Wilo Gruppe über ein ausgewogenes, zukunftsgerechtes Risiko-Chancen-Profil, um entsprechend der Unternehmensstrategie weiterhin profitabel zu wachsen.

5. Prognosebericht

Globale Wirtschaftsleistung 2022 durch Pandemie im Aufschwung verzögert

Die Corona-Pandemie, geopolitische Krisen und expansive Geldpolitik bergen große Risiken

Die Wilo Gruppe geht trotz sehr unsicherer wirtschaftlicher und geopolitischer Rahmenbedingungen mit Zuversicht ins 150. Jahr ihrer Unternehmensgeschichte

Umsatzsteigerung im hohen einstelligen Bereich und weitere Verbesserung der Profitabilität für 2022 erwartet

5.1. Gesamtwirtschaftliche und branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Weitere Erholung der Weltwirtschaft trotz hoher Risiken möglich

Laut Prognosen von führenden Wirtschaftsinstituten, die allesamt vor dem Kriegsausbruch in der Ukraine erstellt wurden, sollte sich die Weltwirtschaft 2022 weiter von der Pandemie erholen. Allerdings wird die Erholung erst später einsetzen und damit auf das Gesamtjahr gesehen nicht so stark ausfallen, wie noch im Herbst 2021 unterstellt. Zunächst dürften die neuen Unsicherheiten infolge der rapiden Verbreitung der Omikron-Variante und die erneut verordneten Pandemiemaßnahmen in den betroffenen Ländern den Aufschwung dämpfen. Darüber hinaus trüben die weltweit hohe Inflation und anhaltende Lieferengpässe den Ausblick. Die Volkswirte des IfW (Kiel) erwarten aber, dass diese Konjunktureffekte parallel zu einer zunehmenden Immunisierung der Bevölkerung abnehmen und sich im weiteren Jahresverlauf 2022 eine wirtschaftliche Erholung einstellen wird. Somit prognostiziert der IfW aktuell, dass die Weltwirtschaft 2022 um 4,5 % expandieren wird. Der IWF rechnet im Rahmen seines im Januar aktualisierten Ausblicks für das globale Wachstum mit einem Plus von 4,4 %. Wie sich der russische Überfall auf die Ukraine, entsprechende Sanktionsmaßnahmen oder weitere mögliche Eskalationen auf die Entwicklung der Weltwirtschaft bzw. einzelner Regionen auswirken werden, ist derzeit noch nicht absehbar.

Die Fiskalpolitik sollte die Konjunktur vorerst weiter stützen. Zwar dürften die Aufwendungen zur Finanzierung von Pandemielasten mit fortschreitender Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität deutlich rückläufig sein. Laut IfW verschiebt sich der Fokus in den Industriestaaten allerdings auf öffentliche Investitionen und Programme, unter anderem mit dem Ziel, den strukturellen Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Die Geldpolitik dürfte dagegen rund um den Globus sukzessive weiter gestrafft werden. So wird für 2022 in den USA mit ersten Zinsanhebungen gerechnet. Dies setzt Schwellenländer weiter unter Druck, ihre Währungen mit höheren Zinsen zu stützen. Nur im Euroraum und in Japan wollen die Notenbanken ihre ultralockere Geldpolitik auch 2022 fortsetzen. Aktuell erwartet der IWF für 2022 ein Wachstum in den Industriestaaten von 3,9 %. Für die Entwicklungs- und Schwellenländer wird das Wirtschaftswachstum auf 4,8 % geschätzt.

Die Risiken für die Weltwirtschaft sind aktuell allerdings besonders hoch. Zusätzlich zu den pandemiebedingten Unsicherheiten in Bezug auf die Omikron-Variante sowie den Grad der Immunisierung der Bevölkerung bleiben die Belastungen aus fortgesetzten Lieferengpässen und hoher Inflation bestimmend und können die Wirtschaft angebots- und nachfrageseitig stärker als derzeit unterstellt beeinträchtigen. In diesem Umfeld und als Folge der Zinswende können 2022 außerdem größere Verwerfungen auf den Devisen- und Kapitalmärkten nicht ausgeschlossen werden. Ferner sind die geopolitischen Risiken zuletzt deutlich gestiegen. Die Gefahren und Auswirkungen militärischer Konflikte, etwa um die Ukraine oder möglicherweise Taiwan, stellen mit unabsehbar schweren Folgen Hauptrisiken für 2022 dar. Der Vorstand der Wilo Gruppe verfolgt sämtliche relevanten Entwicklungen sehr genau, um - falls erforderlich - geeignete Maßnahmen zu ergreifen und die negativen Auswirkungen auf das Unternehmen zu begrenzen.

Im Folgenden werden für das Jahr 2022 die voraussichtlichen gesamtwirtschaftlichen und die branchenwirtschaftlichen Entwicklungen in den für die Wilo Gruppe relevanten Regionen dargestellt. Neben der allgemeinen volkswirtschaftlichen Entwicklung einzelner Staaten und Regionen wird die wirtschaftliche Entwicklung der Wilo Gruppe im besonderen Maße durch die Bau- und Sanitär- sowie die Wasser- bzw. Abwasserwirtschaft beeinflusst. Sämtliche Prognosen wurden vor Kriegsausbruch in der Ukraine erstellt und berücksichtigen entsprechend noch nicht die möglichen Auswirkungen von Sanktionen oder einer weiteren Eskalation. Sie unterliegen somit einer besonderen Unsicherheit.

Reife Märkte - Europas Bauwirtschaft 2022 mit kräftiger Erholung, US-Bauaufschwung nach Zinswende wohl moderater

EUROPA. Als Reaktion auf die sich auch in Europa schnell ausbreitende Omikron-Variante wurden zum Jahresbeginn 2022 neue Kontaktsperren und Restriktionen in Kraft gesetzt. Außerdem dauern die bereits seit 2021 bestehenden Lieferengpässe an. Zusammen dürfte dies zunächst die wirtschaftliche Erholung dämpfen. Für den weiteren Verlauf des Jahres 2022 gehen die Volkswirte der Deutschen Bundesbank wie auch des IfW (Kiel) aber davon aus, dass sich die Wirtschaftsaktivität im Euroraum erholt. Es wird erwartet, dass sich die Lieferengpässe sukzessive auflösen, die weltweite Nachfrage steigt und die pandemiebedingten Einschränkungen im Euroraum demnach überwunden werden. Trotz einer auch 2022 hohen Inflation dürfte der private Konsum anziehen - infolge einer Belebung des Arbeitsmarkts sowie von Nachholeffekten, die zu zusätzlichen Ausgaben führen werden. Die Investitionstätigkeit sollte sich bei höherer Kapazitätsauslastung beleben. Zudem wird erwartet, dass Investitionsvorhaben, die wegen der Pandemie und Lieferengpässen vorübergehend zurückgestellt wurden, zur Realisierung kommen. Dieser Trend dürfte sich 2022 weiter verfestigen und im Folgejahr noch verstärken.

Im Januar hat der IWF seine Wachstumsprognose für den Euroraum auf 3,9 % aktualisiert. Auch das Kieler IfW und die Deutsche Bundesbank gehen von einem robusten Aufschwung in allen Ländern des Euroraums aus. Überdurchschnittlich starkes Wachstum erwartet das IfW in Spanien, Portugal und Irland. Dagegen dürfte die Belebung in Belgien und den Niederlanden moderat ausfallen. Außerhalb des Euroraums zeichnet sich für die meisten EU-Länder in Skandinavien und Osteuropa eine kraftvolle Expansion ab. Die konjunkturelle Erholung in der Schweiz und in Großbritannien setzt sich demnach mit geringerem Tempo als zuletzt fort.

Für die deutsche Wirtschaft zeichnet sich nach Einschätzung der Bundesbank insgesamt das Bild eines nur temporär unterbrochenen, starken Aufschwungs ab, der erst 2024 an Dynamik einbüßen soll. Dabei liegen die Annahmen zugrunde, dass die Lieferengpässe erst zum Ende 2022 vollständig auslaufen, die Kerninflationsrate hoch bleibt, aber die Finanzierungsbedingungen insgesamt günstig sind. Die Experten der Bundesbank gehen davon aus, dass ab dem zweiten Quartal 2022 die Wirtschaft wieder kräftig Fahrt aufnehmen wird, getragen vom privaten Konsum, den Exporten und Unternehmensinvestitionen. Das IfW (Kiel) erwartet für Deutschland 2022 ein BIP-Wachstum von 4,0 %. Der IWF prognostiziert einen Zuwachs von 3,8 %.

Für Europas Bauindustrie rechnet das Branchennetzwerk Euroconstruct zunächst mit einer Fortsetzung der kräftigen Belebung, gefolgt von einem soliden, stetigen Aufschwung bis zum Jahr 2024. Dämpfend dürften sich höhere Kosten für Baumaterialien sowie ein zunehmender Fachkräftemangel auswirken. Für 2022 wird ein Anstieg der Bauproduktion in Europa um real 3,6 % unterstellt (West +3,6 %, Ost +4,1 %). Für den Zeitraum 2022 bis 2024 erwartet Euroconstruct, dass das größte Marktsegment, der Wohnungsbau, mit 1,6 % pro Jahr stetig, aber eher moderat zulegen wird. Der Bau von Nichtwohngebäuden soll dann mit 2,5 % pro Jahr, der Tiefbau sogar mit jährlich fast 3 % wachsen. Generelle Wachstumstreiber für die Bauwirtschaft sind die internationale Konjunkturerholung, Investitionen in die Infrastruktur und substanzielle Fördermaßnahmen für die Gebäuderenovierung und -modernisierung im Rahmen der verschärften Klimapolitik. Daraus sind zusätzliche Impulse für eine bessere Wärmedämmung von Gebäuden sowie für Investitionen in die Modernisierung von Heizungs und Klimaanlagen zu erwarten.

Für Deutschland prognostiziert das Kieler IfW, dass die volkswirtschaftlichen Bauinvestitionen 2022 mit Überwindung der Materialengpässe anziehen und real um 2,9 % wachsen werden (Wirtschaftsbau +1,2 %, Wohnungsbau +3,6 %, Öffentlicher Bau +2,9 %). Dafür spricht auch die derzeitige gute Auftragslage der deutschen Bauindustrie. In den ersten elf Monaten 2021 ist der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe preisbereinigt um 1,3 % gewachsen. Im gleichen Zeitraum wurden 2,8 % mehr Genehmigungen für den Wohnungsbau erteilt als ein Jahr zuvor. Neben den Genehmigungen für Wohnungen in Neubauten werden hierbei auch Baumaßnahmen an Bestandsgebäuden berücksichtigt. Das gesamte Bauvolumen aus Neubau sowie Maßnahmen an Bestandsgebäuden wie Aus- und Umbau, Modernisierung und Instandsetzung soll laut den Branchenexperten vom DIW 2022 beschleunigt zulegen (nominal 12,7 %, real 2,7 %). Dabei dürften der Wohnungsbau mit 12,7 % auf 320,6 Mrd. EUR und der Nichtwohnungsbau mit 12,6 % auf 134,8 Mrd. EUR gleichermaßen dynamisch wachsen.

Strengere gesetzliche Klimaschutzvorgaben und Förderprogramme sollen die Investitionen in effiziente, klimaschonende Heizungsanlagen unterstützen. Basis ist der European Green Deal, mit dem die EU bis 2050 als erster Kontinent klimaneutral sein soll. Deutschland hat 2021 ein neues Klimaschutzgesetz verabschiedet. Danach müssen die Emissionen von Treibhausgasen bis 2030 um 65 % sinken. Dies erfordert, dass allein der Gebäudebereich seinen CO 2 -Ausstoß von derzeit 118 Mio. Tonnen auf 67 Mio. Tonnen reduzieren muss. Dies entspricht einem Rückgang von 43 %. Moderne Heizungsanlagen sind dazu der Schlüssel, denn rund ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland entfällt laut Fachverband BDH auf die Beheizung von Gebäuden und die Warmwasseraufbereitung. Durch die beschleunigte Modernisierung von etwa zwölf Millionen veralteten Heizungsanlagen lassen sich etwa 70 % der bis zum Jahr 2030 benötigten CO 2 -Einsparungen erreichen. Dies dürfte das Wachstum der Heizungsbranche weiter stimulieren.

USA. Die US-Fiskalpolitik wird voraussichtlich auch 2022 expansiv ausgerichtet bleiben. So hatte die Regierung zur Unterstützung der Konjunktur und Abmilderung der Corona-Belastungen im November ein Programm in Höhe von 1,2 Billionen USD über einen Zehnjahreszeitraum verabschiedet. Weitere Programme sind geplant. Dagegen hat die US- Notenbank für 2022 einen schnelleren Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm und erste Leitzinsanhebungen signalisiert. Insgesamt zeichnet sich für die USA trotz hoher Inflation und der dämpfenden Effekte durch die Pandemie und globalen Lieferengpässe ein robustes Wirtschaftswachstum ab. Der IWF rechnet für 2022 mit einem BIP-Anstieg um 4,0 %.

Zum Jahreswechsel 2021/2022 zeigte die US-Bauwirtschaft eine hohe Dynamik und robuste Auftragslage. Im Wohnungsbau übertrafen die Baugenehmigungen und Neubaubeginne die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen, sodass der Auftragsbestand weiter gestiegen sein dürfte. Die Zinswende, Materialengpässe und hohe Inflation könnten sich aber vorübergehend dämpfend auf die zuletzt sehr starke private Bautätigkeit auswirken. So erwartet das Kieler IfW, dass die realen Investitionen im US-Wohnungsbau 2022 weitgehend stagnieren (-0,2 %), aber im Folgejahr kräftig anziehen. Dafür wird für den Wirtschaftsbau nach zwei rückläufigen Jahren für 2022 mit einem Wachstum von 2,8 % gerechnet. Im Zuge steigender Staatsausgaben und der Konjunkturpakete ist zudem mit regen öffentlichen Bauaktivitäten zu rechnen.

Wachstumsmärkte: Konjunkturelle und strukturelle Impulse für die Bau- und die Wasserwirtschaft 2022 zu erwarten

CHINA. Um die Binnenkonjunktur zu stützen, werden die Geld- und Fiskalpolitik in China expansiver ausgerichtet. So hat die Notenbank im Dezember 2021 und Januar 2022 den Mindestreservesatz leicht gesenkt. Kleine und mittelständische Unternehmen werden zudem durch eine gelockerte Kreditvergabe sowie Steuer- und Gebührensenkungen unterstützt. Zudem scheint Chinas Energiekrise überwunden zu sein, sodass keine weiteren Produktionsstillstände zu erwarten sind. Dagegen bilden Corona und die lokale Immobilienkrise Belastungsfaktoren. Für 2022 rechnet der IWF mit einer Abflachung des Wachstumstempos auf 5,6 %. Damit fällt China leicht unter den Kurs, den die Wachstumsdynamik vor der Pandemie zeigte. China bleibt aber allein durch die schiere Größe ein wichtiger Impulsgeber für die Weltwirtschaft.

Die aktuellen Daten signalisieren kein einheitliches Bild für Chinas Bauwirtschaft im Jahr 2022. Zwar deutet das Plus von 5,2 % für die Ende 2021 noch im Bau befindlichen Projekte auf eine fortgesetzt lebhafte Bautätigkeit auch zu Beginn des Jahres 2022 hin. Treiber ist der Wohnungsbau mit einem Zuwachs von 5,3 %. Bürogebäude weisen dagegen nur einen geringen Zuwachs von 1,7 % auf. Bei Wirtschaftsgebäuden ist sogar ein Rückgang um 2,7 % zu verzeichnen. Außerdem sind die Baubeginne für Gebäude um 11,4 % eingebrochen (davon im Wohnungsbau um 10,9 %). Die massiven Finanzprobleme von Evergrande und anderen Immobilienriesen könnten über eine kurzfristige Krise hinaus eine strukturelle Abkühlung der Baukonjunktur nach sich ziehen, falls ein ungeordneter Konkurs eine Pleitenwelle im Bau- und Immobiliensektor auslöst. Belastend wirken zudem die mittlerweile sehr hohe Verschuldung in China und die 2021 eingeführte Beschränkung von Immobilienkrediten. Andererseits treibt die fortschreitende Urbanisierung sowohl den Wohnungsbau als auch die Investitionen in öffentliche Gebäude wie Schulen, Verwaltungsgebäude, Krankenhäuser und Museen. Selbst bei einer geringeren Dynamik als in den zurückliegenden Jahren ist dieser Trend intakt. Zudem plant die Regierung substanzielle Maßnahmen für den Klimaschutz sowie den Ausbau und die Modernisierung der Wasser- und Abwasserwirtschaft.

SÜDKOREA. Gemäß der aktuellen Prognose der Notenbank (Bank of Korea) wird die Wirtschaft 2022 ihren soliden Aufschwung fortsetzen. Treiber sind die weitere Erholung des privaten Konsums, höhere Exporte und eine belebte Investitionstätigkeit. Vor allem in den Bereichen Halbleiter, Displays sowie Elektromobilität (Autos, Batterien) sollen die Investitionen steigen. Unter diesen Annahmen erwartet die Bank of Korea für 2022 ein Wirtschaftswachstum von 3,0 %.

Im Rahmen dieser Prognose erholt sich die Baukonjunktur nach mehreren schwachen Jahren sukzessive. Sowohl der Gebäudebau als auch der Tiefbau sollen 2022 wachsen. Der Staat setzt mit umfangreichen Infrastrukturprojekten wichtige Impulse. Der Wirtschaftsbau dürfte sich bei Industriegebäuden sowie bei Gebäuden für die Logistik stark beleben. Für den Wohnungsbau wird auf Basis positiver Frühindikatoren ein moderater Zuwachs erwartet. Ganzjährig sollten die realen Bauinvestitionen 2022 um 2,6 % expandieren.

INDIEN. Die Strukturschwäche des Finanzsektors und eine hohe Verschuldung dämpfen das Expansionspotenzial für die indische Wirtschaft. Die Vorzeichen für 2022 sind aber erfreulich. Mit sukzessiver Überwindung der Pandemie dürfte die indische Wirtschaft wieder dynamisch wachsen. Der IWF erwartet einen unverändert starken BIP-Zuwachs von 9,0 %. Die staatlichen Förderinitiativen sollten 2022 neben den Privathaushalten zunehmend auch die Wirtschaft stimulieren.

Für 2022 wird eine Belebung der Baukonjunktur prognostiziert. So steigt die Nachfrage nach Wohnungen und Büroflächen wieder. Von den geplanten Investitionen im Industriesektor sollten zusätzliche Impulse kommen. Außerdem dürfte der Bedarf an Einzelhandelsflächen 2022 anziehen. Bis 2050 werden 100 Millionen neue Wohnungen in Städten entstehen. Für dieses Ziel müssten die Investitionen auf 250 Mrd. USD pro Jahr verdoppelt werden, so der indische Branchenverband BAI. Selbst wenn nur ein Teil davon umgesetzt werden kann, ist das Marktpotenzial für viele Jahre enorm. Die indische Bauindustrie wird laut der Investitionsbehörde bis 2025 um etwa 7 % pro Jahr auf 800 Mrd. USD expandieren. Die Ratingagentur Fitch rechnet bis 2030 mit einem jährlichen Wachstum von 6,5 %. Zudem bietet die Wasserwirtschaft große Chancen für den Einsatz von Pumpen. Bis 2025 sollen etwa 150 Millionen Haushalte an die Trinkwasserversorgung angeschlossen werden. Das Jahresbudget für dieses Programm wurde zuletzt verdreifacht. Darüber hinaus plant Indien bis zum Jahr 2024 den Bau von 500 Klärwerken.

SÜDOSTASIEN. Durch die starke Einbindung der ökonomisch bedeutendsten Länder der Region (ASEAN-5 und Singapur) sowohl in die globale als auch insbesondere die chinesische Wertschöpfung dürfte deren Wirtschaftsentwicklung vom internationalen Aufschwung 2022 profitieren. Vorausgesetzt die Belastungen durch die Pandemie treten in den Hintergrund, politische Konflikte in der Region (etwa um Taiwan) können vermieden werden und die globalen Lieferketten werden nicht weiter gestört. Als Folge der für 2022 erwarteten Zinswende in den USA ist nicht auszuschließen, dass die Notenbanken auch in dieser Region die Zinsen anheben werden. Der IWF geht aktuell davon aus, dass sich die Konjunkturerholung in der Region 2022 beschleunigt fortsetzt. Demnach soll die Wirtschaftsleistung in den ASEAN-5-Staaten um 5,6 % zulegen. Für Singapur rechnet der IWF mit einem robusten Wachstum von 3,2 %.

Angesichts der besseren Konjunkturperspektiven in Südostasien dürfte auch die Bauwirtschaft 2022 neue Impulse bekommen. Eine junge, wachsende Bevölkerung, die Urbanisierung sowie strukturell hohe Investitionen in die Infrastruktur sind wichtige Impulsgeber für die Branche. Davon sollten der Gebäudebau und damit die Klimatechnik wie auch die Wasserwirtschaft profitieren. Für die Philippinen rechnen Experten bis 2030 mit einem durchschnittlichen Wachstum im Bau von 5,5 % pro Jahr (Wohnungsbau + 4,8 %). Staatliche Investitionen in die Infrastruktur dürften die Bauaktivitäten in Malaysia weiter antreiben. Indonesiens Hochbau leidet unter Überkapazitäten im Wohnungsmarkt und bei Bürogebäuden, aber der Markt für Klimaanlagen ist strukturell attraktiv. Die indonesische Regierung stützt die Bauwirtschaft durch ehrgeizige Infrastrukturpläne. In Vietnam sind die Aussichten für den Wohnungs- und Bürobau positiv. Der dortige Industriebau profitiert von ausländischen Investitionen.

RUSSLAND. Nachdem die russische Konjunktur zuletzt von spürbaren Aufholeffekten geprägt war, sollte die Wirtschaft 2022 und in den Folgejahren nach Einschätzung der Notenbank (Bank of Russia) auf einen stabilen, moderaten Wachstumskurs einschwenken. Die Exporte dürften 2022 von höheren Rohstoffnotierungen profitieren. Dagegen wird die Inlandsnachfrage laut der Notenbank in dem Umfeld aus hoher Inflation und Zinsen sowie der Kapazitätsengpässe durch den Mangel an Arbeitskräften nur verhalten zulegen. Falls es zur Stabilisierung der Inflation und des Rubels notwendig würde, schließt die Bank of Russia weitere Zinserhöhungen nicht aus. In ihrem Basis-Szenario rechnet sie für 2022 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 - 3,0 %. Der IWF prognostiziert ein Plus von 2,8 %. Diese Prognosen wurden allerdings unter der Voraussetzung erstellt, dass es zu keiner ernsthaften Eskalation von geopolitischen Konflikten Russlands mit dem Westen und zu neuen, drastischen Sanktionen kommt, vor allem im Zusammenhang mit der Ukraine oder der Gaspipeline Nord Stream 2. In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen und des russischen Überfalls auf die Ukraine sowie der zu erwartenden Sanktionen dürften sämtliche Prognosen allerdings deutlich nach unten revidiert werden müssen.

Als Schlüsselindustrie ist die Bauwirtschaft von zentraler Bedeutung für Russland. Deshalb stimuliert die Politik den Bau von Wohnungen und Investitionen die Infrastruktur, auch in der Wasserwirtschaft. Im Zuge des bis 2030 verlängerten nationalen Projekts "Wohnungsbau" soll neuer Wohnraum in einer Gesamtgrößenordnung von 1 Mrd. m 2 entstehen, mit jährlich stetig steigenden Bauvolumina (2022: 82 Mio. m 2 , 2023: 85 Mio. m 2 , 2024: 90 Mio. m 2 ). Ein wesentlicher Treiber ist der Bau von Einfamilienhäusern mit jährlich 60 Mio. m 2 bis 2030. Die Nachfrage nach Wohnraum ist hoch, das Angebot zu gering oder schlecht. Mehr als 40 % der Mehrfamilienhäuser sind über 50 Jahre alt und müssen in den nächsten Jahren saniert werden. Dazu dient unter anderem das Gesetz zur "Integrierten Entwicklung von Territorien", das den Abriss oder die Sanierung baufälliger Gebäude vorantreibt. Vom kräftigen Boom im Wohnungsbau sind ebenfalls verstärkte Impulse für die Klima- und Lüftungstechnik sowie für die Installation von Heizungsanlagen zu erwarten. Die Klima-/Lüftungstechnik wird 2022 nach Einschätzung von Marktforschern mit 1,9 Millionen Einheiten das Vorkrisenniveau von 2019 wieder erreichen. Über 40 % der Verkäufe von Klimaanlagen entfallen auf Mehrfamilienhäuser.

TÜRKEI. Zwar begünstigt der jüngste Verfall der türkischen Lira tendenziell die Exporte, aber mit der ausufernden Inflation schmilzt die inländische Kaufkraft massiv und mit hohem Tempo. Darüber hinaus wird die Binnennachfrage erneut durch die Pandemie belastet. Das Umfeld für Investitionen dürfte sich trotz der letzten Zinssenkungen wieder eintrüben, da zurzeit nicht absehbar ist, wie und wann die Krise überwunden werden kann. Die Möglichkeiten des Staates für substanzielle Konjunkturpakete sind als Folge des Währungsverfalls deutlich eingeschränkt. Für die Verbesserung des internationalen Vertrauens und die Eindämmung der Inflation wären höhere Zinsen und die Stabilisierung der Währung eine Kernvoraussetzung. Die Prognose der Weltbank avisiert ein moderates Wachstum der türkischen Wirtschaft im Jahr 2022 von 2,0 %.

In diesem Umfeld sind die Perspektiven der türkischen Bauwirtschaft für 2022 gemischt und mit Unsicherheit behaftet. Einerseits sind die Baugenehmigungen bis Ende September 2021 in allen Hochbausegmenten nochmals deutlich gestiegen und dürften auch ganzjährig im Plus liegen. Bei Einfamilienhäusern und Bürogebäuden hatten sich die Genehmigungen in den ersten drei Quartalen sogar verdoppelt. Trotz einer guten Auftragslage bleibt abzuwarten, ob die geplanten Projekte angesichts der exorbitant gestiegenen Baukosten und der Lira-Krise realisiert werden. Für die Heizungs- und Klimatechnik bleiben die mittelfristigen Aussichten positiv. Nach Schätzungen von Fachleuten sind in den Haushalten etwa 10 Millionen kombinierte Etagenheizungs- und Warmwassergeräte im Einsatz, etwa die Hälfte sind veraltete Geräte. Es wird erwartet, dass sie in absehbarer Zeit gegen Heizungs- und Warmwasseranlagen mit moderner Brennwerttechnik ausgetauscht werden.

NAHER OSTEN & AFRIKA. Sowohl politisch als auch wirtschaftlich sind die einzelnen Länder in der Region sehr heterogen und insofern individuell zu betrachten. Unter der Voraussetzung, dass die Rohstoffpreise hoch bleiben und dass es zu keinen geopolitischen Spannungen in der Region kommt, wird für den Nahen Osten und Nordafrika für 2022 mit einer Fortsetzung der wirtschaftlichen Belebung gerechnet. Die Weltbank prognostiziert ein Wachstum von 4,4 %. Dabei wird für die Ölexporteure Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Kuwait eine beschleunigte Entwicklung unterstellt. Für Ägypten rechnet die Weltbank 2022 mit einem dynamischen Wirtschaftswachstum von 5,5 %. Algerien und Marokko dürften eher moderat wachsen. In den Ländern der Sub-Sahara sollte sich ein weiterer Konjunkturaufschwung durchsetzen, wobei die Dynamik mit 2,5 % in Nigeria und 2,1 % in Südafrika verhalten bleiben dürfte.

In der gesamten Region bleiben die Perspektiven für die Bauwirtschaft risikobehaftet und unsicher. Strukturell sind einzelne Märkte für ausgewählte Projekte trotzdem sehr attraktiv. Investitionen in die Infrastruktur sind ein wesentlicher Impulsgeber, Chancen bietet dabei der Auf- und Ausbau einer funktionierenden Wasserwirtschaft. Das starke Bevölkerungswachstum und die Verstädterung dürften den Wohnungsbau stimulieren, der auch konjunkturell von hoher Bedeutung ist. In den meisten wichtigen Ländern der Region sind die Aussichten für eine weitere Erholung der Bauwirtschaft 2022 zumindest verhalten positiv. Teilweise erholt sich der Wohnungsbau trotz des hohen Bedarfs aufgrund eines schlechten Investitionsklimas aber nur zögerlich, etwa in Marokko oder Südafrika. Tunesiens Bau kann sich in der gegenwärtig instabilen politischen Situation nicht erholen. Andererseits bleibt das Umfeld in Ägypten sehr dynamisch. Substanzielle Städtebauprojekte und der Ausbau der Infrastruktur werden weiter vorangetrieben.

LATEINAMERIKA. Für 2022 prognostiziert die Weltbank mit einem Wirtschaftswachstum von 2,6 % eine Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs in Lateinamerika. Nachlassende Impulse von den Rohstoffpreisen und der internationalen Nachfrage sowie eine restriktivere Geldpolitik dürften die Entwicklung jedoch abbremsen. Für Brasilien wird 2022 aufgrund eines schwachen Privatkonsums und geringeren Rückenwinds für Exporte nach China lediglich ein schwaches Wachstum von 1,4 % prognostiziert. In Mexiko wird eine Abflachung des Wachstums auf 3,0 % erwartet, da Impulse aus den USA nachlassen und die Zinssteigerungen greifen. Auch in Argentinien kühlt das Wachstum voraussichtlich spürbar auf 2,6 % ab. Kernproblem ist die hohe Inflation von zuletzt über 50 %, sodass Investitionen und Privatkonsum belastet bleiben. Für Chile und Peru rechnet die Weltbank für 2022 ebenfalls mit einem moderaten Wachstum von 2,2 % bzw. 3,2 %.

5.2. Ausblick für die Wilo Gruppe

Künftige Ausrichtung

Führende Wirtschaftsforscher gingen vor Kriegsausbruch in der Ukraine für 2022 davon aus, dass sich die Belebung der Konjunktur sowohl in den Industriestaaten als auch in den Schwellenländern fortsetzt - trotz der Belastungen durch die Ausbreitung der Omikron- Virusvariante am Jahresanfang. Allerdings dürfte die Dynamik des Aufschwungs geringer sein als noch im Herbst 2021 prognostiziert. Alles in allem sind die Perspektiven für die Bauwirtschaft und die Marktsegmente der Wilo Gruppe für 2022 aber positiv. Dabei sind die Herausforderungen groß und die konkreten Risiken zuletzt stark gestiegen. So wird die Konjunktur weiterhin vom Pandemieverlauf, Liefer- und Logistikengpässen sowie deutlich gestiegenen Energiekosten und Verbraucherpreisen belastet. Die Zinswende könnte darüber hinaus 2022 zu Turbulenzen auf den Devisen- und Kapitalmärkten und Problemen in der Realwirtschaft führen. Außerdem sind die geopolitischen Risiken, insbesondere nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, massiv. Der Vorstand der Wilo Gruppe verfolgt diese übergeordneten externen Entwicklungen sehr genau. Falls erforderlich können so frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden, um mögliche Belastungen für das Unternehmen zu begrenzen.

Die Weltwirtschaft hat sich im letzten Jahr zunächst spürbar erholt. Allerdings haben neue Rückschläge durch den Pandemieverlauf wie auch vor allem die massiven und anhaltenden Verwerfungen der weltweit vernetzten Wertschöpfung die eigentlich positive Entwicklung abgebremst und aufgezeigt, wie verwundbar die globalisierte, vernetzte Welt in der heutigen Struktur ist. Hinzu kommen immer stärker sichtbare Belastungen durch den Klimawandel sowie durch neue geopolitische Spannungen. Die Welt ist gegenwärtig unverkennbar im Umbruch. Politische Autarkiebestrebungen und der wachsende Protektionismus setzen international agierende Unternehmen immer stärker unter Druck, sich auf die Entkoppelung, das "Decoupling", der bisher engen und effizienten weltwirtschaftlichen Vernetzung und Kooperation einzustellen. Die Störungen der Lieferketten, die Materialengpässe sowie die substanziellen Kostensteigerungen für Energie und den Transport von Waren haben weltweit die Tendenzen zur Regionalisierung der Produktion zuletzt spürbar verstärkt. Die Wilo Gruppe hat diese Entwicklungen frühzeitig erkannt und sich unter anderem mit der gezielten Stärkung und dem Ausbau der regionalen Präsenz sowie dem In-Sourcing wichtiger Komponenten entsprechend positioniert. Damit wird für die jeweiligen Märkte die Sicherheit der Produktionsprozesse verbessert. Wilo strebt mit dem Region-for-Region-Ansatz eine für das Unternehmen optimale Balance von lokalen und zentralen Aktivitäten an, um die mit dem "Decoupling" verbundenen, nicht vermeidbaren Zusatzkosten und Ineffizienzen zu begrenzen. Dabei soll kundenorientiert und so effizient wie möglich für lokale und regionale Märkte vor Ort produziert werden. Derzeit investiert die Wilo Gruppe in neue Produktionsstandorte in den USA, in China und Indien.

Unabhängig davon sind aber die wesentlichen Megatrends für die Wilo Gruppe weiterhin intakt und haben großen Einfluss auf das zukünftige Geschäft und auf die aktuelle Entwicklung des Unternehmens, auch bereits für 2022. Vor allem die Digitalisierung und Maßnahmen gegen den Klimawandel stimulieren die Bereitschaft von Unternehmen und Verbrauchern zu investieren, sodass die Nachfrage nach hocheffizienten Pumpen und Pumpensystemen systematisch gestärkt wird. Strengere Umweltvorschriften und diverse staatliche Förderprogramme unterstützen und beschleunigen diese Entwicklung.

Zusammengefasst ist das Risiko- und Chancenprofil sowohl für die Weltwirtschaft als auch für die spezifischen Märkte der Wilo Gruppe im Jahr 2022 zwar sehr anspruchsvoll, aber aus heutiger Sicht trotzdem positiv.

Ein Wilo-Grundprinzip der Unternehmensführung bleibt die Fähigkeit, Trends und Veränderungen an den Märkten frühzeitig zu erkennen und schnell zu analysieren. Mit sehr kurzer Umsetzungszeit können auf diese Weise Alternativszenarien erarbeitet und kurzfristig Gegenmaßnahmen initiiert werden. Die besonders hohen Herausforderungen für 2022 - vor allem die Corona-Pandemie, mögliche Vorproduktengpässe und die massiv gestiegenen Material-, Energie- und Transportkosten - erfordern ein effektives Krisenmanagement. Das gilt insbesondere auch für den Fall von deutlichen Turbulenzen an den internationalen Finanz- und Devisenmärkten oder bei einer weiteren Eskalation von geopolitischen Krisen mit negativen realwirtschaftlichen Auswirkungen. Falls erforderlich und möglich, wird die Wilo Gruppe auch zukünftig aus einer Position der Stärke heraus geeignete Gegenmaßnahmen zeitnah einleiten.

Diese zentralen Erfolgsfaktoren in risikobehafteten und herausfordernden Märkten, nämlich die hohe unternehmerische Flexibilität und die ausgeprägte Anpassungsfähigkeit, sind in der Unternehmenskultur, Strategie und Steuerung der Wilo Gruppe fest verankert. Der Erfolg dessen wird durch das profitable Wachstum belegt, das die Wilo Gruppe seit Jahren trotz wechselnden Umfelds und intensiven Wettbewerbs erwirtschaftet hat. Die Unternehmensstrategie Ambition 2025 sichert die beiden Erfolgsfaktoren Flexibilität und Anpassungsfähigkeit auch für die Zukunft ab. Um zusätzliches Optimierungspotenzial zu heben, wurde die funktionale Organisationsstruktur 2021 weiterentwickelt und die primäre Steuerungsebene um die strategische Business Unit Water Treatment erweitert. Mit der Akquisition der ABIONIK Group hat Wilo das Portfolio im Bereich der Wasserbehandlung nachhaltig ergänzt. Zukünftig werden alle entsprechenden Aktivitäten in dieser strategischen Einheit gebündelt und unter einheitlicher Leitung gesteuert. Darüber hinaus hat Wilo das Geschäft in Nordamerika gestärkt und eine eigenständige Vertriebsregion etabliert.

Die Wilo Gruppe erhebt den Anspruch, sich unabhängig von kurzfristigen externen Einflüssen der Konjunktur und Politik, wie sie sich auch für 2022 abzeichnen, durch gezielte Schritte und Maßnahmen zu einem Lösungsanbieter mit klarem Kundenfokus weiterzuentwickeln. Deshalb investiert Wilo auch gezielt, aber mit großem Volumen, in die Entwicklung von intelligenten Produkten, Systemen, Services und Lösungen. Ferner wird die digitale Transformation der Unternehmensgruppe planmäßig fortgesetzt. Wilo baut das Produktportfolio mit dem klaren Fokus auf die Kernkompetenzen in den Bereichen Heizung, Klima und Kälte, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie Wasserbehandlung konsequent weiter aus. Durch dieses Bündel an strategisch definierten Kernmaßnahmen ist die Wilo Gruppe zukunftsfest und widerstandsfähig aufgestellt. In Ergänzung zum beschleunigten organischen Wachstum sind Akquisitionen ein wichtiger Baustein für die Weiterentwicklung des Unternehmens, sofern sie strategisch und ökonomisch sinnvoll sind.

Von übergeordneter Bedeutung für die Wilo Gruppe sind erstens eine klare und nachhaltige Umsetzung der zukunftsorientierten Geschäftspolitik und zweitens ein gut ausbalancierter unternehmensinterner Risikoausgleich. Dies ist eine etablierte Stärke und soll es auch zukünftig bleiben. Zum Risikoausgleich zählen die erfolgreiche Kundenorientierung und die hohe Innovationskraft mit einer kontinuierlichen Entwicklung neuer Technologien und Produkte. Außerdem ist die Wilo Gruppe mit ihrer breiten internationalen Marktpräsenz und Diversifikation in Bezug auf Regionen und Markt- bzw. Produktsegmente in der Lage, einzelne Risiken und vorübergehende Marktbeeinträchtigungen tendenziell und in gewissem Maße auszugleichen.

Unabhängig von kurzfristigen Krisen und Nachfrageschwankungen bilden die für die Wilo Gruppe relevanten Megatrends die Säulen der Unternehmensstrategie Ambition 2025. Der Klimawandel und die Digitalisierung werden sowohl 2022 als auch die folgenden Jahre spürbar prägen. Mit den modernen Hocheffizienzpumpen leistet die Wilo Gruppe schon jetzt einen wichtigen Beitrag dazu, den Klimawandel einzudämmen und die verschärften Klimaschutzziele zu erreichen. Die digitale Vernetzung von Pumpen und Pumpensystemen bietet zusätzliche Potenziale für weitreichende Energieeinsparungen. Mit ihrem Portfolio an smarten und energieeffizienten Produkten, Systemen und Lösungen ist die Wilo Gruppe gut aufgestellt, um von diesem Trend zu profitieren.

Darüber hinaus setzt Wilo den Weg der eigenen digitalen Transformation konsequent fort. Mit hohen Investitionen werden dazu sowohl die eigene Wertschöpfungskette als auch bestehende Geschäftsprozesse grundlegend und nachhaltig neu ausgerichtet. Kernelement ist die IT-gestützte, smarte Vernetzung von Fertigungstechnik, Logistik und Produkten. Durch diese umfassende eigene digitale Transformation wird die Wettbewerbsfähigkeit der Wilo Gruppe nachhaltig gestärkt. Gleichzeitig bietet sie auch Wilos Kunden unmittelbare Vorteile, insbesondere mit Blick auf Qualitätsstandards, termingenaue Lieferfähigkeit und optimierten Service. Außerdem fokussiert die Wilo Gruppe ihre Innovationskraft darauf, ihren Kunden intelligente, vernetzbare Lösungen bereitzustellen.

Ausblick für die Regionen

Reife Märkte

Zum Jahresbeginn 2022 setzt die rasche Ausbreitung der Omikron-Virusvariante Europa erneut unter Druck. Führende Wirtschaftsforscher erwarten aber, dass sich die Wirtschaftsaktivität im Euroraum im Jahresverlauf erholt. Obwohl die Inflation hoch bleiben dürfte, zeichnen sich aus heutiger Sicht eine Belebung des privaten Konsums und der Investitionstätigkeit ab. Für die Bauindustrie wird mit einer Fortsetzung der kräftigen Belebung im Jahr 2022 gerechnet. Allerdings sind die spezifischen Märkte für Wilo in Europa sehr regional heterogen und trotz der lebhaften Baukonjunktur durch hohe Marktreife und einen intensiven Wettbewerb geprägt.

In Europa besteht insgesamt ein enormer Bedarf an energiesparenden und umweltschonenden Heizungs- und Klimasystemen. Ein Großteil der installierten Systeme ist veraltet und muss zur Erfüllung strengerer Umweltschutzauflagen ausgetauscht werden. Mit dem European Green Deal, der bis 2050 Klimaneutralität in der EU vorsieht, und dem neuen Klimaschutzgesetz in Deutschland, wonach die Emissionen von Treibhausgasen bis 2030 um 65 % sinken müssen, wurden zuletzt anspruchsvolle rechtliche Vorgaben gesetzt. Diese erfordern bei Heizungs- und Klimaanlagen zum einen wesentlich höhere Investitionen und zum anderen eine signifikante Beschleunigung des Umrüstungstempos. Allein über die Modernisierung veralteter Heizungsanlagen ließen sich in Deutschland etwa 70 % aller bis 2030 benötigten CO 2 -Einsparungen realisieren. Die jüngste Verschärfung der europäischen Klimaschutzvorgaben dürfte in Kombination mit entsprechenden Förderprogrammen die Investitionen in effiziente, klimaschonende Heizungsanlagen in allen Ländern Europas bereits 2022 merklich ankurbeln, zumal das Finanzierungsumfeld noch günstig ist. Davon dürfte auch die Modernisierung von Wasser- und Abwasseranlagen profitieren. Zudem gewinnen europaweit die Gebäudesanierung, Modernisierung und Digitalisierung auch strukturell an Bedeutung. Smarte, vernetzte und digital steuerbare Geräte und Systeme spielen dabei eine zentrale Rolle. In diesem Umfeld rechnet die Wilo Gruppe damit, dass der Bedarf an hochwertigen, energieeffizienten Pumpen in den kommenden Jahren europaweit innovationsgetrieben weiter wachsen wird.

Europa ist für Pumpen, Pumpensysteme und damit verbundene Serviceleistungen ein volumenstarker und technologisch sehr anspruchsvoller Markt und für Wilo strategisch von zentraler Bedeutung. Durch die hohe Innovationskraft und Qualität sowie die engen Kundenbeziehungen sichert die Wilo Gruppe ihre starke Marktposition in Europa ab.

Angesichts der hohen Wettbewerbsintensität ist dies besonders wichtig. Um auch zukünftig die Herausforderungen dieses Marktes bewältigen und die sich ergebenden Chancen nutzen zu können, richtet Wilo ein besonderes Augenmerk auf folgende Eckpfeiler des Geschäfts: Die eindeutig definierte Digitalisierungsstrategie, eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Organisation, eine klare Wachstumsstrategie, definierte Maßnahmen zur Kostensenkung und zur Effizienzsteigerung sowie gezielte Zukunftsinvestitionen.

Für die USA zeichnet sich für 2022 trotz steigender Zinsen ein robustes Wachstum ab, das durch den privaten Verbrauch und durch lebhafte Investitionen getragen werden sollte. Die Fiskalpolitik bleibt expansiv, um Pandemiebelastungen abzufedern und die Konjunktur zu unterstützen. Zudem plant die US-Regierung umfangreiche Konzepte und Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Dekarbonisierung der Wirtschaft. Davon dürften auch die Nachfrage nach effizienten Produkten und Systemen für die Bereiche Heizung und Klima sowie Wasser und Abwasser profitieren. Wilo hat die Präsenz in Nordamerika in den letzten Jahren unter anderem durch gezielte Akquisitionen ausgebaut, sodass die Region kontinuierlich an Bedeutung für die gesamte Wilo Gruppe gewinnt. Um der zunehmenden Bedeutung Rechnung zu tragen, werden die Vertriebsorganisationen in den USA und Kanada nicht mehr als Teil der Mature Markets, sondern als eigenständige Vertriebsregion North America geführt. Die mittelfristig geplante Einrichtung eines dritten globalen Headquarters in den USA trägt dieser Entwicklung ebenfalls Rechnung. Darüber hinaus wird das Geschäft in Nordamerika im Sinne des Region-for-Region-Ansatzes ebenso mittelfristig davon profitieren, dass Wilo sich mit den derzeit laufenden Investitionen in den neuen Produktionsstandort in den USA wachstums- und kundenorientiert noch stärker verankert.

Mit den hohen Investitionen der letzten Jahre und den diversen innovativen Produkten und Systemen, die erfolgreich auf den Markt gebracht wurden, hat Wilo gute Voraussetzungen geschaffen, um die anspruchsvolle Nachfrage in den reifen Märkten auch zukünftig zu bedienen und die Marktposition festigen zu können. Die Wilo Gruppe geht angesichts der zahlreichen Risiken für die Konjunktur aber bewusst mit konservativen Planungen in das Jahr 2022. Die diversifizierte Aufstellung des Unternehmens in Bezug auf regionale sowie produkt - und servicespezifische Märkte ermöglicht es immer wieder, unterschiedliche Trends auch innerhalb von Regionen auszubalancieren.

Wachstumsmärkte

Schon angesichts der schieren Größe der Volkswirtschaft bietet China für Unternehmen grundsätzlich ein erhebliches Wachstumspotenzial, zumal die Binnenwirtschaft über einen langen Zeitraum systematisch gestärkt wird. Kurzfristig bestehen allerdings diverse wirtschaftliche Herausforderungen wie die komplette Isolierung von Wirtschaftsregionen durch die Null-Covid-Politik, die hohe Verschuldung und die Krise im Immobiliensektor. Trotz einer gelockerten Geld- und Fiskalpolitik flacht das Wirtschaftswachstum in China 2022 voraussichtlich spürbar ab. Die Perspektiven bleiben für die Bauwirtschaft aber mittel- und langfristig positiv. Die Urbanisierung treibt den Wohnungsbau weiter an. Wegen der massiven Umweltverschmutzung plant die Regierung zudem erhebliche Investitionen sowohl in den Klimaschutz als auch in den Ausbau und die Modernisierung der Wasser- und Abwasserwirtschaft. Für Wilo sind diese Entwicklungen von hoher Bedeutung.

Auch in den meisten anderen asiatischen Märkten rechnet die Wilo Gruppe für 2022 mit einer positiven, teilweise sogar sehr dynamischen Entwicklung. So zeichnet sich in Südkorea mittlerweile eine spürbare Belebung der zuletzt schwachen Baukonjunktur ab. Auch in Indien, auf den Philippinen und in Vietnam ist das Umfeld für die Bauwirtschaft äußerst positiv. Die Urbanisierung und die hohen staatlichen Investitionen stimulieren die für die Wilo Gruppe relevanten Märkte Gebäudebau sowie der Wasser- und Abwasserwirtschaft. Daher sind im Jahr 2022 positive Impulse für die Umsatzentwicklung in diesen Ländern zu erwarten.

Vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine hatten Wirtschaftsforscher ein moderates Wachstum für die russische Wirtschaft für 2022 vorausgesagt. Weitere Zinserhöhungen wurden aber nicht ausgeschlossen und der Mangel an Arbeitskräften dürfte sich nur allmählich bei einer Überwindung der Pandemie auflösen. Die Regierung fördert den Bau von Wohnungen massiv und investiert substanziell in die Infrastruktur, auch in die Wasserwirtschaft. Verschiedene Programme lassen für 2022 einen Boom im Wohnungsbau erwarten. Daraus dürften auch verstärkte Impulse für die Klima- und Lüftungstechnik sowie für die Installation von Heizungsanlagen resultieren. Da die Wilo Gruppe über eine lokale Produktion in der Nähe Moskaus verfügt, sollte das Geschäft von der steigenden Nachfrage profitieren können. Allerdings haben sich die Aussichten für Russland im Jahr 2022 angesichts der weiteren Eskalation des Ukraine-Konflikts und der nicht absehbaren Folgen deutlich eingetrübt.

Auch die türkische Wirtschaft dürfte sich 2022 nur vergleichsweise moderat entwickeln und die Perspektiven für die Bauwirtschaft sind gemischt und unsicher. Die extrem hohe Inflation und die Schwäche der türkischen Lira sind große Belastungen. Trotz der guten mittelfristigen Aussichten für die Heizungs- und Klimatechnik ist das Umfeld für das Türkei-Geschäft der Wilo Gruppe im Jahr 2022 schwierig. In Ägypten bleibt die Bauwirtschaft dagegen klar im Aufschwung. In Nigeria und Südafrika wächst die Wirtschaft wiederum nur sehr moderat und das politische Umfeld bleibt labil. In allen hier genannten Ländern, also der Türkei, dem Nahen Osten und in Afrika, können unabhängig von der Konjunkturlage einzelne Projekte für die Wilo Gruppe wirtschaftlich attraktiv und realisierbar sein, immer unter Berücksichtigung der lokalen Risiken. Entsprechende Potenziale werden selektiv genutzt und dabei sehr eng überwacht.

Die konjunkturellen Perspektiven für 2022 in Lateinamerika sind verhalten positiv. Für das Geschäft der Wilo Gruppe dürfte sich das moderate, aber fortgesetzte Wachstum in Mexiko, Brasilien, Chile und Peru günstig auswirken. In Argentinien ist das Umfeld durch die hohe Inflation allerdings problematisch.

Wilo kann dabei unterschiedliche Trends innerhalb der Region durch die breite regionale Präsenz und einen marktgerechten Produktmix in hohem Maße ausgleichen. Ländern mit einer vorübergehend gedämpften Nachfrage oder einem für Investitionen verschlechterten Finanzierungsumfeld stehen auch 2022 strukturell wachsende Einzelmärkte gegenüber.

Gesamtaussage des Vorstands zur voraussichtlichen Entwicklung

Das Jahr 2022 steht ganz im Zeichen des 150-jährigen Jubiläums von Wilo. Die Wilo Gruppe blickt mit Stolz auf eine lange, erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurück, in der sie sich vom lokalen Spezialisten zum Global Player entwickelt hat. Seit nunmehr fünf unternehmerischen Generationen prägen dabei zwei Prinzipien den Weg von Wilo: Beständigkeit und Wandlungsfähigkeit.

Diese beiden unternehmerischen Qualitäten sind unter den gegebenen unsicheren wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung. Zwar sollte sich nach einhelliger Meinung der Wirtschaftsforscher die Belebung der Konjunktur im Laufe des Jahres 2022 fortsetzen. Diese Prognosen sind allerdings insbesondere im Hinblick auf die anhaltenden Liefer- und Logistikengpässe, die erwartete Zinswende sowie die nicht abschätzbaren Auswirkungen des militärischen Konflikts in der Ukraine, mit hohen Risiken und Unwägbarkeiten verbunden. Diese sehr hohen Unsicherheiten in Bezug auf die Konjunkturentwicklung und damit für den Geschäftsverlauf der Wilo Gruppe erfordern eine besonders vorausschauende, risikobewusste und flexible Unternehmensführung. Entsprechend beobachtet der Vorstand aktuelle Entwicklungen laufend und antizipiert, analysiert und bewertet Trends zeitnah. So kann Wilo sowohl die Wachstumspotenziale in den sich positiv entwickelnden Regionen und Ländern gezielt ausschöpfen und weitere Maßnahmen zur Risikobegrenzung in denjenigen Regionen und Märkten umsetzen, die von möglichen Rückschlägen betroffen sein könnten.

Auf Basis der zuvor skizzierten, prognostizierten Geschäftsentwicklung in den einzelnen Regionen rechnet der Vorstand für das Geschäftsjahr 2022 mit einem hohen einstelligen Umsatzwachstum für die Wilo Gruppe. Dabei gelten die grundlegenden Annahmen, dass sich die Weltwirtschaft wie prognostiziert weiter belebt und dass es zu keinen größeren Verwerfungen an den Devisen- und Kapitalmärkten, bzw. zu keinen massiven und anhaltenden Disruptionen in den Liefer- und Leistungsketten kommt.

Die Wilo Gruppe überwacht ihre Supply Chain sehr eng, um einen sicheren Bezug von Waren und Dienstleistungen auch während der Pandemie sicherzustellen. Auch vor diesem Hintergrund hat Wilo im abgelaufenen Berichtsjahr das Management von Risiken in der Supply Chain weiter professionalisiert. Zur Verbesserung der Risikotransparenz wurde mit der Implementierung einer softwaregestützten, ganzheitlichen Lösung gestartet, die es ermöglicht automatisiert und in Echtzeit relevante Entwicklungen in der Lieferkette zu identifizieren. So können schnell und zielgerichtet Gegenmaßnahmen ergriffen und Störungen und Engpässe im Produktionsprozess reduziert werden. Dennoch muss man konstatieren, dass sich die Verwerfungen auf den Beschaffungsmärkten und in der Logistik im abgelaufenen Jahr massiv verschärft haben und auch unvermindert andauern. Entsprechend kann für 2022 nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass es zu Abrissen in der Lieferkette und dadurch ausgelöst zu Produktionseinschränkungen oder Produktionsausfällen kommt.

Ein besonderes Augenmerk wird 2022 darüber hinaus unverändert auf pandemiekonforme, sehr hohe Hygiene- und Abstandsregeln gelegt, um für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz zu garantieren. Damit sichert die Wilo Gruppe auch für die Geschäftspartner und Kunden einen möglichst sicheren und störungsfreien Betrieb.

Der Vorstand setzt strikte Profitabilitätsziele, um die unternehmerische Handlungsfähigkeit und Flexibilität sowie die Unabhängigkeit der Wilo Gruppe jederzeit sicherzustellen. So hat Wilo trotz der herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den im Laufe des Jahres massiv gestiegenen Material- und Logistikkosten - die nicht im vollen Umfang bzw. nur zeitverzögert an den Markt weitergegeben werden konnten - im zurückliegenden Jahr eine neue Bestmarke beim EBITDA erzielt. Das Konzernergebnis konnte um nahezu 100 % gesteigert werden. Für 2022 hat der Vorstand in Anbetracht der unsicheren Konjunkturaussichten und der anhaltenden Verwerfungen auf den Beschaffungsmärkten ein striktes Kostenmanagement vorgegeben. Darüber hinaus beobachtet der Vorstand insbesondere die Preisentwicklung auf den Beschaffungs- und Logistikmärkten sehr genau, um kurzfristig kompensierende Maßnahmen treffen zu können. Entsprechend wird für 2022 erneut eine Verbesserung der Profitabilität prognostiziert. Für das absolute EBITDA wird eine moderate Steigerung prognostiziert, die EBITDA-Marge sollte ebenfalls leicht steigen. Für den Verschuldungsgrad wird eine leichte Erhöhung gegenüber dem Berichtsjahr erwartet.

Die Risiken und Auswirkungen möglicher Fehleinschätzungen bezüglich der Entwicklung der Absatz- und insbesondere Beschaffungsmärkte sowie auch der Devisenmärkte sind im Geschäftsjahr 2022 in Summe als außergewöhnlich hoch einzuschätzen. Die Situation auf den Beschaffungsmärkten bleibt angespannt und unübersichtlich. Ein weiteres nicht kalkulierbares Risiko bleibt die zukünftige Entwicklung der Corona-Pandemie sowie die zunehmenden geopolitischen Spannungen und deren Folgen für die Wirtschaft weltweit. Entsprechend sind auch die Umsatz- und EBITDA-Erwartungen der Wilo Gruppe einer gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich erhöhten Unsicherheit ausgesetzt. Zwar können regionale Konjunkturschwankungen durch die globale Ausrichtung der Wilo Gruppe teilweise ausgeglichen werden. Rückschläge bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, weitere militärische Eskalationen oder andauernde und umfangreiche Störungen von Wertschöpfungsketten und entsprechende maßgebliche Belastungen für die Weltwirtschaft könnten die Wachstums- und Profitabilitätsziele der Wilo Gruppe dennoch maßgeblich beeinflussen.

Die Wilo Gruppe steht für zukunftsweisende und innovative Produkte und Systemlösungen und entwickelt sich gezielt hin zu einem Lösungsanbieter. Forschung und Entwicklung haben traditionell - und auch zukünftig - einen sehr hohen Stellenwert bei Wilo. Entsprechend werden die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung unabhängig von temporären Belastungen der Konjunktur oder Märkte auch 2022 auf einem hohen Niveau liegen.

Die Wilo Gruppe hat in den letzten Jahren hohe Investitionen in eine moderne, zukunfts- und leistungsfähige sowie wachstumsfördernde Unternehmensinfrastruktur getätigt und so eine breite Basis für das angestrebte beschleunigte profitable Wachstum gelegt. Die schon vor Ausbruch der Pandemie initiierten Lokalisierungsanstrengungen wurden weiter intensiviert und die für Wilo zukünftig sinnvolle Wertschöpfungstiefe in einzelnen Regionen und Ländern neu definiert. Ebenso wird sukzessive die vertikale Integration entlang der Wertschöpfungsketten tendenziell verstärkt. 2022 werden mehrjährig angelegte Projekte, wie das strategische Standortprojekt am Stammsitz in Dortmund sowie die Baumaßnahmen in China, Indien und USA fortgeführt bzw. abgeschlossen. An allen anderen Standorten überprüft Wilo ebenfalls kontinuierlich die bestehenden Infrastrukturen und Kapazitäten auf ihre Zukunftsfähigkeit und investiert gezielt, wenn sich daraus positive Effekte für das Unternehmen realisieren lassen. Darüber hinaus stehen entsprechend der Ambition 2025 auch Unternehmensakquisitionen im Fokus, sofern sie unter strategischen und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorteilhaft erscheinen. Des Weiteren wird die digitale Transformation der Wilo Gruppe weiter und in hohem Tempo vorangetrieben. Aus diesem Grund wird Wilo weltweit auch in den kommenden Jahren substanziell in innovative Fertigungstechnologien und den Ausbau der vorhandenen Vertriebs- und Produktionsstandorte investieren. Im Jahr 2022 werden die Investitionen der Wilo Gruppe erneut ein hohes Niveau erreichen. Ein Fokus wird auf der Modernisierung und Kapazitätserweiterung von Produktionsanlagen weltweit sowie der Harmonisierung der IT-Infrastruktur liegen. Darüber hinaus wird ein Großteil der Investitionen in den Standortausbau in China, Indien und insbesondere Dortmund fließen. Insofern werden die Investitionen voraussichtlich nochmals deutlich gegenüber dem Vorjahr steigen.

Die langfristig ausgerichtete Finanzierungsstruktur, die sehr hohe Eigenkapitalquote von rund 45 % und der Bestand an frei verfügbaren liquiden Mitteln in Höhe von nahezu 190 Mio. EUR bilden eine solide Basis für ein langfristig profitables Wachstum der Wilo Gruppe. Die WILO SE ist durch ihre zum 31. Dezember 2021 bestehenden langfristigen Finanzierungsinstrumente dazu verpflichtet, bestimmte marktübliche Finanzkennzahlen, sogenannte Covenants, zu erfüllen. In den Geschäftsjahren 2020 und 2021 ist die WILO SE dieser Verpflichtung stets vollumfänglich nachgekommen und hat aus heutiger Sicht keine Erkenntnisse darüber, dass sie in Zukunft diese Finanzkennzahlen nicht erfüllen wird.

Die dargestellten Unternehmensziele für das Jahr 2022 basieren auf einem professionellen und detaillierten Planungsprozess. Sie sind eingebettet in die Unternehmensstrategie Ambition 2025. Berücksichtigt werden alle Informationen und Kenntnisse über interne und externe Faktoren, die bis zur Erstellung dieses Lageberichts verfügbar waren. Künftige, unvorhersehbare Entwicklungen und Ereignisse können Anpassungen in der Erwartungshaltung nach sich ziehen und zu Abweichungen im Vergleich zu den prognostizierten Werten führen. Alle Einschätzungen zum Jahr 2022 basieren auf den Annahmen eines gegenüber dem Berichtsjahr vergleichbaren Konsolidierungskreises und vergleichbarer Währungskurse.

Bestatigungsvermerk des unabhängigen Abschlussprüfers

An die WILO SE, Dortmund

Prüfungsurteile

Wir haben den Konzernabschluss der WILO SE, Dortmund, und ihrer Tochtergesellschaften (der Konzern) - bestehend aus der Konzern-Bilanz zum 31. Dezember 2021, der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung, Konzern-Gesamtergebnisrechnung, der Konzern-Kapitalflussrechnung und der Konzern-Eigenkapitalveränderungsrechnung für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 2021 sowie dem Konzernanhang, einschließlich der Darstellung der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden - geprüft. Darüber hinaus haben wir den Konzernlagebericht der Wilo Gruppe für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2021 geprüft. Die im Abschnitt "Sonstige Informationen" unseres Bestätigungsvermerks genannten Bestandteile des Konzernlageberichts haben wir in Einklang mit den deutschen gesetzlichen Vorschriften nicht inhaltlich geprüft. Der Konzernlagebericht enthält als ungeprüft gekennzeichnete, nicht vom Gesetz vorgesehene Querverweise. Die Querverweise sowie die Informationen, auf die sich die Querverweise beziehen, haben wir im Einklang mit den deutschen gesetzlichen Vorschriften nicht inhaltlich geprüft.

Nach unserer Beurteilung aufgrund der bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnisse

entspricht der beigefügte Konzernabschluss in allen wesentlichen Belangen den IFRS, wie sie in der EU anzuwenden sind, und den ergänzend nach § 315e Abs. 1 HGB anzuwenden- den deutschen gesetzlichen Vorschriften und vermittelt unter Beachtung dieser Vorschriften ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens- und Finanzlage des Konzerns zum 31. Dezember 2021 sowie seiner Ertragslage für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2021 und

vermittelt der beigefügte Konzernlagebericht insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns. In allen wesentlichen Belangen steht dieser Konzernlagebericht in Einklang mit dem Konzernabschluss, entspricht den deutschen gesetzlichen Vorschriften und stellt die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend dar. Unser Prüfungsurteil zum Konzernlagebericht erstreckt sich nicht auf den Inhalt der im Abschnitt "Sonstige Informationen" genannten Bestandteile des Konzernlageberichts. Der Konzernlagebericht enthält als ungeprüft gekennzeichnete, nicht vom Gesetz vorgesehene Querverweise. Unser Prüfungsurteil erstreckt sich nicht auf diese Querverweise sowie die Informationen, auf die sich die Querverweise beziehen.

Gemäß § 322 Abs. 3 Satz 1 HGB erklären wir, dass unsere Prüfung zu keinen Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts geführt hat.

Grundlage für die Prüfungsurteile

Wir haben unsere Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts in Übereinstimmung mit § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführt. Unsere Verantwortung nach diesen Vorschriften und Grundsätzen ist im Abschnitt "Verantwortung des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts" unseres Bestätigungsvermerks weitergehend beschrieben. Wir sind von den Konzernunternehmen unabhängig in Übereinstimmung mit den deutschen handelsrechtlichen und berufsrechtlichen Vorschriften und haben unsere sonstigen deutschen Berufspflichten in Überein-stimmung mit diesen Anforderungen erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die von uns erlangten Prüfungsnachweise ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unsere Prüfungsurteile zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht zu dienen.

Sonstige Informationen

Die gesetzlichen Vertreter bzw. der Aufsichtsrat sind für die sonstigen Informationen verantwortlich. Die sonstigen Informationen umfassen die im Konzernlagebericht enthaltenden lageberichtsfremden und als ungeprüft gekennzeichneten Angaben.

Unsere Prüfungsurteile zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht erstrecken sich nicht auf die sonstigen Informationen, und dementsprechend geben wir weder ein Prüfungsurteil noch irgendeine andere Form von Prüfungsschlussfolgerung hierzu ab.

Im Zusammenhang mit unserer Prüfung haben wir die Verantwortung, die oben genannten sonstigen Informationen zu lesen und dabei zu würdigen, ob die sonstigen Informationen

wesentliche Unstimmigkeiten zum Konzernabschluss, zu den inhaltlich geprüften Konzernlageberichtsangaben oder unseren bei der Prüfung erlangten Kenntnissen aufweisen oder

anderweitig wesentlich falsch dargestellt erscheinen.

Verantwortung der gesetzlichen Vertreter und des Aufsichtsrats für den Konzernabschluss und den Konzernlagebericht

Die gesetzlichen Vertreter sind verantwortlich für die Aufstellung des Konzernabschlusses, der den IFRS, wie sie in der EU anzuwenden sind, und den ergänzend nach § 315e Abs. 1 HGB anzuwendenden deutschen gesetzlichen Vorschriften in allen wesentlichen Belangen entspricht, und dafür, dass der Konzernabschluss unter Beachtung dieser Vorschriften ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die internen Kontrollen, die sie als notwendig bestimmt haben, um die Aufstellung eines Konzernabschlusses zu ermöglichen, der frei von wesentlichen - beabsichtigten oder unbeabsichtigten - falschen Darstellungen ist.

Bei der Aufstellung des Konzernabschlusses sind die gesetzlichen Vertreter dafür verantwortlich, die Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu beurteilen. Des Weiteren haben sie die Verantwortung, Sachverhalte in Zusammenhang mit der Fortführung der Unternehmenstätigkeit, sofern einschlägig, anzugeben. Darüber hinaus sind sie dafür verantwortlich, auf der Grundlage des Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit zu bilanzieren, es sei denn, es besteht die Absicht den Konzern zu liquidieren oder der Einstellung des Geschäftsbetriebs oder es besteht keine realistische Alternative dazu.

Außerdem sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die Aufstellung des Konzernlageberichts, der insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns vermittelt sowie in allen wesentlichen Belangen mit dem Konzernabschluss in Einklang steht, den deutschen gesetzlichen Vorschriften entspricht und die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend darstellt. Ferner sind die gesetzlichen Vertreter verantwortlich für die Vorkehrungen und Maßnahmen (Systeme), die sie als notwendig erachtet haben, um die Aufstellung eines Konzernlageberichts in Übereinstimmung mit den anzuwendenden deutschen gesetzlichen Vorschriften zu ermöglichen, und um ausreichende geeignete Nachweise für die Aussagen im Konzernlagebericht erbringen zu können.

Der Aufsichtsrat ist verantwortlich für die Überwachung des Rechnungslegungsprozesses des Konzerns zur Aufstellung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts.

Verantwortung des Abschlussprüfers für die Prüfung des Konzernabschlusses und des Konzernlageberichts

Unsere Zielsetzung ist, hinreichende Sicherheit darüber zu erlangen, ob der Konzernabschluss als Ganzes frei von wesentlichen - beabsichtigten oder unbeabsichtigten - falschen Darstellungen ist, und ob der Konzernlagebericht insgesamt ein zutreffendes Bild von der Lage des Konzerns vermittelt sowie in allen wesentlichen Belangen mit dem Konzernabschluss sowie mit den bei der Prüfung gewonnenen Erkenntnissen in Einklang steht, den deutschen gesetzlichen Vorschriften entspricht und die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung zutreffend darstellt, sowie einen Bestätigungsvermerk zu erteilen, der unsere Prüfungsurteile zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht beinhaltet.

Hinreichende Sicherheit ist ein hohes Maß an Sicherheit, aber keine Garantie dafür, dass eine in Übereinstimmung mit § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung durchgeführte Prüfung eine wesentliche falsche Darstellung stets aufdeckt. Falsche Darstellungen können aus Verstößen oder Unrichtigkeiten resultieren und werden als wesentlich angesehen, wenn vernünftigerweise erwartet werden könnte, dass sie einzeln oder insgesamt die auf der Grundlage dieses Konzernabschlusses und Konzernlageberichts getroffenen wirtschaftlichen Entscheidungen von Adressaten beeinflussen.

Während der Prüfung üben wir pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische Grundhaltung. Darüber hinaus

identifizieren und beurteilen wir die Risiken wesentlicher - beabsichtigter oder unbeabsichtigter - falscher Darstellungen im Konzernabschluss und Konzernlagebericht, planen und führen Prüfungshandlungen als Reaktion auf diese Risiken durch sowie erlangen Prüfungsnachweise, die ausreichend und geeignet sind, um als Grundlage für unsere Prüfungsurteile zu dienen. Das Risiko, dass wesentliche falsche Darstellungen nicht aufgedeckt werden, ist bei Verstößen höher als bei Unrichtigkeiten, da Verstöße betrügerisches Zusammenwirken, Fälschungen, beabsichtigte Unvollständigkeiten, irreführende Darstellungen bzw. das Außerkraftsetzen interner Kontrollen beinhalten können.

gewinnen wir ein Verständnis von dem für die Prüfung des Konzernabschlusses relevanten internen Kontrollsystem und den für die Prüfung des Konzernlageberichts relevanten Vorkehrungen und Maßnahmen, um Prüfungshandlungen zu planen, die unter den gegebenen Umständen angemessen sind, jedoch nicht mit dem Ziel, ein Prüfungsurteil zur Wirksamkeit dieser Systeme abzugeben.

beurteilen wir die Angemessenheit der von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungslegungsmethoden sowie die Vertretbarkeit der von den gesetzlichen Vertretern dargestellten geschätzten Werte und damit zusammenhängenden Angaben.

ziehen wir Schlussfolgerungen über die Angemessenheit des von den gesetzlichen Vertretern angewandten Rechnungslegungsgrundsatzes der Fortführung der Unternehmenstätigkeit sowie, auf der Grundlage der erlangten Prüfungsnachweise, ob eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Konzerns zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können. Falls wir zu dem Schluss kommen, dass eine wesentliche Unsicherheit besteht, sind wir verpflichtet, im Bestätigungsvermerk auf die dazugehörigen Angaben im Konzernabschluss und im Konzernlagebericht aufmerksam zu machen oder, falls diese Angaben unangemessen sind, unser jeweiliges Prüfungsurteil zu modifizieren. Wir ziehen unsere Schlussfolgerungen auf der Grundlage der bis zum Datum unseres Bestätigungsvermerks erlangten Prüfungsnachweise. Zukünftige Ereignisse oder Gegebenheiten können jedoch dazu führen, dass der Konzern seine Unternehmenstätigkeit nicht mehr fortführen kann.

beurteilen wir die Gesamtdarstellung, den Aufbau und den Inhalt des Konzernabschlusses einschließlich der Angaben sowie ob der Konzernabschluss die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle und Ereignisse so darstellt, dass der Konzernabschluss unter Beachtung der IFRS, wie sie in der EU anzuwenden sind, und der ergänzend nach § 315e Abs. 1 HGB anzuwendenden deutschen gesetzlichen Vorschriften ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns vermittelt.

holen wir ausreichende geeignete Prüfungsnachweise für die RechnungslegungsInformationen der Unternehmen oder Geschäftstätigkeiten innerhalb des Konzerns ein, um Prüfungsurteile zum Konzernabschluss und zum Konzernlagebericht abzugeben. Wir sind verantwortlich für die Anleitung, Überwachung und Durchführung der Konzernabschlussprüfung. Wir tragen die alleinige Verantwortung für unsere Prüfungsurteile.

beurteilen wir den Einklang des Konzernlageberichts mit dem Konzernabschluss, seine Gesetzesentsprechung und das von ihm vermittelte Bild von der Lage des Konzerns.

führen wir Prüfungshandlungen zu den von den gesetzlichen Vertretern dargestellten zukunftsorientierten Angaben im Konzernlagebericht durch. Auf Basis ausreichender geeigneter Prüfungsnachweise vollziehen wir dabei insbesondere die den zukunftsorientierten Angaben von den gesetzlichen Vertretern zugrunde gelegten bedeutsamen Annahmen nach und beurteilen die sachgerechte Ableitung der zukunftsorientierten Angaben aus diesen Annahmen. Ein eigenständiges Prüfungsurteil zu den zukunftsorientierten Angaben sowie zu den zugrunde liegenden Annahmen geben wir nicht ab. Es besteht ein erhebliches unvermeidbares Risiko, dass künftige Ereignisse wesentlich von den zukunftsorientierten Angaben abweichen.

Wir erörtern mit den für die Überwachung Verantwortlichen unter anderem den geplanten Umfang und die Zeitplanung der Prüfung sowie bedeutsame Prüfungsfeststellungen, einschließlich etwaiger Mängel im internen Kontrollsystem, die wir während unserer Prüfung feststellen.

 

Essen, den 1. März 2022

KPMG AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Dr. Hain, Wirtschaftsprüfer

Huperz, Wirtschaftsprüfer

Bericht des Aufsichtsrats

Der Aufsichtsrat hat im Geschäftsjahr 2021 die Arbeit des Vorstands laufend überwacht und intensiv beratend begleitet. Der Aufsichtsrat wurde in regelmäßig stattfindenden Sitzungen ausführlich über die wirtschaftliche Entwicklung der Wilo Gruppe und alle sie beeinflussenden Faktoren informiert. Die Mitglieder des Aufsichtsrats erhielten vom Vorstand regelmäßig schriftliche Berichte über die aktuelle Geschäftslage und über die laufenden und geplanten Aktivitäten des Konzerns. Maßnahmen, die der Zustimmung des Aufsichtsrats bedürfen, wurden eingehend besprochen und einer Beschlussfassung durch den Aufsichtsrat zugeführt. Darüber hinaus gab es zwischen den Sitzungen bei wichtigen Anlässen einen unmittelbaren Informationsaustausch zwischen dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats und dem Vorstandsvorsitzenden.

Der Aufsichtsrat hat im Jahr 2021 insgesamt vier ordentliche Präsenzsitzungen sowie eine außerordentliche Beschlussfassung abgehalten, wobei die Teilnahme aufgrund der bestehenden Kontaktbeschränkungen im Rahmen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie teilweise per Video- bzw. Telefonkonferenz erfolgte.

In der Aufsichtsratssitzung am 15. April 2021 standen die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Jahresabschluss sowie der Konzernabschluss zum 31. Dezember 2020 im Mittelpunkt. Es wurde detailliert die Geschäftsentwicklung der Wilo Gruppe insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen weltwirtschaftlichen Situation erörtert. Auch der Status des Standortentwicklungsprojekts in Dortmund wurde behandelt. Ferner war der aktuelle Stand laufender M&A-Projekte Gegenstand der Sitzung.

In der Sitzung am 2. Juli 2021 befasste sich der Aufsichtsrat insbesondere mit den strategischen Implikationen aufgrund der Corona-Pandemie sowie der Tendenz zum Decoupling in Post-Corona-Zeiten. Daneben wurde die aktuelle wirtschaftliche Lage einschließlich M&A-Aktivitäten sowie der Status des Standortentwicklungsprojekts in Dortmund behandelt.

Auf der außerordentlichen Beschlussfassung am 22. September 2021 wurde als einziger Beschlussgegenstand der Erwerb des operativen Geschäfts der QuantumFlo, Inc., Florida, USA, behandelt. Der Aufsichtsrat stimmte dem Unternehmenserwerb einstimmig zu.

Am 7. Oktober 2021 befasste sich der Aufsichtsrat in seiner Sitzung mit der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung sowie schwerpunktmäßig mit den Ergebnissen der internationalen, jährlich stattfindenden Führungskräftetagung.

In der Sitzung am 14. Dezember 2021 stimmte der Aufsichtsrat der integrierten Planung 2022 - 2026 zu und befasste sich außerdem mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie, einem Strategie-Update, der aktuellen wirtschaftlichen Lage, dem aktuellen Stand laufender M&A-Projekte und dem Status des Standortentwicklungsprojekts in Dortmund.

Der mit dem Geschäftsbericht vorgelegte Konzernabschluss mit Lagebericht für das Geschäftsjahr 2021 und der Jahresabschluss der WILO SE für das Geschäftsjahr 2021, jeweils bestehend aus Ergebnisrechnung, Bilanz und Anhang, wurden von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Essen, geprüft und jeweils mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen. Das vom Vorstand eingerichtete Interne Kontrollsystem (IKS), das Interne Revisionssystem sowie das Compliance-System wurden vom Abschlussprüfer als angemessen bewertet. Er hat ferner festgestellt, dass die Systeme in ihrer Konzeption und Handhabung geeignet sind, den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Dem Aufsichtsrat lagen die vorgenannten Dokumente rechtzeitig zur Prüfung vor und wurden von ihm umfassend behandelt. Der Abschlussprüfer nahm an der Beratung des Jahresabschlusses sowie des Konzernabschlusses in der Sitzung des Prüfungsausschusses (Audit Committee) am 4. April 2022 teil, um über wesentliche Ergebnisse der Prüfung zu berichten und umfassend ergänzende Auskünfte zu geben. Der Prüfungsausschuss (Audit Committee) hat dem Aufsichtsrat vorbereitend zugearbeitet und insbesondere auch die Ergebnisse des Risikomanagementsystems sowie des internen Kontrollsystems ausgewertet.

Weitere Ausschüsse bestehen nicht.

Nach gründlicher eigener Prüfung und Diskussion des Jahresabschlusses, des Konzernabschlusses, des Lageberichts und des Konzernlageberichts schloss sich der Aufsichtsrat dem Ergebnis der Prüfung durch den Abschlussprüfer an und billigte in seiner Sitzung vom 11. April 2022, an der auch der Abschlussprüfer teilgenommen hat, den vom Vorstand aufgestellten Jahresabschluss und den Konzernabschluss. Der Jahresabschluss wurde damit festgestellt. Darüber hinaus stimmte der Aufsichtsrat dem Vorschlag zur Verwendung des Bilanzgewinns der WILO SE zu.

Im Berichtsjahr gab es im Vorstand keine personellen Veränderungen. Im Aufsichtsrat sind folgende personellen Veränderungen erfolgt:

Herr Prof. Dr. Norbert Wieselhuber hat sein Amt als Vorsitzender und Mitglied des Aufsichtsrats mit Wirkung zum Ablauf des 31. Dezember 2021 aus persönlichen Gründen niedergelegt. In der Sitzung am 14. Dezember 2021 wurde Herr Lars Roßner zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats sowie Herr Dr. Hinrich Mählmann zu seinem Stellvertreter gewählt.

Im Sinne guter, verantwortungsvoller Unternehmensführung befolgen die WILO SE und ihre Organe freiwillig den Deutschen Corporate Governance Kodex in seiner aktuellen Fassung. Ausnahmen beziehen sich einerseits auf Besonderheiten des Unternehmens (dies betrifft vorwiegend die Vorbereitung und Durchführung von Hauptversammlungen, Veröffentlichungen von Berichten, Aufsichtsratsausschüsse) und andererseits auf die Veröffentlichung individueller Vergütungen von Vorstand und Aufsichtsrat, bei deren Behandlung den gesetzlichen Vorgaben gefolgt wird. Einzelheiten zu den wenigen Abweichungen vom Kodex wurden erneut in einem Entsprechensbericht analog § 161 AktG für Banken und institutionelle Partner ausführlich zusammengefasst.

Die WILO SE beabsichtigt, den Empfehlungen der "Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex" mit obiger Maßgabe auch in Zukunft zu entsprechen.

Im Jahr 2021 hat die Corona-Pandemie das Geschäft und das Handeln der Wilo Gruppe erneut nachhaltig geprägt. Trotz dieser außergewöhnlich herausfordernden Rahmenbedingungen kann Wilo abermals auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Mit einer deutlichen Steigerung von Umsatz und Ergebnis wurde der profitable Wachstumskurs erfolgreich fortgesetzt.

Der Aufsichtsrat dankt den Vorständen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Arbeitnehmervertretungen der Wilo Gruppe für die erbrachten Leistungen, den außerordentlichen Einsatz sowie die große Loyalität, die entscheidend zu diesem Erfolg beigetragen haben.

 

Dortmund, im April 2022

Der Aufsichtsrat

Lars Roßner, Vorsitzender

Billigung des Konzernabschlusses

Die Billigung des Konzernabschlusses erfolgte am 11. April 2022.

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